Caroline von Monaco ehelichte im zarten Alter von 21 Jahren den Playboy Philipp Junot. Fünf Jahre später ließ sich das Paar scheiden. Das Fürstenhaus ist aber gut katholisch – da darf, was Gott verbunden hat, ein Playboy nicht trennen. Und so wurde die Ehe 1992 von höchster kirchlicher Stelle für nichtig erklärt.
Katholische Landfrauen rieben sich damals bei der Lektüre der Yellow Press die Augen: Wenn sie unglücklich mit dem Schürzenjäger des Dorfes verheiratet waren, und nach einer Scheidung ein neues Glück fanden, ging das nicht so prinzessinnenhaft elegant mit der Annullierung. Bis heute steht diese Spielart kirchlicher Gerichtsbarkeit unter Verdacht: Wer gute Beziehungen nach Rom hat oder im kirchlichen Dienst als unverzichtbar gilt, bekommt die gewünschte Annullierung mit größerer Wahrscheinlichkeit und muss sich weniger peinliche Fragen zum Ehevollzug gefallen lassen.

Franziskus scheint die Vermutung zu teilen, dass es bisher weder gerecht noch gütig zuging. Er hat gestern eine doppelte Motu Proprio veröffentlicht, einen päpstlichen Erlass "aus eigenem Antrieb". Der eine richtet sich an die römisch-katholische Kirche, der andere an die Kirche des Ostens. Mitis Iudex Dominus Iesus, "Jesus, der gütige Richter", ist die römische Version überschrieben. 

Der Papst verkürzt und vereinfacht das bisherige Annullierungsverfahren. Vom 8. Dezember an, dem Beginn des "Jahres der Barmherzigkeit", soll das Procedere nur noch maximal ein Jahr dauern. Fortan genügt ein Kirchenrichter, bisher mussten es zwei sein. Es soll zudem verkürzte Verfahren geben, die der Ortsbischof leitet. Nur wenn die eine Instanz die Annullierung ablehnt, kommt eine höhere zum Zuge. Auch das war bisher anders, so dass die Prozedur zermürbend lange dauern konnte. Der kostenbewusste Pontifex verfügt zudem, dass dieser Gerichtsservice für die Paare gratis ist.


Die Ehe darf weiter nicht gelöst werden

Eine Annullierung ist keine Scheidung, auch das stellte Rom erneut fest. Nach katholischem Verständnis wird die Ehe zwar durch den Willen der Partner begründet, sie können sie jedoch nicht aus eigenem Willen beenden. Die Ehe ist ein Sakrament, Abbild des Bundes Gottes mit den Menschen. Und der ist unkündbar. Eine Annullierung hingegen löst den Bund nicht, sie beweist nur, dass er nie zustande kam. Das Spektrum der Nichtigkeitsgründe hat Franziskus unverändert gelassen. Akzeptiert sind Formfehler, Unreife und mangelnder Kinderwunsch. Wenn die Liebe stirbt, muss die Ehe hingegen weiterleben. 

Unter Deutschlands Katholiken ist die Annullierung wenig gefragt. Den meisten wäre ein ehrliches Ende lieber, und keines, für das Gründe er- und gefunden werden müssen, warum der Bund niemals existiert hat. Doch Franziskus ist nicht nur der Papst der Deutschen. Weltweit wurden 2013 gut 47.000 Ehen annulliert. Es gibt also einen Markt, der nun neu reguliert wird – und typisch katholisch bleibt: noch immer verdruckst, aber etwas weniger drückend.