Kirchenrecht Einmal Bischof, immer Bischof

Kann ein katholischer Bischof sein Amt einfach niederlegen? Nein, es ist komplizierter. Robert Leicht erklärt, was auf Mixas Abdankungsgesuch folgen muss.

Bischof Walter Mixa ist also zurückgetreten. Wenn das so einfach wäre! Anders als ein Politiker oder auch ein Bischof einer evangelischen Kirche kann ein römisch-katholischer, zum Bischof geweihter Priester gar nicht einfach aufhören Bischof zu sein: Einmal Bischof, immer Bischof – so die Regel, die darauf zurückgeht, dass die Weihe als Sakrament unumkehrbar ist.

Nun aber ist Bischof nicht gleich Bischof. Es gibt Titularbischöfe und Diözesanbischöfe; und in den Diözesen gibt es Auxiliuarbischöfe. Letztere werden gemeinhin Weihbischöfe genannt, weil sie zwar im Vollsinne geweiht, aber eben auch "nur" geweiht sind und (noch) keine Diözese übertragen bekommen haben.

Im Falle des Augsburger Bischofs Walter Mixa haben (und nicht etwa schon: hatten) wir es mit einem Diözesanbischof zu tun. Halten wir zunächst einmal fest, was gegenüber einem Diözesanbischof ausgeschlossen ist – nämlich irgendeine Weisungsbefugnis seitens des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz oder des Erzbischofs von München-Freising. Der ist zwar der Metropolit der Kirchenregion, in der die Diözese Augsburg liegt, er ist aber nicht der Vorgesetzte des Augsburger Bischofs. Ein Bischof wird ausschließlich vom Papst ernannt. Er ist nur ihm unterstellt und Rechenschaft schuldig.

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Wie kann nun das Amt gerade eines Diözesanbischofs enden, außer durch den Tod? Jedenfalls nicht durch eine einseitige Rücktrittserklärung. Nach dem Codex Iuris Canonici (CIC), dem "Grundbuch" des katholischen Kirchenrechts, muss ein Diözesanbischof nach Vollendung des 75.Lebensjahres zwar regelmäßig seinen Rücktritt anbieten. Wirksam wird diese Erklärung aber erst, wenn der Papst den "Rücktritt" annimmt, wozu er nicht gezwungen ist. Ansonsten hat der Diözesanbischof (Walter Mixa ist 68 Jahre alt) seinen Dienst zu versehen, solange er laufen kann.

2010

Bischof Walter Mixa sorgte immer wieder mit Äußerungen zum Tagesgeschehen für Aufregung. Eine kleine Auswahl seiner Einlassungen der vergangenen Jahre.

Februar: Bischof Mixa macht die 68er-Generation für die Missbrauchsvorfälle in der katholischen Kirche und andernorts mitverantwortlich: "Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig."

2009

Februar: Bezogen auf Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williams sagt Mixa: "Es hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten gegeben. Wir haben diese Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten."


2007

Februar: Familienministerin Ursula von der Leyen möchte die Krippenplätze bundesweit ausbauen. Frauen sollen Familie und Beruf vereinbaren können. Mixa sagt dazu: "Die Familienpolitik von Frau von der Leyen (...) ist vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren.“  Kinder nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiere Frauen zu "Gebärmaschinen".

März: Auf der Reise der Deutschen Bischofskonferenz ins heilige Land sagt Bischof Mixa: "Die ghettoartige Situation in den besetzten Gebieten ist fast schon Rassismus“.

Juli: Die Kreationisten-Debatte aus den USA erreicht Deutschland: Die hessische Kultusministerin Katrin Wolff schlägt vor, die christliche Schöpfungslehre mit in den Biologieunterricht aufzunehmen. Mixa springt ihr zur Seite: "Es gibt keinen Absolutheitsanspruch der Evolutionstheorie. Sich allein auf eine Erklärung festzulegen, wie dies in der Schulpraxis geschieht, hat etwas Totalitäres und ist auch und gerade aus Sicht der Wissenschaft unvernünftig.“

Oktober: Die Familienpolitik von Ministerin von der Leyen nimmt der Bischof erneut zum Anlass, um seine Ansichten zum Thema Frauen und Beruf zu äußern: "Familienpolitik darf nicht als staatliches Umerziehungsprogramm missbraucht werden, mit dem junge Frauen in erster Priorität auf Erwerbstätigkeit statt auf Familienarbeit und Kindererziehung eingestellt werden sollen."

