Religion in der Schule : Beten ist nicht ansteckend

Das Bundesverwaltungsgericht gibt einer Schule recht, die einem muslimischen Schüler das Beten verbietet. Doch Beten stört den Schulfrieden nicht. Ein Kommentar
Mehrere Jungen beten in einem Waisenhaus in der irakischen Hauptstadt Bagdad. © Spencer Platt/Getty Images

Yunus M. darf weiterhin nicht in seinem Gymnasium im Berliner Bezirk Wedding beten , wenn das muslimische Ritual den Schulfrieden stört. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in dritter und letzter Instanz entschieden. Die Richter gehen davon aus, dass der junge Muslim durch sein öffentliches Beten religiös motivierte Konflikte anheizen könnte, denn die gab es an der betroffenen Schule in der Vergangenheit. So hatte die Schulleiterin das Gebet einst verboten, weil sie befürchtete, andere Schüler könnten unter Druck gesetzt werden und alte Streitereien um das richtige Fasten und Kopftücher könnten an der Schule wieder  aufflammen.

So weit, so klar. Allerdings gibt das Urteil den Schulen keine konkreten Handlungsmuster vor, wie sie mit religiösen Ritualen und Konflikten umgehen können. Vielmehr betonte das Gericht: Die Religionsfreiheit gilt weiter. Eine Schule dürfe ohne Not kein generelles Bet-Verbot aussprechen und ein solches auch nicht damit begründen, dass andere Schüler von religiösen Ritualen oder Symbolen verschont werden müssen. Wenn ein muslimischer Schüler bete, beziehe die Schule deshalb weder Position noch gefährdet sie ihre Neutralität. Ein Verbot dürfe nur ausgesprochen werden, wenn der Schulfrieden in Gefahr sei.

Doch gerade diese Argumentation mutet seltsam an: Ist der Schulfriede tatsächlich gefährdet, bloß weil sich ein paar Jugendliche in der Pause für einige Minuten gen Mekka neigen? Fühlt sich jemand provoziert, wenn ein christliches Kind vor seinem Pausenbrot die Hände faltet und ein Tischgebet murmelt? Wohl kaum. Und umgekehrt gilt: Wenn es an einer Schule Konflikte um muslimische Pflichten und Zwänge gibt, dann verschwinden diese auch durch ein Bet-Verbot nicht.

Turnhallen mussten nicht zu Gebetsräumen umfunktioniert werden

Ohnehin haben die meisten Schulen keine schlechten Erfahrungen gemacht, wenn sie Schülern mit pragmatischen Lösungen das Beten ermöglichten. Die Schulleiterin des Weddinger Gymnasiums hatte ihr Verbot auch damit begründet, dass zu viele Yunus' Beispiel folgen könnten und die Schule nicht genügend Rückzugsräume zur Verfügung stellen könnte. Die Beispiele anderer Schulen aber zeigen: Beten ist nicht ansteckend, wenn man kein großes Thema daraus macht. Nirgends mussten Turnhallen zu Gebetsräumen umfunktioniert werden. Angeblich ist nicht einmal Yunus M. ständig beten gegangen, als es ihm nach dem erstinstanzlichen Urteil erlaubt wurde.

Das seltsame Nein-aber-Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes verdeckt, dass es in Wahrheit ein viel größeres Thema hinter der Aufregung um zehn Minuten Niederknien steckt. Der Islam ist Realität an Deutschlands Schulen. Wegen der vielen muslimischen Schüler können seine Rituale, Regeln und Institutionen und auch die Konflikte, die damit einhergehen, nicht mehr ignoriert werden. Der Islam muss in die Schulen integriert werden. Wie das aber geschehen soll, ist hoch umstritten.

Gut wäre es, den überaus schwierigen Weg für einen bekennenden Islamunterricht zu ebnen. Besser wäre es, den bekennenden Religionsunterricht an staatlichen Schulen generell zu hinterfragen: Religionen sind in einem wissensorientierten Ethikunterricht viel besser aufgehoben als in einem von den Kirchen kontrollierten. Hier wäre auch der Ort, die Konflikte zu thematisieren, die an einer Schule entstehen, wenn religiöse Überzeugungen andere in ihrer Freiheit einschränken. Sie verschwinden jedenfalls nicht, wenn man einem Schüler das Beten verbietet.

Auch das Bundesverwaltungsgericht stellt in seinem Urteil fest , dass die "Schule gehalten ist, weltanschauliche Zusammenhänge unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Realitäten zu vermitteln, ohne sie in die eine oder andere Richtung einseitig zu bewerten." Würde der Religionsunterricht durch Ethik ersetzt, würden religiöse Symbole und Rituale nicht aus der Schule verschwinden, sie wären aber viel klarer als eine sehr private Angelegenheit zu erkennen.

