Referendum in Hamburg Schwarz-Grün verliert den Schul-Volksentscheid

Schwere Niederlage für den Hamburger Senat: Deutlicher als von Beobachtern erwartet, haben sich die Hamburger gegen die sechsjährige Primarschule ausgesprochen.

Die schwarz-grüne Koalition in Hamburg hat eine schwere Niederlage in ihrer Schulpolitik einstecken müssen. Die Schulreformgegner setzten sich am Sonntag im Volksentscheid gegen die Einführung sechsjähriger Primarschulen klar durch. Eine große Mehrheit der Bürger folgte dem Vorschlag der Reformgegner um die Initiative "Wir wollen lernen", die die vierjährigen Grundschulen beibehalten wollen. Hierfür stimmten 276.304 Bürger, nur 218.065 sprachen sich für sechsjährige Primarschulen aus.

Die Wahlbeteiligung beim ersten verbindlichen Volksentscheid der Hansestadt lag bei 39 Prozent. 64.600 Menschen besuchten am Sonntag noch eines der rund 200 Wahllokale. Die große Mehrheit – 427.000 Menschen – hatten zuvor per Briefwahl ihre Stimme abgegeben.

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Noch vor Schließung der Wahllokale erklärte Regierungschef Ole von Beust (CDU) seinen Rücktritt

Sowohl Beust als auch Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) zeigten sich nach der Niederlage beim Volksentscheid enttäuscht. "Das Ergebnis ist bitter für alle, die ihre Hoffnungen in das längere gemeinsame Lernen gesetzt haben. Wir sind sehr enttäuscht, dass wir nicht genügend Menschen von der Primarschule überzeugen konnten", teilten beide am Abend mit. Die Sache sei entschieden, das müsse akzeptiert werden. Der Durchbruch zum längeren gemeinsamen Lernen sei nicht gelungen.

Bei einer Veranstaltung der Primarschul-Unterstützer wurde Goetsch deutlicher: "Heute ist ein ziemlicher Scheißtag gewesen." Das sei ein sehr bitteres Ergebnis.

Umso zufriedener war der Sprecher der Initiative, Walter Scheuerl. "Das macht uns schon ein bisschen stolz, dass wir heute ein so deutliches Ergebnis eingefahren haben", sagte er. Er hoffe, dass sich die Parteien nun an den versprochenen zehnjährigen Schulfrieden halten. "Wir haben nicht nur das Parlament besiegt, sondern wir haben auch gesiegt trotz einer geballten PR-Maschinerie, die die Parteien und die Gewerkschaften und der Senat auf Kosten des Steuerzahlers zuweilen gegen uns aufgefahren haben."

In dem Volksentscheid ging es um die Frage, ob in Hamburg sechsjährige Primarschulen statt der vierjährigen Grundschulen eingeführt werden sollen. Während alle Fraktionen der Bürgerschaft der Auffassung waren, dass durch ein längeres gemeinsames Lernen mehr Gerechtigkeit in das Schulsystem einzieht, meinten die Reformgegner, dass Primarschulen der falsche Weg seien: Sie gefährdeten die Gymnasien, behinderten leistungsstarke Schüler und benachteiligten schwächere Schüler.

Die Primarschulen sind nur ein kleiner, wenn auch wichtiger Teil der Hamburger Schulreform. Insgesamt geht der bildungspolitische Strukturwandel in der Hansestadt deutlich weiter und wird vom Ergebnis des Volksentscheids nicht berührt. So sollen neben den Gymnasien auch Stadtteilschulen eingerichtet werden. Beide bieten alle Abschlüsse bis zum Abitur an, wobei die Hochschulreife an den Gymnasien nach insgesamt 12 Schuljahren, an den Stadtteilschulen nach 13 Jahren erreicht wird.

Die Klassengrößen werden begrenzt, das Sitzenbleiben weitgehend abgeschafft und mehr Lehrer eingestellt. Die Kosten der Reform summieren sich nach Angaben der Schulbehörde bis einschließlich 2016 auf rund 427 Millionen Euro. Insgesamt gibt Hamburg in diesem Jahr für alle Schulen und Lehrer laut Haushaltsplan rund 1,5 Milliarden Euro aus.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Zahlen

    Es haben 64.000 Hamburger ihre Stimme bei den Wahllokalen abgegeben. Die Zahl ist wichtig, da die Schulreformgegner mindestens ca. 247.300 Stimmen brauchen. 427.000 haben ihre Stimmen per Briefwahl abgegeben.
    Im Hamburg 1 Liveticker werden die Stimmen vond en Wahllokalen gezeigt.
    Reformbefürworter 29.421
    Reformgegner 33.426

    Bleibt es bei diesem Vorsprung von ca. 4.000 Stimmen, dürften die Reformgegner mit knapp über der erforderlichen Mindestanzahl von 247.300 Stimmen gewinnen und die Parteien hätten sich ihre verdiente Klatsche abgeholt.

