Seit 2014 haben in Deutschland 345 Frauen die vertrauliche Geburt genutzt und anonym ein Kind zur Welt gebracht. Das teilte das Bundesfamilienministerium mit und korrigierte damit am Nachmittag die Zahl noch einmal um zehn nach oben. Aus einem Bericht, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschloss, geht hervor, dass sich bis September vergangenen Jahres weitere 1.277 Frauen von einer entsprechenden Stelle beraten ließen.

Die sogenannte vertrauliche Geburt war 2014 eingeführt worden. Sie soll Frauen, die ihr Kind nicht behalten möchten, eine anonyme Beratung garantieren und eine medizinisch betreute Geburt ermöglichen. So können Mütter ihr Kind weggeben und unerkannt bleiben, ohne das Kind anonym in einer Babyklappe abgeben zu müssen.

Allerdings darf die Mutter ihre Anonymität nur in besonders begründeten Fällen aufrechterhalten. Sie muss nachweisen, dass ihr anderenfalls "eine Gefahr für Leben, Gesundheit, persönliche Freiheit oder ähnliche schutzwürdige Belange erwachsen kann", heißt es im Gesetz zum Ausbau der Hilfen und zur Regelung der vertraulichen Geburt.

Die vertrauliche Geburt stärkt auch die Rechte der Kinder. Sie erhalten einen Vormund des Jugendamtes und haben nach ihrem 16. Geburtstag das Recht, den Namen der leiblichen Mutter zu erfahren. Die Mutter kann sich bis zum offiziellen Start des Adoptionsverfahrens noch für ein Leben mit ihrem Kind entscheiden. Nach dieser Frist gibt es allerdings keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mehr.

Frauen, die das Angebot in Anspruch nehmen, litten schwere persönliche Not, hatten Gewalt erfahren oder Angst vor Gewalt, heißt es in einer Kabinettsvorlage von Familienministerin Katarina Barley (SPD). 26 Prozent der Frauen hätten sich nach einer Beratung für ein Leben mit Kind entschieden, 15 Prozent für eine reguläre Adoptionsfreigabe, nur 19 Prozent (249 Fälle) für eine vertrauliche Geburt (Stand September 2016). Etwa 40 Prozent der Frauen seien einen anderen Weg gegangen und hätten zum Beispiel eine Abtreibung vornehmen lassen.

Alternative zur Babyklappe

Die vertrauliche Geburt war als Alternative zur Babyklappe eingeführt worden. Denn die Babyklappe ist nicht unproblematisch: Die Frauen bringen ihr Kind in diesem Fall alleine zur Welt, ohne medizinische Betreuung. Zudem wird den Kindern damit jede Möglichkeit genommen, jemals etwas über ihre Herkunft zu erfahren.

Als das Gesetz zur vertraulichen Geburt im Juni 2013 verabschiedet wurde, gab es Zweifel am Erfolg des Vorhabens. Die Grünen-Abgeordnete Katja Dörner sagte damals: "Dass letztlich die Entscheidung über die Aufgabe der Anonymität beim Familiengericht und nicht bei der Mutter liegt, ist ein entscheidender Webfehler im Gesetzentwurf." 

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) sagte nun, zwei Jahre später, die Hilfe käme bei den Frauen an. Seit vertrauliche Geburten möglich seien, habe auch die Zahl der anonymen Geburten abgenommen. Das Gesetz zeige Wirkung.

Das Ministerium teilte weiter mit, rund 80 Prozent der Frauen zwischen 15 und 45 Jahren würden das Angebot der Schwangerschaftsberatungsstellen kennen. Insgesamt hätten sich in dem Zeitraum rund 16.000 Frauen an das Hilfetelefon gewandt, darunter auch viele geflüchtete Frauen.