Hexen an Halloween Magische Selbstverwirklichungs-Gruppe

Der Hexenkult lebt, nicht nur zu Halloween. In Berlin-Neukölln treffen sich Hexenschüler mit Schnellheftern zum gemeinsamen Lernen in einem Magierkurs.

Ein breites Sofa, ein riesiger ovaler Holztisch, ein ausladender Spiegel: In einem Hinterzimmer eines Neuköllner Ladens treffen sich am Samstagnachmittag die Hexenschüler. Bei Teelichtern trinkt man Kaffee bis die ersten Schnellhefter ausgepackt werden. Im "Hexen-Haus" von Mareike Seadini wird nicht nur gevespert,sondern auch gewissenhaft gelernt.

Die Lektion heute: die acht Jahreskreisfeste. Halloween ist eines von ihnen, denn es beruht auf "Samhain", dem Neujahrsfest im keltischen Kalender. Nach Hexenglauben ist die Haut zwischen den Lebenden und den Toten an diesem Tag besonders dünn, so dass man mit den Geistern leicht in Kontakt treten kann, wenn man die richtigen Rituale beherrscht. In einem bastelt man zum Beispiel Püppchen, die man bei abnehmendem Mond mit Wunschzetteln versieht und ins Feuer wirft.

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Doch zuerst müssen die Kursteilnehmer Theorie lernen. Dafür treffen sich die fünf Hexenschüler ein Jahr lang jedes Wochenende. Allen geht es vor allem um Selbstverwirklichung. Jacqueline Pinske und Bianca Schindler wollen wissen, was hinter dem Hexenglauben steht. Andy Friedrich mag es, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Kirsten Knoll möchte lernen, besser und intensiver zu leben. Und Mareike Seadini hilft ihnen dabei.

Die 48-Jährige mit den langen dunklen Haaren ist selbst Hexe, oder Magierin, wie sie  sich selbst nennt. "Ich habe auch in Bücher reingeschaut, aber gemerkt, dass ich das irgendwie alles weiß. Es ist wie eine Berufung". Schon als junges Mädchen hatte Seadini, wie sie sagt, Visionen, bekam dann Anleitung von ihrer Großmutter. Ihren eigenen Kindern sprach sie Warzen mit heilenden Sprüchen weg. Heute legt die Magierin in ihrem Ladencafé Karten, bietet Meditationen an und bildet Junghexen aus.

Doch Junghexen sind keine Teenager, sagt Seadini von ihren Kursen. Die Teilnehmer sind nicht jünger als Mitte 20. "Wer sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen will, braucht eine gewisse Reife."

Zwar stöbern auch Jugendliche in ihrem Laden, suchen nach Ritualzubehör, Edelstein-Schmuck oder Büchern. Für Mareike Seadini ist dieses oberflächliche Interesse am Hexenglauben jedoch nur eine Modeerscheinung, mit ausgelöst durch Harry Potter und Co.

Auch Matthias Pöhlmann von der evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin beobachtet diese Entwicklung seit ein paar Jahren. Für sein Fachgebiet Esoterik und Spiritismus recherchierte der Referent beim Hexen- und Heidenfest in Berlin oder beim Leipziger Wave-Gotik-Treffen. Er hat das Internet und Buchläden durchforstet und fand allerhand Angebote, die als Zielgruppe besonders Mädchen im Schulalter ansprechen.

Dabei geht es den Autoren nicht nur um phantasievolle Unterhaltung. Nicht selten versprechen die Ratgeber magische Hilfe gegen Liebeskummer und Schulprobleme. Für Pöhlmann trotzdem erst einmal kein Grund zur Besorgnis. "Manche Jugendliche interessieren sich dafür, weil sie damit einerseits das magisch-naive Weltbild ihrer Kindheit bewahren und sich damit gleichzeitig von den Erwachsenen abgrenzen können." Schwieriger wird es, wenn sie in diesem Alter in okkult-magische Gegenwelten einsteigen und dabei den Bezug zur Realität verlieren.

