Schulreformen Dreißig Jahre StillstandSeite 3/3

Nichts zeigt das deutlicher als die Austauschbarkeit der alten und neuen Parolen von "Einheitsschule" und "ideologischen Experimenten". Allein schon aufgrund der zu erwartenden demografischen Verschiebungen der nächsten Jahre muss es in Zukunft darum gehen, diese Gruppen von der dringenden Notwendigkeit einer Schulreform zu überzeugen.

Dies wiederum erreicht man aber nicht mit kostenneutralen Umschichtungen im System. Um das Vertrauen der Betroffenen überhaupt erst zu gewinnen, braucht es Überzeugungsarbeit und eine konsequente Linie in der Schulpolitik, die nicht an Ländergrenzen Halt macht und zusätzliche Investitionen nicht scheut. Die Ergebnisse des nordrhein-westfälischen und des Hamburger Volksbegehrens zeigen, dass man im Zweifel gegen den Widerstand einer Minderheit von Eltern keine Reformen durchsetzen kann. Wird das nicht beherzigt, riskiert man noch einmal dreißig Jahre Stillstand.

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Leser-Kommentare
    • Buh
    • 28.07.2010 um 16:07 Uhr

    ...für den historischen Schwenk.

    Es ist interessant dass konservative schon immer sich einer Reform verweigerten im Sinne von "Keine Experimente". Sicher, wenn es um neue Kreigführung, um wiederverienigung, um das gesundheitssystem geht, sind die Alten experementierfreudig, doch wenn am Ende etwas rauskommen könnte, was der Ideologie der konservativen entgegensprechen könnte, wollen sie "keine experimente". Dabei ist eine Einheitsschule, bei uns in Köln nennt man das allerdings liebevoll gea

  1. Ich kann in keinem Resort eine so ausgeprägte Reformwut ausmachen wie bei der Bildung. Jede Landesregierung versucht am Anfang ihrer Legislaturperiode das Bildungssystem des Vorgängers über den Haufen zu werfen. Das ist schon ein fixes Ritual geworden.

    Wo ist da der Stillstand?
    Es gibt mittlerweile so viele unterschiedliche Schulformen und Systeme, dass es unmöglich ist mit Kindern in ein anderes Bundesland umzuziehen.

    Ich widerspreche Ihrer Forderung nach noch mehr Experimenten deutlich und würde es eher begrüßen wenn die Kompetenzen von den Ländern an den Bund übertragen werden damit endlich mal Ruhe einkehrt und wenigstens ein Mindestmaß an Einheitlichkeit gewährleistet ist.

    • gauss
    • 28.07.2010 um 16:14 Uhr

    Das erste Mal höre ich, dass Mittelschictseltern überzeugt werden sollen. Zuletzt in Hamburg hat man es ja mit politischer Gewalt versucht, z.B. durch Wegfall des Elternwahlrechts und durch Wegfall der Auswahl des Schulbezirks (was ja jetzt auch wieder kommt - dank Frau Goetsch). Solange Bildungspolitik nicht als Bildungsfähigkeit des Individuums verstanden wird, sondern immer nur als Teil der Sozialpolitik (längeres gemeinsames Lernen, Wegfall des Literaturgeldes, etc.) wird man meines Erachtens hier auf keinen grünen Zweig kommen. Es ist nun einmal schwer zu ertragen, dass man sein eigenes Kind opfern soll, damit Unterschictskinder mehr Chancen bekommen. Außerdem hat noch niemand wirklich wissenschaftlich zeigen können, dass die Schulform der goldene Schlüssel ist. Begleitend gibt es dann mehr Lehrer, bessere Materialien, weniger Schüler, etc. Alles richtig, hat aber inhärent nichts mit der Schulform zu tun. Die Gesamtschulbefürworter stellen sich ja absichtlich nicht in den Raum und geben zu wie schlecht die schulischen Ergebnisse auf der von ihnen favorisierten Schulform sind. Hier geht es nicht um eine Hand voll Ausnahmen, sondern um die Regel. Selbst Realschulen haben durchschnittlich einen Lernvorsprung von 2 Jahren. Nur mit Fakten und verifizierbaren Verbesserungen werden bildungsbewusste Eltern überzeugt werden können. Bisher gibt es diese Fakten einfach nicht und daher haben die Sozialisten ihre Quittung bekommen.

