Krippenplätze Kinder haben ein Recht darauf

Eltern und Kinder haben Anspruch auf einen Krippenplatz. Der darf nicht aufgegeben werden, nur weil das jetzt höhere Investitionen in den Gemeinden erfordert, kommentiert Parvin Sadigh

Die Kommunen rufen Alarm. Ab 2013 gilt per Gesetz der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Aber die Städte und Gemeinden fürchten, dass das Geld für den Ausbau der Betreuungseinrichtungen nicht reichen wird. Denn es zeichnet sich ab, dass mehr als die kalkulierten 35 Prozent der Eltern ihre Kleinen in Krippen oder bei Tagesmüttern unterbringen wollen. Das suggeriert zumindest eine neue Umfrage unter jungen Frauen, für die allerdings nur Kinderlose befragt wurden. Aber auch Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehr Mütter und Väter auf ihren Anspruch pochen werden. Kann eine Gemeinde ihnen dann keine Krippenplätze anbieten, könnten die Eltern klagen.

Die Kommunen fürchten aus gutem Grund, dass sie diese Klagen verlieren würden. Statt aber jetzt verstärkt in den Ausbau zu investieren, wählen die kommunalen Spitzenverbände einen einfacheren Weg. So fordert der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, den ab 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz einzuschränken.

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Das aber hieße, die Kinderbetreuung wieder dem guten Willen des jeweiligen Bürgermeisters und Rates zu überlassen, und der Finanzkraft ihrer Gemeinde. Wenn die Verantwortlichen in der einen Gemeinde der Ansicht sind, dass Mütter ihre Kinder besser selbst betreuen sollten, werden sie keine zusätzlichen Krippenplätze schaffen. Oder sie können es nicht, weil ihre Kasse leer ist. Das alles wäre ein Riesenrückschritt in eine Zeit, die es gar nicht mehr gibt.

Zwar wird immer noch darum gestritten, wer die schlechtere Mutter ist, die Glucke zu Hause oder die im Job sich selbst verwirklichende. Aber längst nicht mehr so erhitzt und so unversöhnlich wie noch vor einigen Jahren. Die Stimmung hat sich verändert: Dass Mütter auch kleinerer Kinder arbeiten gehen, ist selbstverständlich geworden.

Denn auch wenn es noch verkrampfte Versuche gibt, die Hausfrauenehe hoch zu halten – das von der CSU erstrittene Betreuungsgeld ist das auffälligste Zeichen dafür - geht es heute längst nicht mehr nur um Selbstverwirklichung. Jede Frau (und jeder Mann übrigens auch) muss sich heute gut überlegen, ob sie länger aus dem Beruf aussteigen will und kann, um ihre Kinder zu betreuen.

Denn scheitert die Ehe, ist der Versorger der Familie nach der Änderung des Unterhaltsrechts nur noch sehr kurz und eingeschränkt unterhaltspflichtig. Je länger die Frau (meistens ist es sie) aus dem Beruf ausgestiegen ist, umso schwieriger ist es aber für sie, wieder eine angemessene Arbeit zu finden. Insofern haben nicht nur emanzipierte Frauen, sondern auch die Politik Fakten geschaffen, die ein Recht auf Kindergarten- und Krippenplätze unabdingbar macht. 

Aber es geht nicht nur um die Mütter. Es geht auch um all die schönen Konzepte der frühkindlichen Bildung, die gerne genannt, aber ungern finanziert werden. Denn es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es vielen Kindern nicht nur aus Ausländer- und benachteiligten deutschen Familien gut tut, wenn sie frühzeitig mit anderen Kindern zusammen kommen und gefördert werden. Einem Teil der Kinder wird die Chance auf Erfolg in der Schule verbaut, wenn sie nicht lange vor dem sechsten Lebensjahr anderswo als in der Familie unterstützt werden. 

Den Rechtsanspruch einzuschränken  wäre deshalb ein fatales Zeichen. Trotzdem wäre es ebenso fatal,  nicht die realistischen Zahlen zu ermitteln und entsprechend zu investieren, wie es die Kommunen jetzt fordern. Wie viele Krippen- und Tagesmütterplätze werden wirklich wo gebraucht? Holt der Westen den Osten ein, wo die Zahl der Krippenplätze seit DDR-Zeiten deutlich höher ist? Wie sind die regionalen Unterschiede? 