Auch die Schüler der Magierin sehen Gefahren. Zwar drückten die Geister bei mit Zauberei experimentierenden Kindern noch mal die Augen zu; laut Hexenglauben hätten die nämlich noch eine Art  "Welpenschutz". Aber Jacqueline Pinske, die sich schon als 14-Jährige ihre ersten Tarot-Karten gekauft hatte und später versuchte zu pendeln, schaut heute kritisch auf die Zeit zurück. Andy Friedrich gibt ihr Recht: "Einfach so aus Spaß Gläser zu rücken, ist kreuzgefährlich." Sind die bösen Geister, wie im Zauberlehrling, einmal gerufen, wird man sie schwer wieder los.

Die Hexenschüler glauben nämlich, sie könnten durch Gedankenübertragung andere beeinflussen, indem sie sich intensiv mit ihren eigenen Wünschen auseinandersetzen. Doch dabei kann man eine Menge falsch machen. Wenn man sich etwa seinen Ex-Partner zurückwünscht, aber nicht konkret genug vorgeht, könnten sich negative Energien auf einen selbst legen. Die Folgen: geistige Verwirrung oder körperliche Beschwerden.

Ihren Hexen-Nachwuchs bildet Mareike Seadini deshalb zunächst theoretisch aus, beispielsweise lehrt sie die magische Funktion der vier Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer. Jedes Element hat Himmelsrichtung, Jahreszeit und Farbe und wird in den Ritualen durch ein Symbol auf dem Altar dargestellt. Luft durch eine Feder beispielsweise oder Feuer durch eine Kerze.

Erst später werden die Kenntnisse praktisch angewandt, werden Rituale selbst durchgeführt. "Das muss man üben, dafür braucht man Routine", sagt Seadini. Ihren Schülern gibt sie Hausaufgaben auf. So sollen sie sich einen persönlichen Baum suchen, den sie im Lauf der Jahreszeiten beobachten. Bei Vollmond trifft sich die Gruppe im Wald, um Hölzer zu schneiden. Irgendwann können sich die Schüler auf Kräuterlehre, Kartenlegen oder Heilsteine spezialisieren.

An diesem Samstag geht es weiter mit der Präsentation der Jahreskreisfeste, die sich an jahreszeitlichen Veränderungen und am Mondkalender orientieren. Zum Lichtfest "Imbolc" bietet sich eine Räucherung aus Drachenblut an, hat Bianca Schindler recherchiert. Reinigend soll das wirken. Ungläubige Blicke. "Woher soll man das denn bekommen?" Mareike Seadini beruhigt lächelnd. Drachenblut ist ein bestimmtes Harz und man kann es bei ihr kaufen. Hexerei ist eben auch ihr Geschäft.

Der Hexenglaube ist nicht festgeschrieben, die Kursteilnehmer diskutieren miteinander, finden ihre eigenen Interpretationen und Seadini hält sich dabei im Hintergrund. "Ich finde das Leben manchmal ganz schön mystisch. Hier muss ich mich selbst weiter entwickeln", sagt die 44-Jährige Kirsten Knoll über den Kurs. Die Naturreligion steht den Kursteilnehmern am nächsten. Sie nehmen sich und ihre Umwelt bewusster war, kommen zu sich selbst und tauschen sich darüber aus. Eigentlich geht es um nichts anderes als um das, was die Nicht-Magier Stressabbau oder Selbstverwirklichung nennen würden. Am Ende wird wohl kein Hase aus dem Hut gezaubert.

Das entspricht auch dem Eindruck von Matthias Pöhlmann: "Hexe ist ein Containerbegriff. Da ist für jeden etwas dabei." Für ihn zeigt sich darin die Sehnsucht des modernen Menschen nach einer neuen Religion. Problematisch wird es nur, wenn sich manche in festen Hexenzirkeln (zum Beispiel sogenannte Wicca-Zirkel) verschließen und wenig von ihren Praktiken nach außen dringen lassen. Dadurch und durch dogmatische Strukturen ist ein Missbrauch der Teilnehmer möglich. Auch die Anhänger der schwarzen Magie können bedenkliche Praktiken entwickeln, weil sie versuchen, andere zu manipulieren. "Schwarze Schafe gibt es immer", das wissen auch die Hexenschüler von Mareike Seadini.

