Japan Land der Alten und Singles

Japan vergreist rapide. Seine Gesellschaft ist verunsichert, die Einkommen sinken, alte Werte verschwinden - und die Menschen finden nicht mehr zusammen.

Japans Bevölkerung muss sich anstrengen, wenn sie das Problem der Überalterung in den Griff bekommen will

Japans Bevölkerung muss sich anstrengen, wenn sie das Problem der Überalterung in den Griff bekommen will

In Deutschland wäre es ein ödes Wahlversprechen, in Japan kommt  es einer Revolution gleich: Die neue Regierung von Premier Yukio Hatoyama will das Kindergeld kräftig erhöhen. 26.000 Yen soll es bis zum 18. Lebensjahr für jedes Kind im Monat geben, das sind ungefähr 200 Euro. Das Staatsgeschenk hat einen konkreten Grund, denn das Land droht in naher Zukunft zu einem Altersheim zu werden.

Wenn es um den Anteil der Rentner geht, ist Japan bereits jetzt weltweit führend, 22,5 Prozent der Bevölkerung sind älter als 65 Jahre, 2030 werden bereits 30,6 Prozent im Rentenalter sein. In zehn Jahren wird auf einen arbeitenden Japaner und damit Steuerzahler ein Rentner kommen. Gleichzeitig ist die Geburtenrate mit 1,32 Kindern pro Frau auf einem historischen Tiefstand, vor allem der Anteil der arbeitenden Bevölkerung wird immer kleiner. Allein ist das Land nicht mit dem Problem, auch in Deutschland und anderen Staaten lässt sich diese Entwicklung beobachten. Weswegen die industrialisierte Welt mit großem Interesse betrachtet, wie man in Asien mit dem Problem umgeht.

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Möglicherweise aber ist Japan ein schlechtes Vorbild. Beispiel Geburtenrate: Wie in Deutschland haben weniger Frauen den Wunsch oder die Möglichkeit, Kinder zu bekommen. In Europa, weil steigende Einkommen und hoher Bildungsgrad ein Leben ohne Kinder auch für Frauen attraktiv werden lässt. In Japan jedoch, weil sie keinen Mann finden.

Die Gesellschaft basiert dort noch immer auf dem Ideal der Hausfrau und des Ernährers. Jedoch ist das durchschnittliche Einkommen der "Haushaltsvorstände" in den vergangenen Jahren aufgrund struktureller Probleme und Wirtschaftskrisen kontinuierlich gesunken und liegt derzeit bei nur noch 5,3 Millionen Yen (40.000 Euro) im Jahr, was angesichts der hohen Lebenshaltungskosten nur mühsam reicht, um eine Familie zu unterhalten.

Gleichzeitig gibt es immer weniger Festanstellungen und immer mehr junge Absolventen, die sich als "Freeter" durchschlagen, wie sie hier heißen – als Freiberufler ohne die für das Fortkommen so wichtige Lebensanstellung. Sie verdienen wenig Geld und haben auch keine Chance auf eine Festanstellung mehr, da es die häufig nur für frische Absolventen gibt. Als potenzieller Ehemann sind sie damit unattraktiv.

Die Folge: Die Rate der Hochzeiten sinkt dramatisch. 1975 waren in der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen nur 14,3 Prozent nicht verheiratet. Im Jahr 2005 waren es bereits 47,1 Prozent, Tendenz steil steigend. Von 1000 Japanern heiraten nur noch 5,6. Viel für deutsche Verhältnisse, doch wenig für japanische. Denn Kinder ohne Ehe sind dort noch immer nicht vorstellbar – was unter anderem Ausdrücke wie "Shotgun-wedding" belegen, die hastige Heirat bei Schwangerschaft. Dabei wünschen sich fast alle Japaner eine Hochzeit, 90 Prozent der Frauen und 87 Prozent der Männer wollen irgendwann heiraten. Doch immer weniger tun es, die Zahl der Geburten sinkt entsprechend.

Frauen sind außerdem mehr und mehr gezwungen, dazu zu verdienen – angesichts der gleichzeitig traditionell langen Arbeitszeiten der Männer bleibt so kaum noch Zeit für Kinder. Oder, wenn sie Kinder wollen, keine Zeit für die Arbeit. In Japan haben genauso viele Frauen wie Männer ein Studium abgeschlossen, an der Ausbildung liegt es nicht. Doch bekommen sie ein Kind, bleiben 70 Prozent der Mütter anschließend zu Hause. Weil die Tradition es gebietet und es anders kaum machbar ist.

Leser-Kommentare
    • Chali
    • 10.12.2009 um 14:48 Uhr

    Sie täten das, sagt Yamada, weil sie keine Hoffnung hätten, selbst mit viel Arbeit den Lebensstandard ihrer Eltern jemals zu erreichen.