    Es ist unfassbar. Mehr als 50% der Wahlinteressierten Hamburger sind gegen die Schulreform und alle in der Bürgschaft vertreten Parteien sie durchzusetzen.
    Ein deutlicheres Bild, wie weit sich die Politik von der Bevölkerung entfernt hat, kann es nicht geben.

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    Einen möglichen Sieg des Parlamentsentwurfs als "Klatsche" und Entfremdung des Parlaments von der Bevölkerung zu bezeichnen finde ich mehr als kurios...

    • Buh
    • 18.07.2010 um 22:24 Uhr

    ..dürften die mehrheit der Bürger für die Reform sein. Leider sind ausreichend menschen politikverdrossen genug sich damit erst garicht ausreichend zu beschöftigen.

    Ich bin entscheiden für die Reform und emfpinde schon fast hass, wie diese unverfrorenen Ärzte und rechtsanwälte alles bewegen (vorallem geld) um diese Schulreform platzen zu lassen. Ihre lieben kinder sollen eben nicht mit dem asozialen Pöbel lernen. Sollens chnell die bessere Bildung bekommen. Das finde ich einen Skandal. und wenn diese Oberschicht sich durchsetzen sollte umsomehr.

    • dacapo
    • 18.07.2010 um 23:11 Uhr

    Die Bevölkerung würde auch ohne weiteres den Herrn Jauch zu BP wählen. Vielleicht würde sogar der Bohlen noch reichlich Stimmen bekommen. Spaß beiseite. Aber wenn man nur die Politik machen, die "das Volk" für richtig ansieht, was glauben Sie, wo wir jetzt stehen würden. Man sollte sich denn auch mal fragen, ob denn alle wussten, warum sie dagegen oder dafür stimmten. Ich bezweifle das.

    • -Ziet-
    • 19.07.2010 um 0:14 Uhr

    Was soll das Gezeter?
    Glauben Sie ernsthaft, die Politiker wollen den Bürgern böse?
    Setzen, sechs!

    Sind wir alle sehr, sehr froh, daß in Deutschland so viele vernünftige Politiker das Vertrauen der Bürger gewinnen und meist auch verdienen - auch wenn es zuweilen in Hamburg etwas Sch(r)ill zugeht.

    Umgekehrt wie Sie hier zetern, frage ich mich, was in all den Schreihälsen vorgeht, die hier meinen den geeigneten Hebel gefunden zu haben, den sogenannten Politikern ans Schienbein zu treten.

    Wieviel Egoismus verzehrt sich da? Wieviel Habsucht kehrt sich da nach außen? Wieviel Menschenfeindlichkeit zeugt da von Kanitverstan? Wieviel Ahnungslosigkeit findet sich, wenn man die Leute befragt?

    Letztlich ist es doch so:
    Je länger die Kinder beisammen die Schulbank drücken, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß Kinder anderen Kindern beim Lernen helfen, ... desto größer ist der Lerneffekt und die Sozialkompetenz gerade bei denen, die den schwächeren Helfen.

    Diese ahnungslosen Bessergestellten Eltern nehmen Ihren Zöglingen nicht nur die Chance auf vertieftes Lernen - zudem auch noch auf soziales Lernen - sondern stoßen Ihre Kinder zudem auch noch absichtlich in die Tretmühle eines verkürzten Abitur-Zuges.

    Ist es die Gier der Eltern nach vorzeigbaren Erfolge Ihrer Kinder? ... oder ist es der Neid auf die Kinder von heute, daß die es womöglich leichter haben könnten als die Altvorderen dazumals?

    Einen möglichen Sieg des Parlamentsentwurfs als "Klatsche" und Entfremdung des Parlaments von der Bevölkerung zu bezeichnen finde ich mehr als kurios...

