Migranten vor der Wahl SPD aus Reflex
Die Deutsch-Türkin Yildiz Sayilgan ist konservativ. Aber wenn sie bei der CDU ihr Kreuzchen machen will, fällt ihr sofort Roland Koch ein
© privat

Yildiz Sayilgan ist nicht aus politischer Überzeugung SPD-Wählerin
Sie ist 37 Jahre alt, hat Germanistik studiert und arbeitet als technische Redakteurin in der Luftfahrtindustrie. Sie ist verheiratet mit der ersten großen Liebe ihres Lebens. Ehe und Familie sind ihr wichtig. Einfach ohne Trauschein zusammenleben, das wäre für sie nicht infrage gekommen. Sie hält es für einen Ausdruck von Unentschiedenheit. Sie mag klare Verhältnisse.
Ihre staatsbürgerliche Pflicht erfüllt sie gewissenhaft, indem sie immer wählen geht, seit sie wahlberechtigt ist. Nicht wählen kommt in ihrem Weltbild nicht infrage.
Sie lehnt das Konzept einer Einheitsschule ab, findet das dreigliedrige Schulsystem sinnvoller. Einen möglichen EU-Beitritt der Türkei betrachtet sie kritisch. Sie befürchtet, dass die EU dadurch zu einem unklaren politischen Gebilde wird und bezweifelt, dass die Türkei ihrerseits von der Mitgliedschaft profitieren würde. Die Türkei benehme sich eher wie ein gekränkter Liebhaber, der mit aller Gewalt die Zuwendung der geliebten Frau erzwingen wolle. Das, glaubt sie, könne nicht gut gehen.
Was wählt diese Frau wohl? Ich wette, Sie liegen falsch.
Yildiz Sayilgan wählt die SPD, seit sie den deutschen Pass hat und wahlberechtigt ist, also seit 1997. Die Deutsch-Türkin ist unter dem christdemokratischen Kanzler Helmut Kohl aufgewachsen. Sie erinnert sich an die politischen Diskussionen der achtziger und neunziger Jahre, in denen die CDU für eine restriktive Ausländerpolitik stand. Sie erinnert sich an das Kohlsche Diktum, dass man kein Einwanderungsland sei.
Das war für sie Leugnung und Nicht-Anerkennung von Millionen Menschen, die doch hier, ja was sonst, eingewandert waren. Sie erinnert sich an die Instrumentalisierung von Migranten zu Wahlkampfzwecken, allen voran die Unterschriftenkampagne von Roland Koch gegen die doppelte Staatsangehörigkeit. Und Rüttgers populistisches "Kinder statt Inder".

Deniz Baspinar schreibt über Deutschland und Deutsche mit und ohne Hintergrund; lesen Sie hier mehr aus der Serie Kölümne
Die Sozialdemokraten dagegen waren in diesem Spiel "die Guten". Sie nahmen sich der Migranten an. Die Botschaft lautete: Du gehörst hierhin, wir schließen dich nicht aus. Die SPD schien eine schützende Hand über die hier lebenden Migranten zu halten.
Die SPD zu wählen, diese Selbstverständlichkeit, wurde zum ersten Mal infrage gestellt, als Sayilgan in eine neue Stadt, nach Hamburg, zog. Hier musste sie sich vertraut machen mit dem ungewohnten politischen Personal und unterzog erstmals die Kandidaten einer bewussten Prüfung.
Bei den Hamburger Senatswahlen 2008 standen sich der CDU-Mann Ole von Beust und der SPD-Herausforderer Michael Naumann gegenüber. Sayilgan traute von Beust mehr politische und wirtschaftliche Kompetenz zu als dem Intellektuellen Naumann. Unentschieden ging sie in die Wahlkabine. Dort fiel ihr im letzten Augenblick Roland Koch ein. Eine Vorstellung, die sie sofort ernüchterte und dafür sorgte, dass sie das Kreuz an vertrauter Stelle setzte. Roland Koch steht symbolisch für die Unmöglichkeit, als Migrant in Deutschland CDU wählen zu können.
Sayilgan stellt sich selbstkritisch die Frage, ob sie die SPD wählen würde, wenn sie eine "richtige Deutsche" wäre. Denn sie ist sich bewusst, dass sie nicht SPD-Anhängerin aus politischer Überzeugung ist, sondern einem stark emotional aufgeladenen Reflex folgt. Viele Ideen von SPD und Grünen hält sie nämlich für realitätsfern.
Der Wahlomat-Test hat ihr bescheinigt, was sie immer gewusst hat: sie ist eine Konservative. Sayilgan hofft, dass sich diese Gesellschaft, und mit ihr die sie vertretenden Parteien, eines Tages so verändert, dass auch sie als türkischstämmige Deutsche eine Partei wählen kann, mit der Herz und Verstand einverstanden sind.
