Schülerinnen im Schleier : Umstrittener Dress-Code in der Schule

Darf eine muslimische Schülerin im Unterricht einen Schleier tragen? Eine klare Regelung fehlt. Das führt zu viel Unsicherheit und Ärger, wie ein aktuelles Beispiel zeigt.

Jasmina hat ihren Schulleiter verklagt, das Verfahren liegt jetzt bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf. Die Gymnasiastin einer 10. Klasse in Oberhausen sah sich "genötigt", in unauffälliger Kleidung zur Schule zu kommen. Der Rektor wollte nicht dulden, dass sie demonstrativ muslimisch auftrat: mit einem knöchellangen, meist dunklen Mantelkleid und einem Schleier, der Haar und Schultern bedeckt (Khimar); das Gesicht bleibt dabei bis auf Stirn und Kinn frei.

Die wenigsten bekennenden Muslime hierzulande oder etwa auch in der Türkei halten eine solche Verschleierung für erforderlich. Wegen ihres Outfits stellte der Schulleiter Jasmina wiederholt zur Rede und schloss sie sogar vom Unterricht aus. Wenn er damit tatsächlich rechtswidrig gegen das Mädchen vorgegangen ist, drohen ihm laut Paragraf 240 des Strafgesetzbuches bis zu fünf Jahre Haft.

Einen Beweis für das angebliche Mobbing durch das Schuloberhaupt sieht Jasmina in ihrem weiteren Bildungsweg: Nach monatelangen Zurechtweisungen wechselte sie mit dem mittleren Abschluss auf eine Gesamtschule in der Nachbarstadt Bottrop. Der dortige Oberstufenleiter sieht in der fremdartigen Kleidung, einem Einzelfall auch an seiner Schule, überhaupt kein Problem.

Umgekehrt verweist der kritischere Oberhausener Gymnasialdirektor auf das Politik-Lehrbuch in der 10. Klasse: "Jasmina entsprach in der Kleidung  einem warnenden Foto im Kapitel Menschenrechte und Frauenrechte." Er habe das Kapitel übersprungen, "um die Schülerin nicht vor der Klasse zu brüskieren."  Andererseits wolle er es aber nicht "hinnehmen, wenn in der Schule mit der Kleidung tagtäglich fragwürdige Botschaften weitergegeben werden." Im Übrigen befürchtete der Schulleiter, dass die Khimar "deutsche Eltern" abschrecken und mithin die Anmeldung an seiner Schule zurückgehen könnte.

Das Schulgesetz enthält keine Kleidervorschriften. Somit sind die Pädagogen auf "Ermessensentscheidungen" angewiesen – oder damit alleingelassen, wie manche kritisieren. Fest steht allerdings, dass ein reines "Kopftuchverbot für Schülerinnen nicht mit der Landesverfassung vereinbar" ist, wie das nordrhein-westfälische Schulministerium in einem anderen Fall vor zwei Jahren erklärte. Ein Realschulleiter hatte zuvor "das Tragen von Kopfbedeckungen während des Unterrichts" untersagt. 

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Kommentare

100 Kommentare Seite 1 von 18 Kommentieren

Klare Regeln, klare Aussagen

Warum eigentlich päpstlicher als der Papst sein und für die Migranten (Schwerpunkt Türkei) nicht die selben Regeln gelten lassen wie im Ursprungsland. Darf man da so wie beschrieben zu Schule gehen? Und damit es nicht heißt, wir wären schon wieder islamophob, hören wir, was Herr Atatürk sagte: "Islam, diese absurde Theologie eines unmoralischen Beduinen, ist eine verwesende Leiche, die unser Leben vergiftet..."

Es ist undemokratisch

wenn jemand wirklich an Demokratie glaubt, soll man auch an die Regeln der Demokratie halten. Jemanden irgend ein Kleidstück zu verbieten ist für mich nicht demokratisch. Ich finde persönlich weder Kopftuch noch schleier nicht schön (mich stören beides) troztdem muss ich die Geschmack von anderen akzeptieren. Es ist mir auch in den 70er´jahren bekannt, wo Jeans für die Mädchen in den Schulen verboten war.
Mann kann durch die Aufklärung viel mehr erreichen als Verbote. Hinter jedem Verbot steckt einen anderen Grund.

Sinimaus

Bestimmte Symbole sind verboten. Stellt sich also die Frage: Ist ein Kopftuch ein reines Kleidungsstück oder hat es Symbolcharacter? Und wenn ja, gibt die Symbolik Anlass zum Verbot?

Ansonsten ist es einfach eine Frage der Höflichkeit, im Unterricht die Kopfbedeckung abzunehmen. Wenn eine Schule oder eine LehrerInn Wert auf entsprechende Umgangsformen legt, muss auf Verlangen halt die Cap oder das Kopftuch runter. Ist auch eine Frage der Erziehung: Später im Job muss man sich auch an gewisse Kleidungsvorschriften halten - und das widerspricht auch nicht der Demokratie! Ein Richter, Polizist oder Bänker darf auch nicht in Shorts und Hawaii-Hemd arbeiten.

Da es die freie Religionsausübung in keinster Weise beeinträchtigt, was frau auf dem Kopf hat, es auch nirgends in der Religion festgelegt ist, wird auch kein Recht eingeschränkt, wenn verlangt wird, das Kopftuch abzunehmen.