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    die gesamtschule funktioniert ja auch nicht, solange es die anderen Schulformen gibt.

    und zweitens: Ich glaube, dass ein funktionierendes Schulsystem die beste und effektivste art der sozialpolitik ist, die man machen kann. Welche andere Institution soll in der Lage sein Armut vorzubeugen? Es ist schließlich auch kein Geheimnis, dass sich bildungsferne familien in form ihrer kinder reproduzieren... von der seite her muss schule der inbegriff von chancengerechtigkeit sein!

    die gesamtschule funktioniert ja auch nicht, solange es die anderen Schulformen gibt.

    und zweitens: Ich glaube, dass ein funktionierendes Schulsystem die beste und effektivste art der sozialpolitik ist, die man machen kann. Welche andere Institution soll in der Lage sein Armut vorzubeugen? Es ist schließlich auch kein Geheimnis, dass sich bildungsferne familien in form ihrer kinder reproduzieren... von der seite her muss schule der inbegriff von chancengerechtigkeit sein!

  2. schöner artikel!
    Ich glaube, dass viele Menschen auch aus Unwissenheit gegen Reformen sind. Dies liegt unter anderem daran, dass die "Experten", zb die Forscher etc., sich nicht wirklich dafür einsetzen, dass sich etwas bessert. Denn Politiker haben nicht genug Glaubwürdigkeit, um aufzuklären. Abgesehen davon würden die Gegner vermutlich auch die Forscher als "Theoretiker" abtun, die von der Realität keine Ahnung hätten. Ich weiß nur eines: Wenn es so weiter geht wie bisher, können wir in ein paar Jahren oder Jahrzehnten anfangen, unsere Häuser einzumauern und Security-Firmen zu beschäftigen, weil zu viele Menschen im heutigen System "Schule" gescheitert sind.

    gruß

    tho

  3. die gesamtschule funktioniert ja auch nicht, solange es die anderen Schulformen gibt.

    und zweitens: Ich glaube, dass ein funktionierendes Schulsystem die beste und effektivste art der sozialpolitik ist, die man machen kann. Welche andere Institution soll in der Lage sein Armut vorzubeugen? Es ist schließlich auch kein Geheimnis, dass sich bildungsferne familien in form ihrer kinder reproduzieren... von der seite her muss schule der inbegriff von chancengerechtigkeit sein!

    Antwort auf "Das erste Mal"
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    • gauss
    • 28.07.2010 um 16:39 Uhr

    Sie bestätigen es ja schon selbst, die Schulform ist mehr oder weniger egal, es geht ausschließlich um die soziale Durchmischung. Schulen sind Bildungsinstitutionen und keine Instanzen des Sozialamts. Diese Denkweise wird nur zur Vertiefung der Klassengesellschaft führen, in Form einer Katalysatorfunktion vermittels von Privatschulen und -internate. Wenn die Qualität stimmt, dann kann man damit auch Sozialpolitik betreiben. Vierzig Jahre der Gesamtschule lassen diesen Schluss aber nicht zu. Hätte die Gesamtschule in Deutschland ein schlüssiges Konzept gehabt, dann hätte sie sich auch durchgesetzt.
    Wie Sie am Beispiel Hamburg sehen, und auch in diesem Artikel lesen können, ist der wesentliche Punkt die Eltern zu überzeugen.
    Um auf Ihren zweiten Punkt einzugehen. Schule ist für alle Schichten da, auch und insbesondere für diejenigen, die mit Steuergeldern diesen Staat finanzieren. Wenn Sie diese Leute links liegen lassen, begehen Sie schon einen fulminanten Fehler, genauso wie Frau Goetsch meinte Sie könne Politik gegen den Willen dieser Eltern führen.

    • gauss
    • 28.07.2010 um 16:39 Uhr

    Sie bestätigen es ja schon selbst, die Schulform ist mehr oder weniger egal, es geht ausschließlich um die soziale Durchmischung. Schulen sind Bildungsinstitutionen und keine Instanzen des Sozialamts. Diese Denkweise wird nur zur Vertiefung der Klassengesellschaft führen, in Form einer Katalysatorfunktion vermittels von Privatschulen und -internate. Wenn die Qualität stimmt, dann kann man damit auch Sozialpolitik betreiben. Vierzig Jahre der Gesamtschule lassen diesen Schluss aber nicht zu. Hätte die Gesamtschule in Deutschland ein schlüssiges Konzept gehabt, dann hätte sie sich auch durchgesetzt.
    Wie Sie am Beispiel Hamburg sehen, und auch in diesem Artikel lesen können, ist der wesentliche Punkt die Eltern zu überzeugen.
    Um auf Ihren zweiten Punkt einzugehen. Schule ist für alle Schichten da, auch und insbesondere für diejenigen, die mit Steuergeldern diesen Staat finanzieren. Wenn Sie diese Leute links liegen lassen, begehen Sie schon einen fulminanten Fehler, genauso wie Frau Goetsch meinte Sie könne Politik gegen den Willen dieser Eltern führen.

