Bildungsmonitor 2011Bildung im Aufwärtstrend

Der "Bildungsmonitor" untersucht Bildungssysteme daraufhin, wie gut sie zum Wirtschaftswachstum beitragen. Schulen in Sachsen und Thüringen sind am leistungsfähigsten.

Sachsen und Thüringen haben die leistungsfähigsten Bildungssysteme, Berlin dagegen das schwächste. So sieht das deutsche Bildungswesen zumindest aus Sicht der Wirtschaft aus. Der " Bildungsmonitor 2011 " der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM), die von den Arbeitgebern finanziert wird, soll die Bildungssysteme auf die Frage hin abklopfen, welchen Beitrag sie zum Wirtschaftswachstum leisten.

Auf die beiden Ostländer folgen Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz. Anders als die Tabelle suggeriert, liegen "die übrigen 11 Bundesländer eng beieinander", wie es in der Auswertung heißt. Man könne daher von "einer Spitzengruppe und einem breiten Mittelfeld sprechen", sagte Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, das die Auswertung für die INSM erstellte. "Verbesserungen" im Vergleich zum vergangenen Jahr zeigten neben Thüringen vor allem Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, NRW, Hessen und auch Berlin, dessen "Aufholerfolge" trotz des Schlussranges "anerkennenswert" seien, wie INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr sagte. Seit der ersten Erhebung im Jahr 2004 hätten alle Länder große Fortschritte gemacht. Das Niveau habe sich insgesamt nach oben verschoben. So liegt Berlin – damals 13. Platz – heute über dem Wert des damaligen Spitzenreiters Bayern.

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In den "Bildungsmonitor" fließen vor allem Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2009 und bereits veröffentlichte Bildungsvergleiche wie die Pisa-Studie ein. Insgesamt seien mehr als 100 Indikatoren berücksichtigt, sagte Plünnecke: von Bildungsausgaben über Kitaplätze und Schulqualität bis hin zur Arbeitsmarktorientierung der Bildungssysteme. Für das Länderranking hat das IW aus der Gesamtschau der Indikatoren eine eigene Punkteskala entwickelt.

Der Fokus der Studie auf die "Wachstumsperspektiven für Deutschland" (Plünnecke) zeigt sich unter anderem daran, dass Länder Pluspunkte erhalten, die viele Nachwuchskräfte für die Technologiebranchen hervorbringen. Gerade hier sind Sachsen und Thüringen gut, die für ihre bundesweit höchste Quote an Ingenieurabsolventen und -promotionen gelobt werden. Berlin schneidet dabei eher schwach ab. Das könnte daran liegen, dass die Stadt mit der FU und der HU gleich zwei große Universitäten hat, die stark in den Geisteswissenschaften sind. Sachsen und Thüringen liegen aber ebenso in der Schulqualität vorn wie bei der Vermeidung von Bildungsarmut und den Ganztagsangeboten für Kitas und Schulen.

Berücksichtigt werden auch wirtschaftsrelevante Faktoren, die nicht unmittelbar etwas mit Kitas, Schulen und Hochschulen zu tun haben. So hob INSM-Geschäftsführer Pellengahr für Baden-Württemberg und Bayern hervor, dass Jugendliche dort "besonders gute Chancen auf einen erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt haben". Bewertet wird unter anderem, wie viele Ausbildungsstellen angeboten wurden.

In Berlin sieht die Studie vor allem in der Schulqualität und in der Integration ausländischer Jugendlicher Defizite. "Ein zu großer Teil der Berliner Schüler erfüllt nach wie vor nicht die Mindeststandards im Lesen und Schreiben", kritisierte Pellengahr. Bei diesen Feldern beruft sich der "Bildungsmonitor" auf bekannte Daten aus den Pisa-Studien von 2006 und aus dem 2010 veröffentlichten Ländervergleich des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Dort wurde geprüft, ob Schüler die bundesweiten Bildungsstandards im Fach Deutsch erreichen. Eine Rolle spielt zudem, dass die Schulabbrecherquote unter Ausländern im bundesweiten Vergleich hoch ist. Der Wert von 16,4 Prozent sei "inakzeptabel", sagte Pellengahr. Er empfahl Maßnahmen wie die Stärkung der Sprachförderung in den Kitas und mehr Transparenz in den Schulen. Berlin hat da in den vergangenen Jahren schon etliches getan.