Bis dahin werden die Zweifel mit einem rigorosen: "Ich wähle die SPD – Schluss, Aus, Ende!" bekämpft.
- Datum 16.09.2009 - 09:55 Uhr
- Serie Kölümne
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 39
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Sind irgendwelche Straf- oder Leistungsgesetze geändert worden? Irgenwelche anderen Restriktionen?. Eröffnen Sie in Berlin das falsche Geschäft in der falschen Gegend und Sie werden von Links Denkenden belehrt, was man hierzulande zu tun hat. Dagegen tut auch die SPD nicht sonderlich viel. Und in dieser Hinsicht herrscht Gleichberechtigung. Die Deutschen und die Ausländer werden gleich nachlässig behandelt.
Sie wollen hier doch nicht Koch als Freund der Immigranten ausweisen? Das ginge gründlich schief. Sie hätten nur im hessischen Wahlkampf eine Diskussion mit den Parteivorsitzenden Ypsilanti, Tarik, einer von der FDP, den Linken und eben Koch. Wie er den Grünen-Vorsitzenden Al Tarik ob seines jemenitischen Vaters fertigmachen wollte, war schon kriminell. Ungefähr wie das skandalöse NPD-Wahlplakat "Stoppt die Polen-Invasion", das deutsche Richter für rechtens halten, die Äußerungen von Rüttgers zu den rumänischen Arbeitern bei NOKIA etc. Ausländerfeindlichkeit und Immigranten-Haß ist sehr weit verbreitet im Weltbild der CDU. Und da kann auch eine Bundeskanzlerin, die sich wie immer nicht äußert, etwas daran ändern. Weil sie es garnicht will
Sie wollen hier doch nicht Koch als Freund der Immigranten ausweisen? Das ginge gründlich schief. Sie hätten nur im hessischen Wahlkampf eine Diskussion mit den Parteivorsitzenden Ypsilanti, Tarik, einer von der FDP, den Linken und eben Koch. Wie er den Grünen-Vorsitzenden Al Tarik ob seines jemenitischen Vaters fertigmachen wollte, war schon kriminell. Ungefähr wie das skandalöse NPD-Wahlplakat "Stoppt die Polen-Invasion", das deutsche Richter für rechtens halten, die Äußerungen von Rüttgers zu den rumänischen Arbeitern bei NOKIA etc. Ausländerfeindlichkeit und Immigranten-Haß ist sehr weit verbreitet im Weltbild der CDU. Und da kann auch eine Bundeskanzlerin, die sich wie immer nicht äußert, etwas daran ändern. Weil sie es garnicht will
worüber ich mich jedesmal wundere ist:
weshalb ein eingewanderter mensch, der hier sesshaft geworden ist und nie wieder in sein herkunftsland zurückkehren wird (zumindest nicht unbedingt freiwillig), immer noch als wanderer bezeichnet wird.
und wenn wanderer dann findet eine innere wanderung statt, im kopf, im gehirn, im denken.
denn einen migrationshintergund (inflationär und undifferenziert wird dieses wort benutzt) hat beinahe jeder mensch.
sei es eine mikro- makro- oder messomigration.
einwanderer werden die menschen nicht genannt, weil die politik bzw. der deutsche statt sich nicht unbedingt als ein einwanderungsland bezeichnen will.
und deshalb werden die einwanderer immer noch als "migrantInnen" bezeichnet, und das ist nicht den tatsachen entsprechend.
oder dann doch, falls jeder mensch seinen "migrationshintegrund" erkennt und sich dazu auch bekennt.
guten tag...
Bei einer Polizei Kontrolle gab der Beamte folgendes von sich:
Hallo, ich habe hier die Personalien von zwei Ausländischen Mitbürgern mit deutschem Pass ...blabla....
Nach einer Weile konnte ich mich nicht zurückhalten und fragte was das soll?
Antwort vom 2. Polizisten:
Ja, da hat sich mein Kollege etwas unglücklich ausgedrückt!
Polizist Nr.1 grinst :-) verstohlen!
Der Pass oder die Staatsbürgerschaft sagen wenig über einen aus, Leider!
Ein Kind fühlt sich nunmal nur dort zuhause wo er auch geliebt wird!(glaube das hat Ch.Morgenstern gesagt)
Das trifft leider auch nicht auf die Türkei zu!
Bei einer Polizei Kontrolle gab der Beamte folgendes von sich:
Hallo, ich habe hier die Personalien von zwei Ausländischen Mitbürgern mit deutschem Pass ...blabla....
Nach einer Weile konnte ich mich nicht zurückhalten und fragte was das soll?