    • CM
    • 28.07.2010 um 16:22 Uhr

    Nichts hat sich geändert. Man gestatte mir eine unerträgliche Polemik:

    Zeigen die Diskussionen den Willen, unseren Kindern - allen Kindern - gute Bildung zukommen zu lassen?

    Keineswegs, die Debatte ist seit Jahrzehnten verlogen. Es geht doch nicht um Bildung, sondern um Ausgrenzung, und es wird Zeit, das endlich zuzugeben:

    - Unser Kind soll nicht mit den Ghettokindern in einer Klasse sitzen, und schon gar nicht mit Behinderten oder Ausländern.

    - Unser Kind ist zwar strunzdumm, aber ein gutes Elternhaus, Markenkleidung und ein energisches Auftreten auf dem Elternabend verbessern die Ergebnisse um mindestens eine Note.

    - Unser Kind soll Anwalt, Arzt oder Banker werden, und zwar ungeachtet der Begabung und möglichst unter Ausschluß von Begabteren.

    Unser Bildungssystem ist dabei, die "Schichten" in eine Kastengesellschaft zu überführen. Es entscheiden nicht Hautfarbe oder Religion, sondern die Herkunft. Wir sind dort, wo die Bildung unter Kaiser Wilhelm war, nur daß der Adel sich noch nicht wieder Adel nennt, aber der junge Prinz hat auch dann gute Noten, wenn er nicht bis drei zählen kann.

    Das ist nicht nur faschistoid, es bedeutet einen riesigen Schaden für die Gesellschaft, weil nicht Begabte gefördert werden, die Ideen haben um unsere Renten zu finanzieren, sondern Trottel mit reichen Eltern. Es zerstört den Zusammenhalt der Gesellschaft, ähnlich wie die Ghettobildung in den Städten.

    Nun wissen wir, wie unsere "Eliten" entstanden: evolutionär, nur rückwärts laufend.

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    denn er bringt das, was ich selbst gerade nicht auszudrücken im Stande bin, gekonnt auf den Punkt!

    Ja, ja, alle reichen Kinder sind dumm.

    Ersetze Reiche, Ärzte, Anwälte durch Ausländer und Sie hätten einen wunderbar rassistischen, von Vorurteilen triefenden Beitrag verfasst.

    Und natürlich sind alle Unterschichtler hochbegabt, nur haben sie kein Geld dies auch auszuleben.

    Dumm nur, dass ich als Kind der Unterschicht genau dies nicht so erlebt habe....

    denn er bringt das, was ich selbst gerade nicht auszudrücken im Stande bin, gekonnt auf den Punkt!

    Ja, ja, alle reichen Kinder sind dumm.

    Ersetze Reiche, Ärzte, Anwälte durch Ausländer und Sie hätten einen wunderbar rassistischen, von Vorurteilen triefenden Beitrag verfasst.

    Und natürlich sind alle Unterschichtler hochbegabt, nur haben sie kein Geld dies auch auszuleben.

    Dumm nur, dass ich als Kind der Unterschicht genau dies nicht so erlebt habe....

  4. Nicht "Die Angst vor der "Einheitsschule" und "ideologischen Experimenten" eint die deutschen Bildungseliten", wie Sie meinen, sondern der WAHN nach GLEICHMACHEREI (auf niedrigstem Niveau, versteht sich) eint die linken Bildungseuphoriker, die seit 30 Jahren Schulen und Universitäten in Deutschland zu einer Dauerbaustelle machen.
    Bildungspolitischer "Stillstand"!? Von wegen!! Am laufenden Meter immer neue Reformen und Reförmchen, an deren Umsetzung die besten Lehrkräfte ihre Energie und Zeit verbrennen. Linker Unsinnn in Reinkultur!!