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Kommentare

534 Kommentare Seite 1 von 56 Kommentieren

GEGENVORSCHLAG

"Würde der Religionsunterricht durch Ethik ersetzt, würden religiöse Symbole und Rituale nicht aus der Schule verschwinden, sie wären aber viel klarer als eine sehr private Angelegenheit zu erkennen."

WARUM NICHT eine Einführung in ALLE Religionen für ALLE, vermittelt von von den Glaubensgemeinden selbst ausgesuchten Vertretern?

Was ist so schlimm daran, wenn ein Christ oder ein Atheist lernt, worum es in Synagoge, Moschee oder Buddha-Tempel geht? Wie dort gebetet wird, welche Feste man dort feiert? - Und umgekehrt natürlich! Auch dem Moslem schadet Wissen über das Christentum und allen Gläubigen eines über die verschiedenen Formen des Skeptizismus und Atheismus nicht; ebensowenig sollte ein Atheist auf Kenntnis dessen verzichten, was er ablehnt.

Oder hat man Angst davor, die Jugend könnte beginnen, sich auf dem Markt der Weltanschauungen selbständig einzudecken und womöglich vom einen Stand dies und vom anderen jenes nehmen? Was anderes aber bedeutet Freiheit, RELIGIONSFREIHEIT?

Kommentar zum Gegenvorschlag

Ich finde eigentlich klingt das ziemlich gut, aber hat meiner Meinung nach eine großen Macke:
Mit so einer oberflächlichen Einführung stärkt man gerade die Weltanschauungen, die selbst ziemlich oberflächlich sind. Wer eben keine einfachen Antworten bietet, wessen Standpunkt eben nicht in wenigen Sätzen beschrieben werden kann, der verliert.
Eine Einführung für alle finde ich trotzdem nicht schlecht, wobei wirkliche ALLE Religionen vorzustellen sicher nicht praktikabel ist und es müsste ein sinnvoller Weg gefunden werden, wie mit unterschiedliche Richtungen umgegangen wird. Was macht man beispielsweise mit Lutheraner, Evangelikalen und Katholiken? Sie haben doch teils stark abweichende Positionen.
Und es muss meines Erachtens trotzdem eine Möglichkeit geben, eine Religion auch im Detail kennenzulernen.

Alle Religionen !

Aber selbstverständlich auch die Religion von Bobby Henderson! ALso die "Church of the Flying Spagettimonster"

siehe: http://www.venganza.org/

Das ist eine der vernünftigsten Weltreligionen!

Und außerdem sollte man auch an das Gedankengut von Epikur denken:

Wenn Gott das Gute nicht durchsetzen kann: ist er dann allmächtig?

Wenn Gott das Gute nicht durchsetzen will: ist er dann nicht bösartig?

Wenn Gott das Gute durchsetzen will und kann: woher kommt dann das ganze Übel auf dieser Welt?

Und wenn Gott weder das Gute als Ziel hat noch durchsetzen will, - warum beten wir ihn dann an?

Wer legt fest, welche Glaubensgemeinschaften teilnehmen dürfen?

Leider ist die Welt nicht so einfach.
In den großen Weltreligionen gibt es Strömungen, die sich nicht besonders grün sind. Welches Richtung sollte man dort nehmen? Allein beim Christentum und Islam kommt man locker auf 10 verschiedene Richtungen.

Wie sähe es denn mit den kleinen Glaubensgemeinschaften aus, die gerne als "Sekte" diffamiert werden? Auch mal Zeugen Jehovas oder Scientology gefällig?

Religion gehört nicht in die Schule.

Eine sehr gute Anregung, finde ich.....

....würde aber die Ethik/Religionsausbildung keinesfalls dem Staat erlauben noch ihm gestatten wollen vorzuschreiben, wie solche Ausbildung aussehen sollte noch welche Inhalte zu vermitteln wären. Dh, wenn des sich um einen säkularen Staat handeln soll. Wenn Deutschland allerdings kein säkularer Staat ist, ist es völlig normal, dass er Ethik- und Religionsunterricht bestimmt oder die Ausübung mancher Religionen verbietet.

Lustig vielfältige Schulflure

"Und es muss meines Erachtens trotzdem eine Möglichkeit geben, eine Religion auch im Detail kennenzulernen."

