Zwangsreise nach Australien Eine späte Entschuldigung für Heimkinder
Arme Kinder aus Großbritannien sind unter demütigenden Bedingungen in australischen Kinderheimen aufgewachsen. Jetzt hat sich Australiens Premierminister entschuldigt
© Victor Fraile/Getty Images

Australiens Premierminister Kevin Rudd. Er hat sich entschuldigt bei den ehemaligen Heimkindern Australiens
Sandra Anker war sechs Jahre alt, als man sie 1950 aus England nach Australien schickte. Sie dachte, sie ginge auf eine Abenteuerreise und würde zu ihren Eltern zurückkehren. Anderen Kindern erzählte man, ihre Eltern seien tot.
Ihren Eltern wiederum wurde versprochen, die Kinder würden ein viel besseres Leben erwarten als das ärmliche daheim. Viele dachten, ihre Söhne und Töchter seien von reichen britischen Eltern adoptiert worden. Angekommen in der Kolonie erlebten die Kinder jedoch oft Ausbeutung, Missbrauch und Vernachlässigung in Kinderheimen oder als Landarbeiter auf Farmen.
Zwischen 1930 und 1970 wuchsen schätzungsweise 500.000 Kinder in staatlichen und kirchlichen Heimen in Australien auf. Laut Guardian wurden allein aus Großbritannien bis ins Jahr 1967 rund 150.000 Kinder zwischen drei und 14 Jahren nach Übersee geschickt, vor allem nach Australien und Kanada. Geschwister wurden getrennt, der Kontakt zwischen Eltern und Kindern verhindert.
Jetzt hat sich der australische Premierminister Kevin Rudd bei Zehntausenden seiner Landsleute entschuldigt, die als junge Menschen in Heimen physisch und emotional gequält worden sind. "Wir entschuldigen uns für die Tragödie", sagte Rudd während der Zeremonie vor mehr als 1000 Opfern im Parlament. Der Regierungschef hatte sich bereits im vergangenen Jahr bei den Ureinwohnern entschuldigt, deren Kinder über Jahrzehnte aus ihren Familien gerissen und zwangsweise in Heimen untergebracht oder von weißen Familien adoptiert worden waren.
"Euch sind die Familien und das Heimatland weggenommen worden, und ihr seid nicht als unschuldige Kinder, sondern als Quelle für Kinderarbeit betrachtet worden", sagte Rudd vor den ehemaligen Heimkindern. "Wir räumen die Lügen ein, die euch und euren Müttern und Vätern erzählt wurden, und den Schmerz, den diese Lügen euer Leben lang verursacht haben."
Die Verschickungen fanden damals statt, weil man die Länder des Commonwealth mit vermeintlich besseren weißen Menschen versorgen wollte. Die Australier brauchten Arbeitskräfte. Die Briten profitierten, weil sie sich einiger Sozialfälle entledigten. Die Kinder stammten aus armen oder zerrütteten Familien.
- Datum 16.11.2009 - 15:12 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, ps
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Schockierend, welche Ungeheuerlichkeiten auch der "freie Westen" noch aufzuarbeiten hat. Dieser Fall war mir neu.
KZ-ähnliche Erziehungsanstalten -- gern unter christlicher Aufsicht stehend -- hat es bekanntlich auch in Westdeutschland gegeben. Oder Zwangssterilisierungen von minderwertigen (also aufsässigen) Menschen in Schweden.
Das totalitäre Zeitalter endete (im Westen) nicht schon 1945, sondern im Grunde erst mit den aufsässigen Studenten von 1968 -- die entsprechend bei den autoritären Anhängern der "Guten Alten Zeit", von "Sitte" und von "Anstand" noch heute zum Ursprung alles Bösen stilisiert werden.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 war zunächst einmal nicht viel mehr als dreiste Heuchelei.
Da sind im 2. Weltkrieg Soldaten eines Landes angetreten um den Rassismus in einem anderen Land zu bekämpfen, obwohl der Rassismus eigentlich erst einmal im eigenen Land und der eigenen Armee hätte bekämpft werden können!
Da sind im 2. Weltkrieg Soldaten eines Landes angetreten um den Rassismus in einem anderen Land zu bekämpfen, obwohl der Rassismus eigentlich erst einmal im eigenen Land und der eigenen Armee hätte bekämpft werden können!
Da sind im 2. Weltkrieg Soldaten eines Landes angetreten um den Rassismus in einem anderen Land zu bekämpfen, obwohl der Rassismus eigentlich erst einmal im eigenen Land und der eigenen Armee hätte bekämpft werden können!
"Ausgewanderten Kinder"? Deportiert wohl eher.
...endete in Westdeutschland (in der DDR war der Umgang mit "Asozialen" und sonstigen Randgruppen auch nicht humaner, wie wir heute wissen!) eigentlich erst tief in den 1970ern - ein "Spiegel"-Artikel aus dem Jahr 1970 über Obdachlosensiedlungen zeigt das ganze Ausmaß institutionalisierter Menschenverachtung in ungebrochener NS-Kontinuität: http://wissen.spiegel.de/...
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