Musikunterricht App statt Blockflöte
Wenn Instrumente-Lernen ätzend wird: In einem Pilotprojekt musizieren Schüler im Unterricht auf Handys. Jugendliche ohne musikalische Vorbildung profitieren besonders.
© Screenshot ZEIT ONLINE

Das Projekt mEiMu-LAB (mobile Endgeräte im Musikunterricht) erprobte, wie mit iPod-Touch & iPad gemeinsam musiziert werden kann.
Der Beat setzt ein und Max aus der 8a schiebt, wischt und klickt. In seinen Händen hält er kein Instrument, sondern ein Smartphone. Er wiederholt die Akkordfolge, dann fährt seine Mitschülerin Lena mit ihrem Finger über das gläserne Display ihres iPads – darauf quäkt ein animierter Roboter im Jackett, als würde ihm jemand wehtun.
Handys im Unterricht sind an der Bertha-von-Suttner-Oberschule in Berlin sonst streng verboten. Doch in einem Pilotprojekt der Universität Potsdam soll getestet werden, ob und wie sich neue Technologien im Musikunterricht integrieren lassen.
"Ihr nehmt an einem Experiment teil, das in Deutschland bisher einzigartig ist", sagt Matthias Krebs zu Beginn der Stunde. Der Dozent für Musik- und Medienpädagogik hat das Projekt "Mobile Endgeräte im Musikunterricht" gemeinsam mit Pädagogikstudenten der Uni Potsdam entwickelt. Nach der Testphase will er mit den angehenden Lehrern Konzepte entwickeln, wie sich Smartphones und Tablet-PCs sinnvoll im Unterricht einsetzen lassen.
Krebs ist ein Pionier auf dem Gebiet der Handy-Musik. Der ausgebildete Opernsänger probiert seit mehr als einem Jahr Musik-Apps für die Geräte aus. Mit anderen Berufsmusikern hat er ein Ensemble gegründet, in dem ausschließlich auf mobilen Endgeräten musiziert wird. "Wir spielen auch Stücke im klassischen Stil", sagt Krebs. Ihm ist es ernst, denn Handy-Musik hat nicht den besten Ruf: Man denkt an polyphones Acht-Ton-Gedudel und betrügerische Klingelton-Abonnements.
Das könnte sich ändern: Für Smartphones gibt es inzwischen viele Anwendungen, mit denen man anspruchsvoll musizieren kann. Die Apps tragen Namen wie Thumbjam, Soundprison und Finger Beat – teilweise sind sie kostenlos oder für einen niedrigen Geldbetrag zu kaufen. "Töne lassen sich nicht nur per Klick abspielen, sondern auch modulieren", sagt Krebs. Zum Beweis schüttelt Krebs sein Handy mit gestrecktem Arm: Ein Cello-Vibrato ertönt.
Krebs verteilt die Geräte. Jungs scrollen durch das Menü, Mädchen nesteln an ihren Kopfhörern. Computer, Smartphones und MP3-Player sind Alltag für sie, auch wenn solche Techniken in der Schule selten zum Einsatz kommen. Als in der Pisa-Studie der Einsatz von Computern im Unterricht abgefragt wurde, lag Deutschland auf dem letzten Platz unter den OECD-Ländern.
"Was fällt euch zu Sehnsucht ein – wie könnte das klingen?", fragen die Studentinnen Barbara Reschke und Carolin Gawron. Jeweils zwei Studenten betreuen eine Gruppe. Die Schüler sollen gemeinsam ein Stück zu Gefühlen wie Sehnsucht, Hass oder Liebe komponieren – sie haben 90 Minuten Zeit.
- Datum 20.06.2011 - 14:52 Uhr
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Was soll ich dabei denn bitte lernen? Wo soll da jetzt der Vorteil sein? Wenn ich auf einem Smartphone "musiziere", habe ich hinterher genauso viel Ahnung von Musik, wie vorher. Und das soll ja wohl auch kein neues Musikinstrument darstellen, oder? Denn so wird das Smartphone grade dargestellt. Das wäre so, als würde man den computer ein Instrument nennen, nur weil man auf ihm verschiedene Töne zu Liedern zusammenmixen kann. Ich weiß nicht, was der Quatsch soll.
ich hab früher auch am Keyboard gesessen und die vorkomponierten Melodien in verschiedenen Tonhöhen abspielen lassen.
Sowas in der Schule anzubieten ist doch ein schlechter Witz. Wo soll es denn bitte hingehen mit unseren Kindern?
Einmal tippen ... fertig. Ich hab noch selbst Klavier oder Bass im Bolero gespielt im Unterricht. Wir haben gesungen und was zur Musiktheorie gelernt.
Man kann es auch übertreiben mit den "neuen Medien"!
Das midifähige Garageband und die Korg-Synthesizer-Apps geben auf dem iPad deutlich mehr Möglichkeiten, als mit Simpel-Apps vordefinierte Tonfolgen nachzuspielen. Hinzu kommt noch der sehr offensichtliche Gedanke, dass durch das Erlernen eines Instruments nicht automatisch auch die Fähigkeit erwächst, Songs zu schreiben und man durchaus auch ohne das Beherrschen eines Instruments Songs schreiben kann. Siehe folgendes Beispiel: http://www.iphoneblog.de/...
