Verbesserungen der Bildung zahlen sich für die Wirtschaft stärker aus, als wenn mehr Geld  in die Konjunkturpolitik gesteckt würde. Bildungsinvestitionen haben überhaupt nur einen Nachteil, sie rechnen sich nicht in Jahresbilanzen oder Legislaturperioden, sondern in Generationen. Sie wirken langsam, aber dafür mächtig.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, zu der die stärksten Industrieländer zusammengeschlossen sind, und die auch die PISA-Studien durchführt, wollte es jetzt genau wissen. Welche wirtschaftliche Wirkung hat bessere Bildung?

Die Autoren der Studie "The High Cost of Low Educational Performance"  sind der Stanford Professor Eric H. Hanushek und der Münchner Bildungsökonom Professor Ludger Woessmnn. Unter Mitarbeit von Andreas Schleicher, dem internationalen PISA-Koordinator, haben sie ihre Algorithmen aus amerikanischen Langzeitstudien und den umfangreichen PISA-Daten entwickelt. Die enormen Effekte, auf die sie kommen, wollten die Autoren erst selbst nicht glauben.

Weltweit würde der eigentlich eher mäßige Zuwachs von 25 PiSA-Punkten sage und schreibe 115 Billionen Dollar im Leben der jetzt Geborenen ausmachen. Wenn die deutschen Kinder auf das Niveau der finnische Schüler gebracht werden könnten, dann entspräche der Ertrag in unserem Land dem Fünffachen der gesamten Jahreswirtschaftsleitung (10.000 Milliarden Euro) oder einem zusätzlichen jährlichen Wachstum von 0,8 Prozent. 25 PISA-Punkte mehr brächten der nächsten Generation in Deutschland immerhin 5000 Milliarden Euro ein.

Die Studie, die drei verschiedene Szenarien vergleicht, nimmt für Verbesserungen in den Schulen einen Zeitraum von 20 Jahren an. Der Ertrag wird auf ein achtzigjähriges Leben der Neugeboren hochgerechnet. Es wäre allerdings eine Täuschung zu glauben, mit mehr Geld allein ließen sich höhere Schulleistungen kaufen.

"Für die Verbesserung der PISA-Performance", so Schleicher, "sind Ausgabensteigerungen nur zu einem Viertel verantwortlich." Der Rest komme von kostenneutralen Faktoren in der Qualität des Unterrichts. Es kommt also vor allem auf die Art an, wie man Schule macht. Polen nennt Schleicher als positives Beispiel. Dort hat eine Schulreform mit einer sechsjährigen Primarschule und weiteren drei gemeinsamen Jahren für alle Schüler in der Sekundarschule zwischen den PiSA-Studien von 2000 und 2006 einen Gewinn von 29 PISA-Punkten gebracht. 25 Punkte mehr sind also nicht unrealistisch.

Was im Einzelnen die Qualität und Wirkmechanismen von Bildung ausmacht, kann eine solche Studie nicht definieren. Aber sie kann Faktoren ausschließen. So ist die Schulzeit allein ein zu vernachlässigender Faktor. Schleichers Empfehlung: In die Produktivität des Unterrichts und in die frühkindliche Bildung investieren!