Leserartikel

Schulzeitverkürzung Liebe Yakamoz,

In der ZEIT beklagt sich die Schülerin Yakamoz Karakurt über die verkürzte Gymnasialzeit. Leser W. Lünenbürger-Reidenbach rät ihr, auf eine Stadtteilschule zu wechseln.

Du schilderst in Deinem Beitrag in der ZEIT Nr. 34, dass es dich sehr belastet, wie deine Schule organisiert ist. Du sagst, du hättest wegen der Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre kein Leben mehr, sondern nur noch Druck und Stress.

Ich schreibe Dir, weil ich ziemlich genau weiß, was du damit meinst. Ich habe einen Sohn, der die 10. Klasse eines Hamburger Gymnasiums besucht, und einen weiteren in der 9. Klasse einer Stadtteilschule. Bei meinem dritten Sohn steht dieses Schuljahr die Entscheidung an, auf welche weiterführende Schule er soll. Ich kann Dich also verstehen. Und ich finde, dass Du Recht hast: So geht es nicht.

Anzeige

Nur verstehe ich nicht, warum Du die Antwort, die Dir die Schulbehörde gab – dass es auch noch Stadtteilschulen gebe – so brüsk abtust. Mein zweiter Sohn war auch erst auf dem Gymnasium. Ich gebe zu, das lag vor allem daran, dass wir als seine Eltern nicht nachgedacht hatten. Irgendwann haben wir dann die Notbremse gezogen, um ihm zu ermöglichen, das Tempo etwas rauszunehmen und trotzdem das Abitur anzustreben. Heute ist er so gut in der Schule wie noch nie; weiß, was er schaffen und werden will – und hat Spaß an der Schule.

Leserartikel auf ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE präsentiert regelmäßig ausgewählte Leserartikel, die unsere eigenen Inhalte um zusätzliche Meinungen, Erfahrungsberichte und Sichtweisen bereichern. Vor der Veröffentlichung nehmen wir mit den Autoren Kontakt auf und sprechen über den Text, anschließend wird der Leserartikel von uns redigiert und bebildert. Auch bei Leserartikeln, die unter Pseudonym veröffentlicht wurden, kennt die Redaktion Namen und Anschrift des Autors. Alle weiteren Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.

Leserartikel schreiben

Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Was freut, ärgert oder verwundert Sie? Welches Buch, welche Musik oder welchen Film würden Sie gerne einmal auf ZEIT ONLINE rezensieren? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihren Leserartikel. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie alle wichtigen Hinweise, wie Sie beim Verfassen Ihres eigenen Artikels für ZEIT ONLINE vorgehen sollten.

Zur Artikeleingabe

Der ZEIT-ONLINE-Wald

Als symbolisches Dankeschön pflanzen wir für jeden Leserartikel, den wir veröffentlichen, einen Baum. Dabei arbeiten wir mit iplantatree.org zusammen. Zum Start des neuen Leserartikel-Projekts haben wir schon 1000 Bäume in Berlin Friedrichshagen gepflanzt und hoffen, dass daraus im Lauf der Jahre ein ganzer ZEIT-ONLINE-Wald wird. Mehr Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.

Die, auf die Du wirklich böse sein solltest, sind deine Eltern. Denn sie haben Dich auf einem Gynmasium angemeldet, obwohl auch jede andere Schule zum Abitur führt. Das Abitur ist überall gleich viel wert, weil es ein Zentralabitur ist. Ich weiß nicht, ob das auf Deine Eltern zutrifft, aber ich sehe viele Eltern bei uns in der Umgebung, die aus falschem Ehrgeiz oder Unwissenheit ihre Kinder zum Schnellabitur zwingen. Euch, die ihr die Leidtragenden seid, bedauere ich sehr. Geht gegen diese falsche Bildungspolitik vor, vor allem aber gegen eure Eltern, die Euch auf die falsche Schule geschickt haben. Wechsle jetzt die Schule, denn jetzt ist es noch möglich!

