Religion in der SchuleBeten ist nicht ansteckend

Das Bundesverwaltungsgericht gibt einer Schule recht, die einem muslimischen Schüler das Beten verbietet. Doch Beten stört den Schulfrieden nicht. Ein Kommentar von 

Mehrere Jungen beten in einem Waisenhaus in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Mehrere Jungen beten in einem Waisenhaus in der irakischen Hauptstadt Bagdad.  |  © Spencer Platt/Getty Images

Yunus M. darf weiterhin nicht in seinem Gymnasium im Berliner Bezirk Wedding beten , wenn das muslimische Ritual den Schulfrieden stört. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in dritter und letzter Instanz entschieden. Die Richter gehen davon aus, dass der junge Muslim durch sein öffentliches Beten religiös motivierte Konflikte anheizen könnte, denn die gab es an der betroffenen Schule in der Vergangenheit. So hatte die Schulleiterin das Gebet einst verboten, weil sie befürchtete, andere Schüler könnten unter Druck gesetzt werden und alte Streitereien um das richtige Fasten und Kopftücher könnten an der Schule wieder  aufflammen.

So weit, so klar. Allerdings gibt das Urteil den Schulen keine konkreten Handlungsmuster vor, wie sie mit religiösen Ritualen und Konflikten umgehen können. Vielmehr betonte das Gericht: Die Religionsfreiheit gilt weiter. Eine Schule dürfe ohne Not kein generelles Bet-Verbot aussprechen und ein solches auch nicht damit begründen, dass andere Schüler von religiösen Ritualen oder Symbolen verschont werden müssen. Wenn ein muslimischer Schüler bete, beziehe die Schule deshalb weder Position noch gefährdet sie ihre Neutralität. Ein Verbot dürfe nur ausgesprochen werden, wenn der Schulfrieden in Gefahr sei.

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Doch gerade diese Argumentation mutet seltsam an: Ist der Schulfriede tatsächlich gefährdet, bloß weil sich ein paar Jugendliche in der Pause für einige Minuten gen Mekka neigen? Fühlt sich jemand provoziert, wenn ein christliches Kind vor seinem Pausenbrot die Hände faltet und ein Tischgebet murmelt? Wohl kaum. Und umgekehrt gilt: Wenn es an einer Schule Konflikte um muslimische Pflichten und Zwänge gibt, dann verschwinden diese auch durch ein Bet-Verbot nicht.

Turnhallen mussten nicht zu Gebetsräumen umfunktioniert werden

Ohnehin haben die meisten Schulen keine schlechten Erfahrungen gemacht, wenn sie Schülern mit pragmatischen Lösungen das Beten ermöglichten. Die Schulleiterin des Weddinger Gymnasiums hatte ihr Verbot auch damit begründet, dass zu viele Yunus' Beispiel folgen könnten und die Schule nicht genügend Rückzugsräume zur Verfügung stellen könnte. Die Beispiele anderer Schulen aber zeigen: Beten ist nicht ansteckend, wenn man kein großes Thema daraus macht. Nirgends mussten Turnhallen zu Gebetsräumen umfunktioniert werden. Angeblich ist nicht einmal Yunus M. ständig beten gegangen, als es ihm nach dem erstinstanzlichen Urteil erlaubt wurde.

Das seltsame Nein-aber-Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes verdeckt, dass es in Wahrheit ein viel größeres Thema hinter der Aufregung um zehn Minuten Niederknien steckt. Der Islam ist Realität an Deutschlands Schulen. Wegen der vielen muslimischen Schüler können seine Rituale, Regeln und Institutionen und auch die Konflikte, die damit einhergehen, nicht mehr ignoriert werden. Der Islam muss in die Schulen integriert werden. Wie das aber geschehen soll, ist hoch umstritten.

