Eliteschulen Der Mythos von der Kaderschmiede
Viele Eltern träumen davon, ihre Kinder auf eine Eliteschule zu schicken. US-Forscher haben jetzt aber festgestellt: Auf Kaderschmieden lernt man keinen Deut mehr als auf normalen Schulen.
© Darren McCollester/Getty Images

Der Campus der Harvard Law School: Auf Eliteschulen lernt man nicht mehr als auf normalen Schulen, sagt eine neue Studie.
Sie inspizieren Turnhallen, Computerräume und Toiletten, nehmen die Lehrer ins Kreuzverhör, scheuchen ihre Kinder von einer Schnupperstunde in die nächste. Die perfekte Schule zu finden, ist für viele Eltern ein Mammutprojekt. Denn wer da einen Fehler macht, verpfuscht seinem Kind die gesamte Zukunft. Oder?
Ein dreiköpfiges Forscherteam der US-Universitäten MIT und Duke hat die Bedeutung von Eliteschulen für die Leistungen von Kindern empirisch untersucht und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen: Die Bedeutung von Kaderschmieden wird massiv überschätzt. Kluge Kinder bringen die gleichen Leistungen, auch wenn sie auf einer normalen Schule sind.
In ihrer Fallstudie mit dem Titel Die Elite-Illusion konzentrieren sich die Ökonomen auf sechs Schulen in Boston und New York - so genannte "exam schools", die von der siebten oder neunten bis zur zwölften Klasse ausbilden. Diese dürfen sich - anders als die restlichen staatlichen Schulen - ihre Schüler in einem strengen Auswahlverfahren aussuchen. Diesen Eingangstests ("exams") haben sie auch ihren Namen zu verdanken.
Die "exam schools" in Boston und New York sind zum Teil mehrere Hundert Jahre alt und haben den Ruf, zu dem besten der USA zu gehören. Ihre Lehrpläne sind anspruchsvoll, und sie haben eine Ausstattung, von der normale Schulen nur träumen können. Hinzu kommt, dass wegen der strengen Auswahl das Leistungsniveau der Klassenkameraden sehr hoch ist. Viele Pädagogen sind überzeugt, dass Kinder nicht nur von den Lehrern, sondern auch von Mitschülern ("peers") viel lernen.
Um die Plätze der Eliteschulen herrscht daher beinharter Wettbewerb. "Auf den ersten Blick ist das verständlich", so die Forscher. "Egal, welchen Indikator man betrachtet, die Exam-School-Schüler sind den Schülern auf anderen staatlichen Schulen weit voraus."
- Datum 16.08.2011 - 13:38 Uhr
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"Den Bildungserfolg messen die Ökonomen an den Leistungen, die die Schüler in zentralen Abschlussprüfungen erbringen, und an ihrem Abschneiden bei einem landesweiten Zulassungstest für Universitäten ("SAT score").
Auf Kaderschmieden gibt es zumindest immer die neuesten Copy & Paste- Programme.
Mir ginge es ums Renommee und mögliche Kontakte in beruflicher wie gesellschaftlicher Hinsicht bei der Auswahl der Bildungsstätte.
Bildungserfolge der Qualität "lernt man mehr" sind doch ... relativ. Nein, das meine ich nicht ironisch.
Da haben die Autoren wohl was falsch verstanden: In letzter Konsequenz geht es bei der (Hoch-)Schulauswahl nicht darum, wie viel Stoff vermittelt wird - sondern darum, die richtigen Leute kennen zu lernen. Mächtige Netzwerke entwickeln, soziale Fähigkeiten erlernen (und damit meine ich nicht nur den respektvollen Umgang mit Andersartigen), gemeinsam Projekte verwirklichen.
Das Fachwissen ist nur ein Werkzeug, das man problemlos an jeder Straßenecke kriegen würde. Wichtiger ist der spätere Erfolg im Leben, nicht wie viele Punkte man in irgendwelchen Tests bekommt.
P.S.: Um es klar zu stellen. Mit "sozialen Fähigkeiten" meine ich nicht nur die traditionellen "positiven Fähigkeiten" sondern auch das professionelle Nutzen von sozialen Kontakten.
"Nach Herausrechnung der Effekte des familiären und sozioökonomischen Hintergrunds der Schülerschaft erweisen sich in den meisten betrachteten OECD-Ländern (darunter Deutschland) die öffentlichen Schulen den Privatschulen überlegen, in einigen erweisen sie sich als gleichwertig und nur in einem einzigen OECD-Land (Kanada) erweisen sich die Privatschulen auch dann als überlegen." Sekundärquelle: http://de.wikipedia.org/w...
Aber man ist ja "Von Anfang an Elite", wie die schöne Dokumentation von Julia Friedrich eindrucksvoll vor Augen führt: http://www.youtube.com/wa... Wer sehen will, wie Segregation und Networking funktioniert, schaue sich diese sehenswerte Doku an!
guter link, danke
guter link, danke
Demnächst kommt jemand herbei, der behauptet auch Sterneköche würden mit Wasser kochen.
Glaubt doch kein Mensch.
Kader - was für ein Wort
in einer nach-demokratischen Gesellschaft?
trifft es doch genau.
Besagte Institutionen haben nicht in erster Linie einen besonderen Bildungsauftrag, sondern dort bleibt man unter sich und schmiedet an den Netzwerken, die schon den Eltern weitergeholfen haben. Eine Bildungselite schmieden diese Schulen leider nicht.
trifft es doch genau.
Besagte Institutionen haben nicht in erster Linie einen besonderen Bildungsauftrag, sondern dort bleibt man unter sich und schmiedet an den Netzwerken, die schon den Eltern weitergeholfen haben. Eine Bildungselite schmieden diese Schulen leider nicht.
"Soziale Herkunft schlägt Leistung": http://www.spiegel.de/uni...
Ergänzend dazu noch eine Studie des renommierten Bildungsforschers Klaus-Jürgen Tillmann unter dem Titel
"Soziale Herkunft – Bildungserfolg – Lebenschancen":
http://www.politische-jug...
Diese Ungerechtigkeit ist das eigentliche Problem!
Nicht minderbegabte Wohlsituierte müssen gepämpert werden, sondern allen Kindern muss eine bestmögliche Chance zur Entfaltung ihrer Potenziale gegeben werden.
Welche Vorschläge haben Sie denn, bildungsferne in bildungsnahe zu verwandeln?
Ein aktueller Artikel aus dem Handelsblatt zu den Chefs der DAX - Unternehmen und ihrer Herkunft:
http://www.handelsblatt.c...
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