Aus der Erfahrung mit einer Stadtteilschule – anderswo heißen diese Schulen Gemeinschaftsschulen oder Gesamtschule – weiß ich: Vieles von dem, was Du dir vom Schulunterricht und von der Wissensvermittlung erhoffst, findest du an einer Stadtteilschule. Einige von denen sind Ganztagsschulen ohne häusliche Hausaufgaben. Andere wiederum sind Halbtagsschulen, zum Beispiel die meines Sohnes.

Ich hoffe für Dich, dass Du einen Weg findest, neben der Schule zu leben. Und ich hoffe, dass du eine gute Schule findest. Du wirst merken, dass mehr und mehr gute ehemalige Schülerinnen und Schüler von Gymnasien auf Stadtteilschulen wechseln. Meine Erfahrung der letzten Jahre ist, dass die Stadtteilschule ohnehin für eigentlich fast alle Kinder die geeignetere Schulform ist, auch weil sie ein besseres Unterrichtskonzept hat, mehr Praktika einplant und interessantere Fächer bietet.

Liebe Yakamoz, ich wünsche Dir ein schönes Schuljahr. Frag mal bei der Stadtteilschule in der Deiner Nähe an, vielleicht nehmen die Dich ja nach den Herbstferien. Die sind ja bald...

Herzliche Grüße,
Dein Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach

 
Leser-Kommentare
  1. Sehr geehrter Herr Lünenbürger-Reidenbach offensichtlich verwechseln Sie hier Ursache und Wirkung. Nicht die Schülerin und ihre Eltern sind für das Schuldesaster verantwortlich, so wie Sie es ihnen hier sehr wortreich und paternalistisch unterstellen wollen. Sie versuchen zudem auch noch, das Mädchen gegen seine Eltern aufzuhetzen, was schon der Gipfel an Frechheit und Unverschämtheit ist. Die Schülerin hat sehr gut begründet, warum sie nicht aufgrund von landespolitischen Fehlentscheidungen ihr soziales Umfeld verlieren möchte und das sie beileibe kein Einzelfall ist, so wie Sie ihr das suggerieren wollen. Man hätte ja eine Wahl. Das ist weder sachgerecht noch zutreffend.

    Vielleicht machen Sie sich doch erst mal kundig, was das Wort brüsk bedeutet.

    Die Schülerin beschreibt, wie sie von den Mitarbeitern des Schulsenators behandelt wurde:"Doch die Person am anderen Ende der Leitung hat mich unterbrochen und gesagt, dass das Gymnasium nur für selbstständige Schüler geeignet sei, die ein gewisses Lerntempo durchhalten."

    Das ist aus meiner Sicht rüde, brüsk und kaltschnäuzig. Nicht die Reaktion einer Schülerin darauf. Abgesehen davon ist es mehr als unangemessen, wenn Behördenmitarbeiter so auf Bürgerfragen reagieren. Nicht die Behörde ist der Souverän, sondern der Bürger.

    Scheinbar haben Sie äußerste Mühe, den Text der Schülerin überhaupt zu verstehen. Sonst könnten Sie wohl nicht zu solch abstrusen Folgerungen gelangen.

  2. Lieber Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, der just leider selige Loriot mag mir verzeihen, daß ich bei Ihrem Namen nicht anders kann, als Sie mir in der Badewanne voll Entrüstung gegen das Gymnasium wettern zu sehen. Aber Ihr Kommentar ist doch wohl ein schlechter Witz. Sie können doch nicht den Eltern die Schuld geben, daß sie ihr Kind auf's Gymnasium schicken. Man kann förmlich dranpacken, daß Sie Gymnasien, warum auch immer, nicht mögen. Sie sagen, die Stadtteilschulen sind besser als Gymnasien, weil es Ihrer Bildungsvorstellung entspricht. Das wäre schön, wenn es so wäre, aber auch dort und auf Gesamtschulen wird bis 16:00 gelernt und die selbst bestimmte Zeit geht flöten. Sprechen Sie sich lieber dafür aus, alle Schulen an das heran zu führen, was Kinder brauchen. Zeit. Freizeit. Phantasie. Und Selbstbestimmung.