Gut wäre es, den überaus schwierigen Weg für einen bekennenden Islamunterricht zu ebnen. Besser wäre es, den bekennenden Religionsunterricht an staatlichen Schulen generell zu hinterfragen: Religionen sind in einem wissensorientierten Ethikunterricht viel besser aufgehoben als in einem von den Kirchen kontrollierten. Hier wäre auch der Ort, die Konflikte zu thematisieren, die an einer Schule entstehen, wenn religiöse Überzeugungen andere in ihrer Freiheit einschränken. Sie verschwinden jedenfalls nicht, wenn man einem Schüler das Beten verbietet.

Auch das Bundesverwaltungsgericht stellt in seinem Urteil fest , dass die "Schule gehalten ist, weltanschauliche Zusammenhänge unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Realitäten zu vermitteln, ohne sie in die eine oder andere Richtung einseitig zu bewerten." Würde der Religionsunterricht durch Ethik ersetzt, würden religiöse Symbole und Rituale nicht aus der Schule verschwinden, sie wären aber viel klarer als eine sehr private Angelegenheit zu erkennen.

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Leserkommentare
  1. "Würde der Religionsunterricht durch Ethik ersetzt, würden religiöse Symbole und Rituale nicht aus der Schule verschwinden, sie wären aber viel klarer als eine sehr private Angelegenheit zu erkennen."

    WARUM NICHT eine Einführung in ALLE Religionen für ALLE, vermittelt von von den Glaubensgemeinden selbst ausgesuchten Vertretern?

    Was ist so schlimm daran, wenn ein Christ oder ein Atheist lernt, worum es in Synagoge, Moschee oder Buddha-Tempel geht? Wie dort gebetet wird, welche Feste man dort feiert? - Und umgekehrt natürlich! Auch dem Moslem schadet Wissen über das Christentum und allen Gläubigen eines über die verschiedenen Formen des Skeptizismus und Atheismus nicht; ebensowenig sollte ein Atheist auf Kenntnis dessen verzichten, was er ablehnt.

    Oder hat man Angst davor, die Jugend könnte beginnen, sich auf dem Markt der Weltanschauungen selbständig einzudecken und womöglich vom einen Stand dies und vom anderen jenes nehmen? Was anderes aber bedeutet Freiheit, RELIGIONSFREIHEIT?

    60 Leserempfehlungen
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    • _bla_
    • 30. November 2011 19:56 Uhr

    Ich finde eigentlich klingt das ziemlich gut, aber hat meiner Meinung nach eine großen Macke:
    Mit so einer oberflächlichen Einführung stärkt man gerade die Weltanschauungen, die selbst ziemlich oberflächlich sind. Wer eben keine einfachen Antworten bietet, wessen Standpunkt eben nicht in wenigen Sätzen beschrieben werden kann, der verliert.
    Eine Einführung für alle finde ich trotzdem nicht schlecht, wobei wirkliche ALLE Religionen vorzustellen sicher nicht praktikabel ist und es müsste ein sinnvoller Weg gefunden werden, wie mit unterschiedliche Richtungen umgegangen wird. Was macht man beispielsweise mit Lutheraner, Evangelikalen und Katholiken? Sie haben doch teils stark abweichende Positionen.
    Und es muss meines Erachtens trotzdem eine Möglichkeit geben, eine Religion auch im Detail kennenzulernen.

    • Saibod
    • 30. November 2011 20:13 Uhr

    Stimmt. So einen Unterricht hätte ich auch gerne gehabt. An Schulen werden ja Fremdsprachen gelehrt, warum also auch nicht "Fremdreligionen"?

    Der Artikel selbst geht übrigens in die gleiche Richtung: "Religionen sind in einem wissensorientierten Ethikunterricht viel besser aufgehoben."

    Leider ist die Welt nicht so einfach.
    In den großen Weltreligionen gibt es Strömungen, die sich nicht besonders grün sind. Welches Richtung sollte man dort nehmen? Allein beim Christentum und Islam kommt man locker auf 10 verschiedene Richtungen.

