Doppelter Abiturjahrgang "Nach dem Stress gönnen wir unseren Kindern jetzt mal was"

In Niedersachsen machen in diesem Jahr zwei Jahrgänge gleichzeitig Abitur. Wie die Eltern die Schulzeitverkürzung und die Zusammenlegung von G8 und G9 erlebt haben. Drei Protokolle

Ivo und Annett Landré mit ihrer Tochter Madeleine

Ivo und Annett Landré mit ihrer Tochter Madeleine

Familie Landré mit Abiturientin Madeleine, 19 Jahre, G9

Annett und Ivo Landré: "Madeleine war bis zur 10. Klasse auf einem Gymnasium in Mecklenburg. Als wir nach Uelzen zogen, kam uns die Schule wie das Paradies vor. Denn Madeleine wechselte von G8 zu G9. Nur in den Fremdsprachen musste sie etwas nachholen, sonst hatte sie den anderen viel voraus. In Mecklenburg gab es gefühlt zwanzig Zensuren die Woche für schriftliche Tests, hier zählte plötzlich die mündliche Mitarbeit. Wunderbar war auch, wie demokratisch es hier zuging, die Lehrer haben die Schüler auf Augenhöhe behandelt.

Merkwürdig fanden wir, dass der Unterricht in der Oberstufe hier auch in den zentralen Fächern andauernd ausfiel, das kannten wir nicht. Madeleine hat aber damals eine Schülerzeitung gegründet und sich dafür einen Raum erkämpft. So hat sie eine tolle Lösung gefunden, all die Freistunden sinnvoll zu nutzen.

Vincent, Madeleines jüngerer Bruder, ist jetzt ein G8-Schüler. Im Vergleich zu dem, was wir in Mecklenburg erlebt haben, haben wir nicht den Eindruck, dass er viel Stress hat. Er macht jeden Nachmittag etwas anderes und hat trotzdem gute Noten.

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Der besondere Jahrgang

Durch die Verkürzung der Gymnasialzeit werden in Bayern und Niedersachsen dieses Jahr zwei Jahrgänge auf einmal entlassen. Wie erleben das die Abiturienten?  Wir begleiten die Abschlussklasse des Herzog-Ernst-Gymnasiums in Uelzen in der Serie "Der besondere Jahrgang"

Obwohl Madeleine mit so vielen Abiturienten um Studienplätze konkurrieren wird, soll sie sich Zeit lassen, das Richtige für sich zu finden. Sie will in den Journalismus. Wir würden es gut finden, wenn sie erst Praktika macht, um herauszufinden, was ihr wirklich liegt. Mehr Sorgen machen wir uns um unseren älteren Sohn. Er gehörte zu einem G9-Jahrgang, war noch bei der Bundeswehr und ist ins Ausland gegangen. Jetzt bewirbt er sich um einen Studienplatz –  gemeinsam mit diesem riesigen Jahrgang, der jetzt Abitur macht."

 

Leser-Kommentare
  1. ... ob die Begründung für G8, unsere Studierenden seien zu alt, wirklich so stichhaltig war.

    Was war jetzt der Sinn der G8-Übung, wenn sich die Schul-Absolventen vor lauter G8-Stress jetzt vermehrt nach dem Abi ein Jahr Auszeit irgendwo oder Orientierungspraktika "gönnen".
    Das mag für die Persönlichkeit im Einzelfall sehr bereichernd sein, aber natürlich ist damit das nun gewonnene geringere Einstiegsalter im Studium gerade wieder dahin. Die Frage ist: War das 8 Jahre Stress wert?

    Nun ja: Personalkosten für Lehrer -- die hat man mit G8 tatsächlich gespart.

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    war weitere Kostenreduktion, nichtr mehr und nicht weniger.
    Man ersparte sich einen Teil der notwendigen Lehrerstellen, bei gleichzeitiger Verdichtung des Unterrichts.

    Das war einer der Tricks wie man indirekt, wie schon seit jahrzehnten die Bildungskosten reduzieren konnte.

    H.

    war weitere Kostenreduktion, nichtr mehr und nicht weniger.
    Man ersparte sich einen Teil der notwendigen Lehrerstellen, bei gleichzeitiger Verdichtung des Unterrichts.

    Das war einer der Tricks wie man indirekt, wie schon seit jahrzehnten die Bildungskosten reduzieren konnte.

    H.

