Getrennter Unterricht : Gemeinsam lernt sich’s besser

Getrennter Unterricht für Jungen und Mädchen ist nicht erfolgreich. Im Gegenteil: Den kleinen Unterschieden zwischen den Geschlechtern wird zu viel Bedeutung gegeben.

In der kleinen Dorfschule von früher war nichts anderes denkbar: Alle Kinder lernten zusammen. Dass junge Damen und Herren gemeinsam die "höheren" Schulen besuchten, war dagegen lange Zeit verpönt. Als nach dem Zweiten Weltkrieg in beiden Teilen Deutschlands das gemeinsame Unterrichten von Jungen und Mädchen an öffentlichen Schulen zum Normalfall wurde, galt das als fortschrittlich – manchem Konservativen gar als zu fortschrittlich. Einige weiterführende Schulen, vor allem in kirchlicher Trägerschaft, blieben denn auch "reine" Mädchen- oder Jungengymnasien. Kein Wunder also, wenn manche Leserin sich verwundert die Augen rieb, als ausgerechnet die Zeitschrift "Emma" 1989 mit der Schlagzeile "Koedukation macht dumm" aufwartete. Die Besorgnis galt damals vor allem den Mädchen, die in Mathe und Physik in gemischten Klassen nicht genug gefördert würden. Inzwischen fürchten Kritiker der Koedukation eher umgekehrt um die Bildungschancen der Jungen in einer "verweiblichten", von Lehrerinnen und fleißigen Schülerinnen dominierten Schule.

Strikte Trennung kann nicht die Lösung dieser Probleme sein, schreibt ein Team amerikanischer Pädagogen, Psychologen und Hirnforschern im Fachblatt Science (Band 33, Seite 1706), nachdem sie zahlreiche Untersuchungen zu diesem Thema ausgewertet und verglichen haben. "Es gibt keine guten Studien, die zeigen würden, dass getrenntgeschlechtliche Erziehung die Lernergebnisse verbessert ", lautet das Fazit von Diane Halpern vom Claremont McKenna College in Kalifornien und ihren Kollegen. Mit solchen Ergebnissen stehe und falle aber die Berechtigung der getrennten Klassen, zumindest im öffentlichen Sektor. Etwa 500 solcher Klassen gibt es in den USA, seit 2006 erlaubt das Bildungsministerium ihre Einrichtung unter bestimmten Bedingungen.

Und das, obwohl die Studienergebnisse eher ernüchternd ausfallen. In großen Untersuchungen aus Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland zeigen sich zwar minimale Leistungsvorsprünge der "Single-Sex"-Klassen, schreibt Halperns Team. Die allerdings kämen schnell zum Verschwinden, wenn man die Unterschiede berücksichtigt, die bereits beim Start bestehen. In den neuen getrenntgeschlechtlichen Klassen finden sich viele Kinder, die schon mit besseren Ergebnissen aus der Grundschule kommen und die zudem schnell die Schule wechseln, falls Erfolge ausbleiben. Sie haben Eltern, die ihrerseits gebildeter sind und ihre Kinder besser fördern. Dazu komme, dass ein neues Unterrichtsmodell "wie ein neues Medikament oder Produkt" vom großen Schwung und Enthusiasmus aller Beteiligten profitiere.

Auf Deutschland übertragen dürfte das auch auf die neu eröffnete reine Jungenklasse im bisher den Mädchen vorbehaltenen katholischen Gymnasium Marienschule in Limburg an der Lahn zutreffen. Wer den Erfolg getrenntgeschlechtlicher Klassen oder Schulen streng wissenschaftlich ermitteln wolle, müsse die Schüler(innen) eigentlich nach dem Zufallsprinzip einer gemischten oder getrennten Lerngruppe zuteilen, fordern die Autoren.

"Weil das nicht möglich ist, müssen wir uns solcher Effekte bewusst sein und sie sorgfältig herausrechnen", bestätigt die Psychologin Marianne Horstkemper, Professorin für Allgemeine Didaktik an der Universität Potsdam und Autorin des Buches "Schule, Geschlecht und Selbstvertrauen". Sie war an zahlreichen Forschungsprojekten zum gemischten und getrennten Unterricht beteiligt, unter anderem im Fach Informatik. Auch ihr Fazit lautet: "Es gibt keine klaren Belege dafür, dass die Ergebnisse in getrenntgeschlechtlichen Lerngruppen besser wären, weder im Primar- noch im Sekundarschulbereich."