    Wie sähe es denn mit den kleinen Glaubensgemeinschaften aus, die gerne als "Sekte" diffamiert werden? Auch mal Zeugen Jehovas oder Scientology gefällig?

    Religion gehört nicht in die Schule.

    • joG
    • 30. November 2011 20:55 Uhr

    ....würde aber die Ethik/Religionsausbildung keinesfalls dem Staat erlauben noch ihm gestatten wollen vorzuschreiben, wie solche Ausbildung aussehen sollte noch welche Inhalte zu vermitteln wären. Dh, wenn des sich um einen säkularen Staat handeln soll. Wenn Deutschland allerdings kein säkularer Staat ist, ist es völlig normal, dass er Ethik- und Religionsunterricht bestimmt oder die Ausübung mancher Religionen verbietet.

    Oder gibt es die nur für laue und unentschlossene Bemühungen der Äquidistanzierung?

    • Morbox
    • 30. November 2011 21:29 Uhr

    Weil's das schon gibt, nennt sich Ethik. Klar, kommt wahrscheinlich aufs Bundesland an, aber sinnvoll aufgezogen ist Ethik genau das und mehr. Gut, das mit den Glaubensvertretern ist so ne Idee und die Weltreligionen sind nur ein Teil des Ganzen, aber es kommt immerhin zu einer allgemeinen Einführung in die großen Weltreligionen. Dass die nicht alle in der 5. Klasse drankommen ist ja auch klar. Soll es etwa ein komplettes Fach geben, in dem Schüler nur Religionen büffeln, die mit ihrer eigenen Lebensrealität nichts zu tun haben? Tiefere religiöse Bildung sollten wirklich die einzelnen Glaubensgemeinschaften machen. Schließlich wird Unterrichtszeit vom Staat bezahlt - und der soll bitte weder Religionen subventionieren noch anderweitig die Staat/Religion-Trennung aufbrechen!

    Lieber Herr Neunmüller,

    nichts ist schlimm an Ihrem Vorschlag, nur er ist bereits umgesetzt!

    Ein wahlloses Bsp.: Der Lehrplan für ev. Religionsunterricht (RU) an Grundschulen in NRW sieht eine Beschäftigung mit anderen Religionen explizit vor, etwa auf den Seiten 155ff. Judentum & Islam. Der Lehrplan formuliert unmissverständlich die Schülerkompetenz, die sich im Rahmen des RU herauszubilden hat, nämlich "Menschen anderer Religionen mit Respekt und Toleranz" zu begegnen (S. 157).

    Also niemand hat "Angst" vor anderen Religionen. Angst vor Religion haben i.d.R. hierzulande weniger die religiösen Menschen.

    Sodann ist RU auch kirchlich gebundener Werteunterricht. Als solcher (!) ist er garantiertes Verfassungsgut (Art. 7,3 GG; vgl. auch z.B. Landesverfassung NRW: "Ehrfurcht vor Gott [...] zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung." (Art. 7,1).)

    Der Staat enthält sich einer rein staatl. Wertevermittlung weil er weiß, dass gesellsch. Gruppen besser Werte vermitteln können. (Dies müssen i.Ü. nicht nur Kirchen sein!)

    Ein Staat, der anderen Gruppen dies in den Grenzen der Gesetze zubilligt, ist weniger totalitätsanfällig. Überdies wird so authentisch abgebildet, dass Werte nicht von oben vom Staat 'gemacht werden', sondern von der Gesellschaft und gesellsch. Gruppen.

    Deshalb gibt es RU, wie es auch atheistischen Werteunterricht und andere gleichberechtigte Fächer gibt, von denen eine Abmeldung jederzeit möglich ist.

    Herzlichst
    am Rande

    eben im Ethik-Unterricht. Anders ist er nicht umsetzbar, weil sie nicht einfach irgendwelche Leute in den Unterricht stellen können.

