Schulreformen in Hamburg Der Mogel-Schulfrieden von Hamburg

Regierung und Opposition der Hansestadt einigen sich auf die Einführung der sogenannten Primarschule, aber die Elterninitiative bleibt außen vor. Ein Kommentar

Frieden geschlossen wird üblicherweise zwischen Gegnern. In Hamburg haben sich nun die schwarz-grünen Regierungsparteien mit der oppositionellen SPD (und mit Abstrichen sogar mit der Partei Die Linke) auf die Einführung der sogenannten Primarschule, einer sechsjährigen Grundschule, geeinigt – mit der Maßgabe, die Schulstruktur zehn Jahre lang nicht wieder zu verändern, unabhängig davon, wer die Regierung stellt. Verkauft wird diese Einigung als "Schulfrieden von Hamburg".

Das aber ist gemogelt. Denn die schulpolitische Front verläuft in der Hansestadt nicht, wie man denken könnte, zwischen Regierung und Opposition, sondern zwischen der Regierung und einer starken Elterninitiative, die für ein Volksbegehren mehr als 180.000 Unterschriften (nötig waren 60.000) gegen die Reform gesammelt hat und auf einen – in Hamburg verbindlichen – Volksentscheid zusteuert.

Die Initiative richtet sich explizit gegen die zwangsweise flächendeckende Einführung der Primarschule und wird dabei von keiner der in der Bürgerschaft, dem Parlament Hamburgs, vertretenen Parteien unterstützt.

Von einem Schulfrieden kann also keine Rede sein. Man kann im Gegenteil davon ausgehen, dass bis zum Volksentscheid im Sommer eine erbitterte Schlacht um die Schulpolitik zwischen der Elterninitiative auf der einen Seite und vier Parteien und Gegeninitiativen auf der anderen Seite ausgetragen wird.

Man kann Hamburg einen Schulfrieden nur wünschen, aber wenn er überhaupt erreicht wird, dann erst nach dem Volksentscheid. Und dessen Ausgang ist vollkommen offen.

 
Leser-Kommentare
    • Niello
    • 24.02.2010 um 19:42 Uhr

    Ich rätsel gerade über den Sinn dieses Kommentars. Mit dem Begriff "Schulfrieden", sofern man sich an Bremen orientiert, ist ja auch lediglich der Friede zwischen den in der Bügerschaft vertretenen Parteien gemeint. Aber danke, dass Sie nochmals an die Initiative "Wir wollen lernen" erinnern. Ich hätte sie glatt vergessen.

    • th
    • 24.02.2010 um 19:55 Uhr

    unsere Politiker schliessen doch neuerdings grundsätzlich nur Frieden mit Leuten, die eh derselben Meinung sind - siehe das Gezerre um die Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung".

    Zitat:
    "Frieden geschlossen wird üblicherweise zwischen Gegnern"

    Ansonsten braucht sich die Politik keineswegs um jede Pressure-Group zu kümmern - und v. Beust hat wohl lange genug mit jener Initiative verhandelt, welche sicher nur einen spezifischen, allerdings höchst aktiven Teil der Hamburger Elternschaft vertritt.

    Irgendwann muss dann auch mal entschieden werden und das heisst nun mal: die Mehrheit siegt, selbst wenns nur 50,0001 % gegen 49,9999 % sind.

  1. viereggtext - Im Prinzip wären dann der Manipulation, den Schüler hinmanövrieren, wo man ihn sieht, Tür und Tor geöffnet. Die integrierte Orientierungsstufe entspricht kaum den Anschauungen der Pädagogen, die frühzeitig fördern wollen.

  2. Ich kann mich der Frage des ersten Kommentares nur anschließen: was ist die eigentliche Intention von Herrn Kerstan? Er geht nicht auf die dramatische Situation am Ende der Verhandlungen zwischen CDU, GAL und Initiative WWL ein, wo es die Initiative selbst war und hier insbesondere der Sprecher Herr Scheuerl, der dem plötzlichen Vorschlag und weiten Entgegenkommen der CDU/GAL nichts weiter zu entgegnen wusste als die Gespräche umgehend auszusetzen. Die von der CDU/GAL offerierte Entscheidungsgewalt über den Fortbestand der Primarschule in die Hände einer unabhängigen Expertenkommission zu geben war nicht ausreichend für die Reformgegner, gilt für sie doch kein Kompromiss, sondern nur ein klares definitives Nein zum längeren gemeinsamen Lernen, wider der Tatsache, dass Deutschland und Österreich - nur noch z.T. - in diesem Punkt eine Alleinstellung gegenüber dem Rest der EU einnehmen...
    Erstaunlich ist auch an dem Kommentar, dass Herr Kerstan die erstaunliche Vereinbarung zwischen allen Bürgerschaftsfraktionen gerade zu pagatellisiert. Wo war Herr Kerstan in den letzten beiden Jahren? Verliefen nicht ähnlich tiefe Gräben zwischen CDU/GAL auf der einen und SPD/LINKE auf der anderen Seite? Selbst als sporadischer Zeitungsleser ließ sich dieser heftige Disput nicht überlesen.
    Und zum Ende empfehle ich Herrn Kerstan und allen anderen Lesern den PANORAMA-Bericht der ARD vom 18.02. über die Initiative, deren Absichten und Methoden (http://www.youtube.com/wa...).

