Schwangerschaft und Geburt sind für mich nicht im Geringsten attraktiv. Kinderwunsch? Habe ich nicht. Die Vorstellung, ein Kind zu gebären, erinnert mich eher an eine Szene aus dem Film Alien: Ein anderer Mensch wächst im Inneren des Körpers heran, ernährt sich von den Mahlzeiten der Mutter und verschiebt sämtliche Organe, um sich nach Monaten des Parasitendaseins ans Licht zu pressen.

Wahrscheinlich gibt es Momente mit einem Kind, die diese schmerzhaften Augenblicke ausgleichen. Aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Und es besteht immer das Risiko, zu spät zu merken, keine gute Bezugsperson für das eigene Kind zu sein. Und dann?

Heute mag eine Frau, die keine Kinder will, es leichter haben als noch vor wenigen Jahrzehnten. Aber als etwas Normales wird es trotzdem nicht angesehen. Das zeigen die Reaktionen auf meinen Entschluss, als 26-Jährige keinen Nachwuchs zu planen.

Ich werde skeptisch nach meinen Motiven befragt und gleich darauf eines Besseren belehrt: "Ach, das ändert sich noch, glaub mir!" Und: "Das wirst du doch bestimmt bereuen!" Auch beliebt ist die Warnung: "Du wirst total einsam sein, wenn du alt bist, hast du keine Angst vor so einem unglücklichem Leben?" Manche meinen, mir sagen zu müssen: "Du hast nur noch nicht den richtigen Partner dafür kennengelernt." Dass ich seit Kurzem – glücklich – verheiratet bin, spielt offenbar keine Rolle. 

Besonders krass sind die Reaktionen darauf vonseiten meiner Familie. Sogar meine Großeltern hoffen und dringen darauf, sehr bald Urenkel in den Schlaf schaukeln zu können. Und schütteln enttäuscht den Kopf, wenn ich versuche, ihnen zu vermitteln, dass es kaum dazu kommen wird. Mein Vater blickt mich ungläubig an und hält mein Leben ohne Kinder wohl für verkorkst. Er selbst hat gerade wieder ein Kind bekommen. Sein viertes. Vor der Erziehung seiner anderen drei Töchter hat er sich geschickt gedrückt, die Familien schon früh verlassen.

Aber auch meine Mutter versteht mich nicht. Dabei war ich, ihr einziges Kind, oft schon mehr als genug für sie als Alleinerziehende. In einem ihr damals noch fremden Land war sie oft überfordert, noch schlimmer wurde es, als sie schwer erkrankte. Ich hätte gedacht, von den Menschen verstanden zu werden, die wissen, was für ein schwerwiegender Einschnitt das Kinderkriegen im Leben ist.    

"Wahrscheinlich nie"

Der Rest der Familie – Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen – reagieren ebenfalls entsetzt, wenn ich ihre Fragen, wann ich denn Kinder bekomme, beantworte: "Wahrscheinlich nie." Sie werfen mir vor, egoistisch zu sein. Da ich ja auch selbst geboren und aufgezogen wurde, solle nun auch ich meinen Teil leisten und jemanden gebären wollen.

Die Vorstellung des Elternalltags ist mir aber ziemlich suspekt: Zwischen verschiedenen Arten von Windeln wählen, Kinderwagenpreise vergleichen – ich kann mir angenehmere Dinge vorstellen. Kinder tagein, tagaus in die Kita oder die Schule zu bringen, dann wieder abzuholen und sich währenddessen mit anderen Eltern wieder über Kinder zu unterhalten: nicht mein Ding. Auf so etwas habe ich einfach keine Lust.

Warum sollten Menschen, die kinderlos sind, unglücklicher sein als Menschen, die sich reproduzieren? Für mich hängt mein Glück nicht vom Waschen von Strampelanzügen oder Blockflötenunterricht ab. Und auch nicht von der falschen Hoffnung, dass mich eines Tages vielleicht mein Nachwuchs im Altersheim besucht und mich angeblich vor Einsamkeit bewahrt. Ein glückliches Leben besteht für mich darin, unabhängig Entscheidungen treffen zu können, was meine Berufswahl betrifft oder den Ort, an dem ich leben will.

Ich will diese Entschlüsse nicht daran koppeln, ob ich bald schwanger werde, ob ich in einem Job gut als Mutter arbeiten könnte oder welche Schulen meine Kinder im Ausland besuchen können. Ich will mein Leben nicht kontrollieren und immer alles vorausplanen und über Jahre festlegen müssen, nur damit ich irgendwann einmal Kinder in die Welt setzen kann. Für mich ist ein gelungenes Leben eines, in dem ich meine Ideale verwirklichen kann.

Kinder kann man mögen oder nicht. Für mich aber bedeutet es eine zu große Einengung, einen enormen Teil des Daseins danach auszurichten, irgendwann einmal Nachwuchs zu bekommen.