Wenn eine alleinerziehende Mutter mit ihrem Freund zusammenzieht, entstehen oft ganz neue Konflikte zwischen den Partnern – und mit dem Kind. Mehr als 100 ZEIT-ONLINE-Leser haben Ihre Paarprobleme aufgeschrieben. Der Familientherapeut Jesper Juul gibt einigen von ihnen Rat. Dieses Mal berät er Juliana Kerner und ihren Freund Max.

Die Familie: Juliana Kerner (35 Jahre) ist mit ihrer siebenjähriger Tochter Sophie und ihrem Freund Max (36) vor gut einem halben Jahr in eine gemeinsame Wohnung gezogen. Das Paar wünscht sich weitere gemeinsame Kinder. Der leibliche Vater lebt nicht in Deutschland und hat nie mit Mutter und Kind zusammengewohnt. Er hat aber über Facetime regelmäßig Kontakt zu seiner Tochter.

Juliana Kerner erzählt: Mein Freund ist sehr liebevoll und unterstützend. Auch ich liebe ihn sehr. Er hat allerdings etwas veraltete Ansichten über Erziehung und sähe es gerne, wenn ich strenger mit meiner Tochter wäre. Sophie ist sehr humorvoll und kann ihre Gefühle gut mitteilen. Sie muss sich aber noch an die neue Situation gewöhnen: an die neue Wohnung, an neue Mitschüler und daran, dass sie ihre Mutter nun teilen muss. Manchmal ist sie frech und spricht im Befehlston mit mir. Ich schätze mich selbst als locker, humorvoll und wenig nachtragend ein, empfinde mich aber in der Erziehung auch als wenig konsequent und ein bisschen verunsichert. Meinen Freund bringt das auf die Palme.

Unsere Streits drehen sich dann auch meist um Erziehungsmethoden. Ich habe zwei Jobs, schmeiße den Haushalt und versuche, so gut wie möglich für meine Tochter da zu sein – und habe dann oft gar keine Lust mehr "zu erziehen", also etwa meine Tochter zurechtzuweisen. Manchmal hindert mich auch das schlechte Gewissen daran oder ich habe selbst gar nicht gemerkt, dass sie respektlos gewesen sein soll.

Max wirft mir das vor, zieht sich nach einem Streit zurück und straft mich mit Liebesentzug. Manchmal denke ich, dass auch Eifersucht im Spiel sein könnte, wenn ich mir mehr Zeit für Sophie als für ihn nehme. Dabei lege ich großen Wert auf die gemeinsame Zeit zu zweit am Abend. Manchmal bin ich jedoch auch einfach zu erschöpft für Sex. Er beklagt sich, die Initiative würde zu oft von ihm ausgehen. Meine Erschöpfung rührt glaube ich allerdings auch daher, weil ich es allen Recht machen will und dabei mich nicht mehr um mich selbst kümmern kann.

Jesper Juul rät:

Liebe Frau Kerner,

danke für Ihre Frage und für die Beschreibung Ihres Familienlebens, die mir wertvolle Informationen liefert. Aber ich muss zugeben: Besonders wertvoll ist das, was ich zwischen den Zeilen lese. Es sieht so aus, als sei Ihr Versuch, eine neue Familie zu gründen, schlecht vorbereitet gewesen. Sie sind nun beide dafür verantwortlich, Veränderungen zu besprechen und umzusetzen, damit alle sich besser fühlen können.

Offensichtlich ist Ihr Freund mehr daran interessiert, Ihr Partner zu sein als ein Bonus-Papa für ihr Kind. Was völlig in Ordnung ist. Und für Sie als alleinerziehende Mutter steht das Wohl ihrer Tochter ganz oben auf der Liste Ihrer Prioritäten, was ebenfalls in Ordnung ist. Dies sind die üblichen Bedingungen für Patchwork-Familien und es gibt konstruktive Wege, damit umzugehen.