    Die Lehrerausbildung umfasst nicht umsonst mehrere Jahre und man kann nicht einfach irgendwelche Gläubigen hineinstellen, die von irgendwelchen Religionsgemeinschaften (die es als solche oft gar nicht gibt, z.B. Atheisten und selbst Muslime) ausgewählt worden sind. Der Ethik-Lehrer studiert genau deswegen Philosophie mit Schwerpunkt Ethik (=Moralphilosophie) und Vergleichende Religionswissenschaften, um diese Erziehung zu vermitteln.

    Und fangen Sie einmal mit etwas leichterem an: einem christilichen Einheitsreligionsunterricht. Momentan haben Katholiken und Evangelische einen getrennten Religionsunterricht. Wer fühlt sich berufen eine äquidistante Einführung in beide Konfessionen zu geben? Und da wollen Sie dasselbe für alle Religionen?

    Abgesehen davon verstehe ich das Problem so ganz nicht. Im katholischen Bayern wurden bei uns im Religionsunterricht alle Hochreligionen behandelt, anhand ausgesuchter Texte. War Teil des Lehrplans.

    ..staatlicher Neutralitätswahrung. In staatlichen Bildungseinrichtung sollte konsequent im Rahmen unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung der spezifische Religionsunterricht eliminiert werden und durch das neutrale Fach Ethik (ohne religiöse Fundamentalfärbung)verbleiben.
    Ja, "Religion für ALLE (die dies wünschen) vermittelt von den Glaubensgemeinschaften in deren Kulträumlichkeiten und zwar außerhalb des Schulbetriebes. In der Freizeit eben ein bisschen weniger Balett, Klavierunterricht oder Fußball, dafür eben Religon (nach Wunsch) ...

    Ich bin selbst Atheist und hätte es mir - rückwirkend betrachtet - sehr gewünscht, mehr über andere Religionen im Schulunterricht zu lernen, und nicht nur die paar Stunden im Ethikunterricht.
    Das Verständnis für andere Religionen, besonders das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten, ist meiner Meinung nach eine wichtige Voraussetzung für ein respektvolles Zusammenleben und damit indirekt auch integrationsfördernd.

    • xpeten
    • 01. Dezember 2011 11:12 Uhr

    die Toleranz und Aufgeschlossenheit erwarten kann, zusammen mit Vertretern anderer Konfessionen eine Art religiösen Aufklärungsunterrichts zu geben. Die sind ja noch nicht einmal zu einem ökumenischen Gottesdienst mit Protestanten in der Lage, geschweige denn zu gemeinsamen Aktionen mit dem verhassten Islam. Der Papst würde solche Aktivisten unverzüglich abmahnen lassen.

    Hinaus aus den Schulen mit diesen Predigern der Intoleranz, und sie sollen ihre Kruzifixe gleich mitnehmen. Behelligen wir nicht weiter unsere Kinder mit Heilslehren, die sich auf albernen und unbewiesenen Behauptungen aufbauen und sich bei näherem Hinsehen als nichts anderes als ein unmoralisches Geschäftsmodell entpuppen: Die Schäfchen erst entmündigen und verängstigen, dann die Hand aufhalten und "Beistand" bieten.

    Sie sprechen mir aus der Seele!

    VG
    Avicenna2010

    Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hatte die Schule dem Kläger einen Gebetsraum zur Verfügung gestellt, den er aber kaum genutzt hat. Stattdessen wollte er sich das Recht erstreiten, auf dem Flur beten zu dürfen. Mir stellt sich hier die Frage: Was wollte er wirklich? Wollte er beten oder provozieren? Letzteres passt zu seinem Vorgehen: Statt sich zum Beten zurückzuziehen, stritt er durch mehrere Instanzen.

    Seine Gebete dürfen die Hausordnung und den Schulfrieden ebenso wenig stören, wie alle anderen "Veranstaltungen" auch. Das hat mit Religionsfreiheit herzlich wenig zu tun, die ist ihm nicht verwehrt - er wollte sie nur so nicht haben.

