Lernstoff Was ein Schüler in Biologie lernen muss
Detailwissen kann man streichen. Aber die Prinzipien der Biologie sollten die Schüler alle kennen. Interview mit der Professorin für die Didaktik der Biologie Ute Harms
DIE ZEIT: Was soll ein Schüler im Biologieunterricht lernen?
Ute Harms: Das zentrale Wissen der Biologie, das bis zum Mittleren Schulabschluss erlangt werden sollte ist in den KMK-Bildungsstandards formuliert. Die Standards waren eine Reaktion auf das schlechte Abschneiden Deutschlands in internationalen Vergleichsstudien. Als Reaktion auf die deutschen Ergebnisse wurden die Standards nicht wissensorientiert formuliert, sondern kompetenzorientiert.
DIE ZEIT: Und die einzelnen Inhalte – Wie schwimmt ein Fisch? Warum ähnelt der Enkel dem Opa? Ist das Nilpferd mit dem Schimmel verwandt? – spielen keine so große Rolle mehr?
ist Direktorin der Abteilung Didaktik der Biologie am Leibniz-Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik und Professorin für die Didaktik der Biologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Harms: In den Standards wird das Wissen der Biologie über drei Basiskonzepte strukturiert: Struktur und Funktion, System sowie Entwicklung. Die Schulcurricula haben jetzt die Aufgabe, das mit Inhalten zu füllen. Hinsichtlich der konkreten biologischen Inhalte in einem Bundesland am Meer kann das im Detail anders aussehen, als in einem Bundesland am Fuß der Alpen.
DIE ZEIT: Das Wissen der Biologie wächst exponentiell. Auch die Schulbücher scheinen immer dicker zu werden.
Harms: Dies gilt natürlich insbesondere für solche, die bemüht sind, aktuelle fachliche und didaktische Forschungsergebnisse für die Schulpraxis umzusetzen. Nehmen Sie beispielsweise das renommierte Oberstufenbuch "Linder". Sein Gewicht ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass es den Anspruch hat, bundesweit geltend zu sein und somit die Vorgaben aller Bundesländer summiert.
DIE ZEIT: Also gibt es bayerische Inhalte und nordrhein-westfälische Inhalte. Moleküle, die die Berliner besonders gern haben und solche, die den Hamburgern wichtig sind?
Bayrische Inhalte und nordrhein-westfälische Inhalte
Harms: Unser Ziel ist es, diesem Detailzuwachs entgegen zu steuern. Es geht nicht um möglichst viel Detailwissen. Zentraler ist die Frage, welche Prinzipien, welche Erkenntnismethoden und Argumentationsweisen die Biologie ausmachen.
DIE ZEIT: Und wer entscheidet, was wirklich wichtig ist?
Harms: Die Strukturierung der Biologie nach zentralen Konzepten, die alles Lebendige wie ein roter Faden durchziehen, die Kennzeichen des Lebendigen, sind entscheidungsleitend. Schüler sollen am Ende zum Beispiel begriffen haben, was ein lebendes System ausmacht. Dies kann am Beispiel einer Pflanze oder eines Tieres oder an einem Ökosystem gelernt werden. Schüler müssen nicht im Detail wissen, wie die Epithelzelle einer Zwiebel aussieht, sie müssen das Konzept Zelle verstehen lernen.
DIE ZEIT: Das muss ja heute sogar ein Bundestagsabgeordneter begriffen haben, wenn er sinnvoll im Parlament über Stammzellforschung diskutieren will.
Harms: Verfahren der gesellschaftlichen oder ethischen Bewertung biologischer Erkenntnisse werden immer wichtiger, siehe die Stammzelldebatte oder das Phänomen des Kreationismus. Ich kann die Gefahren der kreationistischen Argumentationsweise nur verstehen, wenn ich verstehe, was diese Auffassung von der naturwissenschaftlich begründeten Evolutionstheorie unterscheidet.
- Datum 15.08.2011 - 14:41 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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habe ich im Biounterricht zuviel Detailwissen gelernt! :D o.O.
Meine Schulzeit lag in grauer Vorzeit in den 70er Jahren - also lange vor der Debatte um den Kreationismus. Aber ich erinnere mich gut an meinen Biologielehrer, der uns seinerzeit die Parthenogenese nahe bringen wollte und uns tatsächlich "die Jungfrau Maria" als Beispiel nannte. Ich habe ihm nach dieser Szene nie wieder richtig getraut.
Ich stimme Herrn Harms vollständig zu - aber es sollte auch immer ein prüfender ein Blick auf die Lehrer geworfen werden, die uns die Wissenschaft vermitteln.
"Herr" Harms ist ProfessorIN für Biologiedidaktik und heißt mit Vornamen Ute...