    • Buh
    • 18.07.2010 um 22:24 Uhr

    ..dürften die mehrheit der Bürger für die Reform sein. Leider sind ausreichend menschen politikverdrossen genug sich damit erst garicht ausreichend zu beschöftigen.

    Ich bin entscheiden für die Reform und emfpinde schon fast hass, wie diese unverfrorenen Ärzte und rechtsanwälte alles bewegen (vorallem geld) um diese Schulreform platzen zu lassen. Ihre lieben kinder sollen eben nicht mit dem asozialen Pöbel lernen. Sollens chnell die bessere Bildung bekommen. Das finde ich einen Skandal. und wenn diese Oberschicht sich durchsetzen sollte umsomehr.

    • dacapo
    • 18.07.2010 um 23:11 Uhr

    Die Bevölkerung würde auch ohne weiteres den Herrn Jauch zu BP wählen. Vielleicht würde sogar der Bohlen noch reichlich Stimmen bekommen. Spaß beiseite. Aber wenn man nur die Politik machen, die "das Volk" für richtig ansieht, was glauben Sie, wo wir jetzt stehen würden. Man sollte sich denn auch mal fragen, ob denn alle wussten, warum sie dagegen oder dafür stimmten. Ich bezweifle das.

    • -Ziet-
    • 19.07.2010 um 0:14 Uhr

    Was soll das Gezeter?
    Glauben Sie ernsthaft, die Politiker wollen den Bürgern böse?
    Setzen, sechs!

    Sind wir alle sehr, sehr froh, daß in Deutschland so viele vernünftige Politiker das Vertrauen der Bürger gewinnen und meist auch verdienen - auch wenn es zuweilen in Hamburg etwas Sch(r)ill zugeht.

    Umgekehrt wie Sie hier zetern, frage ich mich, was in all den Schreihälsen vorgeht, die hier meinen den geeigneten Hebel gefunden zu haben, den sogenannten Politikern ans Schienbein zu treten.

    Wieviel Egoismus verzehrt sich da? Wieviel Habsucht kehrt sich da nach außen? Wieviel Menschenfeindlichkeit zeugt da von Kanitverstan? Wieviel Ahnungslosigkeit findet sich, wenn man die Leute befragt?

    Letztlich ist es doch so:
    Je länger die Kinder beisammen die Schulbank drücken, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß Kinder anderen Kindern beim Lernen helfen, ... desto größer ist der Lerneffekt und die Sozialkompetenz gerade bei denen, die den schwächeren Helfen.

    Diese ahnungslosen Bessergestellten Eltern nehmen Ihren Zöglingen nicht nur die Chance auf vertieftes Lernen - zudem auch noch auf soziales Lernen - sondern stoßen Ihre Kinder zudem auch noch absichtlich in die Tretmühle eines verkürzten Abitur-Zuges.

    Ist es die Gier der Eltern nach vorzeigbaren Erfolge Ihrer Kinder? ... oder ist es der Neid auf die Kinder von heute, daß die es womöglich leichter haben könnten als die Altvorderen dazumals?

  2. Einen möglichen Sieg des Parlamentsentwurfs als "Klatsche" und Entfremdung des Parlaments von der Bevölkerung zu bezeichnen finde ich mehr als kurios...

    Antwort auf "Zahlen"
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    Als was bezeichnen sie es denn, wenn ALLE in der Bürgschaft vertretenen Parteien die Schulreform unterstützen, aber mehr als die hälfte der Hamburger Wähler dagegen sind?
    Damit werden über 50% der Hamburger Wähler in der Schulpolitik von KEINER Partei vertreten.
    Neuste Zahlen:
    Contra Reform: 64.158
    Pro Reform: 52.435

    Als was bezeichnen sie es denn, wenn ALLE in der Bürgschaft vertretenen Parteien die Schulreform unterstützen, aber mehr als die hälfte der Hamburger Wähler dagegen sind?
    Damit werden über 50% der Hamburger Wähler in der Schulpolitik von KEINER Partei vertreten.
    Neuste Zahlen:
    Contra Reform: 64.158
    Pro Reform: 52.435

  3. Als was bezeichnen sie es denn, wenn ALLE in der Bürgschaft vertretenen Parteien die Schulreform unterstützen, aber mehr als die hälfte der Hamburger Wähler dagegen sind?
    Damit werden über 50% der Hamburger Wähler in der Schulpolitik von KEINER Partei vertreten.
    Neuste Zahlen:
    Contra Reform: 64.158
    Pro Reform: 52.435

    Antwort auf "@nici2412"
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    Sie schreiben: "Es ist unfassbar. Mehr als 50% der Wahlinteressierten Hamburger sind gegen die Schulreform und alle in der Bürgschaft vertreten Parteien sie durchzusetzen.
    Ein deutlicheres Bild, wie weit sich die Politik von der Bevölkerung entfernt hat, kann es nicht geben."