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    Wie ich selbst beobachtet habe, hat die Initiative die Gespräche NICHT beendet. Das war der sture Senat. der hatte sogar schon vorab den Kern seiner "Reform" back to the Fifties als "nicht verhandelbar" erklärt.

    • Hokan
    • 26.02.2010 um 16:42 Uhr

    Danke, fmensching, für Ihren informierenden Kommentar. Insbesondere für den erhellenden Panorama-Blick in dunkle Abgründe. Von Berlin aus scheinen die Hamburger Verhältnisse weit weg. Doch ähnliches wird auch hier auf uns zukommen - nein, ist fast schon da.

    Wenn diese Schul"reform" so furchtbar ist,
    warum wird sie dann
    - von allen in der Hamburger Bürgerschaft vertretenen Parteien
    - den Betroffenen (Schüler-, Lehrer- und Elternkammer)
    - der Handwerkskammer
    - der GEW
    unterstützt?

    Welche Organisationen untertützen öffentlich die Primarschulgegner?

    Nicht wer am lautesten schreit, hat die besten Argumente, meinstens ist es sogar andersherum.

    Wie ich selbst beobachtet habe, hat die Initiative die Gespräche NICHT beendet. Das war der sture Senat. der hatte sogar schon vorab den Kern seiner "Reform" back to the Fifties als "nicht verhandelbar" erklärt.

    • Hokan
    • 26.02.2010 um 16:42 Uhr

    Danke, fmensching, für Ihren informierenden Kommentar. Insbesondere für den erhellenden Panorama-Blick in dunkle Abgründe. Von Berlin aus scheinen die Hamburger Verhältnisse weit weg. Doch ähnliches wird auch hier auf uns zukommen - nein, ist fast schon da.

    Wenn diese Schul"reform" so furchtbar ist,
    warum wird sie dann
    - von allen in der Hamburger Bürgerschaft vertretenen Parteien
    - den Betroffenen (Schüler-, Lehrer- und Elternkammer)
    - der Handwerkskammer
    - der GEW
    unterstützt?

    Welche Organisationen untertützen öffentlich die Primarschulgegner?

    Nicht wer am lautesten schreit, hat die besten Argumente, meinstens ist es sogar andersherum.

  3. Ich wußte bisher nicht, was in Hamburg mit dem Begriff
    Primarschule eigentlich gemeint war. Aus meinem Duden, 23.
    Auflage, konnte ich lediglich entnehmen, daß es der schwei-
    zerische Ausdruck für die (deutsche) Grund- oder Volksschule
    ist. Aus Ihrem Artikel entnehme ich nun, daß die sechsjäh-
    jährige Grundschule gemeint ist, die es in Hamburg übrigens
    schon früher einmal gab. Warum hierfür der fremdartig klin-
    gende Begriff "Primarschule" eingeführt werden soll, ist
    mit unerfindlich.

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    heute ist ein kunter-bunter Salat aus all dem was gerade hype ist.

    Man kann es auch einen sprachlichen Würfelhusten heissen.

    heute ist ein kunter-bunter Salat aus all dem was gerade hype ist.

    Man kann es auch einen sprachlichen Würfelhusten heissen.

  4. Die Politiker haben sich hinter dem Rücken der VOLKS(!)initiative geeinigt. Nur wen wunderts? Die Demokratie ist erledigt...

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    Nein, die Demokratie ist nicht erledigt - siehe http://www.FreieWaehler-H... - hier gibt's einen ausweg aus der Malaise.

    • th
    • 25.02.2010 um 10:52 Uhr

    ist schon ein ganz besonderes ...

    Die Hamburger Elbvororte haben keine 184.500 Einwohner. Es ist abgegriffen, diese vielen Unterschriftenleister ständig in diese Schublade zu stecken. Es macht die vielen Wilhelmsburger, Luruper und Barmbeker Unterstützer nur noch wütender.

    Dieses "Volk", welches sich in der letzten Panoramasendung u.a. naserümpfend übers "akademische Proletariat" herabließ, Klassenkampf von oben betreibend, angeführt vom gelackten Herrn du Mont, mit einem Demokratieverständnis einer Ständegesellschaft, demonstriert nur unverblümt die arrogante Meinung etwas Besseres zu sein. Für mich ist das Wohlstandspöbel vom Übelsten.

    Nein, die Demokratie ist nicht erledigt - siehe http://www.FreieWaehler-H... - hier gibt's einen ausweg aus der Malaise.

    • th
    • 25.02.2010 um 10:52 Uhr

    ist schon ein ganz besonderes ...

    Die Hamburger Elbvororte haben keine 184.500 Einwohner. Es ist abgegriffen, diese vielen Unterschriftenleister ständig in diese Schublade zu stecken. Es macht die vielen Wilhelmsburger, Luruper und Barmbeker Unterstützer nur noch wütender.

    Dieses "Volk", welches sich in der letzten Panoramasendung u.a. naserümpfend übers "akademische Proletariat" herabließ, Klassenkampf von oben betreibend, angeführt vom gelackten Herrn du Mont, mit einem Demokratieverständnis einer Ständegesellschaft, demonstriert nur unverblümt die arrogante Meinung etwas Besseres zu sein. Für mich ist das Wohlstandspöbel vom Übelsten.

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