Das soll ja auch nicht verhindert, warum aber an öffentlichen Schulen eine bekenntnisorientierte Erziehung zu irgend einer Religion? Es ist ja das Bekenntnis der Eltern. Das hat weder etwas mit Allgemeinbildung, noch mit einer Vorbereitung auf Berufstätigkeit zu tun.
Außerdem werden auch keine Detaills unterrichtet in Sport und Musik.
Ich kann auch keinen Reitunterricht an Schulen erwarten oder Klavierunterricht auf Kosten der Allgemeinheit.

Ich würde es begrüßen, wenn wir mit dem Thema Religion entspannter umgehen könnten. Ob und warum jemand auf welche Weise auch immer mit seinem gelaubten Gott zu kommunizieren wünsch, kann einfach egal sein. Die Religionsfreiheit hat sich aber den allgemeinen Pflichten an Schulen unterzuordnen.
Es gibt Regeln an der Schule, die für alle gleichermaßen zu gelten haben und es gibt überhaupt keinen sachlichen Grund für religiöse Sonderrechte.
Die religiösen Sonderrechte sind es, um die es doch bei Streit meistens geht. Das Sonderrecht, z.B. aus religiösen Gründen am gemeinschaftlichem Schwimmunterricht NICHT teilzunehmen. Es geht um ein Aushebeln allgemeiner und gleicher (Schul)pflichten mit religiösen Begründungen.
Extraräume, Befreiung für religiöse Feiertage, Befreiung sogar von nichtgenehmem Biologieunterricht....

Ob nun jemand auf dem Schulflur in der Pause betet u. kniet oder singt u. Handstand macht : es ist tolerierbar

Warum nicht?

Weil's das schon gibt, nennt sich Ethik. Klar, kommt wahrscheinlich aufs Bundesland an, aber sinnvoll aufgezogen ist Ethik genau das und mehr. Gut, das mit den Glaubensvertretern ist so ne Idee und die Weltreligionen sind nur ein Teil des Ganzen, aber es kommt immerhin zu einer allgemeinen Einführung in die großen Weltreligionen. Dass die nicht alle in der 5. Klasse drankommen ist ja auch klar. Soll es etwa ein komplettes Fach geben, in dem Schüler nur Religionen büffeln, die mit ihrer eigenen Lebensrealität nichts zu tun haben? Tiefere religiöse Bildung sollten wirklich die einzelnen Glaubensgemeinschaften machen. Schließlich wird Unterrichtszeit vom Staat bezahlt - und der soll bitte weder Religionen subventionieren noch anderweitig die Staat/Religion-Trennung aufbrechen!

Zu Ihrem Gegenvorschlag:

Lieber Herr Neunmüller,

nichts ist schlimm an Ihrem Vorschlag, nur er ist bereits umgesetzt!

Ein wahlloses Bsp.: Der Lehrplan für ev. Religionsunterricht (RU) an Grundschulen in NRW sieht eine Beschäftigung mit anderen Religionen explizit vor, etwa auf den Seiten 155ff. Judentum & Islam. Der Lehrplan formuliert unmissverständlich die Schülerkompetenz, die sich im Rahmen des RU herauszubilden hat, nämlich "Menschen anderer Religionen mit Respekt und Toleranz" zu begegnen (S. 157).

Also niemand hat "Angst" vor anderen Religionen. Angst vor Religion haben i.d.R. hierzulande weniger die religiösen Menschen.

Sodann ist RU auch kirchlich gebundener Werteunterricht. Als solcher (!) ist er garantiertes Verfassungsgut (Art. 7,3 GG; vgl. auch z.B. Landesverfassung NRW: "Ehrfurcht vor Gott [...] zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung." (Art. 7,1).)

Der Staat enthält sich einer rein staatl. Wertevermittlung weil er weiß, dass gesellsch. Gruppen besser Werte vermitteln können. (Dies müssen i.Ü. nicht nur Kirchen sein!)

Ein Staat, der anderen Gruppen dies in den Grenzen der Gesetze zubilligt, ist weniger totalitätsanfällig. Überdies wird so authentisch abgebildet, dass Werte nicht von oben vom Staat 'gemacht werden', sondern von der Gesellschaft und gesellsch. Gruppen.

Deshalb gibt es RU, wie es auch atheistischen Werteunterricht und andere gleichberechtigte Fächer gibt, von denen eine Abmeldung jederzeit möglich ist.

Herzlichst
am Rande

Ihren Vorschlag gibt es (wie erwähnt) schon,

eben im Ethik-Unterricht. Anders ist er nicht umsetzbar, weil sie nicht einfach irgendwelche Leute in den Unterricht stellen können.

