Shell-Jugendstudie 2010 Die Jugend wird wieder politischer
Klaus Hurrelmann, Leiter der neuen Shell-Studie, spricht im Interview über die Jugend in der Krise. Er erwartet eine Repolitisierung. Schließlich gibt es neuen Zündstoff.
Klaus Hurrelmann ist deutscher Sozialwissenschaftler. Er leitet die Untersuchung zur Shell-Jugendstudie, die im September 2010 veröffentlicht werden soll. Auch schon 2006, bei der Vorgängerstudie, leitete er die Untersuchung. Von den ca. acht bis neun Millionen Jugendlichen in Deutschland werden im Frühjahr 2500 interviewt. Die neuen Fragen drehen sie sich vor allem um die Folgen der Wirtschafts- und Finanz-Krise.
ZEIT ONLINE: Was ist ihre Prognose: Wie tickt die Jugend 2010?
Klaus Hurrelmann: Zunächst muss man klären, was man als Jugend bezeichnet. Wann fängt sie an und wann hört sie auf? Jugendstudien gibt es seit 55 Jahren. Seither ist die Spanne des Jugendlich-Seins immer länger geworden. Früher begannen die Untersuchungen mit 16-Jährigen und endeten bei den 18-Jährigen.
ZEIT ONLINE: Und heute?
Hurrelmann: Heute beginnt die Jugend wesentlich früher – mit zwölf. Dann hat bereits mehr als die Hälfte eines Jahrgangs die biologische Geschlechtsreife erlangt. Generell gilt inzwischen die Definition: Man ist kein Kind mehr, wenn man selbst Kinder bekommen kann. Noch viel schwieriger ist es, das Austrittsalter aus der Jugend zu definieren: Dafür gibt es nämlich kein biologisches Kriterium. Wir setzen es, eine Hilfskonstruktion, bei 25 Jahren an: Dann ist die Mehrheit mit der Ausbildung fertig, verdient Geld, denkt über Familiengründung nach.
ZEIT ONLINE: Jugendlich ist man heute also gut 13 Jahre lang?
Hurrelmann: Ja, Jugend beginnt so früh und endet so spät wie nie seit Menschengedenken. Das ist charakteristisch für die heutige Generation und schafft zugleich eine große Unsicherheit. Viele fragen sich, ob sie je wieder rauskommen aus der schier endlosen Jugend-Phase. Wann ist man endlich ein vollwertiger Gesellschaftsbürger? Anders als früher garantiert heute schließlich eine gute Ausbildung nicht mehr unbedingt ein hohes Gehalt oder eine feste Anstellung. Wir konstatieren, soziologisch gesprochen, eine lang anhaltende, tief sitzende strukturelle Unsicherheit. Das war schon bei unserer letzten Shell-Studie, 2006, ein zentrales Ergebnis.
ZEIT ONLINE: Wie geht die junge Generation damit um?
Hurrelmann: Zu unserer Überraschung: ungeheuer sachlich. "Pragmatische Generation", haben wir sie 2006 genannt. Es gab damals eine unheimlich hohe Bereitschaft, in die eigene Bildung zu investieren. Man konnte von einer auffallend hohen Karriereorientiertheit sprechen, fast von einem Schuss Opportunismus. Nach Kritik und Unzufriedenheit mussten wir fast mit der Lupe suchen. Was wir allerdings festgestellt haben, war ein ziemlich hoher Angstpegel. 50 Prozent der Jugendlich spürten Druck im Alltag.
ZEIT ONLINE: Dabei war 2006 die Krise noch nicht einmal so allgegenwärtig wie heute...
Hurrelmann: Eben. Eine Vermutung ist, dass der gefühlte Druck zugenommen haben dürfte.
ZEIT ONLINE: Irgendwann muss sich doch der Druck entladen oder ein Ventil suchen. Rechnen sie mit einer Repolitisierung oder gar Radikalisierung der Jugend?