Antwort vom 2. Polizisten:
Ja, da hat sich mein Kollege etwas unglücklich ausgedrückt!
Polizist Nr.1 grinst :-) verstohlen!
Der Pass oder die Staatsbürgerschaft sagen wenig über einen aus, Leider!
Ein Kind fühlt sich nunmal nur dort zuhause wo er auch geliebt wird!(glaube das hat Ch.Morgenstern gesagt)
Das trifft leider auch nicht auf die Türkei zu!
Amtszeit in die BRD gekommen. Was soll also das Sätzchen: »Sie erinnert sich an die politischen Diskussionen der achtziger und neunziger Jahre, in denen die CDU für eine restriktive Ausländerpolitik stand.« Sag mal, zeit.de!
haben sie auch zahlen, das würde mich sehr interessieren.
haben sie auch zahlen, das würde mich sehr interessieren.
bin auch ein eingedeutschter ausländer.
meine politische richtung bestimmen die parteiprogramme der parteien.
erstens , wenn eine person die deutsche staatsbürgerschaft hat, ist diese person deutsch und kein migrant mehr.
zweitens, die kompotenz der partei sollte entscheidendt für eine wahl sein und nicht die emotionen .
"[...] wenn eine person die deutsche staatsbürgerschaft hat, ist diese person deutsch und kein Migrant mehr."
Diese Behauptung wirft die Frage auf, ob ein Migrant nach erworbener deutscher Staatsbürgeschaft auch Deutscher ist, und zwar mit Blick darauf, dass für die Einzelperson die Unterscheidung zwischen staatlichem Status (rechtlichem Zustand) und nationaler Wurzel gilt.
Warum? Weil im Begriff Nation bekanntlich der Sinn von Geburt enthalten ist.
Deshalb verwundert es nicht, dass viele Migranten trotz jahrzehntelangen Aufenthalts in D sich nach wie vor z.B. türkisch fühlen.
"[...] wenn eine person die deutsche staatsbürgerschaft hat, ist diese person deutsch und kein Migrant mehr."
Diese Behauptung wirft die Frage auf, ob ein Migrant nach erworbener deutscher Staatsbürgeschaft auch Deutscher ist, und zwar mit Blick darauf, dass für die Einzelperson die Unterscheidung zwischen staatlichem Status (rechtlichem Zustand) und nationaler Wurzel gilt.
Warum? Weil im Begriff Nation bekanntlich der Sinn von Geburt enthalten ist.
Deshalb verwundert es nicht, dass viele Migranten trotz jahrzehntelangen Aufenthalts in D sich nach wie vor z.B. türkisch fühlen.
haben sie auch zahlen, das würde mich sehr interessieren.
haben aber anscheinend nicht ins ideologische Konzept gepasst.
Aber sowas sollte man googlen können. (Wenn nicht, dann fragen Sie sich, warum!)
Zum Einstieg nehmen Sie vielleicht diese Darstellung:
http://de.statista.com/st...
haben aber anscheinend nicht ins ideologische Konzept gepasst.
Aber sowas sollte man googlen können. (Wenn nicht, dann fragen Sie sich, warum!)
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Da hat sich wohl einer die 80er und 90er mehr mit dem Gameboy als mit der inländischen Politik beschäftigt..., während hingegen zu der Zeit "Abwanderungsprämien" für türkische Einwanderer von der Regierung Kohl ausgelobt wurden, konnte jeder Besitzer eines deutschen Schäferhundes der jenseits der Oder-Neiße Linie lebte per Herzblatt-Hubschrauber in den gelobten Westen "migrieren"...
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haben aber anscheinend nicht ins ideologische Konzept gepasst.
Aber sowas sollte man googlen können. (Wenn nicht, dann fragen Sie sich, warum!)
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Bitte schauen Sie sich Ihre verlinkte Seite etwas genauer an, Sie widerspricht Ihrer Behauptung ziemlich eindeutig.
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ein Zitat von SPD-Mann Helmut Schmidt:
»Mir kommt kein Türke mehr über die Grenze.«
(http://www.zeit.de/1982/0...)
Ich fänd’s klasse, wenn sich Deutsch-Türkin Yildiz Sayilgan in Zukunft beim Wählen nicht von Reflexen, sondern von Sachverstand leiten ließe.
Oder wie hat es Deutsch-Türkin Necla Kelek in ihrer Dankesrede anlässlich der Verleihung des Hildegard-von-Bingen-Preis’ an sie so schön gesagt: »Denn wir wissen, dass der Zweifel und seine kluge Schwester, die Frage, die Eltern der Vernunft sind, die uns das größte aller Geschenke gebracht hat: die Freiheit.«
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