Gerade für den Musikbereich ist das iPad ein grandioses Werkzeug. Siehe Korg: http://www.korg.de/nc/new...
Das midifähige Garageband und die Korg-Synthesizer-Apps geben auf dem iPad deutlich mehr Möglichkeiten, als mit Simpel-Apps vordefinierte Tonfolgen nachzuspielen. Hinzu kommt noch der sehr offensichtliche Gedanke, dass durch das Erlernen eines Instruments nicht automatisch auch die Fähigkeit erwächst, Songs zu schreiben und man durchaus auch ohne das Beherrschen eines Instruments Songs schreiben kann. Siehe folgendes Beispiel: http://www.iphoneblog.de/...
Gerade für den Musikbereich ist das iPad ein grandioses Werkzeug. Siehe Korg: http://www.korg.de/nc/new...
Pilotprojekt - Ja - in Ordnung.
Experiment - Ja - in Ordnung.
Für ein Instrument und das passende Gefühl und Erleben gibt es keinen - wirklich keinen Ersatz.
Zum Glück gibt es noch in den Alltäglichkeiten Aufgaben, wo ich als Mensch mit meinen Sinnen gefragt bin.
Wenn ich einen Kuchen backe, muß ich mir die Eier selbst aufschlagen. Schwimmen lernen und Fahrrad fahren übernimmt für mich kein mobiles Endgerät.
Die Essenz ist genau andersrum.
Es profitieren AUSSCHLIEßLICH NUR Jugendliche MIT musikalischer Vorbildung davon.
Den Rest in den Zoo - zu den Affen.
Besucht man Veranstaltungen, bei denen das Publikum plötzlich zum mitklatschen animiert wird, bin ich jedes mal entsetzt wie viele Menschen absolut keinen Rhythmus haben!
Da akzeptiere ich JEDE Form der musikalischen Bildung, sei sie noch so trivial oder medial.
"Doch in einem Pilotprojekt der Universität Potsdam soll getestet werden, ob und wie sich neue Technologien im Musikunterricht integrieren lassen." Davon abgesehen, dass sich neue Techniken allenfalls in den und nicht im Musikunterricht integrieren lassen, ist der Begriff "Technologie" in diesem Zusammenhang falsch. Er wird gerne anstelle von "Technik" verwendet, aber das ist keine Entschuldigung. "Technologie" bedeutet die Lehre von Technik, beispielsweise bezieht sich "Bergbautechnologie" auf alle (diverse mechanische und bakterielle) Methoden, Material wie Kohle und oder (Edel-)Metalle abzubauen.
[...]
Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine sachlichere Wortwahl. Danke. Die Redaktion/lv
...(mit Verlaub) Meckerköppe. Hier werden Kids ans Musikmachen herangeführt. Natürlich ist das relativ simpel. Deshalb schreckt es auch niemanden ab. Mit jeder Menge Instrumenten kann ich Kinder überfordern, die noch nie eines in der Hand hatten und die Aufgabe kriegen in 90 Minuten ein Stück Musik zu präsentieren. Der schnelle Erfolg macht eventell neugierig und führt in die Musikschule. Dass der normale schulische Musikunterricht instrumentale Könner produziert, würde mich wundern. Wenn ich Kinder hätte, wäre es mir deutlich lieber die machen Musik auf ihren Mobiltelefonen, als dass sie deutlich kreativeärmere Spiele daddeln.
Ich find es knorke.
... ist völlig egal, wie und wodurch die Töne erzeugt werden.
Ich denke, dass dieses Projekt eher ein fast schon verzweifelter Versuch ist, die Kinder von der musikkonsumierenden in die musikschaffende Rolle zu bewegen. Frei nach dem pädagogischen Motto: Du musst den Schüler abholen, wo er sich befindet.
Nur: Ich zweifle am Erfolg. Letztlich ist "Musik" eben doch etwas komplexer als dass herumspielen mit einer "App". Musik hat (viel) mit üben zu tun und auch manchmal mit Frust, mit Freude und Lampenfieber, mit öder Routine und manchmal mit grossartiger Gänsehaut. All dies (und noch mehr) erfährt, wer ein Instrument lernt.
Ein Instrument zu lernen bedarf tausender Stunden Übung, qualifiziertem Unterricht, Hingabe, auch Disziplin und schlicht Sturheit :-) . Die Motivation dazu muss aus dem Innern kommen, durch ein geeignetes Umfeld gefördert und finanziert werden. Man bedenke, dass allein die Kosten für qualifizierten Unterricht in der Größenordnung von 800-1.000 EUR p/a liegen, vom Instrument, Noten, Fahrtkosten (und-zeit!),.... ganz zu schweigen.
Drum: nette Idee. Ein kleiner Spass für die Kids, mehr nicht. Denke ich jedenfalls.
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