"Die DR1 FPV Race Drone sorgt für hoch-authentische Rennatmosphäre – im Originaldesign der DR1-Liga, die im TV ausgestrahlt wird! Alter: ab 10 Jahre, 119,99 EUR"

So wirbt eine "Top 10 Spielzeug"-Liste für eine Renndrohne. Eine Jury aus Vertretern von großen Spielzeughändlern sucht jedes Jahr zehn Sachen aus, die das Zeug zum Bestseller haben könnten. Steffen Kahnt vom Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels, der für die Liste zuständig ist, sagt, nun dürfe man sich nicht vorstellen, dass in jedem Kinderzimmer ab Weihnachten Drohnen herumfliegen und alle Kids mit Virtual-Reality-Brillen herumsitzen. Der Markt sei sehr vielfältig, und Kinder wünschten sich seit Generationen Ähnliches, in immer neuen Formen: Puppen, Autos, Plüschtiere, Lego, Playmobil, Bücher ... Eine sehr deutsche Vorliebe, sagt Kahnt, seien die Brettspiele, die sich trotz Digitalisierung wunderbar verkauften.

Der Spielzeugmarkt ist ein umkämpfter, aber lohnender Markt, jedes Jahr wird der Umsatz ein wenig größer. Mehr als drei Milliarden Euro Umsatz macht die Branche wahrscheinlich in diesem Jahr, etwa 40 Prozent davon vor Weihnachten. Vermutlich nicht nur, weil Eltern und Großeltern mehr Dinge kaufen, sagt Kahnt, sondern weil die Features raffinierter werden oder die altbekannten Spielwelten aufwendige Geschichten erzählen – und deshalb teurer werden. Die Deutschen würden aber trotz dieser Summen im internationalen Vergleich sorgsamer mit Spielzeug umgehen, sagt Kahnt. Sie würden Spiele sogar vererben, anders als etwa die US-Amerikaner, die sie sich schneller wieder von dem Spielzeug trennen.

Barbie Traumpferd und Puppe ab 3 Jahre, 119,99 Euro, Feisty Pets, ab 3 Jahre, 19,99 Euro

Auf die Top-10-Liste der Händler kommen deshalb nicht nur High-Tech-Spielzeuge wie Drohnen und Rennautos, sondern auch Spielzeugklassiker – dann aber mit besonderen technischen Features oder mit irgendeinem neuen Gag. Etwa ein althergebrachter Zauberkasten, nur werden die Tricks von Fernsehpromis im Video erklärt. Oder eine Murmelbahn im schicken Design. Beides kostet dann knapp 50 Euro, ohne Schnickschnack könnte es die Hälfte kosten. Die blonde Barbie ist auch immer dabei, nur kann ihr neues Pferd wiehern und mit dem Kopf wackeln, wenn ein Kind – meistens ein Mädchen – es streichelt oder anspricht. Ebenfalls auf der Liste: ein Teddy, der nicht nur zum Liebhaben taugt, sondern auf Knopfdruck beißt.

Während Murmelbahn und Zauberkasten intuitiv als "gutes Spielzeug" durchgehen (mit dem einen lernt man Physik, mit dem anderen dürfen Kinder die Wirklichkeit verändern) drängt sich der Verdacht auf, dass Barbie-Pferd und Beißebär einen Haben-wollen-Impuls bei Kindern auslösen, aber nach ein paar Mal streicheln und beißen in der Ecke landen. Was ist ein gutes Spielzeug, was ein schlechtes? 

Dazu muss man erst einmal fragen, warum Kinder überhaupt spielen. Sie tun es, weil es ihnen Spaß macht. Aber sinnlos ist das Spielen deshalb nicht. Sie lernen dabei die ganze Zeit. Sie ahmen die Erwachsenen nach und üben gesellschaftliche Rollen ein. Sie werden durchs Spielen beweglicher und geschickter. Sie verarbeiten, was sie erlebt haben. Sie lernen, besser zu kommunizieren und aufeinander Rücksicht zu nehmen.