Horstkemper hat darüber hinaus inzwischen auch einen prinzipiellen Vorbehalt gegen die Trennung der Geschlechter im Unterricht: "Sie führt dazu, dass die Kategorie Geschlecht in der Schule in unangemessener Weise betont und unreflektiert als Merkmal für äußere Differenzierung benutzt wird." Mit der Trennung von Jungen und Mädchen in den Klassenräumen öffentlicher Schulen werde den allenfalls kleinen Unterschieden erst große Bedeutung gegeben, meinen auch die Autoren des durchaus kämpferischen Science-Beitrags. Kinder lernten auf diesem Weg, dass Geschlechtszugehörigkeit ein grundlegendes menschliches Merkmal sei, "an dem sich Erwachsene orientieren, wenn sie Erziehung organisieren".

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Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Vielen Dank für diesen Artikel. Er unterstreicht eine Erkenntnis, die wissenschaftliches Allgemeingut ist, aber in der Praxis häufig ignoriert wird. Die Unterschiede innerhalb der Geschlechter sind um ein vielfaches größer als der mittlere Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Eine dynamische Einteilung nach Interessen, Talenten und generellen geistigen Fähigkeiten ist weitaus sinnvoller. Also z.B. Mathematik in Standard-, Unterstützungs- und Fokusgruppen. Denn warum sollten Sportskanone Maria oder Französischfan Andreas ausgebremst werden, blos weil sie per Geburt in Gruppen geboren worden sind, die im Mittel leicht weniger oder mehr in den jeweiligen Bereichen begabt scheinen.

Die stereotype Illusion der bedeutsamen Geschlechterunterschiede würde ohnehin nur aktuelle Misstände erhalten, wie den Fachkräftemangel oder die systematische Ausgrenzung weiblicher Fachkräfte.

Eher nicht

Von was Sie sprechen, das sind anerzogene Geschlechter bzw. soweit ich mich erinnere werden sie in der psychologie als soziale Geschlechter bezeichnet.
Das das hierzulande ein großes Problem darstellt ist schon bekannt, es ändert aber nichts an der Tatsache dass Jungen und Mädchen vollkommen anders aufnehmen und lernen.

Muss man nun trennen?
Nein, aber man sollte - bei Effektivierung - die Leute individuell fördern, wer nicht bei Frontalunterricht lernen kann kann so nicht lernen. Ebenso wurde es schon mehrfach belegt, dass der vor allem hier in Deutschland verbreitete Irrtum dieses "Frontalunterrichts" vor allem die Jungen benachteiligt, da sehr viele Jungs auf Bewegung und Sport angewiesen sind und nicht unter der Funktion des "Ruhig-Sitzens" gut lernen können.

Der Unisex-Mensch funktioniert nicht, er bietet lediglich die einfache Lösung für kleingeistige FemministInnen, die sich zu Schade sind differentiert über Problematiken nachzudenken.
Der Fachkräftemangel ist ebenso eine Illusion eingesetzt von den Eliten der Gesellschaft um durch gezielte Immigration und Quantifizierung die heimischen Löhne zu drücken.

Bei den Führungskräften hingegen ist es eine andere Baustelle, die meisten Frauen sind nämlich von der Erziehung her nicht fähig eine Firma zu leiten. Es gibt Ausnahmefälle, aber da hilft ein Umdenken in der Erziehung weitaus mehr als irgendeine Quote.

Natürlich sind die Lösungen keine schönen Lösungen, sie erfordern denken. Das ist nunmal ungerne eingesetzt...

Wissenschaftlichkeit ist bei einer Aussage wie "systematische Ausgrenzung weiblicher Fachkräfte" schon mal gar nicht zu erwarten. Wenn man sich schon von seiner Ideologie leiten lässt, dann bitte ohne den Versuch dies vor anderen zu verleugnen.

Bei solchen Kommentaren finde ich, schießt doch der Feminismus über seine Ziele weit hinaus. Jungs sind eindeutig Verlierer in unserem jetzigen Bildungssystem, während die Mädel eindeutig bevorteilt sind. Die besseren Mädchen von den schlechteren Jungs zu trennen, hilft doch auch den Mädels.

Eine Ungleichbehandlung von Jungs und Mädchen in Schulen befürworte ich seit Jahren. Auch gerne in der Form, dass Jungs länger zur Schule bzw. in höherem Alter ihren Abschluss machen. Es gibt viele Gründe für Leistungsunterschiede; die genetischen/Pubertät-Bedingten sollte man aber versuchen aus dem Weg zu räumen. Auf keinen Fall ist wem geholfen, diese Gründe weg zu ideologisieren.