Denn was man bei all den Zahlenspielen nicht vergessen darf: Es geht um ganz kleine Kinder, nicht um Waren, die man zur Not auch ein wenig gedrängter stapeln kann. Was niemand wollen kann, Eltern nicht und Politiker auch nicht, sind Aufbewahrungsstätten, in denen die Erzieher keine Zeit, keine Kompetenz und keine Kraft für ein anregendes Programm und liebevolle Fürsorge haben. Ein angemessener Betreuungsschlüssel in den Krippen und eine gute Ausbildung der Erzieher und Tagesmütter müssen deshalb immer mit bedacht werden. Und in der Rechnung mit kalkuliert.

Wenn die Kommunen das aus eigener Kraft nicht stemmen können, müssen der Bund und die Länder ihnen unter die Arme greifen. Trotz aller Finanznöte. Denn Kinder dulden keinen Aufschub.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 11.01.2010 um 14:53 Uhr

    ...sollten alle Staatsausgaben gegeneinander abgewogen werden. So auch die Subventionen, die wir Eltern für die schönste Sache der Welt, dem Elternglück, bezahlen. Es ist nicht zunächst klar, ob man auf eine Kita, ein Pflegeheim oder ein Windrad, einen öffentlichen Sender, eine Bücherei oder ein Museum verzichten sollte. Auf einige solcher Dinge werden wir aber verzichten müssen. Also auf welche?

    Vielleicht breiten uns die Politiker und Medien die relevanten Überlegungen vergleichend auf. Darauf würde ich mich allerdings nicht verlassen.

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    "Auf einige solcher Dinge werden wir aber verzichten müssen. Also auf welche?"

    Auf den unsinnigen BW-Einsatz in Afghanistan oder sonstwo.
    Kostet JEDES Jahr eine Milliarde Euro.
    Der Wehretat ist in den letzten Jahren beiläufig von 20 Milliarden Euro auf über 30 Milliarden Euro.
    Vom Bankeralmosen möchte ich hier gar nicht sprechen.

    Konsequent durchgesetzt könnte man pro Jahr gut und gerne
    10 Milliarden Euro zur Verfügung haben um zB JEDEM Kind im Land die Chancen zu bieten, die sie brauchen.

    Vergessen Sie nicht: dass was Sie heute als "privates Elternglück" herabwürdigen sind die Leistungsträger von morgen (Steuerzahler, Mediziner, Wissenschaftler, Lehrer, Polizisten, Politiker...etc)

    "Auf einige solcher Dinge werden wir aber verzichten müssen. Also auf welche?"

    Auf den unsinnigen BW-Einsatz in Afghanistan oder sonstwo.
    Kostet JEDES Jahr eine Milliarde Euro.
    Der Wehretat ist in den letzten Jahren beiläufig von 20 Milliarden Euro auf über 30 Milliarden Euro.
    Vom Bankeralmosen möchte ich hier gar nicht sprechen.

    Konsequent durchgesetzt könnte man pro Jahr gut und gerne
    10 Milliarden Euro zur Verfügung haben um zB JEDEM Kind im Land die Chancen zu bieten, die sie brauchen.

    Vergessen Sie nicht: dass was Sie heute als "privates Elternglück" herabwürdigen sind die Leistungsträger von morgen (Steuerzahler, Mediziner, Wissenschaftler, Lehrer, Polizisten, Politiker...etc)

  1. Zitat: Zwar wird immer noch darum gestritten, wer die schlechtere Mutter ist, die Glucke zu Hause oder die im Job sich selbst verwirklichende.

    Was ist das denn für eine Wortwahl?

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    Es gibt Extreme und es gibt eine Mitte. Der psychosozialen Gesundheit der Kleinen und späteren Bürger wegen sollte ein Gipfel der Verteilung bei 1 Jahr Urlaub für die Mutter liegen. Denn: Ein Jahr ständiger enger Kontakt zur Mutter gibt den Menschen Vertrauen und Zuversicht für das ganze Leben.
    Von da an öffnet es sich langsam der Welt und braucht irgendwann das "draußen" ebenso sehr wie einst die Mutter. Und die Mutter braucht Arbeit und die Arbeit braucht sie. Deswegen Krippen.
    Wenn es die Kommunen nicht schaffen muss der Bund eben ein bißchen mehr Sozialismus wagen. Die Investition lohnt sich.