- Datum 17.03.2010 - 22:18 Uhr
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- Serie Zukunft der Demokratie
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ich muss herrn hurrelmann widersprechen, die jugend ist politisch und betrachtet sich auch so, allerdings verbinden viele mit "politisch sein" eher die regierung und den staat. sie haben einfach keine verbindung zu den parteien und betrachten sich daher als unpolitisch, weil sie sich nicht einordnen können/wollen.
am rande bemerkt läuft der BILDUNGSstreik, und nicht hochschulstreik, schon seit november 2008, im juni 2009 waren an die 270.000 auf der straße, die "repolitisierung" begann also schon früher.
dem kann ich nur beipflichten. Die Jugend von heute ist sogar sehr politisch interessiert, jedoch fehlt den meisten die zugehörigkeit, deshalb sind sie wie man übrigens in den Vz Reihen (Mein Vz, Schüler Vz) sowie Facebook usw beobachten kann, unpolitisch. Das hat einen einfachen Grund und zwar wie kann man sich zu einer Partei oder zu einer politischen Richtung wie z.B. Liberal oder Konservativ hingezogen fühlen, obwohl es heute alles de selbe Einheitsbrei ist, denn beschissen wird man von allen.
Absolut richtig. Es besteht keine Politikverdrossenheit, eher eine Politiker- und Phrasendrescherverdrossenheit, zumindest in meinem Umfeld.
Soweit ich die Sache überblicke tut sich etwas in diesem Sommer - politisch, sozial. Zumindest braut sich bereits im WEB etwas zusammen. sie unter www.sehnsuchtskarawane.de
Hansludwig
...zumindest scheint es so in diesem Sommer. "Wohin geht Deutschland" lautet die Frage einer sich gerade im Netz findenden Jugendbewegung. Siehe unter www.sehnsuchtskarawane.de
dem kann ich nur beipflichten. Die Jugend von heute ist sogar sehr politisch interessiert, jedoch fehlt den meisten die zugehörigkeit, deshalb sind sie wie man übrigens in den Vz Reihen (Mein Vz, Schüler Vz) sowie Facebook usw beobachten kann, unpolitisch. Das hat einen einfachen Grund und zwar wie kann man sich zu einer Partei oder zu einer politischen Richtung wie z.B. Liberal oder Konservativ hingezogen fühlen, obwohl es heute alles de selbe Einheitsbrei ist, denn beschissen wird man von allen.
Absolut richtig. Es besteht keine Politikverdrossenheit, eher eine Politiker- und Phrasendrescherverdrossenheit, zumindest in meinem Umfeld.
Soweit ich die Sache überblicke tut sich etwas in diesem Sommer - politisch, sozial. Zumindest braut sich bereits im WEB etwas zusammen. sie unter www.sehnsuchtskarawane.de
Hansludwig
...zumindest scheint es so in diesem Sommer. "Wohin geht Deutschland" lautet die Frage einer sich gerade im Netz findenden Jugendbewegung. Siehe unter www.sehnsuchtskarawane.de
Leider sind es doch trotzdem Bruchteile der "Jugend", die sich an Demonstrationen und ähnlichem beteiligt.
Uni Frankfurt: maximal 2500 von 35000
Uni Köln: maximal 3000 von 40000
Das ist ein Witz! und keine politische Jugend. Nicht mal unter den Studierenden.
dem kann ich nur beipflichten. Die Jugend von heute ist sogar sehr politisch interessiert, jedoch fehlt den meisten die zugehörigkeit, deshalb sind sie wie man übrigens in den Vz Reihen (Mein Vz, Schüler Vz) sowie Facebook usw beobachten kann, unpolitisch. Das hat einen einfachen Grund und zwar wie kann man sich zu einer Partei oder zu einer politischen Richtung wie z.B. Liberal oder Konservativ hingezogen fühlen, obwohl es heute alles de selbe Einheitsbrei ist, denn beschissen wird man von allen.
Was ist Hurrelmann eigentlich? Wissenschaftler oder Parteipolitiker?
Da scheint mir eher ein gealterter 68iger seinen alten Träumen hinterher zu hecheln.
Dass Studenten an den Hochschulen gegen misslungene Reformen protestieren, hat rein egoistische Gründe. Viele Studiengänge wurden in der Tat überfrachtet. Es wurde ein Leistungsdruck aufgebaut, mit dem viele schlicht nicht mehr klar kamen. Proteste dagegen sollen also eher den eigenen Abschluss sichern, um anschließend besser Geld verdienen zu können. Hehre gesellschaftliche Ziele kann ich da weniger erkennen.