Nun gibt es allerdings eine Norm im CIC, auf die auch im Augsburger Fall zurückgegriffen werden kann. Dort heißt es: "Ein Diözesanbischof, der wegen seiner angegriffenen Gesundheit oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund nicht mehr recht in der Lage ist, seine Amtsgeschäfte wahrzunehmen, ist nachdrücklich gebeten, den Amtsverzicht anzubieten." Zwar ist "nachdrücklich gebeten" nicht gleichbedeutend mit "strikt verpflichtet"; doch ist der Unterschied nicht allzu groß. Also wird man hier – und kann hier Walter Mixa – auf jenen "anderen schwerwiegenden Grund" zurückgreifen. Aber aussprechen kann den Amtsverzicht nur er selbst.

Man darf getrost davon ausgehen, dass der Papst dieses Anerbieten annehmen wird. Dann erst ist Walter Mixa nicht mehr Diözesanbischof von Augsburg. Das ändert aber nichts daran, dass er bis zum Ende seines Lebens Bischof bleibt: Einmal Bischof, immer Bischof – in diesem Fall nur noch: Titularbischof.

Der Autor Robert Leicht war von 1999 bis 2009 Präsident der evangelischen Akademie zu Berlin
 

 
Leser-Kommentare
  1. Erhält der "Bischof bis zum Lebensende" sein volles Gehalt weiter und wer zahlt das?

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    hätte mit Sicherheit seinen Austritt aus der Kirche vorgenommen.

    hätte mit Sicherheit seinen Austritt aus der Kirche vorgenommen.

  2. da knirschst aber schon, oder ?

    http://www.lemonde.fr/eur...

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    das KnIrsCHENde Gebälk = das KnIRsCHENde Gebälk

    (sonst ist ein Loch im Witz)

    das KnIrsCHENde Gebälk = das KnIRsCHENde Gebälk

    (sonst ist ein Loch im Witz)

  3. das KnIrsCHENde Gebälk = das KnIRsCHENde Gebälk

    (sonst ist ein Loch im Witz)

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    Wo ist da der Witz?

    Wo ist da der Witz?

  4. Wo ist da der Witz?

    Antwort auf "ich kaufe ein R"
    • Frans
    • 22.04.2010 um 22:04 Uhr

    [...Erhält der "Bischof bis zum Lebensende" sein volles Gehalt weiter und wer zahlt das?...]

    @ dokumentwissen: Das Bayerische Kultusministerium hält daran fest, das Gehalt von Bischof Mixa aus dem Bayerischen Staatshaushalt und nicht aus Kirchenmitteln zu zahlen. "Ohne ein gerichtliches Urteil können wir nichts machen", sagte der Pressesprecher des Ministeriums, Ludwig Unger, der "Panorama"-Redaktion zur Begründung. Nach Recherchen von "Panorama" erhält der Bischof ein Beamtengehalt der Besoldungsgruppe 6, dies entspricht rund 7900 Euro monatlich. An diesen Zahlungen werde das Ministerium nichts ändern. "Es obliegt schließlich nicht uns, die Vorwürfe gegen Bischof Mixa zu überprüfen", sagte Unger.

    Das Gehalt von Bischof Mixa wird nicht aus Kirchensteuern finanziert, sondern kommt direkt aus dem Bayerischen Staatshaushalt. Dieser Umstand beruht auf Verträgen, deren Ursprung im 19. Jahrhundert liegt. Im Zuge der Säkularisierung wurde die Kirche enteignet, dafür wurden regelmäßige Zahlungen des Staates an die Kirche festgelegt. Zu den Gehältern heißt es dazu in dem bis heute geltenden Konkordat von 1924: "Der Staat wird die bischöflichen Stühle mit einer Dotation in Gütern und ständigen Fonds ausstatten … wobei dem Geldwerte vom Jahre 1817 Rechnung zu tragen ist."

    Quelle: Panorama

    Anmerkung: Diese Konkordat-Deals offenbaren eindeutig, dass die Trennung von Kirche und Staat immer schon eine Lebenslüge des warenproduzierenden Systems war und ist.