Beide Geschlechter würden davon profitieren, mehr auf ihre Eigenschaften einzugehen, als zu versuchen die Einheitsschule zu erschaffen: In ihrer Entwicklung würden Jungs nicht länger abgehängt und Mädels nicht länger aufgehalten.

Da ist sie wieder, die Bigotterie: Schwächen von Männern kann man nur "beweinen", während die Aussage, Frauen würden "aus vielerlei Gründen immer noch schlechter" da stehen, nicht einmal bewiesen werden muss (Zitat: "Zumindest gibt es Studien" ... aha, welche?).

Das Ganze mündet dann in dem verquerten Gedankengang, dass gute Schüler besser sind, wenn sie schlechter lernen. Das tun die Schüler doch bereits seit Jahrzehnten. Wir haben die Bildungsprobleme nicht trotz sondern wegen Ihrer Denke.

Ihre beweinte Benachteiligung von Damen löst sich am effektivsten durch weibliche Leistung. Und selbstverständlich wird diese am effektivsten entfacht durch auf Mädchen zugeschnittene Bildung.

Leider lassen sich viele von Ideologie und Ängsten leiten, was nur halb so schlimm wäre, könnten diese Beängstigten nicht über die Bildungschancen Dritter abstimmen. Das Traurige ist, dass Sie auch noch denken Sie treten für etwas Gutes ein, wenn Sie den androgynen Einheitsmenschen wollen. Den wird es nie geben, so sehr man es sich auch wünscht.

es klang so...

als würden Sie es beweinen.
Ich beweine nichts, ich benenne lediglich empirische Daten. Und das die verbesserte Bildung und Ausbildung von Frauen sich nicht in der beruflichen Realität niedergeschlagen hat, ist meines Wissens durch keine Datenerherbung widerlegt...

Interessant wird es erst richtig, wenn in ca. einem Jahr die Ergebnisse des Nationalen Bildungspanels vorliegen. Aber Sie haben schon recht, pädagogische Studien können alles so sagen, wies der Ersteller gerne hätte... das gilt aber auch eben für Ihre Position.

:) ... androgyner Einheitsmensch... ich hätte mir immer gewünscht und wünsche es mir bis heute das die Zuschreibung von Eigenschaften nicht aufgrund des biologischen Geschlechtes deterministisch erfolgt... so leicht wird dann Verhalten als deviant interpretiert... nur weil der Akteur nicht das "richtige" biologische Geschlecht mitbringt

Übrigens etwas zur Anfügung

Ein Kind ist entweder eine Lebensaufgabe die man als verantwortlicher Elternteil übernimmt oder man sollte es lassen, das ist zumindest meine Meinung.

Wie viele Eltern erziehen ihre Kinder heute nach der Funktionalität? Das Kind soll ruhig sitzen bleiben, möglichst wenig "Ärger" machen oder laut sein. Es soll am besten "angepasst" sein um so den Eltern den Stress zu ersparen dass sie sich damit auseinander zu setzen haben.
Die Schulen und Universitäten forcieren das Ganze ja noch, die eigene Note und Individualität bleibt fast immer auf der Strecke. Das ist das große Problem hier in Deutschland, der Unisex-Mensch ist bereits Realität, doch die Resultate sind anders als erwartet.

Man geht nur viel zu wenig auf offene Unterschiede ein. Für Mädchen ist vielleicht dieser Frontalunterricht effektiver, für Jungs nicht unbedingt. Außerdem muss man von dieser Idealvorstellung "braves Kind = gut, Kind das sich auslebt = schlecht" dringend wegkommen wenn man neue wirklich vernünftige Führungskräfte sucht.
Ich denke das beim Lesem meiner Zeilen sehr genau herauskommt wie oft Mädchen so erzogen werden das sie in der Gesellschaft "funktionieren". Dafür lässt man Jungs halt auf der Strecke, auch nicht besser...

@FrauHollunder

"... ich benenne lediglich empirische Daten. Und das die verbesserte Bildung und Ausbildung von Frauen sich nicht in der beruflichen Realität niedergeschlagen hat, ist meines Wissens durch keine Datenerherbung widerlegt...

Interessant wird es erst richtig, wenn in ca. einem Jahr die Ergebnisse des Nationalen Bildungspanels vorliegen."

