Stimmt schon: Eltern zahlen doppelt für die Rente und die Krankenkasse. Erstens werden ihnen die gleichen Sozialversicherungsbeiträge abgezogen wie den Kinderlosen. Zweitens geben sie für ihre Kinder viel Geld aus, die wiederum mit ihren Beiträgen dafür sorgen werden, dass auch die Kinderlosen Rente erhalten und im Alter medizinisch versorgt werden. 

Wer gar drei oder vier Kinder in die Welt setzt, also besonders gut für die soziale Zukunft Deutschlands sorgt, muss auch drei oder vier Paar Winterstiefel kaufen und drei- oder viermal Flötenunterricht und Fußballtraining finanzieren. Eltern verbringen außerdem viel Zeit damit, die Kleinen vom Kindergarten und Flötenunterricht abzuholen und ihnen vorzulesen, weshalb bislang viele Mütter nicht Vollzeit arbeiten. Besonders arm sind deshalb oft Rentnerinnen, Alleinerziehende und Kinder.

Warum sollten Familien also nicht weniger Geld in die Sozialversicherungskassen einzahlen als Kinderlose, gestaffelt nach der Zahl der Kinder? Eine Familie aus Freiburg hat nun versucht, das einzuklagen, scheiterte damit aber am Mittwoch vor dem Bundessozialgericht. Der Klägeranwalt hatte ausgerechnet, dass Eltern um rund 220 Euro pro Kind und Monat entlastet werden müssten. Viele Milliarden Euro hätte das gekostet.

Das Bundessozialgericht argumentiert, der Gesetzgeber könne entscheiden, in welcher Form er Familien unterstütze. Die Kläger wollen aber noch nicht aufgeben und vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Dieses hatte nämlich 2001 im Fall der Pflegeversicherung entschieden, dass Kinderlose ab 23 Jahren 0,25 Beitragssatzpunkte mehr zahlen müssen als Eltern. Wäre vielleicht wenigstens das ein Modell für die Kranken- und Rentenversicherung, auch wenn das Bundessozialgericht sagt, dass diese Entlastung verbindlich nur für die Soziale Pflegeversicherung vorgesehen gewesen sei?

Natürlich stimmt auch: Kinderlose zahlen schon mehr Steuern. Sie finanzieren Elterngeld, Kindergärten, Schulen, Klettergerüste und vieles andere mit, was sie gar nicht gebrauchen können. Von ihren Krankenkassenbeiträgen profitieren Kinder und Ehegatten, die über den Alleinverdiener mitversichert sind.

Doch selbst wenn man die 156 familienpolitischen Maßnahmen, die es in Deutschland gibt, und das staatliche Bildungsangebot zusammennimmt, profitiert die Gesellschaft insgesamt von den Familien, wie eine Bertelsmann-Studie von Anfang 2014 zeigte. So zahle ein Erwachsener durchschnittlich im Laufe seines Lebens über 50.000 Euro mehr in die Sozialkassen und ins Steuersystem ein, als er als Kind an staatlichen Zuschüssen für Betreuung und Bildung erhalten habe.

Problematisch an dieser Rechnerei ist allerdings, dass damit wieder Kinderlose gegen Familien ausgespielt werden. Menschen bekommen ihre Kinder ja nicht für den Staat und seine Sozialkassen, sondern weil sie sich selbst ein Leben mit Kindern wünschen. Meist ist ihnen klar, dass sie für dieses Leben auf einiges verzichten werden. Umgekehrt ist es eine private Entscheidung oder manchmal auch ein privates Schicksal, kinderlos zu bleiben. Der Staat kann die Entscheidung für Kinder erleichtern, aber nicht fordern.

Alles, was wie eine Strafabgabe für Kinderlose aussähe, sollte deswegen auch künftig vermieden werden. Trotzdem kann es sinnvoll sein, Familien bei den Sozialabgaben auf anderem Weg stärker zu entlasten. Profitieren sollten davon allerdings nur diejenigen, die es wirklich nötig haben, Alleinerziehende und (Groß-)Familien mit kleinem Gehalt zum Beispiel. Eine Umverteilung, die sich darauf konzentriert, Kinderarmut zu verhindern, wäre wohl auch für Menschen ohne eigenen Nachwuchs am ehesten zu akzeptieren.