Bildungsstreik: Wie man Studenten apathisch macht
Das Zivilisationsniveau der meisten deutschen Hochschulen und Schulen liegt weit unter dem Standard. Und es mangelt an Kreativität und Spielräumen.
Das Physikum in der Zahnmedizin hatten in Regensburg drei Studenten zu viel bestanden. Zu gute Leistungen. Nun fehlten Plätze im klinischen Teil des Studiums. Aber die Studierenden sollten sich mal keine Gedanken machen, wurde ihnen gesagt. Als sie dann am ersten Tag des Wintersemesters morgens früh angetreten waren, in den weißen Hosen und Kitteln, die sie von der Uni bekommen hatten, bemerkte der Professor im Nebensatz, dass ja wohl erst noch drei ausgelost werden müssten.
Er begann trotzdem schon mal mit seiner Einführung. "Dann kam der Herr vom Dekanat mit einer Schachtel voller Lose", notierte die Studentin Anja Spitzer, "jeder wurden aufgerufen und musste ein Los ziehen". Nachdem die drei, die den Kürzeren gezogen hatten, fest standen, "wurde mit der Vorlesung begonnen".
Anja Spitzer gehörte zu diesen Dreien. Auf die Frage, was denn nun mit ihnen geschehen soll, hieß es, vielleicht könnten sie im Winter schon mal eine Doktorarbeit anfangen oder lieber ganz die Uni wechseln. "Wir wurden quasi vor die Tür geschickt, niemand hat sich um uns gekümmert." Anja Spitzer notierte an diesem Tag: "Es war eins der demütigendsten, menschenverachtendsten Erlebnisse, die mir je passiert sind."
Dass dieser Vorfall nicht in der dröhnenden Normalverwahrlosung deutscher Hochschulen unterging, verdanken wir Manfred Spitzer, Anjas Vater. Er ist Medizinprofessor in Ulm, Direktor der Psychiatrie und berühmter Hirnforscher. Nicht zuletzt als Beobachter des Schulalltags seiner sechs Kinder ist er auch zum Lernforscher geworden und hat dafür ein Institut gegründet.

Reinhard Kahl schreibt für ZEIT ONLINE die Bildungskolumne Wurzeln und Flügel
Aber so etwas hat er noch nicht erlebt. In einem Zeitungskommentar fragte er: "Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach einer Weiterqualifizierungsmaßnahme wieder an Ihren Arbeitsplatz zurück und Ihr Chef eröffnet Ihnen, dass für Sie gerade kein Platz ist. Sie mögen doch bitte in einem halben Jahr wiederkommen - undenkbar? - keineswegs! Normalfall an einer deutschen Universität."
Tatsächlich liegt das Zivilisationsniveau der meisten deutschen Hochschulen weit unter dem Standard unserer Gesellschaft, unterboten nur noch von manchen Schulen. Diese Art, nicht willkommen geheißen zu werden, ist eine der Erbsünden unserer Hochschulen. Immer noch begrüßen Hochschullehrer die Erstsemester zumal in den Ingenieur- und Naturwissenschaften, mit dem Hinweis, dass die Hälfte von ihnen nicht hierher gehöre. Spätestens bei der Zwischenprüfung würden sie es schon merken.
Gerd Binnig zum Beispiel, einer der wenigen deutschen Nobelpreisträger, erinnert sich daran, dass er sich in seinem Leben nie so dumm und überflüssig gefühlt habe, wie als Student in seinen ersten Physik- und Mathevorlesungen. Um ein Haar hätte er sein Studium damals geschmissen. Gerettet haben ihn die Rockband, in der er spielte und Gedichte, in denen er etwas erschaffen konnte. Später schrieb er ein Buch über Kreativität: "Aus dem Nichts."







für diesen Artikel. Unser Dekan ist ebenfalls unfähig. Er informiert uns gerne per eMail über Prüfungsänderungen und ähnliches. Wir kommen uns oft austauschbar vor. Herzliche Grüße aus der Rhein-Neckar-Region!
Dasselbe gilt für mich. Meine Fachhochschule liegt unweit der Zentrale eines Automobilherstellers der in der letzten Zeit für viel Schlagzeilen gesorgt hat. Da gab (und gibt) es auch Auswahlkriterien, die mit einer zivilisierten Gesellschaft soviel zu tun haben, wie ein Toaster mit einem Elefanten. Was die Abfertigung angeht kam ich mir vor wie ein Koffer am Flughafen. Man wird auch nur insoweit ertragen, wie die gewählte Fachrichtung einen möglichen Einsatz in der Automobilindustrie vorsieht...ein Schelm wer jetzt Böses vermutet ;)
Gruß aus dem Rhein-Main-Gebiet,
Fetzi.
PS: Danke an Herrn Kahl für diesen Artikel.
Dasselbe gilt für mich. Meine Fachhochschule liegt unweit der Zentrale eines Automobilherstellers der in der letzten Zeit für viel Schlagzeilen gesorgt hat. Da gab (und gibt) es auch Auswahlkriterien, die mit einer zivilisierten Gesellschaft soviel zu tun haben, wie ein Toaster mit einem Elefanten. Was die Abfertigung angeht kam ich mir vor wie ein Koffer am Flughafen. Man wird auch nur insoweit ertragen, wie die gewählte Fachrichtung einen möglichen Einsatz in der Automobilindustrie vorsieht...ein Schelm wer jetzt Böses vermutet ;)
Gruß aus dem Rhein-Main-Gebiet,
Fetzi.
