PornografiePorYes, das Biosiegel für Sex-Filme

Am Wochenende werden in Berlin feministische Pornos prämiert. Sex-Filme von Frauen sind keineswegs nur Softpornos. Sie wollen unsere Sehgewohnheiten verändern. von 

Rein, raus, raus, rein, uh, ah, fertig. So verlaufen fast alle Pornos, die es im Internet oder in der Videothek zu kaufen gibt. Im Fokus steht, na klar, der Mann. Ihm zur Seite agiert eine Frau, die seine Wünsche erfüllt und selbst bei den abgefahrensten Praktiken nicht mit der Wimper zuckt.
Seit Pornografie auch im Internet verbreitet wird, bekennen sich häufiger Männer zur Pornosucht. Das heißt sie konsumieren nicht nur viele Pornos, sie brauchen es immer höher, schneller, weiter – und vor allem härter.

Für viele Frauen dagegen ist Pornografie einfach langweilig. Geschlechtsorgane in Nahaufnahme, kein Gefühl. Ein bisschen mehr braucht es schon, um sie zu erregen. Und dabei wären längst nicht alle Frauen abgeneigt. Im Gegenteil, in den letzten Jahren hat die Sexindustrie weibliche Käufer nicht nur für Sex-Spielzeuge entdeckt, sondern auch für Pornos.

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Der Preis für den besten feministischen Pornofilm: eine Auster

Der Preis für den besten feministischen Pornofilm: eine Auster  |  © PorYes

Da gibt es also einiges zu tun. In Berlin , wo auch sonst, hat sich eine Gruppe Feministinnen entschlossen, dem Sexismus in der Mainstreampornografie mit einem eigenen Label entgegenzutreten: PorYes . Laura Méritt vertreibt in Berlin-Kreuzberg so genannte Sexklusivitäten und sagt: "PorYes ist ein Gütesiegel für Pornos. Und eben auch eine feministische Pornofilmpreisverleihung." An diesem Wochenende werden in Berlin feministische Pornos prämiert, erstmals in Europa . In Kanada und den USA gibt es solche Preise schon seit vielen Jahren. Aber was kann man sich darunter vorstellen?

"Nach den Kriterien von PorYes muss die weibliche Lust eine Rolle spielen. Außerdem sollen vielfältige Praktiken gezeigt werden. Und Frauen müssen an der Produktion beteiligt sein, eben nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera." erklärt Méritt. Apropos Vielfalt. Sicherlich, auch im normalen Pornogeschäft gibt es Pornos mit unterschiedlichen Frauen, dick oder dünn, groß- oder kleinbusig. Aber sie ähneln sich doch, denn es sind meistens künstliche Wesen, denen man die harte Arbeit ansieht.

Genau da setzen PorYes-Filme an. Nicht nur verschiedenste Frauen werden gezeigt, sondern auch Frauen, die offensichtlich Spaß haben. Méritt sagt dazu: "Im Mainstreamporno sieht man den Frauen an Gestik und Mimik, ja, an der ganzen Körperhaltung an, dass sie keinen Spaß haben. Im PorYes-Film sollen positive Gefühle dabei sein und ein Einverständnis zwischen den Agierenden." Gute Arbeitsbedingungen und Safer Sex gehören auch dazu. PorYes – das ist das Biosiegel für Pornos. Die Bewegung nennt sich auch "Sexpositivismus".

Ungewohnt sind die PorYes-Filme tatsächlich. Zum Beispiel der Film von Petra Joy. Sie wird am Samstag in Berlin für ihre Arbeit ausgezeichnet. Minutenlang schauen sich Mann und Frau an, streicheln, küssen sich. Die Kamera verharrt immer wieder auf den Gesichtern der Protagonisten. Die Frau lächelt selig, als der Mann sich ihrem Unterleib nähert. Und als es – endlich – zur Sache geht, wird noch kunstvoll das Kondom einbezogen. Die Filme der sexpositiven Bewegung sind keine Softpornos.

Petra Joy, sie ist eine ehemalige Dokumentarfilmerin, arbeitet mit Licht- und Schattenspiel, sie stellt auf diese Weise eine aufregende Atmosphäre her. Die Kameraeinstellungen sind detailverliebt.
Dagegen setzt Maria Beatty, eine junge Filmerin aus Paris , auf Accessoires. In einer Sequenz geht es minutenlang um eine Lady, die sich verschiedenste Variationen des Spanking, (Hintern versohlen als Sex-Praxis) vorstellt. Mit Peitsche, Lederriemen oder Hand. In einem Negligé räkelt sie sich auf einem schicken Biedermeiersofa, raucht genüsslich eine Zigarette mit Spitze. Ihre Gedanken werden in Form eines eingeblendeten Stummfilms dargestellt. Humor braucht man anscheinend für alle Pornos, ob Mainstream oder PorYes.

Leserkommentare
  1. 1. Naja

    der Unterschied weiblicher Pornografie zur herkömmlichen?

    Am Schluß wird geheiratet!