    • UteG
    • 24.08.2011 um 11:31 Uhr

    Sehr geehrter Herr Lünenbürger-Reidenbach, wie weltfremd kann man denn bitteschön sein? Was glauben Sie, wen man an Unis und auf dem Arbeitsmarkt als besseren Schüler einstuft? Einen, der es in 12 Jahren geschafft hat, oder einen, der dafür 13 gebraucht hat? Raten Sie doch mal.

    Zentralabi hin oder her - es ist naiv und völlig an der Realität vorbei anzunehmen, daß das Gesamtschulabi "da draußen" als dem Gymnasialabi gleichwertig betrachtet wird. Auf dem Papier der Landesregierung vielleicht, aber sonst auch nirgendwo.

    Und mal ganz nebenbei: Einer 15jährigen zu sagen, ihre Eltern hätten wohl falsche Entscheidungen getroffen, finde ich für einen bzw. von einem Pädagogen doch ein reichlich starkes Stück.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Also plädieren Sie dafür, dass die Gymnasien langsamer gemacht werden, damit die Stadtteilschulen gleichwertiger werden?

    Es ging doch im Artikel der Schülerin drum, dass sie gerne wieder G9 hätte, weil es vielen Schülern überfordert, den Pensum in 12 Jahren zu schaffen.

    Da zählt Abinote und später Leistung.

    In den stark nachgefragten NC-Fächern, wo man sonst nur mit 10+ Wartesemestern reingekommen ist, interessiert es auch keinen, ob das dann ein Dreier-Abi war. Drin ist drin und kann sich beweisen.

    Interessant, wie aufbauschend gleich die Reaktionen auf einen wirklich netten Antwortbrief ausfallen.

    Also plädieren Sie dafür, dass die Gymnasien langsamer gemacht werden, damit die Stadtteilschulen gleichwertiger werden?

    Es ging doch im Artikel der Schülerin drum, dass sie gerne wieder G9 hätte, weil es vielen Schülern überfordert, den Pensum in 12 Jahren zu schaffen.

    Da zählt Abinote und später Leistung.

    In den stark nachgefragten NC-Fächern, wo man sonst nur mit 10+ Wartesemestern reingekommen ist, interessiert es auch keinen, ob das dann ein Dreier-Abi war. Drin ist drin und kann sich beweisen.

    Interessant, wie aufbauschend gleich die Reaktionen auf einen wirklich netten Antwortbrief ausfallen.

  3. Also plädieren Sie dafür, dass die Gymnasien langsamer gemacht werden, damit die Stadtteilschulen gleichwertiger werden?

    Es ging doch im Artikel der Schülerin drum, dass sie gerne wieder G9 hätte, weil es vielen Schülern überfordert, den Pensum in 12 Jahren zu schaffen.

    Antwort auf "Gleichwertig?"
    • luebue
    • 24.08.2011 um 12:59 Uhr

    Wenn ich mal die ganzen Invektiven ignoriere, die hier immerhin ein anderes Niveau haben als auf vielen anderen Medienseiten, kurz zwei, drei Anmerkungen zu den Kommentaren:

    - Sowohl der Ursprungsartikel als auch meine Antwort sprechen in die besondere Hamburger Situation hinein, das bitte ich, zu berücksichtigen. Die Situation ist ja die, dass es eine Stadtteilschule als "Regelschule" gibt, an der jede jeden Schulabschluss machen kann, die vom Gymnasium flankiert wird, das in einem Jahr weniger ein Abitur anbietet (System wurde von der CDU eingeführt übrigens!). Dass das noch nicht bei allen Eltern angekommen ist, macht die Aussage eher richtiger m.E., dass wir hier ein Problem mit Eltern haben.
    - Die Erfahrungen der letzten wenigen Jahre sprechen nicht dafür, dass das alte Vorurteil noch stimmt, dass Abiturientinnen von Gymnasien an Hochschulen oder in Unternehmen lieber genommen werden. Ich erlebe als Einstellender eher das Gegenteil.
    - Ich bin weder Pädagoge noch Politiker.
    - Ich plädiere nicht gegen das Gymnasium sondern gegen einen bestimmten Dünkel vieler Eltern. Ein bis zwei meiner vier Kinder sind (oder werden sein) am Gymnasium gut aufgehoben, zwei andere eher nicht.
    - Ich schreibe nicht erst seit gestern über Schule, hier die Artikel der letzten Zeit: http://www.haltungsturnen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Viele Stadtteilschulen sind wirklich gut. Da wechseln teilwesei auch "nur Einsen" Schüler auf die Stadtschule.

    Weil es dort mehr ums Zusammenleben und Teamwork geht. Weil es dort nicht nur um die Schulzeugnisse geht. Es geht da drum, dass die Stärkeren den Schwächeren helfen, damit alle mitkommen.

    Gymnasium ist traditionell auf Konkurrenzkampf und Auslese ausgerichtet. Der Unterricht ist frontal. Wer ist schneller, besser, leistungsfähiger? Viele junge Leute boykottieren (zu recht) diese Gedanken. Andere kommen mit diesem Druck - Dein Freund ist Dein Feind - nicht klar.

    Gymnasium ist somit in der heutigen Zeit eigentlich nur für Schüler geeignet, die aus gutbürgerlichen Elternhäusern kommen, selbst gutbürgerliche Berufe anstreben, mühelos gute Zeugnisse erzielen können und damit auch genug Freizeit für Persönlichkeitsbildung außerhalb der Schule haben.

    Die Zeit wird noch kommen, wo die Stadtteilschule "normal" wird, und die Gymnasien eher eine Spezialschule fürs akademische Lernen (für die das Lernen kein Stress bedeutet, sondern eher Spaß).

    Nun, auf den groben Klotz, dass Ihrer Meinung nach die Eltern von Yakamoz wohl vor Jahren eine sich sehr viel später als falsch herausstellende Entscheidung trafen (denn Yakamoz ist jetzt in der 9.Klasse), als sie noch nichts von G8 und seiner katastrophalen Umsetzung wissen konnten, bekamen Sie wohl einen groben Keil, auf den Sie reichlich dünnhäutig reagieren.

    Die Schülerin beklagt sich hier zu Recht, dass man ihr ein Schulverkürzung aufnötigte. Im zivilen und öffentlichen Recht spricht man hier von Vertrauensschutz. Den genießen die Schüler nicht, denen man ohne jegliche Änderung und Anpassung im vollen Lauf ein neues Ziel vorgibt, nämlich G8. Anders ist das bei Grundschülern, die jetzt auf das kommende G8 inhaltlich, systematisch und strukturiert vorbereitet werden, von dazu geeigneten Lehrern und mit entsprechend angepasstem Lehr- und Lernmaterial.

    Die Schülerin kritisiert nämlich genau das und nennt als Beispiel, dass sie und ihre Mitschüler mit zu memorierendem und unzusammenhängendem Detailwissen überhäuft werden. Hier steht der Teil fürs Ganze. Anstelle z.B. den Sinn und die Möglichkeiten einer chemischen Analyse zu erläutern, werden die Schüler wohl mit dem zu memorierenden Analysenergebnis konfrontiert. Das ist es genau, was ihr die Lebenszeit raubt. Dazu kommt noch, dass so etwas nicht auf ein Hochschulstudim vorbereitet. Das ist es, was die Schülerin will, neben ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Beides sehr vernünftige und gesunde Ziele.