    Es gibt Extreme und es gibt eine Mitte. Der psychosozialen Gesundheit der Kleinen und späteren Bürger wegen sollte ein Gipfel der Verteilung bei 1 Jahr Urlaub für die Mutter liegen. Denn: Ein Jahr ständiger enger Kontakt zur Mutter gibt den Menschen Vertrauen und Zuversicht für das ganze Leben.
    Von da an öffnet es sich langsam der Welt und braucht irgendwann das "draußen" ebenso sehr wie einst die Mutter. Und die Mutter braucht Arbeit und die Arbeit braucht sie. Deswegen Krippen.
    Wenn es die Kommunen nicht schaffen muss der Bund eben ein bißchen mehr Sozialismus wagen. Die Investition lohnt sich.

  2. Es gibt Extreme und es gibt eine Mitte. Der psychosozialen Gesundheit der Kleinen und späteren Bürger wegen sollte ein Gipfel der Verteilung bei 1 Jahr Urlaub für die Mutter liegen. Denn: Ein Jahr ständiger enger Kontakt zur Mutter gibt den Menschen Vertrauen und Zuversicht für das ganze Leben.
    Von da an öffnet es sich langsam der Welt und braucht irgendwann das "draußen" ebenso sehr wie einst die Mutter. Und die Mutter braucht Arbeit und die Arbeit braucht sie. Deswegen Krippen.
    Wenn es die Kommunen nicht schaffen muss der Bund eben ein bißchen mehr Sozialismus wagen. Die Investition lohnt sich.

  3. Mir scheint die Gegenüberstellung von Beglucken hier und Selbstverwirklichung dort nicht zu greifen. Nicht jede Mutter, die zu Hause bleibt, ist zwangsläufig eine Glucke, und nicht jede Frau, die außer Haus arbeitet, verwirklicht sich automatisch selbst. Was mir in der Diskussion über die Forderung nach Krippenplätzen immer fehlt, ist die Forderung nach flexibleren und familienfreundlicheren Arbeitszeiten. Wir sitzen vollkommen der Ideologie auf, dass eine maximale Präsenz am Arbeitsplatz auch maximale Effizienz bedeutet, was nicht der Fall ist, und deshalb muss nun auch schon das Leben der Kleinsten von Anfang an vollkommen durchorganisiert werden. Wenn man dem Neurowissenschaftler Gerald Hüther folgt („Gebrauchsanweisung für ein menschliches Gehirn“), fördert das nicht unbedingt die Kreativität. Unbestritten sind Kinderkrippen ein gutes Instrument, um sozial benachteiligte Kinder zu fördern, aber ein allgemeines Kinderrecht auf einen Krippenplatz unterschlägt zu stark die Defizite einer kinderunfreundlichen Arbeitswelt. Jetzt, wo wir mit unseren Steuergeldern Banken vor der Pleite gerettet haben, sollten wir das Selbstbewusstsein aufbringen, eine teilweise Anpassung der Wirtschaft an unsere Bedürfnisse zu fordern, statt eines Acht-Stunden-Plus-Tages ab der Wiege.

  4. Was die Wirtschaft und der Staat brauchen, wissen Sie scheinbar sehr gut.

    Aber welche Bedürfnisse ein Kleinkind im Alter von 1 - 3 Jahren hat, davon haben Sie offensichtlich keine Ahnung!

    Weder finanziell noch personell, und das war schon bei der Verabschiedung des Gesetzes, Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, absehbar, ist diese Gesellschaft in der Lage, den Kleinkindern adäquat das zu bieten, was für sie notwendig wäre.

    Und noch etwas: Unter Emanzipation, Befreiung der Frau, habe ich mir etwas anderes vorgestellt: Wahlfreiheit!!!

    Unter den heutigen Umständen ist den Frauen dringend vom Kinderkriegen abzuraten. Das persönliche Risiko ist unkalkulierbar geworden.