Und Anti-AKW und "Friedens"- Demos haben wohl auch eher was damit zu tun, dass die Parteien der Anti-AKW Bewegung und die vereinigten Vulgärpazifisten wieder in der Opposition sind und nun populistisch auf Stimmenfang gehen.
@Julia09,
Warum diese Aversion gegen "Alt-68er"? Damals zu viel Springer-Presse gelesen?
Was die Studentenproteste angeht: sie scheinen sich ja exzellent auszukennen, was die Motive der Protestierenden (zu denen auch ich gehöre) angeht. Sind Sie selber Studentin oder haben sie jemals mit welchen geredet? Falls nein, muss ich annehmen, dass sie damals (1968) auf der Seite derjenigen standen, die gegen die "langhaarigen Gammler" gewettert haben, die schon damals (zu Recht!) gewagt haben, gegen unzumutbare Zustände an ihren Universitäten zu demonstrieren.
Ich selbst habe nur noch ca. 1/4 meines Studiums vor mir, aber ich denken auch an die Studierenden, die nach mir kommen. Selbst wenn sich während meines Studiums nichts mehr ändert, wachen die Politiker jetzt vielleicht langsam auf und unterziehen die (mMn) größtenteils verkorkste Bologna-Reform einer gründlichen Prüfung.
Den letzten Absatz Ihres Beitrags lasse ich mal so stehen, passt er doch mMn nach recht gut in Ihr reaktionäres Weltbild.
FMC
@Julia09,
Warum diese Aversion gegen "Alt-68er"? Damals zu viel Springer-Presse gelesen?
Was die Studentenproteste angeht: sie scheinen sich ja exzellent auszukennen, was die Motive der Protestierenden (zu denen auch ich gehöre) angeht. Sind Sie selber Studentin oder haben sie jemals mit welchen geredet? Falls nein, muss ich annehmen, dass sie damals (1968) auf der Seite derjenigen standen, die gegen die "langhaarigen Gammler" gewettert haben, die schon damals (zu Recht!) gewagt haben, gegen unzumutbare Zustände an ihren Universitäten zu demonstrieren.
Ich selbst habe nur noch ca. 1/4 meines Studiums vor mir, aber ich denken auch an die Studierenden, die nach mir kommen. Selbst wenn sich während meines Studiums nichts mehr ändert, wachen die Politiker jetzt vielleicht langsam auf und unterziehen die (mMn) größtenteils verkorkste Bologna-Reform einer gründlichen Prüfung.
Den letzten Absatz Ihres Beitrags lasse ich mal so stehen, passt er doch mMn nach recht gut in Ihr reaktionäres Weltbild.
FMC
@Julia09,
Warum diese Aversion gegen "Alt-68er"? Damals zu viel Springer-Presse gelesen?
Was die Studentenproteste angeht: sie scheinen sich ja exzellent auszukennen, was die Motive der Protestierenden (zu denen auch ich gehöre) angeht. Sind Sie selber Studentin oder haben sie jemals mit welchen geredet? Falls nein, muss ich annehmen, dass sie damals (1968) auf der Seite derjenigen standen, die gegen die "langhaarigen Gammler" gewettert haben, die schon damals (zu Recht!) gewagt haben, gegen unzumutbare Zustände an ihren Universitäten zu demonstrieren.
Ich selbst habe nur noch ca. 1/4 meines Studiums vor mir, aber ich denken auch an die Studierenden, die nach mir kommen. Selbst wenn sich während meines Studiums nichts mehr ändert, wachen die Politiker jetzt vielleicht langsam auf und unterziehen die (mMn) größtenteils verkorkste Bologna-Reform einer gründlichen Prüfung.
Den letzten Absatz Ihres Beitrags lasse ich mal so stehen, passt er doch mMn nach recht gut in Ihr reaktionäres Weltbild.
FMC
Mich hat selbst die Angabe, dass ein Drittel der Jugend politisch interessiert sein soll, überrascht.
Wenn das politische Interesse daran definiert werden soll, ob man weiß wer die Bundeskanzlerin ist, wären diese Angaben realistisch.
Doch die Zahl derjenigen, die sich auch außerschulisch mit dieser Thematik beschäftigen ist verschwindend gering.
