Wie man Studenten apathisch macht
Denn Kreativität braucht Spielräume. Aber es mangelt in Hochschulen an einem inspirierenden Studium Fundamentale, an Themen und Übungen, in denen man herausfindet, wer man ist und was man will. Studierende werden stattdessen mit Wissenshäppchen voll gestopft und abgespeist.
Dabei wird angesichts einer unsicheren Zukunft Bildung wichtiger als Ausbildung. Die Geschäftsgrundlage von Ausbildung ist nämlich, dass die Zukunft als Wiederholung der Vergangenheit bereits bekannt ist. Scouts, die sich ins Neuland wagen, brauchen neben einer guten Orientierung vor allem Selbstvertrauen.
Tatsächlich fühlen sich die meisten Studenten verloren wie Findelkinder auf dem Bahnhof. Großes Gedrängel. Immerfort neue Durchsagen. Wohin die Züge wirklich fahren und ob sie am Ziel überhaupt ankommen, ist unklar. Wohin man denn will, das ist nirgendwo Thema. Die Frage, ob man vielleicht auch mal umsteigen sollte, wird nicht gern gehört. Aber die Fahrpläne werden fortwährend in Details perfektioniert. Und wenn die Ziele völlig abhanden kommen, dann fahren eben alle Züge nach Bologna.
Und das Resultat? Eine Studie der Uni Konstanz, erhoben im Auftrag der Bundesregierung, kommt zu dem skandalösen Ergebnis, Studenten in Deutschland seien heute so "labil und teilnahmslos" wie nie zuvor. Sie hätten den Eindruck, "als könnten sie weder ihre berufliche Karriere noch politische Entscheidungen wirklich beeinflussen", sagt Studienleiter Tino Bargel. Was bislang nur für Jugendliche ohne berufliche Qualifikation gegolten habe, treffe nun auf mehr und mehr Studierende zu.
Wie macht man junge Leute apathisch? Zeit verknappen und fein gemahlenen Stoff in Köpfe füllen, die sich dafür nach der Klausur nicht weiter zu interessieren brauchen. Bulimie lernen. So wird alltägliche Verwahrlosung produziert.
Denn die vielfältige und schöne Welt wird gleichgültig. Wissen und Können werden wertlos, wenn sie zu Mitteln für abstrakte Erfolge, für Abschlüsse werden und am Ende nur zum bloßen Überleben taugen. Diese Auszehrung nennen die Studentinnen und Studenten die Ökonomisierung des Studiums.
Aber es fällt ihnen schwer, diesen Überdruss zu artikulieren und ihre Gefühle in Sprache zu fassen. Ratlos flüchtet der Protest zu Klischees. Vermutlich wird auch dieser "Bildungsstreik" nicht explodieren und aufrütteln, sondern wie seine Vorgänger bald implodieren und spätestens Weihnachten verschwunden sein.
- Datum 17.11.2009 - 13:17 Uhr
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- Serie Bildungskolumne
- Quelle ZEIT ONLINE
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für diesen Artikel. Unser Dekan ist ebenfalls unfähig. Er informiert uns gerne per eMail über Prüfungsänderungen und ähnliches. Wir kommen uns oft austauschbar vor. Herzliche Grüße aus der Rhein-Neckar-Region!
Dasselbe gilt für mich. Meine Fachhochschule liegt unweit der Zentrale eines Automobilherstellers der in der letzten Zeit für viel Schlagzeilen gesorgt hat. Da gab (und gibt) es auch Auswahlkriterien, die mit einer zivilisierten Gesellschaft soviel zu tun haben, wie ein Toaster mit einem Elefanten. Was die Abfertigung angeht kam ich mir vor wie ein Koffer am Flughafen. Man wird auch nur insoweit ertragen, wie die gewählte Fachrichtung einen möglichen Einsatz in der Automobilindustrie vorsieht...ein Schelm wer jetzt Böses vermutet ;)
Gruß aus dem Rhein-Main-Gebiet,
Fetzi.
PS: Danke an Herrn Kahl für diesen Artikel.
Das Grundstudium der Informatik in Würzburg ist nur für eines gedacht, so viele Studenten wie möglich auszusieben. Ich hab mich durchgebissen, obwohl ich mir dachte, dass ich hier falsch bin. Aber fuck you Profs. Ich mach was ich denke.
Es ist wirklich kaum zu glauben, was Sie in ihrem Artikel berichten und doch kommt es mir durchaus bekannt vor, da es schlicht und einfach keine Seltenheit, sondern Normalität ist.
