Offiziell wird die neue Pisa-Studie erst am Dienstag vorgestellt. Vorab sickerten jedoch schon erste Ergebnisse durch: Zehn Jahre nach dem ersten Leistungsvergleich haben sich die deutschen Schüler demnach im internationalen Vergleich leicht verbessert, wie die Magazine Focus und Spiegel berichten. Gleichzeitig liegen die getesteten 15-Jährigen aus Deutschland aber immer noch erheblich hinter Gleichaltrigen aus Pisa-Spitzenländern wie Finnland oder den asiatischen Staaten.

Focus zufolge schneiden die deutschen Jugendlichen in Mathematik und Naturwissenschaften besser ab und erreichen"zufrieden stellende" Ergebnisse in der Schlüsselkompetenz Lesen und Textverständnis. Der Spiegel schreibt, die Bundesrepublik dürfe darauf hoffen, "dass ihre Schüler im Durchschnitt ein bisschen besser geworden sind, und sie muss befürchten, dass Migranten und andere Risikokandidaten erneut erschreckend schlecht dastehen".

Zehn Jahre Pisa - PISA-Studien: "Man muss geduldig sein" Thomas Kerstan, Ressortleiter ZEIT Chancen, über die neue Pisa-Studie und Veränderungen im deutschen Bildungswesen seit der ersten Erhebung vor zehn Jahren

Konkrete Zahlen nannten beide Magazine nicht. Der Sprecher der deutschen Pisa-Forscher, Eckhard Klieme, bezeichnete die Vorabmeldungen als "Ratespiele, die man von früheren Studien her kennt". Der Wissenschaftler verwies auf die internationalen Abmachungen, die Ergebnisse nicht vorab zu kommentieren.

Pisa ist der weltweit größte Schulleistungstest . Die Abkürzung steht für "Programme for International Student Assessment". Ausgerichtet wird der Test von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Mit den Tests wird überprüft, ob die 15-Jährigen das in der Schule Erlernte auch im Alltagsleben einsetzen können. Dafür müssen die Schüler lebensnahe Aufgaben lösen. Neben den Leistungen werden familiärer, sozialer und schulischer Hintergrund der jungen Menschen erfasst sowie Motivation, Lernmethoden und Unterstützung durch die Lehrer untersucht.

Die Veröffentlichung der ersten Studie aus dem Jahr 2000 hatte in Deutschland für Wirbel gesorgt. Die Schüler aus Deutschland hatten in allen drei Wissensdisziplinen schlechter als der Durchschnitt der 30 wichtigsten Industrienationen abgeschnitten. Die Studie förderte zudem zu Tage, dass über ein Fünftel der 15-Jährigen in Deutschland nur auf Grundschulniveau lesen und rechnen konnte. Auch zeigte sich, dass in keiner vergleichbaren Industrienation die Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft so ausgeprägt ist wie in Deutschland. Weitere Pisa-Tests gab es 2003 und 2006.

An der jüngsten Untersuchung nahmen fast eine halbe Millionen 15- jährige Schüler aus 65 Nationen teil. In Deutschland machten diesmal 4970 Schüler aus 223 Schulen mit. Weltweit arbeiten mehr als 300 Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter an Erstellung und Auswertung der Tests.