Eins von fünf Kindern in Industriestaaten lebt in relativer Armut. Zu diesem Ergebnis ist eine Untersuchung des Kinderhilfswerks Unicef gekommen. In Deutschland geht es Kindern laut dem Bericht vergleichsweise gut. Dabei gibt es eine Ausnahme: Bei der Feinstaubbelastung in Städten, die in der Bundesrepublik über dem international als bedenkenlos anerkannten Wert liegt, ist Deutschland nur auf Platz 24.

Im Durchschnitt kommt die Bundesrepublik nach Spitzenreiter Norwegen auf Platz zwei der 41 untersuchten Länder. So ist dem Bericht zufolge die Lage der Kinder in Deutschland in Sachen Gesundheit, Arbeitschancen und Ausbildung sowie Armut und Hunger im internationalen Vergleich der Industrieländer vergleichsweise gut. Nur in der Kategorie "nachhaltige Städte" schneidet die Bundesrepublik unterdurchschnittlich ab. Die hohe Feinstaubbelastung in deutschen Städten sei dafür der Grund.

Zu hohe Feinstaubbelastung in Deutschland

In der Stadtluft gelten Stickoxide als größte Gesundheitsgefahr. Sie entstehen überall dort, wo etwa Öl, Holz, Kohle oder Gas verbrannt werden. Wie die Luft zu kontrollieren ist und welche Grenzwerte einzuhalten sind, ist in der EU-Richtlinie 2008/50/EG grundlegend geregelt.

Der Fokus dieser Richtlinie liegt auf den großen Feinstaubteilchen, den sogenannten PM10. Von ihnen dürfen in Europa an höchstens 35 Tagen im Jahr mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Luft sein. In vielen Städten der Bundesrepublik wird dieser Wert überschritten. Als Stadt mit der dreckigsten Straße Deutschlands gilt Stuttgart. Dort dürfen auf manchen Straßen ab 2018 keine Dieselfahrzeuge mehr fahren, wenn der Grenzwert überschritten wird.

Jedes fünfte Kind in reichen Ländern lebt in Armut

Laut dem Unicef-Bericht ist die Lebenslage von Kindern in reichen Ländern insgesamt nicht so gut. Laut dem Bericht Die Zukunft schaffen: Kinder und die nachhaltigen Entwicklungsziele in reichen Ländern lebt jedes fünfte Kind in relativer Armut und jedes achte ist gefährdet, nicht genug zu essen zu bekommen. Unter relativer Armut versteht man eine Unterversorgung an materiellen und immateriellen Gütern und eine Beschränkung der Lebenschancen, und zwar im Vergleich zum Wohlstand der jeweiligen Gesellschaft. 

Außerdem verschärft sich Unicef zufolge der Abstand zwischen Arm und Reich. Demnach sind in zwei Dritteln der Länder die ärmsten Familien deutlich weiter vom durchschnittlichen Lebensstandard entfernt als noch 2008. Der Bericht sei ein Weckruf für Industrieländer, sagte Sarah Cook, Direktorin des Unicef-Forschungsinstituts Innocenti. Auch in reichen Ländern würden nicht alle Kinder automatisch von hohen Einkommen und wirtschaftlichem Fortschritt profitieren, sagte die Unicef-Mitarbeiterin. Regierungen sollten Maßnahmen ergreifen, um die Ungleichheit beim Wohlergehen von Kindern zu beseitigen.

Die Ergebnisse des Berichts wichen je nach Land stark voneinander ab. So lebt Unicef zufolge etwa in Dänemark, Island und Norwegen jedes zehnte Kind in relativer Armut, in Israel und Rumänien etwa jedes dritte.