    Wenn Sie den obigen Artikel aber gelesen hätten, wäre Ihnen bewusst das die Wahlbeteiligung bei 39 Prozent liegt.

    Nach Adam Riese haben also bei diesem knappen Vorsprung der Reformgegner nur 20 Prozent der Wähler gegen die Reform gestimmt. Also übertreiben Sie mit Ihren Aussagen nicht. Dies könnte aber nach meinem Gefühl seitens der Reformgegner Methode sein.

    Sie schreiben: "Es ist unfassbar. Mehr als 50% der Wahlinteressierten Hamburger sind gegen die Schulreform und alle in der Bürgschaft vertreten Parteien sie durchzusetzen.
    Ein deutlicheres Bild, wie weit sich die Politik von der Bevölkerung entfernt hat, kann es nicht geben."

    Wenn Sie den obigen Artikel aber gelesen hätten, wäre Ihnen bewusst das die Wahlbeteiligung bei 39 Prozent liegt.

    Nach Adam Riese haben also bei diesem knappen Vorsprung der Reformgegner nur 20 Prozent der Wähler gegen die Reform gestimmt. Also übertreiben Sie mit Ihren Aussagen nicht. Dies könnte aber nach meinem Gefühl seitens der Reformgegner Methode sein.

  4. Interessant wäre bei dieser Wahl eine detaillierte Befragung und Auswertung der ethnischen Zugehörigkeiten der Wähler.
    Im Gegensatz zu dem Volksentscheid über das Rauchen hätte diese Wahl nämlich das Potenzial einen sehr einschneidenden Aspekt bei der Bewertung von Volksentscheiden zu beleuchten.

    Ich glaube, dass der Anteil an Akademiker/-innen bzw. zumindest Abiturienten, die an diesem Entscheid teilnehmen, signifikant höher sein wird, als im Bevölkerungsdurchschnitt. Dies ist m.E. bei allen Volksentscheiden so, da das politische Bewusstsein mit höherer Bildung zunimmt.

    Dies ist deswegen besonders interessant, da die Reform maßgeblich auf die Förderung von sozial benachteiligten Kindern, also solchen aus "niederen Bevölkerungsschichten" ausgerichtet war. Kinder aus höheren Bildungsschichten (die zu 80% wieder zumindest das Abitur machen) haben nur geringe Vorteile bis hin zu Nachteilen.
    Fakt ist also, dass es unter rationalen, egoistischen Aspekten keinen Grund für Akademiker etc. gibt für diese Reform zu sein.

    Bürger mit niedrigerer Bildung, für deren Kinder die Reform schlechtenstenfalls keine Nachteile, jedoch wahrscheinlich sogar Vorteile mit sich bringt, sind sich dessen großteils nicht bewusst - da sich viel weniger von ihnen aktiv mit Politik beschäftigen.

    Fakt ist, wenn meine Vermutungen zutreffen, dass unabhängig von dem Ausgang die Entscheidungsfindung nicht "demokratisch", also dem Allgemeinwohl dienlich verläuft.

    Die bestimmen, die am lautesten schreien.

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    "Ich glaube, dass der Anteil an Akademiker/-innen bzw. zumindest Abiturienten, die an diesem Entscheid teilnehmen, signifikant höher sein wird, als im Bevölkerungsdurchschnitt. Dies ist m.E. bei allen Volksentscheiden so, da das politische Bewusstsein mit höherer Bildung zunimmt."

    Also die Selbstbeweihräucherung in allen Ehren, aber Dinge wie Rauchverbot und Schulreförmchen haben mit Politik doch nichts zu tun, dass ist Stimmviehbespaßung unterster Machart!

    Über Dinge wie Mindestlohn, Krankenkassenfinanzierung, Arbeitnehmerrechte, Mülltrennung und so weiter wird ja nicht abgestimmt, wie vieles weiteres mehr.