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    Ich dachte bisher, ein Bischof erhalte nach Rücktritt von seinem Amt lediglich das geringere Ruhegehalt.
    Also bis zu seinem Lebensende sein volles Gehalt!
    Und sogar Herr Unger(bez die bayrische Ladesregierung) kann daran bedauerlicherweise nichts ändern.
    Das wundert mich nicht, selbst der GRÖFAZ (1933-1845) hat das Konkordat insoweit nicht angerührt!
    Welches Unrecht.
    Sie und ich hätten unsere Ruhegehalts oder Rentenansprüche natürlich eingebüßt, wenn wir vor dreißig Jahren unsern Sprößling versohlt hätten oder verdächtig wären, Spendengelder versoffen zu haben.
    Ein wenig verharmlosen Sie sogar den Schaden. Gemäß Priesterbesoldungsordnung wird ein Bischof nicht nach B6 sondern nach B8 bezahlt. Reförmchen gefällig?
    Petri Heil den Pharisäern!

    Ich dachte bisher, ein Bischof erhalte nach Rücktritt von seinem Amt lediglich das geringere Ruhegehalt.
    Also bis zu seinem Lebensende sein volles Gehalt!
    Und sogar Herr Unger(bez die bayrische Ladesregierung) kann daran bedauerlicherweise nichts ändern.
    Das wundert mich nicht, selbst der GRÖFAZ (1933-1845) hat das Konkordat insoweit nicht angerührt!
    Welches Unrecht.
    Sie und ich hätten unsere Ruhegehalts oder Rentenansprüche natürlich eingebüßt, wenn wir vor dreißig Jahren unsern Sprößling versohlt hätten oder verdächtig wären, Spendengelder versoffen zu haben.
    Ein wenig verharmlosen Sie sogar den Schaden. Gemäß Priesterbesoldungsordnung wird ein Bischof nicht nach B6 sondern nach B8 bezahlt. Reförmchen gefällig?
    Petri Heil den Pharisäern!

    • honett
    • 22.04.2010 um 22:10 Uhr

    .. hoffentlich warted Benedikt nicht vier Jahre bis er den Brief beantwortet und eine Entscheidung trifft ..

    .. wann zahlt Mixa das Geld an das Waisenhaus zurueck?

  5. ...was für verkrustete, komplizierte und völlig unzeitgemäße Hirarchien. Und welche Deals der Politik mit den Vertretern dieses Kirchensystems zum Nachteil des Volkes.

    Die Kirche kassiert also neben der Kirchensteuer auch noch Gehälter und Pensionen aus der Staatskasse? Unglaublich!

  6. Was den staatlichen Lohn von Mixa angeht, den erhält er nicht dafür, dass er die Bischofsweihe empfangen hat, sondern dafür, dass er das Amt des Diözesanbischofs von Augsburg innehat. Sollte Mixa z.B. nach Rom auf irgendein Pöstchen wandern - was ich für denkbar halte -, wird er auch nicht mehr "Bischof von Augsburg" sein sondern "Bischof von X" (i.d.R. ein in der Antike tatsächlich aber heute nicht mehr existierendes Bistum z.B. in Kleinasien oder Nordafrika) und wird daher auch nicht mehr von Bayerischen Steuergeldern bezahlt.
    Welcher Posten käme in Rom für Mixa in Frage? Walter Kasper dürfte so langsam an die Altersgrenze für die aktive Ausübung eines Kirchenamtes kommen, wobei bei einer Ämterrochade es nicht heissen muss, dass wir Mixa in der selben Funktion sehen müssen.

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    daß der nächste Diözesanbischof von Augsburg wieder aus der Staatskasse bezahlt wird, die für Kinder desselben Staates keinen Cent zur Verfügung hat. - Diese und andere Absprachen aus den letzten 200 Jahren sind dringend zu überprüfen. - Herr Seehofer sollte sich einmal für die bayerischen Kinder einsetzen! -

    ........., egal was er auch tut. - Da wird sich Gott aber mit Mühlsteinen bedanken.

    daß der nächste Diözesanbischof von Augsburg wieder aus der Staatskasse bezahlt wird, die für Kinder desselben Staates keinen Cent zur Verfügung hat. - Diese und andere Absprachen aus den letzten 200 Jahren sind dringend zu überprüfen. - Herr Seehofer sollte sich einmal für die bayerischen Kinder einsetzen! -

    ........., egal was er auch tut. - Da wird sich Gott aber mit Mühlsteinen bedanken.

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