Und was soll das jetzt bedeuten? Die Studie kann dahingehend tatsächlich aussagen was sie will. Denn ob die verbesserte Bildung und Ausbildung von Frauen sich nicht in ihrer beruflichen Realität nieder schlägt, kann kein Grund dafür sein im Gegenzug Jungen im Bildungssystem zu benachteiligen und ihnen Bildung und Ausbildung nicht im gleichen Maße wie den Mädchen zu gewähren. Ansonsten kann man sagen, dass es völlig gerechtfertigt wäre, dass sich die verbesserte Bildung und Ausbildung der Frauen nicht im Beruf nieder schlägt und Männer bevorteilt werden. Männer wurden schließlich im Bildungssystem benachteiligt.

... was man für wichtig hält.

also ist das Maß aller Dinge das Erreichen eines bestimmten institutionalisierten Bildungsabschlusses?

Und das biologische Geschlecht stimmt per se mit den geschlechtsspezifischen Verhaltensmustern ein?

Ich habe damit mein Problem und wenn man eine Trennung wünscht, werden alle die anders sind, Jungen wie Mädchen, zusätzlich marginalisiert und als deviant gebrandmarkt.

Ich halte das für absolut fragwürdig. Ich hatte aber genau mit dieser geschlechtsspezifischen Rollenzuschreibungsgeschichte so meine Probleme. Und habe sie bis heute.

Wie wollen sie verhindern, das sich bei getrennter Schule dies nicht noch weiter verschärft?

Genau das werden sie eben dann nicht.

Ich kann nicht beurteilen wie das bei den Mädchen ist, aber bei den Jungen wird mit dem Wegfall des Abgrenzungsstress abweichendes Verhalten in die übliche Streubreite fallen.

Das Gruppengefüge wird sich dann an positiven Merkmalen ausrichten (gleiche Interessen in Schnittmengen) ohne das ein weiterer Konformitätsdruck da wäre.

Es würde ein breiteres Spektrum besetzt werden, da es mehr Nischen zur Entfaltung gäbe.

Ich vermute auch stark, dass es bei den Mädchen genauso laufen würde.

Immerhin weist die wesentlich breitere Streuung bei der Berufs- und Studienwahl von Absolventinnen von Mädchengymnasien darauf hin, dass Mädchen den Abgrenzungsstress bei Jungen nicht nur verursachen, sondern selber zugleich Opfer desselben sind.

und was ist mit

den Jungen, die eher "weibliche" Verhaltensmerkmale aufweisen?
Oder gibt es das bei Ihnen nicht?
Und Mädchen, die "männliche" Verhaltensmuster besetzten? Gibt es nicht? Oder etwa ein Zeichen von Abnormalität, die der Behandlung bedarf?
Die fallen dann neben Ihre Streubreite?

Woher wissen Sie das die Mädchen selbst einen Abgrenzungstress verursachen, deren Opfer sie sind?

Warum stellen Sie hier Kausalitätsketten her?

Und wenn die Störche verschwinden gibts statistisch ja auch weniger Kinder... ein gemeinsames Auftreten ist noch keine Kausalität!

Genau die meinte ich damit

Die Geschlechtersegregation in der mittleren Kindheit ist ein zuverlässig zu beobachtendes Phänomen. Es ist ein von den Kindern selber angewandtes Schema, es tritt also auch da auf, wo keine äusseren Zwänge es forcieren.

Kinder unterscheiden dabei erstmal nicht anhand von individuellen Verhaltensmustern (Gender), sondern rein biologistisch. Der Junge mit "Mädcheninteressen" wird also von den Mädchen genausowenig akzeptiert wie umgekehrt das Mädchen mit "Jungeninteressen" von den Jungs.

Ist nicht nett, aber Kinder sind nun mal nicht nett.

Über den Grund für diese Segregation gibt es noch keinen Konsens in der Soziologie. Am plausibelsten ist die These, das es um eine natürliche Entfremdung handelt, die auf die Pubertät vorbereitet. Eine Variante der Inzestsperre.

Steckt man also beide Gruppen dauerhaft in einen Raum, dann manifestiert sich diese Abgrenzung in sehr ausgeprägter Form und hier auf Verhaltensebene (weil Gruppen) immer wieder. Es entsteht ein bipolarer Konformitätsdruck.

Sind beide Gruppen getrennt, dann entfällt der durch die Notwendigkeit einer ständigen Abgrenzung hervorgerufene Stress. Es entstehen Freiräume.