    • sicwa
    • 03. Dezember 2011 18:53 Uhr

    Als Reichskonkordat wird der am 20. Juli 1933 zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich
    geschlossene Staatskirchenvertrag bezeichnet. In ihm wurde das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und der
    römisch-katholischen Kirche geregelt. Es wird auch heute noch für die Bundesrepublik Deutschland als gültig
    betrachtet (Zitat Wikipedia).
    Im Reichskonkordat arrangierte sich die Katholische Kirche mit den Machthabern des 3. Reiches; darin wird unter anderem festegelgt, dass "Katholischer Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach. (Artikel 21)" in Schulen wird.
    Diese Konkordat wurde auch nach 1949 nicht geändert, sodass wir heute, noch über 65 Jahre nach dem Ende der Hitlerdiktatur, diese Regelung haben.
    Ich bin auch der Überzeugzng, dass Religion als Lehrfach in der Schule, wie in Frankreich, nichts zu suchen hat; den Schülern sollten ethischen Grundlagen des Zusammanlebens gelernt werden, die später dann durch einen Philosophiekurs ergänzt werden.

    "Oder hat man Angst davor, die Jugend könnte beginnen, sich auf dem Markt der Weltanschauungen selbständig einzudecken"

    Zwar stimme ich Ihnen zu, dass Bildung über den Inhalt der Religionen zu einer größeren Liberalität führen könnte,
    jedoch auf welcher Grundlage?

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Danke, die Redaktion/mo.

    4 Leserempfehlungen
    • Dok06
    • 30. November 2011 19:37 Uhr

    Gerade habe ich noch in den Medien gelesen, das Gericht habe dem Kläger in diesem besonderen Fall nicht Recht gegeben, weil die betende Gruppe andere Muslime an der Schule dazu genötigt habe, sich ihnen anzuschließen. Das ist eine ganz andere Situation als die im Artikel dargestellte und bei weitem nachvollziehbarer..

    Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit Quellen. Danke, die Redaktion/mk

    33 Leserempfehlungen
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    ...niemand sollte einem anderen seinen Glauben ohne Einladung nahe bringen oder diesen zur Schau stellen.

    Besonders nicht in einem Umfeld in welchem andere NICHT insistieren dies zu tun.

    Ich würde dem jungen Mann empfehlen sich an die Regeln zu halten, sich ein Plätzchen, einen Raum zuweisen zu lassen, wo er ohne Störung des Schulablaufes beten kann.

    Dieses Gerichturteil ist lachhaft und zeigt wie schwer das deutsche Gewissen belastet ist und wie wenig Selbstbewußtsein wir als Nation haben.

    Ich habe bisher mit keinem Glauben irgendwelche Probleme gehabt, wenn die Grundregel beachtet wird, Glauben als Privatsache zu sehen.

    Nach bereits früher zu lesenden und im Berliner Radio zu hörenden Berichten haben der Kläger und Glaubensbrüder andere Muslime zum Beten nötigen, andererseits z. B. Mädchen, die kein Kopftuch trugen, die Teilnahme am Gebet verwehren wollen.

    Genau aus diesem Grunde wurde eine anfangs von der Schulleitung erteilte Genehmigung, einen Nebenraum zum Beten zu nutzen, schließlich widerrufen. Und genau aus diesem Grund hat das Gericht nun dieses Urteil gefällt. Zitat aus der Urteilsbegründung:
    "Nach den ... Feststellungen des Oberverwaltungsgerichts... waren an der vom Kläger besuchten Schule zwischen muslimischen Schülerinnen und Schülern teilweise sehr heftig Konflikte wegen des Vorwurfs ausgetragen worden, nicht den Verhaltensregeln gefolgt zu sein, die sich aus einer bestimmten Auslegung des Korans ergäben."

    http://www.juris.de/jport...

