Kinderbetreuung in England Wer Kontakt zu Kindern hat, ist verdächtig
Um Missbrauch zu verhindern, müssen sich in England alle Personen registrieren lassen, die Kinder betreuen. Das führt zu allerhand Verunsicherung.
Leanne Shepherd und Lucy Jarrett sind Polizeibeamtinnen und Mütter kleiner Kinder. Ihre Schichten in Buckinghamshire in England dauern zehn Stunden. Manchmal fallen auch noch Überstunden an. Die beiden Freundinnen haben unter diesen schwierigen Arbeitsbedingungen ein gutes Arrangement gefunden. Sie teilen sich den Job, und während die eine arbeitet, passt die andere auf die kleinen Mädchen auf. Das eine, Edie ist zwei, das andere, Amy, drei Jahre alt. Auch die beiden Kinder genießen es, beisammen zu sein. Perfekt würde man meinen. Viele berufstätige Mütter würden sie beneiden.
© Dominic Lipinski/WPA Pool/Getty Images

Familienminister Ed Balls in einer Unterrichtsstunde. Er will nun dafür sorgen, dass Eltern einander wieder bei der Kinderbetreuung unbürokratisch helfen können
Doch dann kam das Verbot. Irgendwer, vermutlich ein Nachbar, hatte die Frauen angezeigt. Ein neues Gesetz, das Kinder vor Missbrauch schützen soll, besagt nämlich, dass sich jeder registrieren lassen muss, der Kinder regelmäßig betreut, das heißt mehr als zwei Stunden am Stück oder vierzehn Tage im Jahr. Außerdem muss ein Babysitter zum Beispiel einen Erste-Hilfe-Kurs belegen. Leanne Shepherd und Lucy Jarrett hatten sich nicht überprüfen lassen und keinen Kinderpflegekurs absolviert.
Frau Shepherd bekam daraufhin unangekündigten Besuch von einem Mitarbeiter der Ofsted, einer Regierungsstelle, die Schulen und andere Bildungseinrichtungen überprüft. Er bestimmte, dass das Arrangement unter den beiden Freundinnen illegal sei und sofort gestoppt werden müsse. Eine Katastrophe, nicht nur für die arbeitenden Mütter, die auf die Schnelle eine Ganztageskrippe finden mussten, sondern auch für die Kinder.
Das hat eine Menge Empörung hervorgerufen. 20.000 Menschen haben eine Petition unterschrieben, die eine Änderung des Gesetzes fordert. Man fühlt sich überwacht und bevormundet, aber nicht beschützt.
Dabei soll das neue Gesetz gerade das erreichen. Dazu sollen etwa elf Millionen Briten in dem neuen Register erfasst werden: Lehrer, Erzieher, Fußballtrainer, Kinderärzte und viele mehr. Die Mitarbeiter der Independent Safeguarding Authority (ISA) dürfen Risiko-Profile verdächtiger Personen erstellen. Interessen, Einstellungen, Beziehungen und Lebensstil werden dann vermerkt.
Nun rudert Ed Ball, der fürs Kindeswohl zuständige Minister, zurück. So sollen Freunde, die sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung helfen, ohne sich dafür zu honorieren, nicht mehr überprüft werden und auch keine Kinderpflegekurse besuchen müssen. Überhaupt sei es nie die Absicht gewesen, solche Vereinbarungen zu zerstören. Er betonte auch, dass Großmütter und -väter, Onkel und Tanten ebenfalls nichts zu befürchten hätten, wenn sie etwas mit den Kindern ihrer Kinder oder Geschwister unternehmen.
Für Amy und Edie besteht damit Hoffnung, dass sie wieder zueinander finden. Doch viele andere Menschen wird das Gesetz abschrecken, sich spontan um Kinder zu kümmern.
- Datum 14.10.2009 - 08:04 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Wirklich tolle Idee son Gesetz! Da fragt man sich, in welcher Welt wir leben!