    Mich wundert es überhaupt nicht, dass da bis auf die üblichen Querulanten und Blockwarte (oft Akademiker, weil angepasst bis in die Haarspitzen, die rutschen durch alle Systeme) niemand mobilisiert werden kann. War bisher bei all den unwichtigen Volksentscheiden und "Wahlen" so. Der Bürger weiß instinktiv, die Probleme sind ganz woanders.

    Und noch haben die meisten Bürger soviel Anstand und Selbstrespekt, sich diesen albernen Demokratieverballhornungen nicht anzubiedern.

    @ nonidit:

    Ihrer Analyse zufolge müßte die Schweiz ein zutiefst undemokratisches System sein. Unsere Nachbarn würden also quasi im Elend versinken.

    Außerdem:

    Wer hat denn die Möglichkeit des Volksentscheides in dieser Form in Hamburg eingeführt?

    • Buh
    • 18.07.2010 um 22:27 Uhr

    *Empfohlener Kommentar"

    Das sit absolut richtig. Und genau deswegen brauchen wir gute breitenbildung und keine eltitenbildung. Genau das wollte die Reform erreichen, dagegen stemmen sich aber ihre Eliten.

    • Arril
    • 18.07.2010 um 22:45 Uhr

    ... denn "längeres gemeinsames Lernen" hat für leistungsschwache Schüler KEINE Vorteile, wenn nicht gleichzeitig durch kleinere Klassen und mehr Lehrer anständige Förderung stattfindet. Die Vorstellung, durch ihre leistungsbereiteren Klassenkameraden allein eine Veränderung herbeizuführen, halte ich für Wunschdenken.

    Übrigens verwechseln Sie hier die Selektion nach sozialer Schicht mit der Selektion nach Leistungsfähigkeit und -bereitschaft. Erstere ist entschieden zu bekämpfen, zweitere aber mMn durchaus sinnvoll, gerade wenn man sich nicht für jeden Schüler einen eigenen Lehrer leisten kann - was soll es einem begabten Kind bringen, wenn es da sitzt und schnarcht, während seinem Sitznachbarn zum 10000sten Mal der Satz des Pythagoras erklärt wird? Was bringt es einem etwas weniger begabten Kind, noch 2 Jahre länger dauerfrustriert zu werden? Und vor allem: Wie soll ein einzelner Lehrer damit fertig werden, Unterricht zu machen, der 30 Leuten auf völlig unterschiedlichem Niveau gerecht wird? In den ersten Jahren (wo alle nur die Grundlagen lernen) funktioniert das noch, aber je älter die Kinder werden und je fortgeschrittener der Unterrichtsstoff, desto schwieriger wird es. Weil eben auch die Diskrepanzen im Leistungsniveau der Kinder immer weiter anwachsen.

    Was man wirklich bräuchte sind mehr Lehrer und kleinere Klassen, nicht ideologisches Herumdoktern. Aber das wird nicht passieren, kostet ja Geld...

    "Ich glaube, dass der Anteil an Akademiker/-innen bzw. zumindest Abiturienten, die an diesem Entscheid teilnehmen, signifikant höher sein wird, als im Bevölkerungsdurchschnitt. Dies ist m.E. bei allen Volksentscheiden so, da das politische Bewusstsein mit höherer Bildung zunimmt."

    Also die Selbstbeweihräucherung in allen Ehren, aber Dinge wie Rauchverbot und Schulreförmchen haben mit Politik doch nichts zu tun, dass ist Stimmviehbespaßung unterster Machart!

    Über Dinge wie Mindestlohn, Krankenkassenfinanzierung, Arbeitnehmerrechte, Mülltrennung und so weiter wird ja nicht abgestimmt, wie vieles weiteres mehr.

    Mich wundert es überhaupt nicht, dass da bis auf die üblichen Querulanten und Blockwarte (oft Akademiker, weil angepasst bis in die Haarspitzen, die rutschen durch alle Systeme) niemand mobilisiert werden kann. War bisher bei all den unwichtigen Volksentscheiden und "Wahlen" so. Der Bürger weiß instinktiv, die Probleme sind ganz woanders.

    Und noch haben die meisten Bürger soviel Anstand und Selbstrespekt, sich diesen albernen Demokratieverballhornungen nicht anzubiedern.

    @ nonidit:

    Ihrer Analyse zufolge müßte die Schweiz ein zutiefst undemokratisches System sein. Unsere Nachbarn würden also quasi im Elend versinken.

    Außerdem:

    Wer hat denn die Möglichkeit des Volksentscheides in dieser Form in Hamburg eingeführt?