Dies gilt für die mittlere Kindheit und ist speziell für die Jungs heutzutage zusätzlich dadurch erschwert, dass es kaum noch jungsspezifische Alleinstellungsmerkmale gibt. Der Stress ist dadurch höher.

Bei der Pubertät liegen die Vorteile einer Trennung auf der Hand ;-)

[P.S: Wenn es interessiert: West, C. & Zimmermann, D.H. (1987). Doing Gender]

Eine Liebesgeschichte

Warum gehen Sie davon aus, das nur Jungen in ihrem Verhalten als deviant bezeichnet werden?

Weil es gesellschaftlich für Mädchen heutzutage keine Devianzen mehr gibt. Sie haben einen Freibrief.

Mädchen sind also immer in die Erfördernisse der Lehranstalten eingepasst...weil sie als Mädchen eben so sind... oder wie?

Umgekehrt: Die Lehranstalten haben sich an die Erfordernisse der Mädchen angepasst.

Das hat ideologische Gründe (feministischer Lehrkörper, einwirkender gesellschaftlicher Sexismus) aber auch individuelle. Niedlichkeitstrigger wirken (*wimperklimper*) und Mädchen leben Aggressionen und Machtkämpfe in einer Form aus, die den auf Massenabfertigung ausgerichteten Lehrbetrieb weniger stören.

@FrauHollunder

"also ist das Maß aller Dinge das Erreichen eines bestimmten institutionalisierten Bildungsabschlusses?"

Das ist eine seltsame Antwort. Wenn du einerseits davon schreibst du hättest ein Problem mit geschlechtsspezifischen Rollenzuschreibungen, dann aber andererseits die bessere schulische Leistung der Mädchen gegenüber den Jungs aufgrund biologischer Zuschreibungen verteidigst, dann passt da etwas nicht so ganz zusammen.

Außerdem habe ich nicht geschrieben, dass ich getrennte Schulen unterstützen würde. Stattdessen habe ich davon geschrieben, dass ich wiederum ein Problem damit habe nach dem biologische Geschlecht zu unterscheiden. Denn wenn man dann nach Mädchen und Jungs kategorisiert wird man sicherlich nicht allen "die anders sind" gerecht werden.

Die Antwort auf die obige Frage wäre dann, dass nicht alle einen bestimmten Bildungsabschluss erreichen müssten, sondern nach oben wie nach unten das Geschlecht keine Rolle spielt. Demnach müsste in allen Stufen Parität herrschen, gleich viel männlich wie weiblich und dazwischen. Sobald irgendwo in einer Stufe eine Mehrheit existiert wird entweder jemand benachteiligt oder bevorzugt, theoretisch etwas was es dann aber nicht geben dürfte wenn weiblich und männlich kein Rolle spielt. So ganz passt dann aber auch die derzeitige Lage im Bildungssystem nicht ganz in dieses Bild wenn Mädchen an den Jungen vorbei ziehen.

das stimmt einfach nicht

das Mädchen einen Freibrief haben, aber Sie übersehen anscheinend dann bewußt die nicht-mädchenhaften Mädchen.Oder auch die nicht-jungenhafte Jungen.
Die gibt es.

Und die haben es aufgrund der geschlechtsspezifischen Erwartungshaltung schwerer. Sie werden offensichtlich derart marginalisiert, das sie nicht mal wahrgenommen werden.

Kann es nicht sein, das eben durch Erwartungshaltungen an das Verhalten, Verhaltensmuster bestärkt werden, weil sie als wünschenswert vermittelt und damit positiv sanktioniert werden?

Warum muss den dauernd eine Kausalität bestehen zwischen gleichzeitig auftretenden Faktoren? Das größte Problem der Gesellschaftswissenschaften... Selbst "bewährte" Erklärungsmustern werden immer mal wieder falsifiziert.

Es gibt übrigens mehr Arten von Feminismus, als Ihnen bewußt zu sein scheint.

Einige der Probleme, die Sie nennen, hängen meiner Meinung mit der grundlegenden Entwicklung hin zur stärkeren Affektkontrolle zusammen, die mit einer immer weiter ausdifferenzierten Gesellschaft zu tun haben. Und nicht so sehr mit feministischen Lehrern...

Das macht die Thematik an sich natürlich komplexer und die Erklärung schwieriger.

Nachdrücklich will ich außerdem nochmal daraufhinweisen das die Wirkung geschlechtsspezifischer Erwartungsmuster als dahinterliegende Struktur auf alle beteiligten Akteure wirkt...es gibt keinen Determinismus. Determinismus in der Sozialwissenschaft kann als Hinweis auf ideologische Ausgangspositionen verstanden werden.

