Bildungsstreik Wie man Studenten apathisch machtSeite 3/3

Dabei können sich die streikenden Studenten anders als ihre Vorgänger über Zustimmung und sogar über Ermunterung nicht beklagen. Aber mancher Zuspruch ist durchschaubar. Die Bildungslobby will ihre Ressourcenströme sichern.

Gewiss, Bildung braucht Geld. Viel mehr Geld. Aber sie braucht eine noch wichtigere Ressource: Ideen. Und mehr noch als Ideen brauchen die Findelkinder in den Unis, starke Mentoren. Wie wäre es denn, wenn unsere Nestoren wie Enzensberger, wenn Wissenschafter wie Binnig, wenn Schriftsteller und Künstler, wenn Bürger, auch kluge Unternehmer und Manager, wenn vielleicht auch Politiker in die Hochschulen gingen. Der Bundespräsident voran.

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Wenn sie mit den Studenten die Zukunft träumen und denken. Wenn sie ihre Geschichten mitbringen. Denn Biografien verlaufen anders als Studienpläne. Nicht nur die Big Shots, die mit so etwas anfangen müssten, sind gefragt sich als Mentoren anzubieten. Die Studentinnen und Studenten brauchen Gesellschaft. Und wenn manche Hochschule keine einladenden Räume hat, in denen man die halbe Nacht diskutieren will, dann sind die Theater gefragt, Stadthallen oder die leer stehenden Kirchen ihre Türen zu öffnen.

 
Leser-Kommentare
    • palawa
    • 17.11.2009 um 11:27 Uhr
    1. Danke!

    für diesen Artikel. Unser Dekan ist ebenfalls unfähig. Er informiert uns gerne per eMail über Prüfungsänderungen und ähnliches. Wir kommen uns oft austauschbar vor. Herzliche Grüße aus der Rhein-Neckar-Region!

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    Dasselbe gilt für mich. Meine Fachhochschule liegt unweit der Zentrale eines Automobilherstellers der in der letzten Zeit für viel Schlagzeilen gesorgt hat. Da gab (und gibt) es auch Auswahlkriterien, die mit einer zivilisierten Gesellschaft soviel zu tun haben, wie ein Toaster mit einem Elefanten. Was die Abfertigung angeht kam ich mir vor wie ein Koffer am Flughafen. Man wird auch nur insoweit ertragen, wie die gewählte Fachrichtung einen möglichen Einsatz in der Automobilindustrie vorsieht...ein Schelm wer jetzt Böses vermutet ;)

    Gruß aus dem Rhein-Main-Gebiet,
    Fetzi.

    PS: Danke an Herrn Kahl für diesen Artikel.

    Dasselbe gilt für mich. Meine Fachhochschule liegt unweit der Zentrale eines Automobilherstellers der in der letzten Zeit für viel Schlagzeilen gesorgt hat. Da gab (und gibt) es auch Auswahlkriterien, die mit einer zivilisierten Gesellschaft soviel zu tun haben, wie ein Toaster mit einem Elefanten. Was die Abfertigung angeht kam ich mir vor wie ein Koffer am Flughafen. Man wird auch nur insoweit ertragen, wie die gewählte Fachrichtung einen möglichen Einsatz in der Automobilindustrie vorsieht...ein Schelm wer jetzt Böses vermutet ;)

    Gruß aus dem Rhein-Main-Gebiet,
    Fetzi.

    PS: Danke an Herrn Kahl für diesen Artikel.

