Vor eineinhalb Jahren haben eine Freundin und ich entschieden, dass wir ein Kind bekommen wollten, auf freundschaftlicher Ebene als Co-Eltern-Familie. Es ging dann alles sehr schnell. Marie wurde schwanger. Ganz ohne Sex, ein Wunder der Natur. Maries Partnerin Cora kam während der Schwangerschaft als weitere Mutter zu unserer Familie hinzu. Lynn ist inzwischen geboren und hat drei Eltern, die sich gleichberechtigt um sie kümmern und mit Fritzi eine stolze große Schwester.

Immer wieder trennen sich Eltern in meinem Umfeld. Ich selbst habe auch erlebt, wie groß die Belastung für eine Beziehung ist, wenn das erste Kind geboren ist. Ungeduscht und mit Milchflecken auf der Kleidung, ein schreiendes Baby durch die Wohnung tragend, fühlte ich mich weniger sexy als zuvor erhofft. Es ist auch nur für wenige Sekunden romantisch, gemeinsam das gerade eingeschlafene Kind zu betrachten – danach fallen entweder die eigenen Augen vor Müdigkeit zu oder aber die tagsüber liegengebliebene Unordnung drängt ins Bewusstsein.

Ständig unausgeschlafen sein, keine Zeit mehr zu zweit zu haben und das Bewusstsein, dass sich daran so schnell auch nichts mehr ändern wird – all das ist nicht die beste Basis für eine dauerhaft gelingende Beziehung. Nach etwa zwei Jahren mit Kind stehen viele Paare vor der Entscheidung: Trennung oder ein zweites Kind? Wir, Fritzis Eltern, haben uns getrennt. Für das zweite Kind musste ich eine andere Lösung finden.


Nicht auf "die Richtige" warten

Denn ich wollte sehr gerne ein zweites Kind bekommen. Und ich wusste, dass ich auch für einen Bruder oder eine Schwester von Fritzi auf keinen Fall nur Feierabend- oder Wochenendpapa sein wollte. Außerdem wollte ich damit nicht warten, bis vielleicht doch irgendwann nochmal "die Richtige" auftaucht, mit der der ganze Stress mit Kind vielleicht doch wieder zur Trennung führt. Vielleicht sollte ich einfach eine Familie ohne Liebesbeziehung gründen.

Durch die Trennung ihrer Eltern ist für Fritzi die Welt nicht untergegangen. Aber ich habe mir überlegt, wie schön es für ein Kind sein könnte, wenn überhaupt niemals die Gefahr bestünde, dass die Eltern sich trennen – weil sie sowieso nicht zusammen sind. Wie viel entspannter kann es für ein Kind sein, wenn die Eltern nicht nebenbei noch ihre Liebesbeziehung organisieren und Beziehungsstreitigkeiten ausfechten müssen? Das Kommen und Gehen von Liebesbeziehungen bekommt das Kind natürlich trotzdem mit – nur nicht zwischen den Eltern, deren Verhältnis sich konstant und beständig vor allem dadurch definiert, gemeinsam Eltern zu sein.

Uns war klar, dass auch wir unterschiedliche Meinungen haben würden. Wenn wir uns jetzt aber über etwas streiten, dann meist sachlicher und ohne die aufgestauten Emotionen, die in langjährigen Beziehungen anfallen. Ich werde auch mit den beiden Müttern von Lynn nie das Problem von getrennten Paaren haben, die sich eigentlich aus dem Weg gehen wollen, aber weiterhin zusammen das Leben mit gemeinsamem Kind organisieren müssen. Die beiden Mütter haben indessen viel Zeit, ihre Beziehungskonflikte auszutragen, wenn das Kind bei mir ist.

Wahrscheinlich habe ich erst mit Marie und später auch zusammen mit Cora mehr über unser gemeinsames Eltern-Sein gesprochen, als die meisten Paare, die sich für ein gemeinsames Kind entscheiden. Wie stellen wir uns unsere gemeinsame Elternschaft vor? Wie teilen wir die anfallenden Aufgaben und die Zeit mit dem Kind?

Bei aller Sachlichkeit war uns irgendwann aber auch einfach klar: Wir haben Lust auf ein gemeinsames Kind und freuen uns auf alles, was wir gemeinsam als Familie erleben werden.