Schlecht kommt Berlin bei den Bildungsausgaben weg. Ein überraschendes Urteil, liegt Berlin doch bei Pro-Kopf-Ausgaben pro Schüler bundesweit an der Spitze, was dem früheren Finanzsenator Thilo Sarrazin immer wieder ein Dorn im Auge war. Doch die INSM zählt anders, was für Berlin von Nachteil ist. In der Studie werden die Bildungsausgaben damit verrechnet, wie viel ein Land insgesamt pro Einwohner ausgibt. So soll gezeigt werden, welche Priorität Bildung im Vergleich zu den Gesamtausgaben hat. Berlin wird so bestraft, dass es wegen seiner hohen Schulden und Sozialleistungen vergleichsweise viel pro Einwohner ausgibt: Dadurch sinkt der Anteil der Bildungsausgaben am Gesamtetat.

Gelobt wird dagegen die Forschungsorientierung Berlins, wo die Stadt bundesweit führend ist. Die vergleichsweise schnell steigende Zahl an Uniabsolventen habe "zu einer Stärkung der Wachstumskräfte" beigetragen.

Auch bei den Kita- und Ganztagsschulplätzen ist Berlin vorn. Nirgendwo anders lernen so viele Grundschüler in einer Ganztagsschule (72,4 Prozent). Gerade bei der Ganztagsschulbetreuung habe Berlin bundesweit in den vergangenen Jahren den größten Sprung nach vorne gemacht. IW-Forscher Plünnecke lobte die bundesweit verbesserte Betreuung von Schülern im Rahmen von Ganztagsangeboten. Eine "zentrale Aufgabe" für die Politik bleibe, die Bildungsarmut im Land zu verringern.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
  1. - Einmischung privater Firmen in den Schulen
    - Bezahlung der Lehrer nach Leistung (wie immer das gemessen werden soll)
    - Bezahlung der Lehrer nach Marktlage (viele Lehrer verfügbar -> weniger Lohn)
    Zumindest sagte das gestern ein Sprecher der INSM im Deutschlandfunk

    Sorry, das kann nicht der richtige Weg sein.

    4 Leserempfehlungen
  2. machen der Tagesspiegel und Die Zeit sich die Mühe, die Urheber - INSM und Arbeitgeber - der Studie zu benennen, was der Seriösität zu Gute kommt. Die o.g. Springer-Presse macht sich die Mühe natürlich nicht und verteilt heute ihre Blätter - mit dem Prinzip: Hälfte der Information weglassen ist besser als die Leute zu informieren - kostenlos auf den Straßen. So macht Springer Wahlkampf und manipuliert.

    3 Leserempfehlungen
    • Eiseob
    • 17.08.2011 um 13:01 Uhr

    Es gibt nur ein Politikfeld, dessen positiver Einfluss sich auf alle anderen Bereiche erstreckt und das ist Bildungspolitik. Es ist traurig zu sehen, wie bei diesem wichtigen Politikfeld gemurkst wird. Das System und die dazugehörigen Standards müssen zentral geformt werden, die Schulen müssen dezentral organisiert und mit Freiheiten ausgestattet sein, die nur durch den Rahmen begrenzt werden, der zentral festgelegt wurde. Geld alleine löst keine Probleme, mit den richtigem Einsatz (mehr Lehrer, mehr Sozialarbeiter, mehr Ganztagsschulen, mehr Krippenplätze, Essen in den Schulen, Angebote außerhalb der Schulzeiten usw.) kann es sehr viel bewirken. Deutschland muss Prioritäten setzen. Das bedeutet nichts anderes, als bei anderen Etats zu sparen und das Geld in Bildung umzuschichten. Nur so kann Deutschland mehr soziale Gerechtigkeit und eine bessere Wirtschaftsleistung erreichen!