    Viele Stadtteilschulen sind wirklich gut. Da wechseln teilwesei auch "nur Einsen" Schüler auf die Stadtschule.

    Weil es dort mehr ums Zusammenleben und Teamwork geht. Weil es dort nicht nur um die Schulzeugnisse geht. Es geht da drum, dass die Stärkeren den Schwächeren helfen, damit alle mitkommen.

    Gymnasium ist traditionell auf Konkurrenzkampf und Auslese ausgerichtet. Der Unterricht ist frontal. Wer ist schneller, besser, leistungsfähiger? Viele junge Leute boykottieren (zu recht) diese Gedanken. Andere kommen mit diesem Druck - Dein Freund ist Dein Feind - nicht klar.

    Gymnasium ist somit in der heutigen Zeit eigentlich nur für Schüler geeignet, die aus gutbürgerlichen Elternhäusern kommen, selbst gutbürgerliche Berufe anstreben, mühelos gute Zeugnisse erzielen können und damit auch genug Freizeit für Persönlichkeitsbildung außerhalb der Schule haben.

    Die Zeit wird noch kommen, wo die Stadtteilschule "normal" wird, und die Gymnasien eher eine Spezialschule fürs akademische Lernen (für die das Lernen kein Stress bedeutet, sondern eher Spaß).

    Nun, auf den groben Klotz, dass Ihrer Meinung nach die Eltern von Yakamoz wohl vor Jahren eine sich sehr viel später als falsch herausstellende Entscheidung trafen (denn Yakamoz ist jetzt in der 9.Klasse), als sie noch nichts von G8 und seiner katastrophalen Umsetzung wissen konnten, bekamen Sie wohl einen groben Keil, auf den Sie reichlich dünnhäutig reagieren.

    Die Schülerin beklagt sich hier zu Recht, dass man ihr ein Schulverkürzung aufnötigte. Im zivilen und öffentlichen Recht spricht man hier von Vertrauensschutz. Den genießen die Schüler nicht, denen man ohne jegliche Änderung und Anpassung im vollen Lauf ein neues Ziel vorgibt, nämlich G8. Anders ist das bei Grundschülern, die jetzt auf das kommende G8 inhaltlich, systematisch und strukturiert vorbereitet werden, von dazu geeigneten Lehrern und mit entsprechend angepasstem Lehr- und Lernmaterial.

    Die Schülerin kritisiert nämlich genau das und nennt als Beispiel, dass sie und ihre Mitschüler mit zu memorierendem und unzusammenhängendem Detailwissen überhäuft werden. Hier steht der Teil fürs Ganze. Anstelle z.B. den Sinn und die Möglichkeiten einer chemischen Analyse zu erläutern, werden die Schüler wohl mit dem zu memorierenden Analysenergebnis konfrontiert. Das ist es genau, was ihr die Lebenszeit raubt. Dazu kommt noch, dass so etwas nicht auf ein Hochschulstudim vorbereitet. Das ist es, was die Schülerin will, neben ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Beides sehr vernünftige und gesunde Ziele.

    • UteG
    • 24.08.2011 um 13:10 Uhr

    Vermutlich meinen Sie mich mit ihrer Frage?

    Kurz gesagt plädiere ich dafür, daß ein Abitur an allen Schulen in der selben Zeit geschafft werden muß, abgesehen vom sog. 2. Bildungsweg natürlich. Ob nun 12 oder 13 Jahre ist im Prinzip wurscht. (Ich persönlich würde in der Tat schon im Sinne der Vertiefung des gelehrten Stoffes für 13 Jahre plädieren, aber das ist nur meine persönliche Meinung.)

    Gymnasium wieder verlängern oder Gesamtschule verkürzen kommt von der Wirkung nach außen aufs Gleiche raus. Aber solange es da _überhaupt_ einen Unterschied gibt, wird dieser auch zwangsläufig bei der Beurteilung eines Studien- oder Ausbildungskandidaten eine Rolle spielen.