    • Buh
    • 18.07.2010 um 22:27 Uhr

    *Empfohlener Kommentar"

    Das sit absolut richtig. Und genau deswegen brauchen wir gute breitenbildung und keine eltitenbildung. Genau das wollte die Reform erreichen, dagegen stemmen sich aber ihre Eliten.

    • Arril
    • 18.07.2010 um 22:45 Uhr

    ... denn "längeres gemeinsames Lernen" hat für leistungsschwache Schüler KEINE Vorteile, wenn nicht gleichzeitig durch kleinere Klassen und mehr Lehrer anständige Förderung stattfindet. Die Vorstellung, durch ihre leistungsbereiteren Klassenkameraden allein eine Veränderung herbeizuführen, halte ich für Wunschdenken.

    Übrigens verwechseln Sie hier die Selektion nach sozialer Schicht mit der Selektion nach Leistungsfähigkeit und -bereitschaft. Erstere ist entschieden zu bekämpfen, zweitere aber mMn durchaus sinnvoll, gerade wenn man sich nicht für jeden Schüler einen eigenen Lehrer leisten kann - was soll es einem begabten Kind bringen, wenn es da sitzt und schnarcht, während seinem Sitznachbarn zum 10000sten Mal der Satz des Pythagoras erklärt wird? Was bringt es einem etwas weniger begabten Kind, noch 2 Jahre länger dauerfrustriert zu werden? Und vor allem: Wie soll ein einzelner Lehrer damit fertig werden, Unterricht zu machen, der 30 Leuten auf völlig unterschiedlichem Niveau gerecht wird? In den ersten Jahren (wo alle nur die Grundlagen lernen) funktioniert das noch, aber je älter die Kinder werden und je fortgeschrittener der Unterrichtsstoff, desto schwieriger wird es. Weil eben auch die Diskrepanzen im Leistungsniveau der Kinder immer weiter anwachsen.

    Was man wirklich bräuchte sind mehr Lehrer und kleinere Klassen, nicht ideologisches Herumdoktern. Aber das wird nicht passieren, kostet ja Geld...

  5. Die Sache ist wohl gelaufen.
    Contra Reform: 116.048
    Pro Reform: 95.015

    Der Abstand vergrößert sich immer weiter. Die Mindestanzahl von 247.300 Stimmen sollte bei dem Abstand auch relativ problemlos erreicht werden.
    Ein guter Tag für Hamburg und seine Bewohner. Kleinere Klassen, Stadtteilschulen und bessere Betreuung werden eingeführt, aber ohne das schädigende 6 Jährige gemeinsame lernen.

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    • dacapo
    • 18.07.2010 um 23:15 Uhr

    Warum das so ist, haben Sie nicht gesagt. Wer und was ist Hamburg? Für wen ist diese Entscheidung gut?

    • Zack34
    • 19.07.2010 um 14:41 Uhr

    Vermutlich meinten Sie "aber ohne dass"... und "das sechsjährige gemeinsame Lernen"

    Aber abgesehen von Syntaxfragen: könnten Sie bitte erläutern, was Sie mit dem obigen Nebensatz gemeint haben, ergo was daran "schädigend" sein soll? Ein wenig Argumentation kann nicht schaden.

    Diesbezüglich: im PISA-Gewinner Finnland gibt es ein neunjähriges (nicht schädigendes) gemeinsames Lernen...

    Nicht schädigende Grüsse
    Zack34

    • dacapo
    • 18.07.2010 um 23:15 Uhr

    Warum das so ist, haben Sie nicht gesagt. Wer und was ist Hamburg? Für wen ist diese Entscheidung gut?

    • Zack34
    • 19.07.2010 um 14:41 Uhr

    Vermutlich meinten Sie "aber ohne dass"... und "das sechsjährige gemeinsame Lernen"

    Aber abgesehen von Syntaxfragen: könnten Sie bitte erläutern, was Sie mit dem obigen Nebensatz gemeint haben, ergo was daran "schädigend" sein soll? Ein wenig Argumentation kann nicht schaden.

    Diesbezüglich: im PISA-Gewinner Finnland gibt es ein neunjähriges (nicht schädigendes) gemeinsames Lernen...

    Nicht schädigende Grüsse
    Zack34

  6. Sie schreiben: "Es ist unfassbar. Mehr als 50% der Wahlinteressierten Hamburger sind gegen die Schulreform und alle in der Bürgschaft vertreten Parteien sie durchzusetzen.
    Ein deutlicheres Bild, wie weit sich die Politik von der Bevölkerung entfernt hat, kann es nicht geben."