  2. In einigen Berliner Schulen wurden Schüler in sogenannten Schnelläuferklassen in 11 Jahren zum Abitur gebracht: Die ganze Klasse hat die 8. Klasse übersprungen.
    Für viele war das eine positive Erfahrung, sie sind nun mit den "normalen" 12-Jahres Abiturienten und den "früehren" 13-Jahres-Abiturienten in einer Kollegstufe.
    Allerdings gab es trotz Aufnahmeprüfung auch einige, die das Tempo nicht mitgehalten hatten. Diese sind dann ohne Sitzenbleiben in die "normalen" Gymansialklassen gewechselt (in Berlin beginnen diese in der 7.Klasse) und haben dann nach 12 Jahren Schule das Abi.
    In der Klasse gab es auch Schüler, die in der Grundschule schon eine Klasse übersprungen haben (damit nur 10 Jahre Schule insgesamt) oder schon mit 5 Jahren eingeschult wurden.
    Insgesamt sind diese Klassen vor allem ein Beispiel dafür, dass gute Schüler von halbwegs leistungshomogenen Klassen profitieren. Die verkürzte Schulzeit ist mehr ein Nebeneffekt.
    Vorbildlich finde ich übrigens das Schweizer Modell, wonach die besten Schüler zeitweilig vom Besuch des Unterrichts befreit werden. Manche gehen in der Zeit für ein paar Monate ins Ausland. Auf jeden Fall ist es eine gute Motivation, sich anzustrengen, begrent gleichzeitig die Leistungsunterschiede in der Klasse.

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    Ihre Beispiele zeigen sehr schön, dass Schüler von Klassen mit hoher Leistungshomogenität profitieren. Die Schweizer stellen nach Ihrer Aussage diese sogar durch zeitweise Entfernung der leistungsstärkeren Schüler her.

    Was ist in diesem Kontext von den Bestrebungen zu halten, unter dem Deckmantel der Bildungsgerechtigkeit
    das mehrgliedrige Schulsystem auflösen und eine Einheitsschule für alle vom "Hauptschüler" bis zum "Hochbegabten" einzuführen? Differenzierung nach Leistungsstufen allenfalls in den so genannten "Hauptfächern".

    Also ine Einheitsschule mit Einheitslehrer für maximale Einheitlichkeit. Und damit genau das Gegenteil vom Wunschzustand: Maximale Heterogenität.

    Das Ergebnis ist schon fast absehbar: Leistungsschwache und leistungsstarke Schüler werden sich gegenseitig auf die Nerven gehen, als "Streber" bzw. als "Bremser".
    Der Frust ist damit vorprogrammiert, damit Disziplinprobleme und damit schlechte Lernbedingungen für alle Beteiligten. Von den Lehrern wollen wir gar nicht erst reden.

    Nur manche werden in diesem verordneten System der Gleichheit noch ein bisschen gleicher sein: die Schüler auf den Privatschulen.

    • CCJosh
    • 09.05.2011 um 1:08 Uhr

    Also manche der Schüler haben nur 3 Jahre Unterricht auf der Grundschule gehabt(ich geheh mal aus das sie mit 6 Eingeschult wurden) d.h. sie sind mit neun Jahren aufs Gymnasium übergewechselt wo sie dann die 8. Klasse übersprungen haben und sommit mit 13 mit der Oberstufe begonnen haben sodass sie mit gerade mal 16 ihr ABitur haben. D.h. sie mit einem Studium beginnen könne. Ich halte dies für sehr unverantwortlich da ich zum einem denke das ihnen die Psychologische reife fehlt um so wichtige entscheidungen wie die wahl der Leistungskurse fällen müssen und mit 16 schon ihre Studienrichtung entscheiden müssen. Mal hanz abgesehen von den Lehrern die Pubertierenden Schülern Oberstufenihnhalte klarmachen müssen und teile der Schülerschaft noch pubertieren während sie ihr Abitur machen. Ich würde es niemals Kindern antun diesen Streß mitzumachen und denke das die meisten Eltern die ihre Kinder an diesem Program teilnehmen lassen dies tun um sich selbst zu profelieren.
    P.S.: Auch in Deutschland ist eine beurlaubung vom Unbterricht für einen Auslandsaufenhalt möglich.

    Ihre Beispiele zeigen sehr schön, dass Schüler von Klassen mit hoher Leistungshomogenität profitieren. Die Schweizer stellen nach Ihrer Aussage diese sogar durch zeitweise Entfernung der leistungsstärkeren Schüler her.