Sie haben mich offensichtlich

missverstanden.
Ich halte es lediglich für grundlegend falsch eine Trennung als Lösung zu sehen.
Aber das wollen Sie offensichtlich ja auch nicht.

Und ja, interessant finde ich die Frage, warum sich das dann nicht gesellschaftlich niederschlägt, die bessere Leistung der Mädchen. Ist es für Jungen schlicht nicht notwenig gut zu sein? Es wird ihnen vermittelt es bestehe gar kein bedarf richtig gut zu sein? Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss, sagt der Volksmund...
Wo ist bei diesem Phänomen die Kausalität zu finden?
Und damit das Problem?
Ich sehe halt bisher keine stimmige Kausalität...

Warum nun Jungen schlechter sind, hängt meiner Meinung eben von mehr Faktoren ab, als einem biologisch determinierten geschlechtsspezifischen Verhalten.

Determinismus in der Sozialwissenschaft kann als Hinweis auf ideologische Ausgangspositionen verstanden werden.

Sowohl das Leugnen als auch die bewußte Fehlinterpretation des real existierenden Determinismus ist ideologisch.

Und das macht diese Diskussionen auch immer so schwierig.

Man kann das Phänomen nur verstehen wenn man es als statistische Verteilung betrachtet. Leider wird es allzuoft nur absolut gesehen.

Beispiel eines geschlechtsbezogenen Determinismus:

Männer sind größer als Frauen
(Beide Geschlechtsbezeichnungen hier im biologistischen Sinne entsprechend der Körperfunktion bei der Fortpflanzung gemeint)

Das bedeutet tatsächlich: Die meisten Männer sind größer als die meisten Frauen.

Es bedeutet nicht: Alle Männer sind größer als alle Frauen. Es bedeutet auch nicht: Jeder Mann ist größer als jede Frau

So einfach ist Determinismus.

Zurück zum Thema:

Kinder interessieren sich bei der Segregation nicht für Gender. Sie sind ganz schlicht (und unideologisch) auf das biologische Geschlecht fixiert.

Und die haben es aufgrund der geschlechtsspezifischen Erwartungshaltung schwerer.

Sie haben es sogar sehr viel schwerer, weil sie bei einer gruppendynamischen bipolaren Ausrichtung gedrängt werden, sich dem Mehrheitsverhalten ihrer Gruppe anzupassen. Die Ablehnung der Mitglieder der "anderen" Gruppe treibt die jeweiligen Kinder in die "eigene".

Entfällt diese Polarisierung wegen Abwesenheit "der anderen" , ergeben sich Freiräume für d einzelnen.

Trotzdem weiß keiner an was es liegt

Die Forscherinnen vergessen nur, dass auch weiterhin die Jungs im Bildungsapparat trotz gemeinsamen Unterrichts abstürzen obwohl das reine Merkmal Geschlecht eigentlich keine Rolle spielen dürfte. Jungs müssten so gut wie Mädchen sein, es dürfte keinen Unterschied in den Leistungen geben. Komisch, dass es trotzdem einen ersichtlichen und nachweisbaren Unterschied in den Leistungen gibt.

Es ist dann doch etwas seltsam mit welchen Fragen sich die Forscherinnen aufhalten. Anscheinend ist es weiterhin wichtiger sich mit den Fragen aufzuhalten ob Jungs überhaupt benachteiligt werden, was ihnen aus ideologischen Gründen, das Geschlecht dürfe keine Rolle spielen obwohl es das offensichtlich tut, nicht helfen darf und was nicht daran Schuld ist warum Jungs schlechter in der Bildung sind. Man kann den Forscherinnen dann entweder vorwerfen eine große Sorgfalt an den Tag zu legen, seit nunmehr als 10 Jahren kategorisch auszuschließen was die Jungs nicht gleichauf mit den Mädchen bringen könnte, oder aber sich seit 10 Jahren damit zu beschäftigen was die Jungs nicht Gleichauf mit den Mädchen bringt. Bezeichnend bleibt weiterhin, dass niemand weiß wie man den Unterschied, den es gar nicht geben dürfe, aufheben kann.