Auch stimme ich Ihrer Vermutung zu, dass dieser Protest, genau, wie alle anderen zuvor, sich irgendwann im Sand verläuft.
Es wird sich erst etwas ändern, wenn die Bundespolitik ihre Fehler erkennt und Bildung zur Bundessache macht (wieder). Dass sie gewillt sind, Geld in die Hand zu nehmen, ohne Rücksicht auf die Zukunft, hat man ja im letzten und diesem Jahr gesehen. Wenn es wenigstens mit Rücksicht auf die langfristige Zukunft geschehen würde und die Bildung endlich ihren verdienten Stellenwert bekäme. Aber dazu sind nicht ein paar Millionen hier und ein paar Millionen da nötig, sondern viele, viele Milliarden und beim Willen etwas zu ändern, ein sinnvolles Konzept, d.h. keine Politikertheorien, sondern Konzepte entsprechender Gremien, Direktoren, Schüler, Studenten, Lehrer, Wissenschaftler, Professoren, Institute, wie die Robert-Bosch-Stiftung, sowie den Input anderer Länder, die ein besser funktionierendes Ausbildungssystem haben, als wir.
Sonst wird höchstens was passieren, wenn die Proteste französische Dimensionen annehmen, die sich ja deutlich weniger gefallen lassen, als die Deutschen, aber ob das wünschenswert ist, bleibt dann doch eher fraglich. Besser wäre es nach dem Motto: Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.
der direkt an den gesamten Bundestag und jede Unileitung weitergeleitet werden sollte. (:
Treffender laesst sich die momentane prekaere Situation in den Hochschulen nicht beschreiben.
Hier müssen 90% der Studenten bestehen - schwierig wenn 10% nie zur Vorlesung kommen....
Sonst wird die Uni bestraft!
Ich kann dem Artikel nur aus vollem Herzen zustimmen. Was ich an meiner Universität bislang an Unfreundlichkeiten, Desinformationen und ähnlichem erlebt habe, spottet jeder Beschreibung.
Studieren macht keinen Spaß, da das Bachelor-Studium so eingeschnürt ist in ein Korsett von absurden und realitätsfernen Prüf. und Studienordnungen, dass es keinerlei Freiräume läßt, die doch so dringend nötig sind, um einen eigenen und effektiven Weg einzuschlagen.
Ich empfinde die Art und Weise, wie Dozenten und Professoren von oben herab den Studierenden verkünden, sie seien weder geeignet für's Abitur oder Studium und dabei eine Lehrleistung abliefern, die man nur als Leistungsverweigerung interpretieren kann, als Unverschämtheit sondergleichen. Auf der anderen Seite herrscht bei den Studenten häufig tatsächlich Apathismus und eine fast zynische Jagd nach Credit Points, bei der die eigene Weiterbildung konkret keine Rolle spielt (schließlich gibt es ja Wikipedia). Bewußt wird einem das vor allem in Seminaren, die ein absoluter Gewinn sind, Lehrenden und Lernenden viel bringen und bei denen man verblüfft feststellt, dass 90 Minuten wie im Flug vergehen und man nachdenklich aus der Veranstaltung geht.
Universitäten haben so viel Potenzial, das Wissen, die Neugierde und die Leidenschaft der Studierenden für sich zu nutzen und es ist ziemlich tragisch, dass die gegenwärtigen Zustände diesem Umstand keine Rechnung tragen.
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*Ritalin einwerf*
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*schniiiiiiieeeef*
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*Ellenbogen ausfahr* *mobb* *mobb*
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usw. usf.
Als ich mein Studium 1984 begonnen habe war die Situation ebenfalls katastrophal. Anfängervorlesung in Informatik mit über 500 Hörern.Und natürlich musste da auch die Hälfte bis zum Vordiplom raus...
Ich habe mich durchgebissen.
Erst im Hauptstudium und danach ist mir klargeworden was die "Untertunnelung" des Studentenberges für eine Sauerei war.
Heute habe ich Prof. Grüske den Rektor der FAU Erlangen-Nürnberg im Radio gehört wie er gesagt hat, man sei leider noch nicht dazugekommen nach(!) der Umstellung auf Bachelor/Master die Pläne zu entrümpeln und habe im Übrigen leider auch gar nicht die erforderlichen zusätzlichen Mittel für ein betreungsintensives Bachelor Studienangebot.
Wieso erzählt er das heute im Radio und nicht vor x Jahren in den Gremien, die die Entscheidungen getroffen haben? Oder wollte man nicht zuhören.
Man kann den Glauben an die Vernunft in der Politik verlieren.
Blackbelt
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