PS: Danke an Herrn Kahl für diesen Artikel.
Es ist wirklich kaum zu glauben, was Sie in ihrem Artikel berichten und doch kommt es mir durchaus bekannt vor, da es schlicht und einfach keine Seltenheit, sondern Normalität ist.
Auch stimme ich Ihrer Vermutung zu, dass dieser Protest, genau, wie alle anderen zuvor, sich irgendwann im Sand verläuft.
Es wird sich erst etwas ändern, wenn die Bundespolitik ihre Fehler erkennt und Bildung zur Bundessache macht (wieder). Dass sie gewillt sind, Geld in die Hand zu nehmen, ohne Rücksicht auf die Zukunft, hat man ja im letzten und diesem Jahr gesehen. Wenn es wenigstens mit Rücksicht auf die langfristige Zukunft geschehen würde und die Bildung endlich ihren verdienten Stellenwert bekäme. Aber dazu sind nicht ein paar Millionen hier und ein paar Millionen da nötig, sondern viele, viele Milliarden und beim Willen etwas zu ändern, ein sinnvolles Konzept, d.h. keine Politikertheorien, sondern Konzepte entsprechender Gremien, Direktoren, Schüler, Studenten, Lehrer, Wissenschaftler, Professoren, Institute, wie die Robert-Bosch-Stiftung, sowie den Input anderer Länder, die ein besser funktionierendes Ausbildungssystem haben, als wir.
Sonst wird höchstens was passieren, wenn die Proteste französische Dimensionen annehmen, die sich ja deutlich weniger gefallen lassen, als die Deutschen, aber ob das wünschenswert ist, bleibt dann doch eher fraglich. Besser wäre es nach dem Motto: Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.
der direkt an den gesamten Bundestag und jede Unileitung weitergeleitet werden sollte. (:
Treffender laesst sich die momentane prekaere Situation in den Hochschulen nicht beschreiben.
Das Grundstudium der Informatik in Würzburg ist nur für eines gedacht, so viele Studenten wie möglich auszusieben. Ich hab mich durchgebissen, obwohl ich mir dachte, dass ich hier falsch bin. Aber fuck you Profs. Ich mach was ich denke.
Hier müssen 90% der Studenten bestehen - schwierig wenn 10% nie zur Vorlesung kommen....
Sonst wird die Uni bestraft!
Ich kann dem Artikel nur aus vollem Herzen zustimmen. Was ich an meiner Universität bislang an Unfreundlichkeiten, Desinformationen und ähnlichem erlebt habe, spottet jeder Beschreibung.
Studieren macht keinen Spaß, da das Bachelor-Studium so eingeschnürt ist in ein Korsett von absurden und realitätsfernen Prüf. und Studienordnungen, dass es keinerlei Freiräume läßt, die doch so dringend nötig sind, um einen eigenen und effektiven Weg einzuschlagen.
Ich empfinde die Art und Weise, wie Dozenten und Professoren von oben herab den Studierenden verkünden, sie seien weder geeignet für's Abitur oder Studium und dabei eine Lehrleistung abliefern, die man nur als Leistungsverweigerung interpretieren kann, als Unverschämtheit sondergleichen. Auf der anderen Seite herrscht bei den Studenten häufig tatsächlich Apathismus und eine fast zynische Jagd nach Credit Points, bei der die eigene Weiterbildung konkret keine Rolle spielt (schließlich gibt es ja Wikipedia). Bewußt wird einem das vor allem in Seminaren, die ein absoluter Gewinn sind, Lehrenden und Lernenden viel bringen und bei denen man verblüfft feststellt, dass 90 Minuten wie im Flug vergehen und man nachdenklich aus der Veranstaltung geht.
Universitäten haben so viel Potenzial, das Wissen, die Neugierde und die Leidenschaft der Studierenden für sich zu nutzen und es ist ziemlich tragisch, dass die gegenwärtigen Zustände diesem Umstand keine Rechnung tragen.
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*Ritalin einwerf*
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*schniiiiiiieeeef*
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*Ellenbogen ausfahr* *mobb* *mobb*
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usw. usf.
Als ich mein Studium 1984 begonnen habe war die Situation ebenfalls katastrophal. Anfängervorlesung in Informatik mit über 500 Hörern.Und natürlich musste da auch die Hälfte bis zum Vordiplom raus...
Ich habe mich durchgebissen.
Erst im Hauptstudium und danach ist mir klargeworden was die "Untertunnelung" des Studentenberges für eine Sauerei war.
Heute habe ich Prof. Grüske den Rektor der FAU Erlangen-Nürnberg im Radio gehört wie er gesagt hat, man sei leider noch nicht dazugekommen nach(!) der Umstellung auf Bachelor/Master die Pläne zu entrümpeln und habe im Übrigen leider auch gar nicht die erforderlichen zusätzlichen Mittel für ein betreungsintensives Bachelor Studienangebot.
Wieso erzählt er das heute im Radio und nicht vor x Jahren in den Gremien, die die Entscheidungen getroffen haben? Oder wollte man nicht zuhören.
Man kann den Glauben an die Vernunft in der Politik verlieren.
Blackbelt
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