Nicht Leistung und Noten verwechseln

Sie vergessen hier etwas, nämlich dass Jungen bei Leistungstests zwar immer noch schlechter abschneiden als Mädchen, dass sie aber nicht so viel schlechter abschneiden wie bei den Noten. Anders ausgedrückt: Mädchen bekommen bei gleichen Leistungen (im Schnitt) bessere Noten und bei gleichen Noten seltener Gymnasialempfehlungen (das hat schon 1997 die LAU-Studie rausgefunden -- interessiert hat es allerdings niemanden, denn es sind ja nur Jungen, die da benachteiligt werden). Inzwischen ist es auch durch die Quasum-Studie und die Studie des Aktionsrats Bildung wieder einmal bestätigt worden. Aber niemanden kümmert's.
Schlechtere Noten könnten übrigens die Motivation verringern und dann wirklich in schlechteren Leistungen enden. (Auch das verbreitete feministische Neandertalermännerbild (welches durchaus von Lehrkräften und anderen an die Kinder herangetragen wird) kann zu einer Schulentfremdung führen -- und dafür interessiert sich auch niemand.)

Scheinkorrelationen

"Die Forscherinnen vergessen nur, dass auch weiterhin die Jungs im Bildungsapparat trotz gemeinsamen Unterrichts abstürzen obwohl das reine Merkmal Geschlecht eigentlich keine Rolle spielen dürfte. Jungs müssten so gut wie Mädchen sein, es dürfte keinen Unterschied in den Leistungen geben. Komisch, dass es trotzdem einen ersichtlichen und nachweisbaren Unterschied in den Leistungen gibt."

Aus einem Gruppenunterschied lässt sich keine Kausalität ableiten. Bestes Beispiel ist der statistische Zusammenhang zwischen der Storchenpopulation und der Geburtenrate. Beides sinkt gemeinsam, bedingt sich jedoch nicht. Schuld ist die Verstädterung.
http://de.wikipedia.org/w...

Generell sind bei einer Korrelation vier Möglichkeiten gegeben:
A bedingt B. B bedingt A. A und B bedingen sich gegenseitig. C bedingt sowohl A als auch B.

Doch selbst wenn wir annehmen, dass z.B. Jungen -im Schnitt!- mehr Bewegung bräuchten, dann macht es dennoch mehr Sinn Jungen und Mädchen nach ihrem Bewegungsdrang zu klassifizieren in Bewegungsaffine und -averse. Andernfalls benachteiligt man bewegungsabgeneigte Jungen und bewegungsfreudige Mädchen. Das ist die Krux mit der Sachfremden Geschlechtskategorisierung.

@Ranjit

Die Krux mit der sachfremden Geschlechtskategorisierung bleibt weiterhin, dass Jungs im Gegensatz zu Mädchen im Bildungssystem abstürzen und abgestürzt sind, seit über 10 Jahren nicht dagegen unternommen wird und man stattdessen davon redet, dass es diesen Geschlechtsunterschied eigentlich nicht geben dürfte. Wir wissen ja die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind kleiner als untereinander. Das bedeutet dann aber auch, dass die Jungen aus irgendeinem Grund aufgrund ihrer biologischen Geschlechtszugehörigkeit im Bildungssystem benachteiligt werden obwohl sich die Probleme über beide Geschlechter verteilen müssten.

Nature - Nurture

"Das bedeutet dann aber auch, dass die Jungen aus irgendeinem Grund aufgrund ihrer biologischen Geschlechtszugehörigkeit im Bildungssystem benachteiligt werden obwohl sich die Probleme über beide Geschlechter verteilen müssten."

Wie erwähnt kann aus einem Gruppenunterschied nicht auf eine Kausalität geschlossen werden. Jedoch selbst wenn das Geschlecht kausal auf die Schulleistung einwirkt, so ist noch lange nicht gesagt, ob es biologische, angeborene, unverrückbare Unterschiede sind.

Wir stehen hier vor der "Nature versus Nurture" Problematik. Sind es biologische Unterschiede oder nachträgliche Einflüsse, wie Erziehung, Rollenerwartungen etc.

Jedoch auch diese Problematik löst das Grundproblem nicht: Nur weil im Mittel Jungen eher bewegungsfreudig sind (ob das so ist sei dahingestellt) heißt das noch lange nicht, dass alle Jungen bewegungsfreudiger sind als alle Mädchen. Warum also nicht Freiräume zu Ruhe oder Bewegung schaffen und die Kinder selbst entscheiden lassen?
Andernfalls entsteht nur eine selbsterfüllende Prophezeiung. Jungen lieben Bewegung also lassen wir sie sich bewegen. Mädchen weniger. Konsequenz: Jungen bewegen sich mehr und haben somit mehr Übung, Mädchen weniger. So bestätigt sich der postulierte Unterschied selbst.