    Es ist ein sehr trauriges Bild, daß nicht nur die Forums-Teilnehmer sondern auch die "Profi-Kommentatoren" der meisten Tageszeitungen aus dem jetzigen Urteil eines über Grundsatzfragen machen wollen, wo es doch in erster Linie um einen konkreten Fall ging, in dem die Ausübung der Religion tatsächliche Probleme verursacht hat.

    • zelotti
    • 30. November 2011 19:39 Uhr

    Wenn ein radikaler Salafit seinen Sohn für einen Kreuzzug für Sonderrechte missbracht, dann ist es sehr wohl richtig, wenn die Gerichte auf eine solche Kampagne nicht herein fallen, insbesondere wenn andere Muslime an der Schule der Intoleranz dieser Glaubensrichtung ausgesetzt sind.

    "Der Islam ist Realität an Deutschlands Schulen. Wegen der vielen muslimischen Schüler können seine Rituale, Regeln und Institutionen und auch die Konflikte, die damit einhergehen, nicht mehr ignoriert werden. Der Islam muss in die Schulen integriert werden. "

    Nein, der Islam muss in das Grundgesetz integriert werden. Es ist Aufgabe sich anzupassen. Integration ist nicht die Aufgabe des Grundgesetzes oder der angestammten Bevölkerung, sondern dieser Glaubensrichtung. Die Art und Weise wie extremistische Interpretationen dieser Religion um sich greifen mit ihren konservativen Praktiken, ist erschreckend.

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    "Wenn ein radikaler Salafit seinen Sohn für einen Kreuzzug für Sonderrechte missbracht, dann ist es sehr wohl richtig, wenn die Gerichte auf eine solche Kampagne nicht herein fallen"

    Sonderrechte? Jeder Christ hat das Recht in seiner Schule zu beten. Bis vor wenigen Jahren wurde das in den Schulen sogar aktiv unterstützt und gefördert. Wenn man also Muslimen dasselbe Recht gewährt, handelt es sich nicht um ein Sonderrecht.

    Kreuzzug ist eine unglückliche Wortwahl in diesem Zusammenhang. Aber ganz davon abgesehen gäbe es gar keinen Raum für einen solchen "Kreuzzug", wenn jeder Religion dieselben Rechte eingeräumt würden.

    • Elite7
    • 01. Dezember 2011 2:44 Uhr

    hat jeden Tag ein Morgengebet in der Schule gesprochen und Sonntags wurde in die Kirche gegangen! Und noch heute wird bei meinen Großeltern ein Tischgebet gesprochen. Ist doch lächerlich in einem christlichen Land das Beten zu verbieten, wo wir doch selbst einen Haufen Bekenntnisschulen haben. Nur wenn eine islamische Bekenntnisschule eröffnen will, wie in Möchengladbach, dann müssen die sich sagen lassen, dass dort Terroristen ausgebildet werden sollen. Man kann es den Leuten aber auch nicht recht machen. Und wenn sich irgendjemand in der Schule daran stört, dass sein Mitschüler betet, dann hat der (Pardon!) doch wirklich nicht mehr alle Latten am Zaun. Ich jeden falls störe mich am Schulhof über andere Dinge, Mobbing, Gewalt, da ist ein Betender doch wirklich unser kleinstes Problem, der wird doch höchstens noch zum Mobbingopfer.

    • cvnde
    • 01. Dezember 2011 3:29 Uhr

    Jeder kann soll und darf seelig werden wie er will, solange er nicht gegen Strafgesetze verstößt.

    Was auf keinen Fall geduldet werden kann ist, dass sich dort "pseudo-klerikale" Machtstrukturen etabliert werden.
    Die solchen Herrschaften wie dem Kläger dann informelle Macht verleihen.

    passt nicht zum GG.

    • bugme
    • 01. Dezember 2011 10:07 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/sc

    1) Es gibt nicht "den" Islam, sondern mehrere Ausprägungen; Konservativ, liberal, orthodox, mystisch, usw.

    http://de.wikipedia.org/w...