  2. Also ich weiss nicht, den klassischen Hardcore Pornos kann und konnte ich noch nie etwas abgewinnen. Sie reduzieren eine eigentlich schöne Sache auf eine mechanische Bewegung, in der man dann nur Körperteile sieht. Ich wage zu behaupten, dass es erotischer ist, die mechanischen Bauteile eines Motors im Schnittbild in Bewegung zu sehen, da bei diesem die Bewegungen wenigstens kompliziert sind...
    Was aus meiner Sicht wichtig wäre, ist Gefühl, Sympathische Frauen, in die man sich verlieben kann. Das fehlt den Hardcorepornos vollkommen. Daher denke ich, dass die PorYes Offensive eine gute Idee ist, sie setzt wenigstens richtig an, in dem sie Sex nicht auf den mechanischen Vorgang reduziert.
    Ich weiss jetzt nicht, ob ich mir Sorgen machen muss (ich bin ein Mann und laut Artikel müsste ich ja auf Hardcorepornos voll abfahren).

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    Also ich weiss nicht, äh, ja, äh, also echt, weisst Du, meine Gefühle und aäj, eine "eigentlich" schöne Sache (wieso "eigentlich"? und wieso "Sache"??) ... und ja, äh, Hauptsache "kompliziert", aus meiner Sicht, und ja, äh, Sorgen machen!!

    • Hellaby
    • 16. Oktober 2009 16:05 Uhr

    Eine ideologisierte Jung-Grüne, unglücklicherweise auch noch Jounalistin, erklärt den Leuten, insbesondere den Männern, welche Pornographie akzeptabel ist.
    Dank verkrümmter Soziologie wird eine Art Ordal verklausuliert, dessen Resultat vor Beginn schon zementiert ist: Natürlich macht frau bessere Pornos, mit Gefühl, Hingabe und künstlerischem Anspruch.
    Das Frauen in dem so abfällig bewerteten Porno Mainstream schon eine große Rolle spielen(hinter der Kamera) wird unterschlagen, aber das kennen wir ja bereits. Was wäre ein feministisches gesellschaftliches Umerzeihungsprogramm ohne Feindbild Mann? Leider sieht man diese verengte Sichtweise auch bei anderen relevanten Themen.
    Und wie man die Frauenbewegung kennt erschließt sich daraus für die „Sehenden“ bzw. den „Wissenden“ der Anspruch wie folgt:

     „Laura Méritt (Merzinger) erklärt dazu: "Es ist Ziel der Kampagne, dass wir das Sehverhalten, die Blickrichtung, ja, das ganze Sexualverhalten verändern können." Sexpositivismus ist schließlich eine Richtung des Feminismus....“

    Alles äußerst fragwürdig und auch in Frage gestellt, ganz einfach ideologisch viel zu sehr belastet und eingefärbt, insbesondere die Protagonisten sind zu extrem. Wer etwas recherchiert findet da aber recht unterhaltsame Dinge, wenn diese nicht so gefährlich wären.

    • Hellaby
    • 16. Oktober 2009 16:05 Uhr

    Die Schreiberin bzw. dieser Artikel ist bis zum Rand gefüllt mit Klischees und falschen Prämissen.
    Sollen sie doch Pornos machen, wie sie es für richtig halten und über andere Pornos denken, was sie wollen, aber bitte diesen unsäglichen intellektuellen Narzissmus innerhalb der zwei Wände ihrer Gender studies, Matriarchatsforschung oder sonstigen „Wissenschaften“ hegen und pflegen, Gelder dafür fließen ja offensichtlich reichlich.

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    • clubby
    • 17. Oktober 2009 19:22 Uhr

    Der Artikel ist irgendwie einseitig und überholt. Vielleicht lese ich es ja nur zwischen den Zeilen, dass der Mainstream falsch weil zu hart und freuefeindlich, der Poryes aber richtig ist.
    Hä?
    Damit wird doch implizit unterstellt:
    - dass alle Frauen "Blümchensex bevorzugen"
    - alle Männer nur rein/raus fertig und dominieren wollen.

    Irgendwie ein sehr einfaches Weltbild, finde ich. Es gibt Männer, die dabei gerne den Ton angeben, es gibt Frauen , die dabei gerne dirigiert werden, es gibt auch Frauen, die die Mainstrempornos und die darin gezeigten Praktiken genau in der Form mögen (ich kenne welche...kein Scherz!), aber es gibt auch Männer die es mögen, wenn Frau sagt wo es langgeht (bis zum Strapon) und es gibt Männer (übrigens in ganzen Kulturkreisen) , die die in den Mainsttrempornos sog. harten Praktiken wie z.B. anal oder doggy, grundweg ablehnen. Hatte nicht erst letztes Jahr das Buch "Feuchtgebiete" von einer Frau , zum Kohle machen provozierend geschrieben, durchschlagenden Erfolg? Wurde da nicht gerade die neue Weiblichkeit, die eben auch sagt wo es im Bett mal richtig schmutzig, heftig langgeht geradezu als neuer Typus hochgelobt? Schon mal mit jungen Frauen türkischer Abstammung geredet, die im Westen angekommen sind, was sie denn von rommantisch, kuscheligen und diskussionsfreudigen, frauenverständnisvollen deutschen Männern halten....uhhh...schreib ich hier mal lieber nicht...sonst wirds zensiert. Freundlich ist es aber nicht.....