"Herr" Harms ist ProfessorIN für Biologiedidaktik und heißt mit Vornamen Ute...
Biologie war mit Erdkunde zu meiner Schulzeit das schlimmste Fach. Es ging nie um Systematik, sondern immer um irgendwelche Sachen, die man hätte auswendig lernen müssen.
Die Systematiken zu lernen ist viel effektiver als exakt zu wissen, wie die einzelnen Zwischenprodukte im Citratzyklus aufgebaut sind. Das System der einzelnen Prozesse zu entdecken ist darüber hinaus interessanter und motiviert. Ich habe lieber ein gesundes Halbwissen, dass mir einen Überblick verschafft. Zwiebelzellen habe ich trotzdem schon gezeichnet - während ich mikroskopiert habe. Für's Leben lernt man so auf jeden Fall mehr. Im Studium wird mir das Einüben von wissenschaftlichen Techniken, sei es eine Stadtistik auszuwerten, sicherlich helfen.
Vielen Dank dafür, Herr Harms!
gez. eine Schülerin
...gilt Ähnliches.
Die Schüler müssen nicht die unsäglichen Bindungselektronenwolken-Modelle lernen, um zu begreifen wie Chemie funktioniert. Das geht anschaulicher mit Experimenten.
wären recht einfach zu begreifen, hilfreich für's Verständnis und in einer Stunde abgehakt, wenn sie richtig erklärt würden und die nötigen Grundlagen aus dem Physikunterricht zu diesem Zeitpunkt schon verstanden wären. Habe aber zu meiner Zeit keinen Lehrer erlebt, der sie auch nur ansatzweise verstanden hatte, das schafft keine guten Voraussetzungen.
Sprechen Sie vom Elektronenpaarabstoßungsmodel?
Tut mir Leid, ohne können Sie nicht mal die grundlegende Struktur von einfachsten Molekülen erklären.
Begreifen "wie Chemie funktioniert" kann man eben nicht nur mit Experimenten: Lässt man zugrundeliegende Modelvorstellungen einfach weg, reduziert sich Chemie doch auf: "Ich kippe x und y zusammen, es entsteht eine weiße Färbung."
Dann ist's Essig mit dem im Artikel geforderten Verständnis von Grundprinzipien. Dann kann wieder nur einfaches Faktenwissen abgefragt werden, weil durch die Verflachung ja nichts anderes mehr übrig bleibt...
wären recht einfach zu begreifen, hilfreich für's Verständnis und in einer Stunde abgehakt, wenn sie richtig erklärt würden und die nötigen Grundlagen aus dem Physikunterricht zu diesem Zeitpunkt schon verstanden wären. Habe aber zu meiner Zeit keinen Lehrer erlebt, der sie auch nur ansatzweise verstanden hatte, das schafft keine guten Voraussetzungen.
Sprechen Sie vom Elektronenpaarabstoßungsmodel?
Tut mir Leid, ohne können Sie nicht mal die grundlegende Struktur von einfachsten Molekülen erklären.
Begreifen "wie Chemie funktioniert" kann man eben nicht nur mit Experimenten: Lässt man zugrundeliegende Modelvorstellungen einfach weg, reduziert sich Chemie doch auf: "Ich kippe x und y zusammen, es entsteht eine weiße Färbung."
Dann ist's Essig mit dem im Artikel geforderten Verständnis von Grundprinzipien. Dann kann wieder nur einfaches Faktenwissen abgefragt werden, weil durch die Verflachung ja nichts anderes mehr übrig bleibt...
Ich danke selbstverständlich Frau Harms!
auch heute noch, dass zuviel Detailwissen gelehrt wird und und später oder nebenher eine zugehörige Systematik und Struktur, obwohl diese zum Begreifen zuallererst aufgezeigt werden muss:
Allgemein: Fortpflanzung - Geburt - Wachstum - Gedeihen - Reife - Sterben
Pflanzen: Samen(Keim) - Trieb - Pflanze - Knospe/Blüte - Frucht - Verdorren/Welken
Lebewesen: (Ei)Zelle + Samen -> Keimzelle - Embryo/Säugling - Kind - Erwachsener - Erfahrung/Weisheit - Tod
und die 2 Wesensmerkmale Körperbau und Stoffwechselvorgänge
In jeder Stufe müssten Flora und Fauna(dazu gehört auch der Mensch) miteinander verglichen werden, dann wird Biologie begriffen!
wären recht einfach zu begreifen, hilfreich für's Verständnis und in einer Stunde abgehakt, wenn sie richtig erklärt würden und die nötigen Grundlagen aus dem Physikunterricht zu diesem Zeitpunkt schon verstanden wären. Habe aber zu meiner Zeit keinen Lehrer erlebt, der sie auch nur ansatzweise verstanden hatte, das schafft keine guten Voraussetzungen.
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