 
Leser-Kommentare
    • keox
    • 30.10.2009 um 23:29 Uhr

    dieser absolut sinnfreien Platzverschwendung:

    "wird in den Ritualen durch ein Symbol auf dem Altar dargestellt. Luft durch eine Feder beispielsweise oder Feuer durch eine Kerze."

    Drei mal schwarzer Kater, die Kerze symbolisiert das Feuer, das ist ja schon beinahe das große Hexen-Einmaleins mit Auszeichnung.

  1. ...dieses Artikels ist: Lasst die Finger von diesem Kram. Lasst euch nicht aus Neugier auf Mächte ein, die euch nicht mehr loslassen. Hilfe für Leute, die Erfahrungen damit gemacht haben: http://www.martin-wagner....

    • marxo
    • 31.10.2009 um 4:09 Uhr
    3. Hui

    Ein Christ will Magier kritisieren...
    "Für ihn zeigt sich darin die Sehnsucht des modernen Menschen nach einer neuen Religion."

    und der "moderne Mensch" muss dafür herhalten. Was war es doch besser zu Zeiten Jesus oder der Reformation, als Christen das Blut eines vom Tode Auferstandenen und sein Fleisch auf eine neue Art und Weise essen wollten.
    Von dieser Warte aus lässt es sich gar prächtig gegen Kerzen und Federn schreiben. Der Wunsch nach Magie ist dem Christentum zutiefst zu eigen - die Armen sollen reich werden und die Kranken gesund alles durch den Glaube an Jesus Christus, den Wasserwinzer.

    • luccas
    • 31.10.2009 um 22:19 Uhr

    Besser auf einem Besen sauber geflogen als mit einem SUV die Luft verpestet.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Also ich habe mir schon von Kartenlegern Rat geholt.Meist wenn ich mal wieder Stress mit meinem Chef hatte. Allerdings waren das keine Hexen und es gab auch keine Magie dabei.Anhand von Karten gab es sachliche seriöse Beschreibungen der gegenwärtigen Situation und welche Chancen sich durch die weitere Vorgehensweise ergeben.Meine Entscheidungen kann ich auch ohne Magie treffen. Empfehlen kann ich die Seite www.Sonnentarot.de Das hat mir auch immer sehr gut geholfen.

    Also ich habe mir schon von Kartenlegern Rat geholt.Meist wenn ich mal wieder Stress mit meinem Chef hatte. Allerdings waren das keine Hexen und es gab auch keine Magie dabei.Anhand von Karten gab es sachliche seriöse Beschreibungen der gegenwärtigen Situation und welche Chancen sich durch die weitere Vorgehensweise ergeben.Meine Entscheidungen kann ich auch ohne Magie treffen. Empfehlen kann ich die Seite www.Sonnentarot.de Das hat mir auch immer sehr gut geholfen.

  2. Das war aber jetzt Oberflächenjournalismus. Man liest, was man als normal intelligenter Leser eigentlich schon wusste.
    Ein Besuch im Kuriositätenkabinett, ein Gespräch mit dem evangelischen Erklärbär. Ein bisschen dieses und jenes angerissen (halber Satz über die Wiccas), etwas Klischee eingerührt, eine Prise Gefahrenwarnung drüber, fertig.
    Eine Internetrecherche von, sagen wir, zwei Stunden, liefert bereits sehr viel mehr an Hintergründen, Herkünften, Inhalten und auch philosophischen Querverbindungen. (Auch mal in die englische Wikipedia schauen, nicht wahr...)
    Dieser Kontext ist wichtig, um in Frau Seadini und ihren Elevinnen etwas mehr zu sehen als einen Häkelkurs der skurrileren Art.

    Übrigens ist jede Religion zum Teil auch Magie. Gebet ist Magie. Messeritual ist Magie. Das Madonnenbild ist Magie. Das feierliche Lesen heiliger Schriften ist Magie. Das Umhertragen der Thorarolle ist so gut Magie wie das Umkreisen der Kaaba.
    Die Religionen haben verschieden viele magische Elemente, Buchreligionen meist weniger als mündliche Kulte, vielleicht am wenigsten der Protestantismus. Dafür tendiert er auch am meisten zu Auflösungserscheinungen. Denn das passiert, wenn man einer Religion die magischen Elemente nimmt: sie löst sich auf und wird bestenfalls zur Philosophie.
    Kein Wunder, dass spirituell Suchende eher selten in die evangelischen Landeskirchen eintreten.