    Was ist in diesem Kontext von den Bestrebungen zu halten, unter dem Deckmantel der Bildungsgerechtigkeit
    das mehrgliedrige Schulsystem auflösen und eine Einheitsschule für alle vom "Hauptschüler" bis zum "Hochbegabten" einzuführen? Differenzierung nach Leistungsstufen allenfalls in den so genannten "Hauptfächern".

    Also ine Einheitsschule mit Einheitslehrer für maximale Einheitlichkeit. Und damit genau das Gegenteil vom Wunschzustand: Maximale Heterogenität.

    Das Ergebnis ist schon fast absehbar: Leistungsschwache und leistungsstarke Schüler werden sich gegenseitig auf die Nerven gehen, als "Streber" bzw. als "Bremser".
    Der Frust ist damit vorprogrammiert, damit Disziplinprobleme und damit schlechte Lernbedingungen für alle Beteiligten. Von den Lehrern wollen wir gar nicht erst reden.

    Nur manche werden in diesem verordneten System der Gleichheit noch ein bisschen gleicher sein: die Schüler auf den Privatschulen.

    • CCJosh
    • 09.05.2011 um 1:08 Uhr

    Also manche der Schüler haben nur 3 Jahre Unterricht auf der Grundschule gehabt(ich geheh mal aus das sie mit 6 Eingeschult wurden) d.h. sie sind mit neun Jahren aufs Gymnasium übergewechselt wo sie dann die 8. Klasse übersprungen haben und sommit mit 13 mit der Oberstufe begonnen haben sodass sie mit gerade mal 16 ihr ABitur haben. D.h. sie mit einem Studium beginnen könne. Ich halte dies für sehr unverantwortlich da ich zum einem denke das ihnen die Psychologische reife fehlt um so wichtige entscheidungen wie die wahl der Leistungskurse fällen müssen und mit 16 schon ihre Studienrichtung entscheiden müssen. Mal hanz abgesehen von den Lehrern die Pubertierenden Schülern Oberstufenihnhalte klarmachen müssen und teile der Schülerschaft noch pubertieren während sie ihr Abitur machen. Ich würde es niemals Kindern antun diesen Streß mitzumachen und denke das die meisten Eltern die ihre Kinder an diesem Program teilnehmen lassen dies tun um sich selbst zu profelieren.
    P.S.: Auch in Deutschland ist eine beurlaubung vom Unbterricht für einen Auslandsaufenhalt möglich.

  3. 3. Schön

    aber wie repräsentativ ist Familie Mustermann?

  4. Ihre Beispiele zeigen sehr schön, dass Schüler von Klassen mit hoher Leistungshomogenität profitieren. Die Schweizer stellen nach Ihrer Aussage diese sogar durch zeitweise Entfernung der leistungsstärkeren Schüler her.

    Was ist in diesem Kontext von den Bestrebungen zu halten, unter dem Deckmantel der Bildungsgerechtigkeit
    das mehrgliedrige Schulsystem auflösen und eine Einheitsschule für alle vom "Hauptschüler" bis zum "Hochbegabten" einzuführen? Differenzierung nach Leistungsstufen allenfalls in den so genannten "Hauptfächern".

    Also ine Einheitsschule mit Einheitslehrer für maximale Einheitlichkeit. Und damit genau das Gegenteil vom Wunschzustand: Maximale Heterogenität.

    Das Ergebnis ist schon fast absehbar: Leistungsschwache und leistungsstarke Schüler werden sich gegenseitig auf die Nerven gehen, als "Streber" bzw. als "Bremser".
    Der Frust ist damit vorprogrammiert, damit Disziplinprobleme und damit schlechte Lernbedingungen für alle Beteiligten. Von den Lehrern wollen wir gar nicht erst reden.

    Nur manche werden in diesem verordneten System der Gleichheit noch ein bisschen gleicher sein: die Schüler auf den Privatschulen.

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    • ux
    • 10.05.2011 um 1:19 Uhr

    Als ehemaliger G9 Schüler finde ich die Verkürzung auf 8 Jahre gut, es gab viel Luft.

    @pan_narrans:
    1. Es gibt auch innerhalb von Gymnasialklassen ein sehr großes Leistungsgefälle, sie sind keinesfalls leistungshomogen. Ihre "Streber und Bremser" gibts auch dort.
    2. Man kann auch in D für einen Auslandsaufenthalt beurlaubt werden. Ich durfte in der 10. Klasse sechs Wochen lang eine englische Schule besuchen und habe den Stoff selbständig nachgelernt. Eine sehr empfehlenswerte Erfahrung!