    Die Eltern wissen das im Gegensatz zu den weltfremden Bildungsidealisten auch sehr genau und treffen dementsprechende Entscheidungen für ihre Kinder. Von "falsch" kann da gar keine Rede sein.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und diese Eltern machen unnötig Druck auf die Kinder.

    Ich finde es gut, dass es beide Möglichkeiten gibt. Manche Schüler wollen mit der Schule schneller fertig werden, manche wollen länger.

    Wenn man auf einem Gymnasium ein Jahr länger haben will, kann man auch ein Jahr ins Ausland gehen und die Klasse wiederholen.

    Der Vorurteil gegen Gesamtschule kommt eher davon, dass es oft so war, dass Prüfungen einfacher waren. Ich kenne einige, die haben auf einer Gesamtschule Abi gemacht, sie hätten es auf dem Gymnasium nie und nimmer geschafft.

    Wiedermal andere hatten auf einer Gesamtschule überlegt, die Schule zu schmeißen und eine Ausbildung zu machen, weil sie mit dem "Chaos" nicht klar kamen - und haben dann auf einem Gymnasium Abi gemacht.

    Und diese Eltern machen unnötig Druck auf die Kinder.

    Ich finde es gut, dass es beide Möglichkeiten gibt. Manche Schüler wollen mit der Schule schneller fertig werden, manche wollen länger.

    Wenn man auf einem Gymnasium ein Jahr länger haben will, kann man auch ein Jahr ins Ausland gehen und die Klasse wiederholen.

    Der Vorurteil gegen Gesamtschule kommt eher davon, dass es oft so war, dass Prüfungen einfacher waren. Ich kenne einige, die haben auf einer Gesamtschule Abi gemacht, sie hätten es auf dem Gymnasium nie und nimmer geschafft.

    Wiedermal andere hatten auf einer Gesamtschule überlegt, die Schule zu schmeißen und eine Ausbildung zu machen, weil sie mit dem "Chaos" nicht klar kamen - und haben dann auf einem Gymnasium Abi gemacht.

  4. Viele Stadtteilschulen sind wirklich gut. Da wechseln teilwesei auch "nur Einsen" Schüler auf die Stadtschule.

    Weil es dort mehr ums Zusammenleben und Teamwork geht. Weil es dort nicht nur um die Schulzeugnisse geht. Es geht da drum, dass die Stärkeren den Schwächeren helfen, damit alle mitkommen.

    Gymnasium ist traditionell auf Konkurrenzkampf und Auslese ausgerichtet. Der Unterricht ist frontal. Wer ist schneller, besser, leistungsfähiger? Viele junge Leute boykottieren (zu recht) diese Gedanken. Andere kommen mit diesem Druck - Dein Freund ist Dein Feind - nicht klar.

    Gymnasium ist somit in der heutigen Zeit eigentlich nur für Schüler geeignet, die aus gutbürgerlichen Elternhäusern kommen, selbst gutbürgerliche Berufe anstreben, mühelos gute Zeugnisse erzielen können und damit auch genug Freizeit für Persönlichkeitsbildung außerhalb der Schule haben.

    Die Zeit wird noch kommen, wo die Stadtteilschule "normal" wird, und die Gymnasien eher eine Spezialschule fürs akademische Lernen (für die das Lernen kein Stress bedeutet, sondern eher Spaß).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Galton
    • 24.08.2011 um 16:52 Uhr

    "Die Zeit wird noch kommen, wo die Stadtteilschule "normal" wird, und die Gymnasien eher eine Spezialschule fürs akademische Lernen (für die das Lernen kein Stress bedeutet, sondern eher Spaß)."

    Und genau das sollte eher heute als morgen passieren ... sage ich als überzeugter Anhänger und Verteidiger des Gymnasiums. Denn genau dafür ist es doch von vornherein ausgerichtet und konzipiert. Was mich nur immer wundert: Wenn sich in diesem Punkt Vertreter aller möglichen Schulformen einig sind, wie schaffen es unsere Volksvertreter nur immer noch, selbst dazwischen noch eine Auslegung und Umsetzung von Schulstruktur zu entdecken, der es gelingt, dass alle Schulen irgendwie so gar nicht optimal zu funktionieren scheinen? Schade, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt!