    "Deutsch sein, heisst eine Sache um ihrer selbst willen zu tun"
    Da sollten die Japaner aber subito 1-Yen-Jobs einführen!

    • Chali
    • 10.12.2009 um 14:52 Uhr

    Neulich habe ich gehört, dass heute 6.5 arbeitende Arbeitnehmer gebraucht werden, um einen Staatsangestellten (Beamter, Angestellter, Abgeordneter etc) zu ernähren.

    Stimmt das?

    Und wie sieht denn das in 25 Jahren aus?

    Das wollte ich doch schon immer mal wissen.
    Wieviele Leute braucht es, um einen Volkswirtschafts-Professor kleiden und gesund zu ernähren?

  1. Gesamtbevölkerung 82.400.000
    davon über 65 Jahre 25.400.000
    bleiben 57.000.000
    -----------
    davon sind unter 18 Jahre 21.600.000
    Rest 35.400.000
    -----------
    Beschäftigungslose 4.400.000
    bleiben 31.000.000
    -----------
    Staatsbeamte, Irrsinnige,
    Landstreicher 18.000.000
    bleiben 13.000.000
    -----------
    Hausfrauen 10.800.000
    bleiben 2.200.000
    -----------
    Geistliche, Nonnen, Lebedamen
    und deren Beschützer 1.500.000
    bleiben 700.000
    -----------
    Kranke 500.000
    bleiben 200.000
    -----------
    Minister, Parlamentarier Zuchthäusler
    und andere Verbrecher 19.999 199.999
    -----------
    bleiben 1
    ===========

    Und ich habe gerade im Lotto gewonnen.....

  2. Ein hochgezüchtetes Wirtschaftssystem führt sich selbst ad Absurdum.
    Das, was gerade in Japan abläuft, wird sich in ähnlicher Form in allen Industrieländern wiederholen. Das liegt ganz einfach dran, das unser kapitalistische System Materialismus vor Menschlichkeit stellt.

    Meines Erachtens ist ein gutes Mittel dagegen, wieder zur Großfamilie zurück zu kehren. Das Modell hat sich doch bewährt und bewährt sich immer noch, wo es angewandt wird: die Groß - und Urgroßeltern leben mit im Haus oder in der Nähe, jeder hilft jedem, Pflege gegen Kinderbetreuung etc.

    Denkbar wäre auch, das System durch Mehrgenerationen-Lebensformen zu ersetzen oder ergänzen, aber dagegen spricht das Wirtschaftliche: um sich derart miteinander zu verquicken wie es in Großfamilien möglich und auch nötig ist, um eine gewisse "Gegenseitigkeitsqualität" zu erreichen, muß man in wirtschaftlichen Dingen ebenso oft großzügig sein wie in Gefühlsdingen. Dafür wird es aber wohl bei den meisten Menschen nicht reichen. Dafür sind die meisten viel zu materiell eingestellt. Das kann ich natürlich nur schätzen, erlebe es jedoch in meiner täglichen Praxis zum Thema Altenpflege.
    "entweder es hält oder es bricht", sagt man in der Seefahrt. Entweder es werden Möglichkeiten gefunden, daß Kinder - und Altenbetreuung möglich ist oder die Industriegesellschaften schrumpfen. Daran ist erstmal nichts Schlimmes, aber das Wirtschaftssystem muß damit klarkommen. Ein paar Pro - Cent Kindergeld ändern nichts am Prinzip.

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    Ihr Forderung nach den taditionellen Werten ist ja alle Ehren wert,doch ich glaube kaum dass dies zu realisieren ist,weil keiner freiwillig auf die ihm gegebene Freiheit verzichten will.

    "Ich nenn' jetzt einfachmal das Kind beim Namen: Das Problem ist, dass wir mit der modernen Medizin zu alt werden"

    Fuehren wir wieder die Euthanasie ein.wies der gute Hitler auch mal gemacht hat! Das sozialverträgliche Ableben von totem Humankapital.

    Ihr Forderung nach den taditionellen Werten ist ja alle Ehren wert,doch ich glaube kaum dass dies zu realisieren ist,weil keiner freiwillig auf die ihm gegebene Freiheit verzichten will.

    "Ich nenn' jetzt einfachmal das Kind beim Namen: Das Problem ist, dass wir mit der modernen Medizin zu alt werden"

    Fuehren wir wieder die Euthanasie ein.wies der gute Hitler auch mal gemacht hat! Das sozialverträgliche Ableben von totem Humankapital.