Diese Entwicklung ist aber auch nicht weiter verwunderlich. Die Schulaktivität jüngerer Jugendlichen lässt diesen kaum Zeit sich politisch zu informieren, was eine elementare Vorraussetzung für das politische Interesse ist.
Das Bilderraten von den neuen Ministern im Politikunterricht hilft da auch nicht sehr viel.
Zu dem Bildungsstreik:
Die passive Teilnahme dieser Demonstration, deren Hauptnutzen für die meisten Schüler darin besteht, dass sie der Schule fernbleiben können, ist keineswegs ein Indiz für politisches Interesse.
Zündeln von Autos und Bildung von Barrikaden und Veranstalten von Chaos und Angst in Berlin, Hamburg, Frankfurt, etc. sind doch keine Indizien für Polit-Interesse! Wer hat diese Studie gemacht und viel Geld
verbraten ????
Das steht doch im Titel: Die Shell. Die SHELL. DIE SHEHELL!
Hier:
http://www.shell.de/home/...
Über Ihren Kuschelrock-Begriff von Politik reden wir jetzt mal lieber nicht.
Das steht doch im Titel: Die Shell. Die SHELL. DIE SHEHELL!
Hier:
http://www.shell.de/home/...
Über Ihren Kuschelrock-Begriff von Politik reden wir jetzt mal lieber nicht.
Hurrelmann: "Politisch im klassischen Sinn ist die heutige Jugend nicht. Im Gegenteil. ... Aber, meine Hypothese ist: Das Politische wird wieder zunehmen."
Reicht das für diesen Aufmacher??
Es handelt sich also um Wunschdenken, dem man sich natürlich im Sinne und zum Wohle der jungen Generation anschliessen muss...
Denn sie wird schliesslich die Generation sein, die die katastrophalen Schuldenberge der Neuzeit mit den Niedrigeinkommen der Zukunft schultern muss.
Ich habe das Gefühl wir haben es mit einer zwanghaft konservierten Jugend zu tun. Diese Lebensphase wird über alle anderen Lebensabschnitte gestellt. Jung ist schick, jung ist in. Das unsichtbare Korsett in das wir uns alle zwangsläufig begeben wird von Jahr zu Jahr enger geschnürt. Ich fühle mich oft wie in einem überdimensionalen Hamsterrad, in dem alle laufen. Jedenfalls die, die mit dem gesellschaftlich vorgegebenen Tempo schritthalten können. Blebt jemand stehen, wird er oder sie über den Haufen gerannt. Die prekären Arbeitsverhältnisse der Generation Praktikum tragen einen erheblichen Teil dazu bei, die Jugend zu verlängern. Denn wer mit Ende 20 noch superflexibel und ohne feste Bindungen (sowohl partnerschaftlich wie auch im Beruf) in seiner WG in den Tag hinein lebt, der muss doch zwangsläufig ein jugendliches Leben führen. Einen anderen Lebensstandard könnte er sich, selbst wenn er wollte nicht einmal ansatzweise leisten. Und er würde dazu führen das Leben überdenken zu müssen...
Ich habe das Gefühl wir haben es mit einer zwanghaft konservierten Jugend zu tun. Diese Lebensphase wird über alle anderen Lebensabschnitte gestellt. Jung ist schick, jung ist in. Das unsichtbare Korsett in das wir uns alle zwangsläufig begeben wird von Jahr zu Jahr enger geschnürt. Ich fühle mich oft wie in einem überdimensionalen Hamsterrad, in dem alle laufen. Jedenfalls die, die mit dem gesellschaftlich vorgegebenen Tempo schritthalten können. Blebt jemand stehen, wird er oder sie über den Haufen gerannt. Die prekären Arbeitsverhältnisse der Generation Praktikum tragen einen erheblichen Teil dazu bei, die Jugend zu verlängern. Denn wer mit Ende 20 noch superflexibel und ohne feste Bindungen (sowohl partnerschaftlich wie auch im Beruf) in seiner WG in den Tag hinein lebt, der muss doch zwangsläufig ein jugendliches Leben führen. Einen anderen Lebensstandard könnte er sich, selbst wenn er wollte nicht einmal ansatzweise leisten. Und er würde dazu führen das Leben überdenken zu müssen...
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