Seit 2000 testet die OECD die Bildungssysteme europäischer Staaten. Zehn Jahre später liegen deutsche Schüler merklich über dem Durchschnitt – angesichts der Ausgangsbedingungen in Deutschland keineswegs selbstverständlich.

Nach den niederschmetternden Ergebnissen der ersten Jahre reformierten die Kultusminister kräftig, sie führten Bildungsstandards ein, schafften in vielen Ländern die Hauptschulen ab, gründeten Ganztagsschulen, kehrten sich vom Frontalunterricht ab und verbesserten die Lehrer- und Erzieherbildung. 

Dem Chef der Expertengruppe, dem OECD-Bildungsexperten Andreas Schleicher, reicht das nicht. Deutschland müsse die Auswahl seiner Lehrer verbessern, verlangte er. "Man muss versuchen, die besten Köpfe für die Schulen zu gewinnen. Länder wie Finnland machen das recht erfolgreich vor", sagte der er der Frankfurter Rundschau.

In Deutschland folge der Lehrerberuf oft noch dem Modell des Industriearbeiters. "Irgendjemand entwirft einen Lehrplan und der Pädagoge sitzt in seiner Klasse und soll das dann umsetzen." Fortschritte sieht Schleicher dagegen bei der Qualität der Ausbildung, die praxisorientierter sei als früher.

Im Detail stellt die OECD die Ergebnisse der Pisa-Studie 2009 am heutigen Dienstag vor. Insgesamt habe sich in Deutschland seit dem Start der ersten Erhebung von 2000 viel bewegt , sagte Schleicher. Verbesserungen sieht er bei der frühkindlichen Bildung und der Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund. Positiv sei auch die Entwicklung von der Drei- zur Zweigliedrigkeit des Schulsystems in manchen Bundesländern: "Die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen ist ein entscheidender Schritt, um Bildungsbarrieren abzubauen." Das werde sich langfristig auch in den Resultaten des internationalen Pisa-Tests niederschlagen.

Zehn Jahre Pisa - PISA-Studien: "Man muss geduldig sein" Thomas Kerstan, Ressortleiter ZEIT Chancen, über die neue Pisa-Studie und Veränderungen im deutschen Bildungswesen seit der ersten Erhebung vor zehn Jahren

An dem Schulleistungsvergleich hatten diesmal 65 Staaten teilgenommen. Getestet wurden fast eine halbe Million 15-jährige Schüler. Schwerpunkt der Untersuchung war diesmal Lesen und Textverständnis. Aber auch die Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften wurden miterfasst.

Zwar haben sich Deutschlands Schüler leicht verbessert, wie vorab bekannt wurde. Allerdings sind ihnen die 15-Jährigen in Finnland oder den asiatischen Pisa-Spitzenländern mit ihrem Wissen und Können immer noch um ein bis zwei Schuljahre voraus.

Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer, sagte, Appelle an Eltern und Lesepaten reichten nicht aus. "Lesen und Textverständnis muss in den Schulen genauso systematisch geübt und betrieben werden wie Mathematik und Naturwissenschaften." Dazu müssten die Lehrer in allen Fächern und auf allen Schulstufen "das entsprechende Handwerkszeug lernen, das heißt Fortbildung und geeignete Unterrichtsmaterialien erhalten".

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte am Montag ein weiteres Programm zur Leseförderung angekündigt. Mit der Aktion Lesestart sollen Kinder aus sozialen Brennpunkten bereits vor dem Schulbeginn Bücher kennenlernen und zum Selberlesen ermuntert werden.