Auch Ganztagsschulen können nicht auf das Aufputschmittel "Nachhilfe" verzichten. Wie die Schillerschule Offenbach, eine Integrierte Gesamtschule (IGS). Dabei bietet sie als gebundene Ganztagsschule bessere Bedingungen für eine gezielte Förderung von Kindern aus einfachen familiären Verhältnissen als andere Schulen. "Gebunden" bedeutet, der Ganztagsbesuch ist verpflichtend.

Sie zählt zu den fast 7.200 Schulen bundesweit, die mit dem vier Milliarden Euro schweren Investitionsprogramm des Bundes als Ganztagsschule aufgepeppt wurden. "Aber wir bekommen nicht einmal die Hälfte der Lehrerstunden, die uns per Erlass des Landes zustünden", sagt Thomas Findeisen, Direktor der Schillerschule Offenbach. Lehrer fehlen, die dafür sorgen könnten, dass der Schultag besser rhythmisiert werden kann, sodass jedes Kind individuell gefördert würde: nicht nur kognitiv, sondern auch in seinen kreativen und sportlichen Talenten. Daher behilft sich die Schule zum Beispiel mit Studenten, die weniger kosten: "Damit allein kann man aber keine gescheite Ganztagsschule machen", sagt der Schulleiter.

Auf diese Weise organisiert die Schillerschule aber bereits Hausaufgabenhilfe, Förderkurse und betreute Lernzeiten in der Mediothek. Doch der Mangel an qualifiziertem Personal lässt es nicht zu, dass alle Schüler die Förderung, die sie darüber hinaus brauchen, auch bekommen. "Eine solche Förderung ist nur als Nachhilfe auf dem Markt zu bekommen", sagt Findeisen.

Die Schillerschule hat schon bevor die Nachhilfe mithilfe des Bildungspakets staatlich bezuschusst wurde, einen "Förderservice" eingerichtet, der allerdings kostenpflichtig ist. Derzeit nutzen ihn rund 40 Schüler. Hier können die Kinder in den Kernfächern mithilfe von sechs Lehramtsstudenten den Schulstoff wiederholen, und zwar wie Findeisen betont, eng mit den individuellen Förderplänen abgestimmt. Da sich die Fördergruppen meist aus sechs Schülern zusammensetzen, für die ihre Eltern jeweils drei Euro pro Stunde bezahlen müssen, kommen die Studenten auf ein Stundenhonorar von immerhin 18 Euro.

Einzelunterricht zu diesem Stundensatz könnten sich die meisten Eltern bisher nicht leisten, sagt Findeisen. Die Erfahrung hat auch Alexander Subtil, ein freiberuflicher Nachhilfelehrer aus Frankfurt gemacht. Kinder aus sozial schwachen Familien kommen bei ihm normalerweise nicht an, er beschreibt seine Klientel so: "Bei der einen Gruppe geht es darum, das Schlimmste zu verhindern und von einer Fünf herunterzukommen, bei der anderen leisten sich die Eltern Nachhilfe, um das Kind im Wettbewerb mit anderen zu pushen." Doch ausgerechnet diejenigen, die am meisten Hilfe benötigten, hätten am wenigsten Geld, sagt Subtil.