Wird aus einem Paar eine Familie, entstehen oft ganz neue Konflikte zwischen den Partnern. Mehr als 100 ZEIT-ONLINE-Leser haben Ihre Paarprobleme aufgeschrieben. Der Familientherapeut Jesper Juul gibt einigen von ihnen Rat. Wir starten mit Lisa und Frank Müller.

Die Familie: Lisa Müller und ihr Mann Frank* leben seit neun Jahren zusammen und sind beide 33 Jahre alt. Sie haben drei kleine Söhne, fünf, drei und zwei Jahre alt. Sie arbeitet Teilzeit, er Vollzeit. Sie schlafen seit einem Jahr in getrennten Schlafzimmern.

Lisa Müller schreibt: Unser Hauptproblem ist, dass ich mehr Zuverlässigkeit brauche und mein Mann sich mehr Freiheit wünscht. Immer wieder bin ich enttäuscht, wenn er später von der Arbeit kommt als versprochen und ich Verabredungen kurzfristig absagen muss. Ich habe hohe Erwartungen an mich selbst und auch an andere, aber ich spreche sie nicht immer aus und bin dann enttäuscht. Mir fällt es schwer zu streiten. Frank hingegen ist spontan und witzig, kann aber auch anmaßend und beleidigend werden. Offenen Konflikten geht aber auch er aus dem Weg.

Ich habe das Gefühl, dass ihm nicht bewusst ist, wie sehr die Geburt jedes Kindes mein Leben verändert hat. Nichts ist für mich heute mehr so wie vor sechs Jahren. Für ihn hat sich im Prinzip nicht viel geändert.

Dabei haben wir uns beide viele Kinder gewünscht und als Elternteam funktionieren wir auch ganz gut. Er fühlt sich wohl in seiner Rolle als Vater und Mann im Haus, der das Geld nach Hause bringt. Er erledigt alles, was von ihm erwartet wird. Auch für mich ist das Modell im Prinzip o.k.; es bietet immerhin einen stabilen Rahmen.

Aber ich frage mich immer wieder: War das alles? Mir fehlt ein Bekenntnis von ihm zu uns als Eheleuten und Liebespaar. Ich suche eine reife Beziehung mit einem Mann, der mir eine Stütze ist, mit dem ich lange Gespräche führen kann, der mir aber auch sagt, was seine Bedürfnisse sind. Er hingegen vermisst die Leichtigkeit von früher: die Spontanität, die uns verbunden hat, das Gefühl von Verliebtheit. Ihn stört es, wenn ich das Wort "anstrengend" oft benutze.

Die Kinder spüren glaube ich unsere Distanz, den Mangel an Wertschätzung und Respekt. Manchmal frage ich mich, ob eine klare Trennung für sie besser wäre, damit die Krise der Eltern ihre Entwicklung und ihre späteren Beziehungen nicht beeinträchtigt. Aber ich will nicht einfach aufgeben.

Wir waren schon ein paar Mal bei einer Eheberatung. Aber mein Mann wollte nicht mehr hingehen, weil er dort keine konkreten Tipps bekommen hat, sondern wir nur geredet haben.