    • clubby
    • 17. Oktober 2009 19:26 Uhr

    Mir erschließt sich daher auch nicht, warum Spanking in einem Mainstreamporno verwerflich frauenunterdrückend und üblich männerpronosüchtigpervers ist, von einer Fr. Beatty dagegen weiblich sinnliche Erotik? Hä?

    Ich glaube viel mehr, daß diese Einstellung längst von der (Prono-)Realität gerade der sehr jungen Generation überholt ist. Aufgund der massenhaften Verfügbareit im Netz, scheint sich die Verklemmtheit der letzten Jahrzehnten langsam aufzulösen. Jaaa, Verklemmtheit....blanke Brüste auf der letzten Seite im Spiegel und auf seite 3 der BILD bestätigen das eher. Mittlerweile scheint einfach alles erlaubt zu sein, und nichts pervers oder gegen das andere Geschlecht gerichtet (welches auch immer). Es geht hier also weniger um Frauenpronofilme im Allgemeinen, sondern um Filme im speziellen , die den Geschmack hinsichtlich bestimmter Sexarten befriedigen.

    So hat jeder seinen Platz und soll sehen und tun was ihm/ihr gefällt, solange beide freiwillig dabei sind und alt genug sind das beurteilen zu können/dürfen. Diese ganze Geschlechterdiskussion kann man dann endlich in die Tonne kloppen.

  3. ...ist in allem wo "feministisch" drauf steht zu mindestens 90% "lesbisch" drin? ich konnte mir einen besuch auf der (übrigens (sowohl typografisch, als auch erotisch) recht unansprechend gestalteten) webpräsenz des festivals natürlich nicht verkneifen. ergebnis: viel lila, weit und breit kein mann zu sehen, dafür ein parr stills aus lesbenpornos (im sinne von "primär für lesben gemacht").

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    [entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/ew]

    Eigentlich wollte ich ja zu Afghanistan Stellung nehmen, aber als Anfänger kann man sich ja leicht vergalloppieren.

    Was übrigens keinesfalls untypisch zu sein scheint sowohl für afghanische Behörden wie für lesbische Pornoproduzentinnen:

    Nicht überall, wo "afghanisch" drauf steht, ist auch afghanisch drin:-)

    Gruß aus Berlin, Gerd

  4. etwas vom im Beitrag erwähnten "Sexpositivismus" gebrauchen können, meine Lust wurde heftig erwürgt.

    Ich sah in Anfängen ein Video im Internet. Eine junge Frau wurde unter Tränen zum Sex gezwungen. Der Mann lachte und ohrfeigte sie. Die Szenen können gespielt gewesen sein, sah aber nicht so aus und ich fand es beängstigend.

    Was ist aus der Notruf/Meldestelle geworden, eine solche wurde schon diskutiert.

    Wer weiss, was ich tun kann?

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    ...hätte dies bei dem Video zweifellos nicht verhindert, der wäre vermutlich auch flöten gegangen. Nun könnte man einwenden, dass Sie eine Frau sind, wie das Opfer in dem Video auch.
    Indes, bei mir lösen derartige Szenen intensiven Abscheu aus, und ich bin ein Mann; ich ziehe nur Sex MIT einer Frau dem Sex GEGEN sie vor. Lust bei der Betrachtung eines solchen Videos halte ich für ein Zeichen, dass mit demjenigen etwas nicht stimmt und ihre Sexualität pathologische Züge aufweist.

    >>Die Szenen können gespielt gewesen sein, sah aber nicht so aus und ich fand es beängstigend.<<

    Dass es nicht so aussieht wie gespielt, muss nicht unbedingt etwas heißen. Wenn Szenen gespielt aussehen, ist der betreffende Schauspieler Anwärter auf die Goldene Himbeere. In Spielfilmen wirken solche Szenen jedenfalls oft ziemlich echt.
    Allerdings gibt es auch reichlich Psychopathen, die Frauen oder Mädchen vergewaltigen und sich und das Opfer bei der Tat auch noch filmen - und den Film dann ins Netz stellen. Falls das hier der Fall gewesen sein sollte, ist das klar ein Fall für den Staatsanwalt.

  5. 7.

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    Antwort auf "Letztens hätte ich"
  6. Bitte sehr, die Internetwache:
    https://www.berlin.de/polizei/internetwache/indexmitc.php

    Als Ergänzung zum redaktionellen Artikel @all - ein weit informativerer von redfox, auch die Diskussion ist lesenswert:
    '(Gewalt-)Porno und Vergewaltigung - Gedanken zur Studie von Christopher J. Ferguson und Richard D. Hartley'
    http://community.zeit.de/user/redfox27/beitrag/2009/06/01/gewaltporno-un...

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