In Deutschland gibt es immer mehr Familien, deren Kinder von Armut und Bildungsdefiziten bedroht sind. Das geht aus dem Familienreport 2017 der Bundesregierung hervor, den Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) vorstellte. Demnach gelten etwa 2,8 Millionen Kinder als armutsgefährdet, das ist fast jedes fünfte Kind. Zudem wird in dem Bericht eine wachsende Ungerechtigkeit kritisiert.  

Grund für den Anstieg sei auch der Zuzug von Kindern aus Migrantenfamilien nach Deutschland, heißt es. Laut dem Familienreport lag ihr Armutsrisiko im Jahr 2015 bei 49 Prozent; 2011 lag es noch bei rund 36 Prozent. Bei Kindern ohne Migrationshintergrund beträgt die Armutsgefährdungsquote weiterhin 13 Prozent. Um die Chancen dieser Kinder auf Teilhabe zu verbessern, seien gute Ganztagsangebote notwendig, aber auch mehr frühkindliche Bildung und Betreuung. Diese werde auch in Migrantenfamilien besser angenommen. Bei Kindern bis zu drei Jahren sei die Betreuungsquote hier um sieben Prozentpunkte auf 21 Prozent gestiegen.

Das Armutsrisiko hängt, wie der Report zeigt, außerdem stark mit dem Familientyp zusammen: Das Armutsrisiko für Kinder von alleinerziehenden Eltern ist viermal so hoch wie in Paarfamilien mit einem oder zwei Kindern – 44 Prozent der Alleinerziehendenhaushalte sind betroffen.

Als weitere Ursache für Armut und Bildungsdefizite nennt der Bericht Väter als Alleinverdiener. Ihre Familien hätten im Monatsdurchschnitt 3.393 Euro netto zur Verfügung. Arbeite die Mutter zusätzlich 15 bis 28 Stunden, habe die Familie 1.000 Euro mehr. Arbeiteten beide Eltern 28 bis 36 Wochenstunden, brächten sie netto durchschnittlich 4.154 Euro heim. "Der beste Schutz vor Armut ist die Erwerbstätigkeit beider Elternteile", heißt es im Report. Daher zahle sich "jeder Euro, den wir in gute Kitas, Ganztagsschulen und Horte investieren", mehrfach aus, sagte Barley.

Barley: Staat erreicht zu viele Kinder nicht

Die Chancen von Kindern seien nach wie vor ungleich verteilt, sagte die Ministerin weiter. Der Staat erreiche zu viele Kinder mit seinen Angeboten nicht. "Das beste Mittel, um bestehende Ungerechtigkeiten zu beseitigen, ist eine gute, verlässliche und kostenfreie Kinderbetreuung", so Barley, die sich zugleich für einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für alle Grundschulkinder aussprach. Neben Alleinerziehenden, Kinderreichen und berufstätigen Müttern müssten zudem auch Väter stärker unterstützt werden. Ziel müsse es sein, das durchschnittliche Existenzminimum eines Kindes abzusichern.

Der Familienreport 2017 stellt die Lebenslagen und Einstellungen von Familien in Deutschland und die Maßnahmen, mit denen Familienpolitik sie unterstützt, umfassend dar. Neben aktuellen statistischen Daten zum Zusammenleben wird die wirtschaftliche Situation von Familien und deren Bedeutung für das Aufwachsen von Kindern beleuchtet.