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    • huhi
    • 13.01.2010 um 11:42 Uhr

    Sie schreiben: Weder finanziell noch personell, und das war schon bei der Verabschiedung des Gesetzes, Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, absehbar, ist diese Gesellschaft in der Lage, den Kleinkindern adäquat das zu bieten, was für sie notwendig wäre.
    ICH DENKE, DIE GESELLSCHAFT IST DAZU IN DER LAGE! ALLERDINGS BEDARF ES DAZU EINER KLAREN ENTSCHEIDUNG, WAS WICHTIG IST! MEIN BEISPIEL: EHER EINE MRD: FÜR KITAS ALS FÜR SOLARSTROMSUBVENTIONEN. WENN JEMAND LIEBER WOANDERS SPAREN MÖCHTE, GERNE - ES BEDARF ABER EBEN EINER OFFENEN DISKUSSION IN DIESER GESELLSCHAFT DARÜBER UND KEINEN IDEOLOGISCH VERBOHRTEN DEBATTEN. DAS PROBLEM IN DEUTSCHLAND IST, DASS AUCH SEITENS DER LINKEN/GRÜNEN DENKVERBOTE GELTEN!

    • huhi
    • 13.01.2010 um 11:42 Uhr

    Sie schreiben: Weder finanziell noch personell, und das war schon bei der Verabschiedung des Gesetzes, Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, absehbar, ist diese Gesellschaft in der Lage, den Kleinkindern adäquat das zu bieten, was für sie notwendig wäre.
    ICH DENKE, DIE GESELLSCHAFT IST DAZU IN DER LAGE! ALLERDINGS BEDARF ES DAZU EINER KLAREN ENTSCHEIDUNG, WAS WICHTIG IST! MEIN BEISPIEL: EHER EINE MRD: FÜR KITAS ALS FÜR SOLARSTROMSUBVENTIONEN. WENN JEMAND LIEBER WOANDERS SPAREN MÖCHTE, GERNE - ES BEDARF ABER EBEN EINER OFFENEN DISKUSSION IN DIESER GESELLSCHAFT DARÜBER UND KEINEN IDEOLOGISCH VERBOHRTEN DEBATTEN. DAS PROBLEM IN DEUTSCHLAND IST, DASS AUCH SEITENS DER LINKEN/GRÜNEN DENKVERBOTE GELTEN!

  5. "Auf einige solcher Dinge werden wir aber verzichten müssen. Also auf welche?"

    Auf den unsinnigen BW-Einsatz in Afghanistan oder sonstwo.
    Kostet JEDES Jahr eine Milliarde Euro.
    Der Wehretat ist in den letzten Jahren beiläufig von 20 Milliarden Euro auf über 30 Milliarden Euro.
    Vom Bankeralmosen möchte ich hier gar nicht sprechen.

    Konsequent durchgesetzt könnte man pro Jahr gut und gerne
    10 Milliarden Euro zur Verfügung haben um zB JEDEM Kind im Land die Chancen zu bieten, die sie brauchen.

    Vergessen Sie nicht: dass was Sie heute als "privates Elternglück" herabwürdigen sind die Leistungsträger von morgen (Steuerzahler, Mediziner, Wissenschaftler, Lehrer, Polizisten, Politiker...etc)

    • huhi
    • 13.01.2010 um 11:26 Uhr

    Mein Vorschlag zur Finanzierung:
    EIN Prozent des Stroms wird durch Solarenergie produziert. In dies für Subventionen im zwei(!)stelligen Mrd.-bereich! (siehe auch den Artikel bei Spiegel-online heute).
    Warum nicht diesen Unsinn einstellen und Kitagebäude/-personal finanzieren?
    PS: Selbst die Zeitredaktion denkt ja inzwischen etwas anders über den Solarenergiewahn in Deutschland.

    • huhi
    • 13.01.2010 um 11:42 Uhr

    Sie schreiben: Weder finanziell noch personell, und das war schon bei der Verabschiedung des Gesetzes, Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, absehbar, ist diese Gesellschaft in der Lage, den Kleinkindern adäquat das zu bieten, was für sie notwendig wäre.
    ICH DENKE, DIE GESELLSCHAFT IST DAZU IN DER LAGE! ALLERDINGS BEDARF ES DAZU EINER KLAREN ENTSCHEIDUNG, WAS WICHTIG IST! MEIN BEISPIEL: EHER EINE MRD: FÜR KITAS ALS FÜR SOLARSTROMSUBVENTIONEN. WENN JEMAND LIEBER WOANDERS SPAREN MÖCHTE, GERNE - ES BEDARF ABER EBEN EINER OFFENEN DISKUSSION IN DIESER GESELLSCHAFT DARÜBER UND KEINEN IDEOLOGISCH VERBOHRTEN DEBATTEN. DAS PROBLEM IN DEUTSCHLAND IST, DASS AUCH SEITENS DER LINKEN/GRÜNEN DENKVERBOTE GELTEN!

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