    2) Das GG garantiert die Religionsfreiheit. Wenn Sie diese einschränken möchten, dann müssen vielmehr SIE und Ihresgleichen ins GG integriert werden!

    http://www.bundestag.de/d...

    3) Integration ist die Aufgabe aller Beteiligten. Tragen Sie das Ihrige dazu bei, indem Sie zunächst recherchieren, ehe Sie so ein BILD-Niveau-Klatsch einfach unkritisch reproduzieren!

    VG

    Sie schreiben: "...der Islam muss in das Grundgesetz integriert werden. ... Integration ist nicht die Aufgabe des Grundgesetzes oder der angestammten Bevölkerung, sondern dieser Glaubensrichtung." Was ist die Logik dieser Aussagen?

    Das Grundgesetz entstammt unserer Kultur und Tradition. Es definiert unsere Gesellschaft. Diese Gesellschaft gewährt Religionsfreiheit. Wer sich unserer Gesellschaft anschließen möchte, ist willkommen ohne seine eigene Religion aufgeben zu müssen. Er kann aber nicht verlangen, dass das Grundgesetz zu Gunsten seiner Religion geändert wird. Das geht nur, wenn unsere Gesellschaft als Ganzes dies als erforderlich sieht - ein demokratischer Prozess. Alle anderen Bestrebungen zur Änderung des Grundgesetzes sind klar als verfassungsfeindlich zu betrachten.

    Eine Glaubensrichtung muss sich ebensowenig integrieren. Es spricht nichts gegen Ko-Existenz. Das ist der Reiz unserer multikulturellen Gesellschaft. Integrieren müssen sich die Gläubigen, also die Menschen, die in unserer Gesellschaft leben wollen. Sie können ihrer Religion nacheifern, solange sie dadurch nicht in Konflikt mit dem Gesetz geraten. In diesem Falle würden sie unabhängig von ihrer Religion wie alle anderen vor Gericht behandelt.

    In Einem haben Sie hingegen Recht: Die zunehmende Tendenz, die gesellschaftlichen Normen und die Gesetze hier öffnen zu wollen ist erschreckend, insbesondere wenn man nach den Gründen fragt. Erliegen wir machtpolitischen oder wirtschaftlichen Interessen?

    "Nein, der Islam muss in das Grundgesetz integriert werden"

    Und im GG steht "Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“ Artikel 4 Absatz 2.

    Noch Fragen?

  3. .... "ist ein Zustand der Konfliktfreiheit und -bewältigung gemeint, der im Interesse der Verwirklichung des staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrags den ordnungsgemäßen Unterrichtsablauf ermögliche. Der Schulfrieden könne beeinträchtigt werden, wenn ein religiös motiviertes Verhalten eines Schülers religiöse Konflikte in der Schule hervorrufe oder verschärfe."

    Man sollte bedenken, dass das Urteil sich hier nur auf den konkreten Einzelfall bezieht und ist kein Generalurteil ist.

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  4. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/vn

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    • Harald4
    • 30. November 2011 22:13 Uhr

    Nachdem ich mir jetzt gerade ein volle Dröhnung B-movies aus Amiland reingezogen habe,
    ist das gedankliche Resultat folgendes:
    Wo wir auch hinblicken, welches vermeintliche Zeitdokument wir auch öffnen, wir sind von einer Horde Psychopathen umgeben, die uns in irgendeine Richtung zu schieben versuchen, die ihnen selbst nicht ganz klar zu sein scheint.
    Ich schlage deshalb vor, alles abzuschalten und wir schliessen uns dem listigen Zeitgenossen an, der einen Parkplatz nach Vico von Bülow benannt hat.
    Loriot würde sagen: Ach was

    • Crest
    • 30. November 2011 19:48 Uhr

    Genau das ist falsch.

    Religiösität ist autokatalytisch.

    C.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bundesverwaltungsgericht | Ethik | Gericht | Gymnasium | Islam | Islamunterricht
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