    • Crest
    • 01.11.2009 um 13:38 Uhr

    würde Feyerabend hier vielleicht bemerken und die Hexen, Hexen sein lassen.

    "Gut, aber wir haben das ja alles schon mal gestestet. Und herausgekommen ist: Nichts!" würde ich antworten. "Wir wissen es also heute besser."

    Dann lassen wir sie doch einfach ihre Kindereinen weiter betreiben?

    Tja, wäre da nicht das Problem, dass Absurditäten nicht unversehens in Abscheulichkeiten enden würden.

    Herzlichst Crest

  3. ... was jeder daraus lesen möchte, wie man hier an den Kommentaren erkennen kann. An der Unterschiedlichkeit des Aussage der Kommentare erkennt man sofort, mit welcher Meinung zu diesem Thema derjenige ihn gelesen hat, voreingenommen aus jeglicher Richtung kommend - pro wie kontra ..... für kommerziellen Journalismus, mit dem wir wie auch die Autorin leben muss, endlich mal ein Artikel, der wenigstens versucht Ernsthaftigkeit der magischen Arbeit anklingen zu lassen, was ich leider desöfteren vermisst habe und die Warnung wurde extra von mir gewünscht. Ich stehe gerne allen ernsthaft interessierten Menschen zur Diskussion über alles, was der Artikel nicht aussagen konnte, zur Verfügung - mit zauberhaften Grüssen Mareike Seadini
    www.hexen-haus-berlin.de

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Crest
    • 03.11.2009 um 1:37 Uhr

    gnädige Frau: nicht voreingenommen haben wir den Artikel gelesen, sondern mit der ganzen intellektuellen Härte einer jahrhundertelangen Tradition, mit der in endlosen Experimenten um die Wahrheit gerungen wurde.

    Ihre Hypothesen, hingegen, versagen völlig in jedem kontrollierten Experiment, jedem!.

    Sog. "ernsthafte" Diskussionen mit Hexen haben deshalb keinen Sinn, denn für einen Wissenschaftler stellen Sie eine Loose-Situation dar.

    Ich bedaure es, Ihnen hier nicht verbindlicher begegnen zu können. Aber wir sind es der Aufklärung gegenüber schuldig.

    Herzlichst Crest

    • Crest
    • 03.11.2009 um 1:37 Uhr

    gnädige Frau: nicht voreingenommen haben wir den Artikel gelesen, sondern mit der ganzen intellektuellen Härte einer jahrhundertelangen Tradition, mit der in endlosen Experimenten um die Wahrheit gerungen wurde.

    Ihre Hypothesen, hingegen, versagen völlig in jedem kontrollierten Experiment, jedem!.

    Sog. "ernsthafte" Diskussionen mit Hexen haben deshalb keinen Sinn, denn für einen Wissenschaftler stellen Sie eine Loose-Situation dar.

    Ich bedaure es, Ihnen hier nicht verbindlicher begegnen zu können. Aber wir sind es der Aufklärung gegenüber schuldig.

    Herzlichst Crest

    • Crest
    • 03.11.2009 um 1:37 Uhr

    gnädige Frau: nicht voreingenommen haben wir den Artikel gelesen, sondern mit der ganzen intellektuellen Härte einer jahrhundertelangen Tradition, mit der in endlosen Experimenten um die Wahrheit gerungen wurde.

    Ihre Hypothesen, hingegen, versagen völlig in jedem kontrollierten Experiment, jedem!.

    Sog. "ernsthafte" Diskussionen mit Hexen haben deshalb keinen Sinn, denn für einen Wissenschaftler stellen Sie eine Loose-Situation dar.

    Ich bedaure es, Ihnen hier nicht verbindlicher begegnen zu können. Aber wir sind es der Aufklärung gegenüber schuldig.

    Herzlichst Crest

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