In welcher Welt wir leben? Na in einer, in der für Politiker das Medien-Echo auf ihre Entscheidungen grundsätzlich wichtiger ist, als die Folgen für die Betroffenen, für welche sie im allgemeinen weder die Verantwortung übernehmen wollen, noch sich überhaupt dafür interessieren. Dies ist sogar das Hauptproblem, von Agenda 2010 über Hartz IV bis zu "Stopp"-Signal der Frau von der Leyen.
Versucht man, sie damit zu konfrontieren, dann werden sie pampig und beharren darauf, alles richtig zu machen. Sog. "feed-back" von unten nach oben oder eine Überprüfung ist grundsätzlich nicht vorgesehen - so bleibt nur der Stimmen-Entzug, wie ihn die SPD gerade durchgemacht hat - kann aber jedem passieren -: das ist der Hauptunterschied zur DDR, wo man auch von oben nach unten alles mögliche "durchstellte", wo aber ein Austausch des Personals durch Abwahl nicht möglich war.
In welcher Welt wir leben? Na in einer, in der für Politiker das Medien-Echo auf ihre Entscheidungen grundsätzlich wichtiger ist, als die Folgen für die Betroffenen, für welche sie im allgemeinen weder die Verantwortung übernehmen wollen, noch sich überhaupt dafür interessieren. Dies ist sogar das Hauptproblem, von Agenda 2010 über Hartz IV bis zu "Stopp"-Signal der Frau von der Leyen.
Versucht man, sie damit zu konfrontieren, dann werden sie pampig und beharren darauf, alles richtig zu machen. Sog. "feed-back" von unten nach oben oder eine Überprüfung ist grundsätzlich nicht vorgesehen - so bleibt nur der Stimmen-Entzug, wie ihn die SPD gerade durchgemacht hat - kann aber jedem passieren -: das ist der Hauptunterschied zur DDR, wo man auch von oben nach unten alles mögliche "durchstellte", wo aber ein Austausch des Personals durch Abwahl nicht möglich war.
In welcher Welt wir leben? Na in einer, in der für Politiker das Medien-Echo auf ihre Entscheidungen grundsätzlich wichtiger ist, als die Folgen für die Betroffenen, für welche sie im allgemeinen weder die Verantwortung übernehmen wollen, noch sich überhaupt dafür interessieren. Dies ist sogar das Hauptproblem, von Agenda 2010 über Hartz IV bis zu "Stopp"-Signal der Frau von der Leyen.
Versucht man, sie damit zu konfrontieren, dann werden sie pampig und beharren darauf, alles richtig zu machen. Sog. "feed-back" von unten nach oben oder eine Überprüfung ist grundsätzlich nicht vorgesehen - so bleibt nur der Stimmen-Entzug, wie ihn die SPD gerade durchgemacht hat - kann aber jedem passieren -: das ist der Hauptunterschied zur DDR, wo man auch von oben nach unten alles mögliche "durchstellte", wo aber ein Austausch des Personals durch Abwahl nicht möglich war.
Also grundsätzlich stimme ich ja überein mit Ihnen im Hinblick auf Ihr Urteil zu den Politikern.
Allerdings ist dieser Artikel hier aus meiner Sicht eher ein positives Beispiel für Politiker, weil der zuständige Minister ja zurückgerudert ist nach der Bürgerinitiative und unterstrichen hat, dass dieser Effekt des Gesetzes nicht erwünscht war, der den beiden Freundinnen ihre sehr gute Abmachung versaut hat. Er gestand damit einen Fehler ein, etwas, das man nur sehr selten bei Politikern findet. Zudem hat er Änderungen angekündigt, die es den beiden Frauen wieder ermöglichen, weiter ihre Kinder gemeinsam zu betreuen.
Insofern würde ich den Inhalt des Artikels hier eher als gutes Beispiel sehen, wie sich Politiker verhalten sollen, wenn ein Gesetz sich als nur halb durchdacht erweist.
Also grundsätzlich stimme ich ja überein mit Ihnen im Hinblick auf Ihr Urteil zu den Politikern.