Ja meinen Sie denn, dass die Einebnung aller Unterschiede

ein Selbstzweck sei?

Es gibt einen viel handfesteren Grund für eine zeitweilige Trennung: in einem bestimmten Alter besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Aufmerksamkeit der Schüler mehr auf das andere Geschlecht gerichtet ist, als auf den Unterrichtsstoff. Jedenfalls dann, wenn es sich um körperlich gesunde Jugendliche handelt. Trotz aller Gender-Ideologie ist der durchschnittliche Mensch immer noch ein geschlechtliches Wesen, und das macht sich in der Jugend besonders bemerkbar.

Um das einzusehen, braucht es weder empirische Untersuchungen noch besondere Theorien - die gewöhnliche Lebenserfahrung, über welche jeder Mensch verfügt, genügt hier völlig. (Lassen Sie sich nicht das Gegenteil von den Profis der Sozialwissenschaften einreden!)

Wenn der Mensch aber ein geschlechtliches Wesen ist, dann hat er auch ein recht darauf, geschlechtsspezifische Begabungen zu entwickeln - und muss sich nicht einer absurden Gleichheitsforderung beugen. Das hat mit "Vorurteilen" nichts zu tun.

Andererseits hat der jugendliche Mensch aber auch das Recht, manchmal Ruhe vor dem ganzen für ihn neuen und verwirrenden Geschlechterkram zu haben - und sich auf die Arbeit zu konzentrieren, statt auf "wer mit wem", "wer sieht besser aus", "wer hat die besten Chancen bei wem", "Wer wurde gestern wo gesehen" usw. Und stattdessen sich mit solchen wichtigen Dingen zu beschäftigen wie Fussball, Chemie, Thomas Mann, Musik, Schreinern, Schwimmen, Pflanzen züchten, Autofahren usw. usw.

Koedukation polarisiert

dann hat er auch ein recht darauf, geschlechtsspezifische Begabungen zu entwickeln - und muss sich nicht einer absurden Gleichheitsforderung beugen.

Zeifellos hat er das Recht dazu. Wobei ich aber bei der Koedukation heute keine Gleichheitsforderungen sehe.

Im Gegenteil: Die Koedukation polarisiert die Kinder, da sie durch den Abgrenzungseffekt beide Seiten in das jeweilige Geschlechtsschema drängt.

Das ist ein weitgehend (auf beiden Seiten) unbewußt ablaufender Prozess.

Nur: misandrische Pädagoginnen haben daraus eine absichtliche bösartige Dominanz der Jungs abgeleitet und steuern durch Besserbehandlung und Bevorzugung der Mädchen einerseits und Vernachlässigung der Jungs dagegen.

Wo ist da die Gleichmacherei?

Das ist nicht nur den Jungs gegenüber hochgradig unfair, es ist auch im Gesamten kontraproduktiv.

Die symmetrische Abschaffung der Koedukation anstatt dem jetzigen "Rosinen für Mädchen, Krümelreste für Jungs" würde es beiden Seiten ermöglichen, ein breiteres Interessensspektrum (so ganze ohne Abgrenzungszwang) freier zu entdecken und individuelle Stärken daraus zu entwickeln.

Zusammenfassung des Artikels

Wissenschaftler sagt, dass Geschlechtertrennung keine Leistungsverbeserung bringt.

Zwar sind die Leistungen getrennt-geschlechtlich etwas besser (so der Artikel), das liegt aber an anderen Faktoren wie der Neuheit der Schulform.
Ist es denn für Eltern relevant, ob mein Kind besser beschult wird, weil ein Placebo-Effekt vorliegt oder nicht? Wenn alle Beteiligten (Schüler, Lehrer, Eltern) besser arbeiten, weil sie das glauben, dann verbessert das eben doch die Schulqualität.

Ach ja, als es darum ging, bessere Chancen für Mädchen zu schaffen, da hat man die Koedukation eingeführt. Wenn es jetzt darum geht, bessere Chancen für das schwächere Geschlecht, also die Jungs, zu schaffen, da ist man dann weniger entschlossen.

Das einzige Argument für Koedukation, das mich überzeugen kann (und überzeugt), ist, dass Schule auf das wirkliche Leben vorbereiten sollte, und da stößt man auf Jungs und Mädchen.