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    • 125ml
    • 17.08.2011 um 13:16 Uhr
    2 Leserempfehlungen
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    Möchte aber dennoch die Stellungnahmen der GEW noch einmal direkt verlinken:

    http://www.gew.de/Binaries/Binary80605/Kurzfassung++Black+Box+Bildungsmonitor+(2).pdf
    http://www.gew.de/Binaries/Binary80604/Black+Box+Bildungsmonitor+-+Ein+Blick+hinter+den+Reiz+des+Rankings+(1).pdf

    Möchte aber dennoch die Stellungnahmen der GEW noch einmal direkt verlinken:

    http://www.gew.de/Binaries/Binary80605/Kurzfassung++Black+Box+Bildungsmonitor+(2).pdf
    http://www.gew.de/Binaries/Binary80604/Black+Box+Bildungsmonitor+-+Ein+Blick+hinter+den+Reiz+des+Rankings+(1).pdf

  3. "Klaus Klemm, langjähriger Bildungsforscher und bis 2008 Beirat der Pisa-Studie, hält den Bildungsmonitor jedoch für wissenschaftlichen Unfug: "Solch eine Studie mit Rangliste zu erstellen, traut sich außer der INSM kein Wissenschaftler zu - denn es ist medienwirksame Zauberei, sonst nichts.""
    Quelle: http://www.stern.de/polit... Recht hat der renommierte Forscher!
    Schon die obskure Mixtur aus Indikatoren und die - wie sich ja im Artikel zumindest andeutet - z. T. fragwürdigen Erhebungsmethoden/Relationierungen sind einer fundierten Bildungsforschung unwürdig. Seriös geht anders!

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  4. Möchte aber dennoch die Stellungnahmen der GEW noch einmal direkt verlinken:

    http://www.gew.de/Binaries/Binary80605/Kurzfassung++Black+Box+Bildungsmonitor+(2).pdf
    http://www.gew.de/Binaries/Binary80604/Black+Box+Bildungsmonitor+-+Ein+Blick+hinter+den+Reiz+des+Rankings+(1).pdf

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  6. "Nur bei einem Handlungsfeld wird überhaupt der Versuch gemacht, mit thematisch einigermaßen passenden Forschungsergebnissen empirisch zu argumentieren. Bei zwei Handlungsfeldern wird sogar ohne theoretische Argumentation ein Zusammenhang zum Wirtschaftswachstum unterstellt. Im Grunde geben die AutorInnen die fast vollständige, ideologisch-theoretische Ausrichtung des
    Bildungsmonitors selbst zu. [...] Haben die Leistungsrankings des Bildungsmonitors aber auch etwas mit der empirisch gemessenen ökonomischen Realität zu tun? [...] Insgesamt lässt sich für die Unterschiede zwischen den gesamten Bildungsmonitorwerten der Bundesländer kein statistisch signifikanter Zusammenhang mit den unterschiedlichen, durchschnittlichen Wachstumsraten der Bundesländer seit Beginn des Monitorings bis heute (2004 bis 2010) erkennen. Sowohl der Punktestand der Bundesländer im Bildungsmonitor 2004, der Punktestand von 2010 und der Punktezuwachs zwischen 2004 und 2010 weisen keinerlei signifikanten statistischen Zusammenhang mit dem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum (2004-2010) in den Bundesländern auf (Siehe Kaphegyi 2011, S. 24f.). [...] Es zeigen sich verschiedenartige und vielfältige Mängel des wissenschaftlichen Arbeitens im Bildungsmonitor [...]." Usw. usf. Näheres in den zuvor über den 125ml geposteteten Link weiterverlinkten Quellen.
    Die forschungsmethodischen Defizite zeigen, dass es mit der 'Bildungsrepublik' in Deutschland nicht weit her ist. Leider!

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