    "Gymnasium ist traditionell auf Konkurrenzkampf und Auslese ausgerichtet. Der Unterricht ist frontal. Wer ist schneller, besser, leistungsfähiger?"
    Das ist doch auch so ein Vorurteil! - Wir haben im Gymnasium in Klassen von 30 - 33 Schülerinnen und Schülern manchmal gar keine, manchmal eins bis vier Sitzenbleiber, also Schüler, die im Wiederholungsfall die Schule verlassen müssen. Ist das jetzt wirklich scharfe Auslese?
    Wir leben in einer Gesellschaft, die Wettläufe liebt, Sieger feiert und Verlierer vergisst. Aber ohne Verlierer keine Wettläufe! Und da finde ich, dass die Schule, das Gymnasium eingeschlossen, sich dagegen noch relativ erfolgreich wehrt. Wo sonst in der Gesellschaft ist die Solidarität der Starken mit den Schwachen vergleichbar ausgeprägt?

    • Galton
    • 24.08.2011 um 16:52 Uhr

    "Die Zeit wird noch kommen, wo die Stadtteilschule "normal" wird, und die Gymnasien eher eine Spezialschule fürs akademische Lernen (für die das Lernen kein Stress bedeutet, sondern eher Spaß)."

    Und genau das sollte eher heute als morgen passieren ... sage ich als überzeugter Anhänger und Verteidiger des Gymnasiums. Denn genau dafür ist es doch von vornherein ausgerichtet und konzipiert. Was mich nur immer wundert: Wenn sich in diesem Punkt Vertreter aller möglichen Schulformen einig sind, wie schaffen es unsere Volksvertreter nur immer noch, selbst dazwischen noch eine Auslegung und Umsetzung von Schulstruktur zu entdecken, der es gelingt, dass alle Schulen irgendwie so gar nicht optimal zu funktionieren scheinen? Schade, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt!

    "Gymnasium ist traditionell auf Konkurrenzkampf und Auslese ausgerichtet. Der Unterricht ist frontal. Wer ist schneller, besser, leistungsfähiger?"
    Das ist doch auch so ein Vorurteil! - Wir haben im Gymnasium in Klassen von 30 - 33 Schülerinnen und Schülern manchmal gar keine, manchmal eins bis vier Sitzenbleiber, also Schüler, die im Wiederholungsfall die Schule verlassen müssen. Ist das jetzt wirklich scharfe Auslese?
    Wir leben in einer Gesellschaft, die Wettläufe liebt, Sieger feiert und Verlierer vergisst. Aber ohne Verlierer keine Wettläufe! Und da finde ich, dass die Schule, das Gymnasium eingeschlossen, sich dagegen noch relativ erfolgreich wehrt. Wo sonst in der Gesellschaft ist die Solidarität der Starken mit den Schwachen vergleichbar ausgeprägt?

    • UteG
    • 24.08.2011 um 13:24 Uhr

    Hier geht's nicht um Dünkel. (Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, wie schnell Kritiker mit speziell diesem Ad Hominem um die Ecke kommen.) Es geht einfach darum, daß Eltern für ihr Kind die bestmöglichen Chancen möchten und diese eben _nicht_ in der Gesamtschule sehen. Eben _weil_ es bisher noch lange nicht gelungen ist, die Gesamtschulen als dem Gymnasium gleichwertig zu etablieren. Und das liegt garantiert nicht an den Eltern.

