Ein bisschen sickert immer vorher durch. Offiziell soll die vierte Pisa-Studie seit 2001 am Dienstag vorgestellt werden. 65 Staaten haben teilgenommen und ihre 15-Jährigen im Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften testen lassen. Am Wochenende wurde bekannt , dass sich die deutschen Schüler verbessert haben. Vor allem in Mathematik und in den Naturwissenschaften liegen die Schüler nun wohl merklich über dem Durchschnitt. Im Lesen geht es etwas mühsamer voran. 

Das klingt zunächst mager. Warum ist eine führende Wirtschafts- und Kulturnation wie Deutschland nicht endlich ganz vorn dabei? Tatsächlich aber ist es eine sehr gute Nachricht. Schon 2006 haben die Schüler sich verbessert und es geht weiter voran. Dass die Entwicklung bergauf geht, ist keineswegs selbstverständlich. 

Vor zehn Jahren, als die erste Pisa-Studie durchgeführt wurde, waren die deutschen Schüler in allen getesteten Fächern unter dem OECD-Durchschnitt. Spitzenreiter war Deutschland bloß in der Disziplin Ungerechtigkeit. Nirgendwo sonst hat ein Kind aus einfachen Verhältnissen so wenige Chancen auf eine gehobene Bildung wie bei uns. 

Der Schock führte aber nicht zur Schockstarre. Die Kultusminister setzten sich zusammen und beschlossen "sieben Handlungsfelder". In allen Bundesländern wurden Schulen und Kindergärten kräftig reformiert, manchmal vielleicht sogar etwas zu aktionistisch. Und sicher wurde immer noch zu wenig Geld investiert in die Kinder, die es am meisten brauchen. Trotzdem ist viel passiert.

Direkt ausgewirkt haben dürfte sich, dass die Unterrichtsmethoden in Mathematik und den Naturwissenschaften modernisiert wurden: Schüler langweilen sich weniger beim Formeln abschreiben von der Tafel, sondern erarbeiten die Ergebnisse selbstständig. Die eingeführten Bildungsstandards zielen in dieselbe Richtung. Kompetenzen sollen seitdem ebenso geprüft werden wie Fähigkeiten.

Fast überall in Deutschland wurde oder wird die Hauptschule abgeschafft, die vor allem in den Großstädten zur Verliererschule geworden war. Viele Halbtagsschulen werden in Ganztagsschulen umgewandelt. Die Lehrerbildung reformiert sich allmählich: weg vom Frontalunterricht, hin zum “individualisierten Lernen". Es soll jedes Kind bei seinen eigenen Begabungen und Defiziten abholen. Vorschüler werden auf ihre Sprachkenntnisse getestet und gegebenenfalls vor Schulbeginn gefördert. Ganz entscheidend ist auch, dass Kindergärten sich nicht mehr nur als Orte empfinden, wo Kinder betreut werden, deren Eltern arbeiten. Erzieherinnen bilden sich weiter, sie und die Eltern der Kinder haben nun den Anspruch, dass im Kindergarten beim Spielen auch gelernt, also die deutsche Sprache gefördert wird, kleine Kinder mit naturwissenschaftlichen Phänomenen, mit Buchstaben und Zahlen experimentieren.