  3. Ich denke die Entwicklung in Japan sollte uns zu denken geben. Gleichzeitig bietet uns diese in Deutschland die Chance, nicht den selben Mist zu wiederholen, den die Japaner gerade bauen.
    Ursachen sind aus meiner Sicht folgende:
    - Absoluter Egoismus: Anders kann ich mir nicht erklären, dass Alte sich für so wichtig nehmen, den Jungen nur niedrigere Löhne als den Alten zubilligen.
    - Ignoranz gegenüber der Zukunft und Unmenschlichleit vor allem in Verantwortungsvollen Positionen: Nur so kann ich mir die Aussage des Multivorstandes, dass man nur "den Markt auf Senioren auszurichten brauche".
    Wenn man unsere derzeitigen Unternehmensverantwortlichen beobachtet, die nur noch auf eigenen Profit achten und sich selbstgefällig als "Chef" betrachten, sind wir auf dem gleichen Weg wie die Japaner. Aber noch ist die Hoffnung nicht ganz verloren. Noch können wir durch öffentliche Diskussionen und Forderungen zu mehr Menschlichkeit die verbohrten Altgewordenen zu Zugeständnissen zwingen.

  4. wird die eurozentristische Arroganz aussterben. Ich verstehe nicht, warum selbst bei solch wichtigen und komplexen Themen es nicht möglich sein soll, sachliche Artikel zu verfassen ohne den gehässigen Abschlussatz einzelner Absätze. Man muss ja weiß Gott nicht alles gut finden, aber sachlich darüber berichten sollte man trotzdem. Im übrigen bin ich der Meinung, dass "wir" (sic!) im Alter nicht mehr über "zusammengebastelte Pflegeroboter" lachen, sondern, sofern man es sich leisten kann, mit den Kauf von Exoskelletten, welche einem wieder ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen können, den japanischen Export ankurbeln werden.

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    zu kommentar nr. 6:
    ja, das ist mir auch aufgefallen. wie sonst käme wohl DIESE formulierung zustande:
    "Allein ist das Land nicht mit dem Problem, auch in Deutschland und anderen Staaten lässt sich diese Entwicklung beobachten. Weswegen die industrialisierte Welt mit großem Interesse betrachtet, wie man in Asien mit dem Problem umgeht".

    Ach ja? Ist Japan etwas KEIN Industrieland? Da lache ich ja!
    Haben wir nicht alle mal einen "walkman" von SONY gehabt????

    puuuuuh!

    zu kommentar nr. 6:
    ja, das ist mir auch aufgefallen. wie sonst käme wohl DIESE formulierung zustande:
    "Allein ist das Land nicht mit dem Problem, auch in Deutschland und anderen Staaten lässt sich diese Entwicklung beobachten. Weswegen die industrialisierte Welt mit großem Interesse betrachtet, wie man in Asien mit dem Problem umgeht".

    Ach ja? Ist Japan etwas KEIN Industrieland? Da lache ich ja!
    Haben wir nicht alle mal einen "walkman" von SONY gehabt????

    puuuuuh!

    • Nimzo
    • 10.12.2009 um 17:42 Uhr

    Blablablabla die Japaner werden aussterben....

    Deutschland:

    Fläche: ca. 357.104,07 km²
    Einwohnerzahl: 81.882.342

    Japan:

    Fläche: ca. 377.835 km²
    Einwohnerzahl: ca.127.264.438

    "Parasite Singles" - Ein Soziologe hat gesprochen. Wenn er in Japan arbeitslos wird, darf er im Auftrag der CDU, FDP und SPD Studien anfertigen.

    Halt! Stopp! Nicht für die SPD. Nicht MEHR! In der Opposition sind die ja wieder Menschenfreunde mit einem offenen Ohr für Bürger. *lol*

  5. Ich nenn' jetzt einfachmal das Kind beim Namen: Das Problem ist, dass wir mit der modernen Medizin zu alt werden. Guter Wille der Mediziner vorausgesetzt: Neben einem gesunderen Leben, bedeutet das ein Vergreisen der Gesellschaft. Die FOlgen wurden oben zu genüge beschrieben.
    Die Sache hat ein Gutes. Da unsere Erde überbevölkert ist, schrumpfen sich wenigstens einige Landstriche gesund (wenn man so will). Jedenfalls ist nicht einzusehen, dass die Wirtschaft nur dann funktionieren kann, wenn es immer mehr Menschen gibt. Alternative Lösungsansätze gibt es. Die Rente ab 67 war absolut notwendig und ich denek hier ist auch dem Letzten klar geworden, dass die SED ähhh Linke mit der Abschaffung eine Katastrophe schürt! Privilegien gibt man nicht so gerne wieder her, aber wir müssen das jetzt einfach mal. Mehr Wohlstand korreliert im übrigen nicht mit mehr Reichtum. Vielleicht muss der Mensch einfach mal seine Moral und Vernunft wiederentdecken und sich nicht durch Wirtschaftsungeheur fernsteuern lassen - das führt zu weit - auch wenn es ohne das wohl zum Aussterben unserer Art kommt.

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