Die Parteien haben die Familien als Wahlkampfthema entdeckt. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz verspricht kostenlose Bildung, CSU-Chef Horst Seehofer kündigte Zuschüsse für alles vom Kinderwagen bis zu Windeln an. Die CDU will Familien mit Kindern steuerlich entlasten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöhen und insbesondere Kindern aus bildungsfernen Schichten bessere Aufstiegschancen ermöglichen.

Vieles davon sind alte Vorschläge, die bislang am Geld scheiterten. Denn gleichzeitig pocht die Union auf Haushaltsdisziplin und will neue Schulden vermeiden. Manches sind unkonkrete Ideen ohne solide Rechnung dahinter. Präzise werden die Parteien wohl erst in ihren finalen Wahlprogrammen, die sie im Sommer verabschieden. Ein Überblick über die Reformvorschläge:

Familien/Kindersplitting

CSU-Chef Horst Seehofer hat ein sogenanntes Familien-/Kindersplitting mit höheren Steuerfreibeträgen für jedes Kind ins Gespräch gebracht. Die Idee ist alt: Im Bundestagswahlkampf 2013 hatte die Union angekündigt, das System von Ehegattensplitting, Kindergeld und Steuerfreibeträgen zu einem "faktischen Familiensplitting" weiterentwickeln zu wollen.

Ehegattensplitting bisher funktioniert so: Es wird so getan, als würde jeder Ehepartner die Hälfte des Haushaltseinkommens verdienen – entsprechend wird versteuert. Das hat den Effekt, dass bei Paaren mit einer großen Differenz zwischen den Einkommen das hohe Einkommen steuerlich deutlich entlastet wird. Beim Familiensplitting würde die Steuerlast des Haushalts nun zusätzlich auf die Zahl der Kinder umgerechnet.

SPD, Grüne und Linke wollen das Ehegattensplitting ganz abschaffen. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht das so und schlägt eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag vor. So könne der Staat bis zu 15 Milliarden Euro mehr Steuern einnehmen. Dieses Geld, so der DIW, könnte in den Ausbau von Kitas und Ganztagsschulen investiert werden, was vor allem Eltern mit Kindern – ob mit oder ohne Trauschein – zugutekäme.

Für und Wider: Ein Familien-/Kindersplitting würde nicht nur Eheleute begünstigen, es würde den Stellenwert von Kindern erhöhen und auch Alleinerziehende könnten profitieren. Für Paare könnte es ein Anreiz sein, Kinder zu bekommen, da die Steuerlast künftig nicht mehr nur durch zwei geteilt würde.

Eine Abschaffung des Ehegattensplittings würde mehr Anreize bieten für verheiratete Frauen, die wieder arbeiten wollen. Wenn beide Ehepartner ihre Einkommensteuer getrennt voneinander angeben, würden vor allem besserverdienende Ehepaare mit ungleichem Einkommen belastet, rechnet das DIW vor.

Martin Schulz - Höheres Bafög und Ehe für alle Der SPD-Kanzlerkandidat, Martin Schulz, spricht sich im Interview mit ZEIT Campus ONLINE für eine Erhöhung der Studienförderung aus. Auch zur Rentenfinanzierung äußerte er sich. © Foto: Andreas Prost/ZEIT ONLINE