Allerdings ist dieser Artikel hier aus meiner Sicht eher ein positives Beispiel für Politiker, weil der zuständige Minister ja zurückgerudert ist nach der Bürgerinitiative und unterstrichen hat, dass dieser Effekt des Gesetzes nicht erwünscht war, der den beiden Freundinnen ihre sehr gute Abmachung versaut hat. Er gestand damit einen Fehler ein, etwas, das man nur sehr selten bei Politikern findet. Zudem hat er Änderungen angekündigt, die es den beiden Frauen wieder ermöglichen, weiter ihre Kinder gemeinsam zu betreuen.
Insofern würde ich den Inhalt des Artikels hier eher als gutes Beispiel sehen, wie sich Politiker verhalten sollen, wenn ein Gesetz sich als nur halb durchdacht erweist.
Seit 1993 lebe ich als "Auslandsdeutscher" vorwiegend in England. Dies wird sich bald aendern, da ich vorhabe, nach Deutschland zurueckzukehren. Abgesehen davon, dass Grossbritannien fast den USA entspricht im Bezug auf Materialismus, Konsumerismus und der "realpolitischen" Tatsache, dass das Land in allererster Linie von der Industrie regiert und gelenkt wird, also dem Kapital, plus seiner Rueckstaendigkeit bezueglich Umweltschutz (es werden z.B. viele neue Atomkraftwerke gebaut werden), etc., hat sich sehr vieles auf politisch-sozialer Ebene veraendert. Hierzu gehoert halt auch die neurotische Angst vor der Paedophilie, die wohl, einerseits, ihre Wurzeln in der englisch-puritanischen christlischen Kultur findet. Auf der anderen Seite hat die Presse und die Medien allgemein dank ihrer Sensationsgier einen grossen Anteil an der Misere. Wer fragt schon danach, wie sich das Ganze auf die Heranwachsenden und deren spaeteres Leben auswirkt?
"Hierzu gehoert halt auch die neurotische Angst vor der Paedophilie, die wohl, einerseits, ihre Wurzeln in der englisch-puritanischen christlischen Kultur findet. "
Angst vor Pädopholie ist nicht neurotisch und nicht prüde. Kindesmissbrauch verhindern, missbilligen und wenigstens ahnden zu wollen, ist ein berechtigtes Anliegen des Staates, nur über die angemessenen Mittel ist zu streiten.
Also, vielleicht beim nächsten Mal auch ein paar Worte zum "Andererseits".
"Hierzu gehoert halt auch die neurotische Angst vor der Paedophilie, die wohl, einerseits, ihre Wurzeln in der englisch-puritanischen christlischen Kultur findet. "
Angst vor Pädopholie ist nicht neurotisch und nicht prüde. Kindesmissbrauch verhindern, missbilligen und wenigstens ahnden zu wollen, ist ein berechtigtes Anliegen des Staates, nur über die angemessenen Mittel ist zu streiten.
Also, vielleicht beim nächsten Mal auch ein paar Worte zum "Andererseits".
Und in Deutschland ist jeder, der ein Telefon in die Hand nimmt, oder eine Internetseite aufruft verdaechtig. Da ist das englische Gesetz noch effektiv und mit Augenmass verfasst.
(Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)
Es ist doch unzweifelhaft, dass eine derartige gesellschaftliche Entwicklung nicht mehr mit gesundem Verstand stattfinden kann.
Verschiedene Fluggesellschaften verbieten Männern neben alleinfliegenden Kindern zu sitzen.
Alles Kinderschänder?
In einem vollbesetzten Flugzeug dann?
Solcher Irrsinn erinnert an die Wormser Prozesse, und ihren Ursachen.
ich habe Angst.
die ein Baby bekommt auch polizeilich ueberwacht werden. Bei den inzwischen vielen Faellen der Kindstoetung kann man nach englischem Muster ja dies anwenden. Jeder Politiker sollte auch vom Geld ferngehalten werden, da Korruption und Spendenaffaere belegt haben, das zuviel Geld und Macht korumpiert.
Im Falle Englands kann man nur raten keine Kinder mehr zu bekommen oder auswandern. Weil als Eltern sitzt man nach diesem Gesetz mit einem Bein im Knast.
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