    Wenn Sie den obigen Artikel aber gelesen hätten, wäre Ihnen bewusst das die Wahlbeteiligung bei 39 Prozent liegt.

    Nach Adam Riese haben also bei diesem knappen Vorsprung der Reformgegner nur 20 Prozent der Wähler gegen die Reform gestimmt. Also übertreiben Sie mit Ihren Aussagen nicht. Dies könnte aber nach meinem Gefühl seitens der Reformgegner Methode sein.

    Antwort auf "Wählerwille"
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    Und noch weniger für die Reform. Den Leuten, die nicht mitabgestimmt haben ist es egal.Vielleicht sind sie auch dafür oder dagegen und nahmen aus anderen Gründen nicht teil. Also sind sie zu vernachlässigen. Damit ist meine Aussage korrekt

    Die anscheinend haben die Wähler entschieden.
    Und die Nächtwähler fallen wieder denen in "die Finger",
    die die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnten.

    Trotzdem muss das Ergebnis respektiert werden!

    Und noch weniger für die Reform. Den Leuten, die nicht mitabgestimmt haben ist es egal.Vielleicht sind sie auch dafür oder dagegen und nahmen aus anderen Gründen nicht teil. Also sind sie zu vernachlässigen. Damit ist meine Aussage korrekt

    Die anscheinend haben die Wähler entschieden.
    Und die Nächtwähler fallen wieder denen in "die Finger",
    die die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnten.

    Trotzdem muss das Ergebnis respektiert werden!

  7. "Ich glaube, dass der Anteil an Akademiker/-innen bzw. zumindest Abiturienten, die an diesem Entscheid teilnehmen, signifikant höher sein wird, als im Bevölkerungsdurchschnitt. Dies ist m.E. bei allen Volksentscheiden so, da das politische Bewusstsein mit höherer Bildung zunimmt."

    Also die Selbstbeweihräucherung in allen Ehren, aber Dinge wie Rauchverbot und Schulreförmchen haben mit Politik doch nichts zu tun, dass ist Stimmviehbespaßung unterster Machart!

    Über Dinge wie Mindestlohn, Krankenkassenfinanzierung, Arbeitnehmerrechte, Mülltrennung und so weiter wird ja nicht abgestimmt, wie vieles weiteres mehr.

    Mich wundert es überhaupt nicht, dass da bis auf die üblichen Querulanten und Blockwarte (oft Akademiker, weil angepasst bis in die Haarspitzen, die rutschen durch alle Systeme) niemand mobilisiert werden kann. War bisher bei all den unwichtigen Volksentscheiden und "Wahlen" so. Der Bürger weiß instinktiv, die Probleme sind ganz woanders.

    Und noch haben die meisten Bürger soviel Anstand und Selbstrespekt, sich diesen albernen Demokratieverballhornungen nicht anzubiedern.

  8. Und noch weniger für die Reform. Den Leuten, die nicht mitabgestimmt haben ist es egal.Vielleicht sind sie auch dafür oder dagegen und nahmen aus anderen Gründen nicht teil. Also sind sie zu vernachlässigen. Damit ist meine Aussage korrekt

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    • Buh
    • 18.07.2010 um 22:52 Uhr

    ...dass nur Deutschpässige wählen durften und nicht alle sesshaften, die diese Reform genauso betrifft ist das ein undemokratischer Skandal! Was hat das noch mit demokratie zu tun, wenn die Menschen, die in der Betreffenden gesellcahcft leben aus bürokratischen gründen nicht mitabstimmen dürfen? Es sollte nicht davon abhängen welchen Pss ich habe, sondern wo ich lebe, denn dort wo ich Sesshaft bin, dort bin ich teil der gesellscahft und schon allein deswegen teil der demokratie die ich, das sit eben der sinn der demokratie, mitbeeinflussen dürfen sollte.

    Zudem finde ich es echt krass, dass die Menschen die nicht mitabgestimmt werden einfach so geschluckt werden. Das sit ein wzeiter Skandal. die Wwahlbeteiligung ist desaströs. Ds wird sich auch in Volksentscheiden nicht ändern, sollange der Bildungsstand zugusnten einer ekelhaften, selbstliebenden elite in der breite gedrückt wird.

