Mütter und Väter, die ihr Kind nach einer Trennung im gleichen Umfang wie der Ex-Partner betreuen wollen, können diesen Wunsch künftig unter Umständen auch gegen den Willen des Ex-Partners durchsetzen. In einem Urteil stärkte der Bundesgerichtshof (BGH) das sogenannte Wechselmodell bei der Betreuung von Trennungskindern. Ein Kind kann demnach im Wechsel eine Woche beim Vater und eine Woche bei der Mutter verbringen. Grundvoraussetzung ist aber immer das Wohl des Kindes, teilte der BGH mit.

Nach der Entscheidung des BGH spricht auch nichts dagegen, dass ein Familiengericht ein solches Wechselmodell anordnet. Das heißt, ein Elternteil kann diese Regelung auch gegen den Willen des Ex-Partners durchsetzen. Bislang war umstritten, ob Gerichte die abwechselnde Betreuung anordnen dürfen, wenn die Eltern sich nicht einigen können.

Je älter das Kind, desto entscheidender sein Wunsch

In Deutschland ist es wesentlich häufiger so, dass Trennungskinder in sogenannten Residenzmodellen betreut werden. Das bedeutet, ein Kind ist beispielsweise nur jedes zweite Wochenende beim Vater. Das aktuelle Gesetz orientiere sich zwar stark an diesem Residenzmodell, gebe aber kein festes Leitbild vor, urteilte der BGH. Solange beide Eltern das Sorgerecht haben, spricht demnach nichts gegen eine gleichberechtigte Betreuung. Der Bundesgerichtshof weist aber darauf hin, dass die Organisation höhere Anforderungen an alle Beteiligten stelle. Wenn die Ex-Partner stark zerstritten sind, dürfte das Modell deshalb in aller Regel nicht im Interesse des Kindes liegen.


Entscheidend ist dem Beschluss zufolge außerdem, wie das Kind selbst gerne leben möchte – je älter es sei, desto wichtiger würden seine Wünsche und Vorstellungen. Das Gericht muss also immer das Kind persönlich anhören. In dem Fall, den der BGH nun prüfte, war das nicht passiert. Das zuständige Oberlandesgericht Nürnberg muss deshalb noch einmal verhandeln. Ein Vater will dort gegen den Willen seiner Ex-Frau durchsetzen, dass der 13-jährige Sohn jede zweite Woche bei ihm lebt.