Schule im Fernsehen Was Schüler wollen
Was will ich werden? Welchen Abschluss will ich machen? Wie schaffe ich es, mich zum Lernen zu motivieren? In "Klasse '09" dokumentiert das ZDF das letzte Schuljahr.
Jeden Herbst beginnt für hunderttausende Schüler in Deutschland das letzte Schuljahr. Für die 15- bis 19-Jährigen eine Zeit wichtiger Entscheidungen.
Für die Langzeitdokumentation «Mein Traum von mir - das Ende der Schulzeit» hat das ZDF fünf Schülerinnen und Schüler in ihrem Abschlussjahr porträtiert. Dabei geht es den Filmemachern vor allem um die Sorgen und Gedanken der Jugendlichen. Die Kamera begleitet sie zur Berufsberatung und zum Gespräch mit dem Vertrauenslehrer, aber
auch auf Partys und beim Abendbrotessen mit den Eltern. Mit der Ausstrahlung des ersten Teils der Dokumentation an diesem Dienstag (20.15 Uhr) startet das ZDF seinen Programmschwerpunkt «Klasse '09» zum Thema Jugend und Bildung.
«Jeden Tag kann man Schlagzeilen über Bildung und Bildungspolitik lesen. Wir erzählen die Geschichte mal anders - aus der Perspektive der jungen Leute, die täglich damit leben und ihre Zukunft gestalten müssen», sagt ZDF-Redakteurin Susanne Becker. Gerade im letzten Jahr vor dem Abschluss fühlten viele Schüler eine Zerrissenheit: «Sie
wollen gute Noten machen, und auf der anderen Seite müssen sie sich für einen Beruf entscheiden, womöglich Bewerbungen schreiben». Die Dokumentation zeige nicht nur den Kampf um gute Noten, sondern auch Träume und Ziele einer Generation, sagt Becker. Quer durch die Republik, quer durch alle Schulformen biete dieses Projekt einen außergewöhnlichen Einblick in das viel diskutierte deutsche Bildungssystem, erklärt der Leiter der ZDF-Hauptredaktion Kultur und Wissenschaft, Peter Arens.
«Ich will Karriere machen. Ich will einen Job machen, bei dem ich mich weiterentwickeln kann», sagt die 16-jährige Hanna aus Berlin. Aber erstmal steht bei ihr die Entscheidung an, ob sie mit einem Realschulabschluss abgeht oder weitermacht bis zum Abitur. Für ihren 16-jährigen Freund Karl ist dagegen schon klar - er möchte die Schule verlassen und unbedingt in der Modebranche arbeiten. Hauptschülerin Alena aus dem hessischen Rheingau wechselt sogar die Schule - um einen besseren Abschluss zu bekommen. Das bedeutet für sie einen tränenreichen Abschied von ihren liebgewonnenen Schulkameraden und mitten im Schuljahr einen Neustart in einer anderen Klasse.
Der 16-jährige Can besucht eine Realschule auf der Insel Usedom, sein Vater betreibt eine Döner-Bude vor dem Schulgelände. Der Jugendliche mit deutscher Mutter und türkischem Vater bewirbt sich um eine Ausbildung in einem Hotel. Sein Vater möchte eigentlich, dass der Sohn Abitur macht und studiert. Aber Can hat keine Lust mehr auf Schule, seine Noten sind schlecht. Auch Martin aus Bayern hadert mit der Schule, kann sich nur schwer aufs Lernen konzentrieren. Dabei stehen die Abi-Prüfungen kurz bevor. Der 19-Jährige geht jedoch lieber feiern oder arbeitet auf dem Bauernhof seiner Eltern mit. Sein Berufswunsch: Erfinder.
Die fünf Jugendlichen wurden alle drei bis vier Wochen in ihrer Schule oder zu Hause von dem Drehteam besucht. Aus mehr als 150 Stunden Filmmaterial entstand dann «Mein Traum von mir».
Die Dokumentation wird jeweils am 6. und 13. Oktober in zwei 45 Minuten langen Teilen ausgestrahlt. Vom 3. November an wird die Dokumentation als fünfteilige Serie immer dienstags um 19.00 Uhr im neuen digitalen TV-Kanal ZDF_neo gezeigt.
- Datum 06.10.2009 - 11:34 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Gerade an den Übergängen zeigt sich ganz konkret, wie fern die Schule von dem Leben ist, auf das sie angeblich vorbereiten will. In der Du-muss-Schule muss man bis zuletzt vor allem eins: MÜSSEN. Das Leben dagegen verlangt nur eins: KÖNNEN. Dadurch, dass man immer noch neurotisch perfekter das, was man muss, wiederholt, wird man kein Könner sondern das Gegenteil davon, das ich in der neuen Ich-kann-Schule SUPER-MÜSSER nenne. Selbst wenn man das Eingeochste behalten hat, ist man nun geradezu hilflos darauf angewiesen, dass die Wirklichkeit akkurat in der Schablone daherkommt, für die man sich selbst geopfert hat. Das klappt absolut NIE. Und die - allen unbewusste - Folge ist, dass wir eine Gesellschaft von Leuten geworden sind, in der jeder jeden in Schablonen drücken will. Es ist grauenhaft, wie erfolgreich, diese Pädagogik wirkt.
Wie schaffe ich es, mich zum Lernen zu motivieren ? - diese Frage allein zeigt aus der IKS-Perspektive schon überdeutlich, wie pervers wir gelernt haben, GEGEN uns vorzugehen, damit etwas FÜR uns geschieht; damit kann man nur scheitern.
Wenn wir diese "Schule" verlassen, sind wir auf dem Gipfel der Lebensferne. Und weiter auf dem Weg ins Problem hinein, nicht einmal das nimmt man wahr. Da uns die Lehrer nicht lehren können lehrt uns infolgedessen das Leben durch Erleiden. Eine teure Pädagogik!
Ich grüße not amused.
Franz Josef Neffe
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