    • ux
    • 10.05.2011 um 1:19 Uhr

    Als ehemaliger G9 Schüler finde ich die Verkürzung auf 8 Jahre gut, es gab viel Luft.

    @pan_narrans:
    1. Es gibt auch innerhalb von Gymnasialklassen ein sehr großes Leistungsgefälle, sie sind keinesfalls leistungshomogen. Ihre "Streber und Bremser" gibts auch dort.
    2. Man kann auch in D für einen Auslandsaufenthalt beurlaubt werden. Ich durfte in der 10. Klasse sechs Wochen lang eine englische Schule besuchen und habe den Stoff selbständig nachgelernt. Eine sehr empfehlenswerte Erfahrung!

  5. 5. locker

    Ich mache nächste Jahr Abitur und auch ich bin in einem Doppeltjahrgang. Ich weiß nicht warum sich da alle sorgen machen, ich habe keinerlei Probleme mit dem Doppeltjahrgang klarzukommen- und so ganz unter uns, ausfallende Stunden sind doch toll ;)

    Vielleicht kommt mir das alles so locker vor, weil ich aus BW bin, ich muss trotzdem noch mal betonen :als G9 in einem DJ hat mans nich schwerer oder einfacher als zuvor. Easy :)

  6. Es kommt doch eigentlich nur darauf an, welches Bildungsniveau in den Schulen vermittelt wird! Die "Verkürzung" der "Gymnasialstufe" ist doch dem Osten geschuldet, da wir immer schon (damals) mit G4 (nach der 8.Klasse) unsere Abiturienten gebildet haben. Wir hatten dafür aber eben an unseren polytechnischen "Gemeinschaftsschulen" ein höheres Bildungsniveau für alle, für die angeblich "schwachen" und auch für die leistungsstarken. Es würde nicht so ein Geschrei sein für Stress bei kürzerer Zeit, wenn die Lehrer mit "Weniger ist mehr" sich auf das begreifbare Lehren von komplexen Sachzusammenhängen konzentrieren könnten! Schüler müssten nicht soviel lernen, wenn sie es in der Schule schon verstanden hätten! Mein Methode ist bekannt: "Begreifen können - statt lernen müssen!".

    • CCJosh
    • 09.05.2011 um 1:08 Uhr

    Also manche der Schüler haben nur 3 Jahre Unterricht auf der Grundschule gehabt(ich geheh mal aus das sie mit 6 Eingeschult wurden) d.h. sie sind mit neun Jahren aufs Gymnasium übergewechselt wo sie dann die 8. Klasse übersprungen haben und sommit mit 13 mit der Oberstufe begonnen haben sodass sie mit gerade mal 16 ihr ABitur haben. D.h. sie mit einem Studium beginnen könne. Ich halte dies für sehr unverantwortlich da ich zum einem denke das ihnen die Psychologische reife fehlt um so wichtige entscheidungen wie die wahl der Leistungskurse fällen müssen und mit 16 schon ihre Studienrichtung entscheiden müssen. Mal hanz abgesehen von den Lehrern die Pubertierenden Schülern Oberstufenihnhalte klarmachen müssen und teile der Schülerschaft noch pubertieren während sie ihr Abitur machen. Ich würde es niemals Kindern antun diesen Streß mitzumachen und denke das die meisten Eltern die ihre Kinder an diesem Program teilnehmen lassen dies tun um sich selbst zu profelieren.
    P.S.: Auch in Deutschland ist eine beurlaubung vom Unbterricht für einen Auslandsaufenhalt möglich.

    • ux
    • 10.05.2011 um 1:19 Uhr

    Als ehemaliger G9 Schüler finde ich die Verkürzung auf 8 Jahre gut, es gab viel Luft.

    @pan_narrans:
    1. Es gibt auch innerhalb von Gymnasialklassen ein sehr großes Leistungsgefälle, sie sind keinesfalls leistungshomogen. Ihre "Streber und Bremser" gibts auch dort.
    2. Man kann auch in D für einen Auslandsaufenthalt beurlaubt werden. Ich durfte in der 10. Klasse sechs Wochen lang eine englische Schule besuchen und habe den Stoff selbständig nachgelernt. Eine sehr empfehlenswerte Erfahrung!

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