    • hamkon
    • 19.07.2010 um 9:55 Uhr

    gipfelt in einer von der etablierten Infotainmentwirtschaft hervorgerufenen Verblödung und Idiotisierung der Bevölkerungsmehrheit, die ausser den von der Konsum- und Habgier getriebenen sozialen, kulturellen und zivilsatorischen Selbstvernichtung nur noch ein weiteres Ergebnis: Die ständisch-korporative Besitzstandsfeudalgesellschaft, die in ihrer modernen Ausformung eben keine staatlich oder herrschaftlich organsierten Tötungsprozesse mehr benötigt, weil die Selbstvernichtung und Selbstzerstörung qua medialer Gehirnwäsche zu den Drogen-, Alkohol-, Gewalt- und Sexualexzessen organisiert wird. Die Schaffung des willfährigen und widerstandslosen Billiglohnhumankapitals, dass vollkommen teilnahmslos in den tatsächlich unmenschlichen Arbeitsverhältnissen für den Wohlstand und das Wohlbegangen der existierenden Privilegiertenelite (früher Feudalherrschaft genannt) beizutragen gezwungen wird, ist einer der Gründe für die vehemente Bekämpfung der Mindestlöhne in Deutschland.

    Wer den designierten Nachfolger des abgängigen 1. Bürgermeisters als Bürgerschaftsabgeordneter wählt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er einen sich möglicherweise als sogen. Besitzstandshuligan outenden
    Privilegiertenlobbisten wählt.

    Das mag vor sich, seinem Eid, seinem Wählerauftrag und vor seinem Gewissen verantworten wer mag. Das Urteil über diese Personen wird die Zeit sprechen.

    • Buh
    • 18.07.2010 um 22:52 Uhr

    ...dass nur Deutschpässige wählen durften und nicht alle sesshaften, die diese Reform genauso betrifft ist das ein undemokratischer Skandal! Was hat das noch mit demokratie zu tun, wenn die Menschen, die in der Betreffenden gesellcahcft leben aus bürokratischen gründen nicht mitabstimmen dürfen? Es sollte nicht davon abhängen welchen Pss ich habe, sondern wo ich lebe, denn dort wo ich Sesshaft bin, dort bin ich teil der gesellscahft und schon allein deswegen teil der demokratie die ich, das sit eben der sinn der demokratie, mitbeeinflussen dürfen sollte.

    Zudem finde ich es echt krass, dass die Menschen die nicht mitabgestimmt werden einfach so geschluckt werden. Das sit ein wzeiter Skandal. die Wwahlbeteiligung ist desaströs. Ds wird sich auch in Volksentscheiden nicht ändern, sollange der Bildungsstand zugusnten einer ekelhaften, selbstliebenden elite in der breite gedrückt wird.

    • hamkon
    • 19.07.2010 um 9:55 Uhr

    gipfelt in einer von der etablierten Infotainmentwirtschaft hervorgerufenen Verblödung und Idiotisierung der Bevölkerungsmehrheit, die ausser den von der Konsum- und Habgier getriebenen sozialen, kulturellen und zivilsatorischen Selbstvernichtung nur noch ein weiteres Ergebnis: Die ständisch-korporative Besitzstandsfeudalgesellschaft, die in ihrer modernen Ausformung eben keine staatlich oder herrschaftlich organsierten Tötungsprozesse mehr benötigt, weil die Selbstvernichtung und Selbstzerstörung qua medialer Gehirnwäsche zu den Drogen-, Alkohol-, Gewalt- und Sexualexzessen organisiert wird. Die Schaffung des willfährigen und widerstandslosen Billiglohnhumankapitals, dass vollkommen teilnahmslos in den tatsächlich unmenschlichen Arbeitsverhältnissen für den Wohlstand und das Wohlbegangen der existierenden Privilegiertenelite (früher Feudalherrschaft genannt) beizutragen gezwungen wird, ist einer der Gründe für die vehemente Bekämpfung der Mindestlöhne in Deutschland.

    Wer den designierten Nachfolger des abgängigen 1. Bürgermeisters als Bürgerschaftsabgeordneter wählt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er einen sich möglicherweise als sogen. Besitzstandshuligan outenden
    Privilegiertenlobbisten wählt.

    Das mag vor sich, seinem Eid, seinem Wählerauftrag und vor seinem Gewissen verantworten wer mag. Das Urteil über diese Personen wird die Zeit sprechen.

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