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    Ich stelle mir grade ihre Worte gesprochen vor, die durchgehend großgeschriebenen Worte energisch hervorgehoben. Ups, wo war doch gleich der Wahn?
    Wenn Sie von Gleichmacherei sprechen, haben Sie das Prinzip nicht verstanden. Es geht um gleiche Chancen, nicht um Gleichmacherei. Das ist ein enormer Unterschied. Vielleicht sollte man das Wort Gleichheit außen vor lassen und von Gerechtigkeit sprechen. Ist es Gerecht, dass ein Kind aufgrund seiner Herkunft von vornherein schlechte Bildungschancen hat(83% der Kinder aus akademischem Haushalt machen Abitur, 23% aus Hartz-IV-Haushalten)? Ich finde das nicht gerecht, zum Himmel schreiend ungerecht. Das hat nichts mit Wahn zu tun, sondern auch damit, dass ich glaube, dass Potenzial verschenkt wird. Potenzial, dass später mal ihre Rente finanzieren soll. Nur so zum Beispiel.
    Schlagen Sie doch mal einen Weg vor, wie es möglich sein kann, für alle Kinder möglichst gerechte Chancen auf den für das Kind entsprechenden (muss nicht Abitur sein, sondern jedes Kind nach seinen Fähigkeiten) Bildungsweg zu schaffen?
    Auf universitärer Ebene tut sich gerade was. Haushaltssperre in Hessen zum Beispiel, weil der Schwarz-gelben Landesregierung die Finanzierung einer privaten Hochschule in Wiesbaden oder ein sinnloser Flughafen Kassel-Calden, den keiner will, wichtiger ist.

    Bildungspolitik sollte nicht am Gymnasium, der Real- oder Hauptschule gemessen werden, sondern daran, wie sozial ist. Leider wird diese Frage lieber ideologisiert behandelt..

    Ich stelle mir grade ihre Worte gesprochen vor, die durchgehend großgeschriebenen Worte energisch hervorgehoben. Ups, wo war doch gleich der Wahn?
    Wenn Sie von Gleichmacherei sprechen, haben Sie das Prinzip nicht verstanden. Es geht um gleiche Chancen, nicht um Gleichmacherei. Das ist ein enormer Unterschied. Vielleicht sollte man das Wort Gleichheit außen vor lassen und von Gerechtigkeit sprechen. Ist es Gerecht, dass ein Kind aufgrund seiner Herkunft von vornherein schlechte Bildungschancen hat(83% der Kinder aus akademischem Haushalt machen Abitur, 23% aus Hartz-IV-Haushalten)? Ich finde das nicht gerecht, zum Himmel schreiend ungerecht. Das hat nichts mit Wahn zu tun, sondern auch damit, dass ich glaube, dass Potenzial verschenkt wird. Potenzial, dass später mal ihre Rente finanzieren soll. Nur so zum Beispiel.
    Schlagen Sie doch mal einen Weg vor, wie es möglich sein kann, für alle Kinder möglichst gerechte Chancen auf den für das Kind entsprechenden (muss nicht Abitur sein, sondern jedes Kind nach seinen Fähigkeiten) Bildungsweg zu schaffen?
    Auf universitärer Ebene tut sich gerade was. Haushaltssperre in Hessen zum Beispiel, weil der Schwarz-gelben Landesregierung die Finanzierung einer privaten Hochschule in Wiesbaden oder ein sinnloser Flughafen Kassel-Calden, den keiner will, wichtiger ist.

    Bildungspolitik sollte nicht am Gymnasium, der Real- oder Hauptschule gemessen werden, sondern daran, wie sozial ist. Leider wird diese Frage lieber ideologisiert behandelt..

  5. Da gab es mal den Bundespräsidenten Lübke der sich u.a. dadurch verewigte, das er sich für die Zwergschule einsetzte, die er selbst besucht hatte und mit dieser Ausbildung im Rücken es bis zum Höchsten Amt schaffte.
    (Zwergschule =individualisiertes Lernen mehrerer Unterichtsstufen gemeinsam in einem Raum )
    Was haben wir gelacht !
    Und dieses Modell wäre heute als Reformwunderwerk anzustreben .
    Es fehlt mir auch immer noch die politische Erleuchtung warum bei längerer Grundschulzeit die Integrationsprobleme sich plötzlich auflösen.
    In Hamburg - Othmarschen gibt es keine Integrationsprobleme sondern in den Schulen mit 60 % Ausländeranteil.Die sind nicht in den Villenvierteln.
    Also ab in die Busse und die fahren dann die Kinder nach Othmarschen ??? Hat in den USA nicht geklappt.
    Politisch ist der Anteil der Schulabbrecher natürlich unerwünscht, erhöhen wir also die Gesamtzahl Schüler in einer Gemeinschaftsschule und , Oh Wunder , der prozentuale Anteil der Schulabbrecher sinkt .

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