    Wenn es für Sie als "Einsteller" keine Rolle spielt, dann ist das nett für die betreffenden Kandidaten, läuft aber dem Trend komplett zuwider. Das durfte ich als Mitarbeiterin eines (sehr) großen deutschen Konzerns immer wieder feststellen. Bei gleicher Abschlußnote bekommt der Gymnasiast die Einladung zum Vorstellungsgespräch, nicht der Gesamtschüler.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • luebue
    • 24.08.2011 um 13:39 Uhr

    Nun ja, Dünkel erlebe ich. (und sorry, mit ad hominem zu kommen nach Ihrem ersten Kommentar, UteG, finde ich eher überraschend)
    Vielleicht reden wir an einander vorbei. Sie klingen nicht so, als wären Sie aus Hamburg oder hätten Ihre Erfahrungen, von denen Sie schreiben, in den letzten drei vier Jahren in Hamburg gemacht, oder?
    Ich weiß auch, dass es in vielen anderen Ländern ganz anders aussieht. Aber für die Hamburger Situation - und das zeigen auch sowohl die Anmeldezahlen als auch die realen Ergebnisse - stimmt das einfach so nicht mehr.
    Und so leid es mir tut, aber wer als Eltern heute in Hamburg (und mit Abstrichen auch in einigen anderen Bundesländern) für sein Kind die "bestmöglichen" Chancen will, der wird eben gerade _nicht_ einfach so blind aufs Gymnasium setzen, sondern nur dann, wenn das Kind eine Chance auf Leben neben der Schule hat. In der längeren Variante dieses Artikels in meinem Blog sage ich ja auch, wo ich die Grenze sehe - nämlich wenn in der vierten Klasse in mindestens zwei der Fächer Deutsch, Englisch, Mathe und Natur eine Eins im Zeugnis steht und bei den anderen beiden mindestens eine Zwei. Solche Kinder würden dann auch nicht Yakamoz' Erfahrungen machen, weiß ich aus eigenem Erleben. Für alle anderen ist die Stadtteilschule super. Und witzigerweise führt die bei vielen guten Schülerinnen dazu, dass sie sehr viel klarer als alle Gymnasiastinnen, die ich zurzeit kenne, wissen, wo sie hinwollen und dass sie Abitur machen werden etc.

    • luebue
    • 24.08.2011 um 13:39 Uhr

    Nun ja, Dünkel erlebe ich. (und sorry, mit ad hominem zu kommen nach Ihrem ersten Kommentar, UteG, finde ich eher überraschend)
    Vielleicht reden wir an einander vorbei. Sie klingen nicht so, als wären Sie aus Hamburg oder hätten Ihre Erfahrungen, von denen Sie schreiben, in den letzten drei vier Jahren in Hamburg gemacht, oder?
    Ich weiß auch, dass es in vielen anderen Ländern ganz anders aussieht. Aber für die Hamburger Situation - und das zeigen auch sowohl die Anmeldezahlen als auch die realen Ergebnisse - stimmt das einfach so nicht mehr.
    Und so leid es mir tut, aber wer als Eltern heute in Hamburg (und mit Abstrichen auch in einigen anderen Bundesländern) für sein Kind die "bestmöglichen" Chancen will, der wird eben gerade _nicht_ einfach so blind aufs Gymnasium setzen, sondern nur dann, wenn das Kind eine Chance auf Leben neben der Schule hat. In der längeren Variante dieses Artikels in meinem Blog sage ich ja auch, wo ich die Grenze sehe - nämlich wenn in der vierten Klasse in mindestens zwei der Fächer Deutsch, Englisch, Mathe und Natur eine Eins im Zeugnis steht und bei den anderen beiden mindestens eine Zwei. Solche Kinder würden dann auch nicht Yakamoz' Erfahrungen machen, weiß ich aus eigenem Erleben. Für alle anderen ist die Stadtteilschule super. Und witzigerweise führt die bei vielen guten Schülerinnen dazu, dass sie sehr viel klarer als alle Gymnasiastinnen, die ich zurzeit kenne, wissen, wo sie hinwollen und dass sie Abitur machen werden etc.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service