  1. Es ist wirklich kaum zu glauben, was Sie in ihrem Artikel berichten und doch kommt es mir durchaus bekannt vor, da es schlicht und einfach keine Seltenheit, sondern Normalität ist.
    Auch stimme ich Ihrer Vermutung zu, dass dieser Protest, genau, wie alle anderen zuvor, sich irgendwann im Sand verläuft.
    Es wird sich erst etwas ändern, wenn die Bundespolitik ihre Fehler erkennt und Bildung zur Bundessache macht (wieder). Dass sie gewillt sind, Geld in die Hand zu nehmen, ohne Rücksicht auf die Zukunft, hat man ja im letzten und diesem Jahr gesehen. Wenn es wenigstens mit Rücksicht auf die langfristige Zukunft geschehen würde und die Bildung endlich ihren verdienten Stellenwert bekäme. Aber dazu sind nicht ein paar Millionen hier und ein paar Millionen da nötig, sondern viele, viele Milliarden und beim Willen etwas zu ändern, ein sinnvolles Konzept, d.h. keine Politikertheorien, sondern Konzepte entsprechender Gremien, Direktoren, Schüler, Studenten, Lehrer, Wissenschaftler, Professoren, Institute, wie die Robert-Bosch-Stiftung, sowie den Input anderer Länder, die ein besser funktionierendes Ausbildungssystem haben, als wir.
    Sonst wird höchstens was passieren, wenn die Proteste französische Dimensionen annehmen, die sich ja deutlich weniger gefallen lassen, als die Deutschen, aber ob das wünschenswert ist, bleibt dann doch eher fraglich. Besser wäre es nach dem Motto: Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.

  2. der direkt an den gesamten Bundestag und jede Unileitung weitergeleitet werden sollte. (:
    Treffender laesst sich die momentane prekaere Situation in den Hochschulen nicht beschreiben.

  3. Das Grundstudium der Informatik in Würzburg ist nur für eines gedacht, so viele Studenten wie möglich auszusieben. Ich hab mich durchgebissen, obwohl ich mir dachte, dass ich hier falsch bin. Aber fuck you Profs. Ich mach was ich denke.

  4. Hier müssen 90% der Studenten bestehen - schwierig wenn 10% nie zur Vorlesung kommen....
    Sonst wird die Uni bestraft!

  5. 6.

    Ich kann dem Artikel nur aus vollem Herzen zustimmen. Was ich an meiner Universität bislang an Unfreundlichkeiten, Desinformationen und ähnlichem erlebt habe, spottet jeder Beschreibung.
    Studieren macht keinen Spaß, da das Bachelor-Studium so eingeschnürt ist in ein Korsett von absurden und realitätsfernen Prüf. und Studienordnungen, dass es keinerlei Freiräume läßt, die doch so dringend nötig sind, um einen eigenen und effektiven Weg einzuschlagen.
    Ich empfinde die Art und Weise, wie Dozenten und Professoren von oben herab den Studierenden verkünden, sie seien weder geeignet für's Abitur oder Studium und dabei eine Lehrleistung abliefern, die man nur als Leistungsverweigerung interpretieren kann, als Unverschämtheit sondergleichen. Auf der anderen Seite herrscht bei den Studenten häufig tatsächlich Apathismus und eine fast zynische Jagd nach Credit Points, bei der die eigene Weiterbildung konkret keine Rolle spielt (schließlich gibt es ja Wikipedia). Bewußt wird einem das vor allem in Seminaren, die ein absoluter Gewinn sind, Lehrenden und Lernenden viel bringen und bei denen man verblüfft feststellt, dass 90 Minuten wie im Flug vergehen und man nachdenklich aus der Veranstaltung geht.

    Universitäten haben so viel Potenzial, das Wissen, die Neugierde und die Leidenschaft der Studierenden für sich zu nutzen und es ist ziemlich tragisch, dass die gegenwärtigen Zustände diesem Umstand keine Rechnung tragen.

  6. Als ich mein Studium 1984 begonnen habe war die Situation ebenfalls katastrophal. Anfängervorlesung in Informatik mit über 500 Hörern.Und natürlich musste da auch die Hälfte bis zum Vordiplom raus...

    Ich habe mich durchgebissen.
    Erst im Hauptstudium und danach ist mir klargeworden was die "Untertunnelung" des Studentenberges für eine Sauerei war.

    Heute habe ich Prof. Grüske den Rektor der FAU Erlangen-Nürnberg im Radio gehört wie er gesagt hat, man sei leider noch nicht dazugekommen nach(!) der Umstellung auf Bachelor/Master die Pläne zu entrümpeln und habe im Übrigen leider auch gar nicht die erforderlichen zusätzlichen Mittel für ein betreungsintensives Bachelor Studienangebot.

    Wieso erzählt er das heute im Radio und nicht vor x Jahren in den Gremien, die die Entscheidungen getroffen haben? Oder wollte man nicht zuhören.

    Man kann den Glauben an die Vernunft in der Politik verlieren.

    Blackbelt

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