Einer Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendhilfe zufolge sind 3,7 Millionen Minderjährige in Deutschland sozial ausgegrenzt oder von Armut bedroht. "Sie sind sozial abgehängt – durch Eltern ohne Berufsausbildung, ohne Job, oder durch Elternhäuser, die von Armut bedroht sind", sagte die Vorsitzende der Organisation, Karin Böllert. Startchancen in das Leben würden "nach wie vor vererbt" werden.

In der Studie bewertet die Arbeitsgemeinschaft die Chancen für rund 22 Millionen Kinder und junge Erwachsene zwischen 0 und 27 Jahren. Demnach wachsen zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in einem Elternhaus auf, in dem weder Vater noch Mutter erwerbstätig sind. Bei 11 Prozent haben weder Vater noch Mutter eine abgeschlossene Berufsausbildung. Insgesamt seien 19 Prozent aller jungen Menschen von Armut bedroht.

Zur Verbesserung der Verhältnisse muss laut Kinder- und Jugendhilfe unter anderem das Kindergeld neu justiert werden. "Eltern mit geringem oder keinem Einkommen müssen künftig besser gefördert werden. Armut darf nicht länger vererbt werden", sagte Böllert. Wichtig für die Startchancen seien zudem die Kitas. Dazu müsse es vor allem kleinere Gruppen und einen besseren Betreuungsschlüssel geben.

Kita-Plätze für geflüchtete Kinder

Kritisch sieht die Arbeitsgemeinschaft zudem die Ganztagsschulen. "Beim Ziel, Kindern hier gleiche Start-Chancen zu geben, ist die Ganztagsschule gescheitert. Sie schafft es bislang nicht, Bildungsbenachteiligung zu beseitigen", sagte Böllert. Dem müsse mit einer "Qualitätsoffensive" begegnet werden.

In ihrem Bericht fordert die Arbeitsgemeinschaft auch Kitaplätze für alle kleinen Flüchtlingskinder in Deutschland. "Die Kitas sind Türöffner in die Gesellschaft", sagte Böllert. Insgesamt gebe es 120.000 Flüchtlingskinder unter sechs Jahren in Deutschland. Wie viele bereits in eine Kita gingen, könne nicht beziffert werden. "Viele Flüchtlinge wissen gar nicht, dass es Kitas gibt", sagte Böllert. Dabei falle die Integration und das Lernen der deutschen Sprache dort besonders leicht.