Die Lehrerausbildung umfasst nicht umsonst mehrere Jahre und man kann nicht einfach irgendwelche Gläubigen hineinstellen, die von irgendwelchen Religionsgemeinschaften (die es als solche oft gar nicht gibt, z.B. Atheisten und selbst Muslime) ausgewählt worden sind. Der Ethik-Lehrer studiert genau deswegen Philosophie mit Schwerpunkt Ethik (=Moralphilosophie) und Vergleichende Religionswissenschaften, um diese Erziehung zu vermitteln.

Überprüfen Sie selbst einmal Ihren Vorschlag

Und fangen Sie einmal mit etwas leichterem an: einem christilichen Einheitsreligionsunterricht. Momentan haben Katholiken und Evangelische einen getrennten Religionsunterricht. Wer fühlt sich berufen eine äquidistante Einführung in beide Konfessionen zu geben? Und da wollen Sie dasselbe für alle Religionen?

Abgesehen davon verstehe ich das Problem so ganz nicht. Im katholischen Bayern wurden bei uns im Religionsunterricht alle Hochreligionen behandelt, anhand ausgesuchter Texte. War Teil des Lehrplans.

Ich stelle die Gegenfrage unter dem Gesichtspunkt..

..staatlicher Neutralitätswahrung. In staatlichen Bildungseinrichtung sollte konsequent im Rahmen unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung der spezifische Religionsunterricht eliminiert werden und durch das neutrale Fach Ethik (ohne religiöse Fundamentalfärbung)verbleiben.
Ja, "Religion für ALLE (die dies wünschen) vermittelt von den Glaubensgemeinschaften in deren Kulträumlichkeiten und zwar außerhalb des Schulbetriebes. In der Freizeit eben ein bisschen weniger Balett, Klavierunterricht oder Fußball, dafür eben Religon (nach Wunsch) ...

Sie plädieren für eine laizistische...

... Rechtsordnung. Darüber kann man gerne diskutieren, ist aber eine andere Baustelle. Fakt ist: Deutschland ist kein laizistischer Staat, beansprucht auch gar nicht, ein solcher zu sein. So lange dies so ist, hat sich die Rechtssprechung und -praxis an der bestehenden Verfassungswirklichkeit zu orientieren. Und was in diesem Kontext gar nicht geht: willkürlicher Wechsel zwischen laizistischer und schlicht säkularer Praxis, in Abhängigkeit davon, wie unliebsam eine Religion im gesellschaftspolitischen Ranking ist.

Vergleichender Religionsunterricht

Ich bin selbst Atheist und hätte es mir - rückwirkend betrachtet - sehr gewünscht, mehr über andere Religionen im Schulunterricht zu lernen, und nicht nur die paar Stunden im Ethikunterricht.
Das Verständnis für andere Religionen, besonders das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten, ist meiner Meinung nach eine wichtige Voraussetzung für ein respektvolles Zusammenleben und damit indirekt auch integrationsfördernd.

Ich denke nicht, dass man von der Kath. Kirche

die Toleranz und Aufgeschlossenheit erwarten kann, zusammen mit Vertretern anderer Konfessionen eine Art religiösen Aufklärungsunterrichts zu geben. Die sind ja noch nicht einmal zu einem ökumenischen Gottesdienst mit Protestanten in der Lage, geschweige denn zu gemeinsamen Aktionen mit dem verhassten Islam. Der Papst würde solche Aktivisten unverzüglich abmahnen lassen.

Hinaus aus den Schulen mit diesen Predigern der Intoleranz, und sie sollen ihre Kruzifixe gleich mitnehmen. Behelligen wir nicht weiter unsere Kinder mit Heilslehren, die sich auf albernen und unbewiesenen Behauptungen aufbauen und sich bei näherem Hinsehen als nichts anderes als ein unmoralisches Geschäftsmodell entpuppen: Die Schäfchen erst entmündigen und verängstigen, dann die Hand aufhalten und "Beistand" bieten.

Dialog

xpeten: "Ich denke nicht, dass man von der Kath. die Toleranz und Aufgeschlossenheit erwarten kann, zusammen mit Vertretern anderer Konfessionen eine Art religiösen Aufklärungsunterrichts zu geben. Die sind ja noch nicht einmal zu einem ökumenischen Gottesdienst mit Protestanten in der Lage, geschweige denn zu gemeinsamen Aktionen mit dem verhassten Islam. Der Papst würde solche Aktivisten unverzüglich abmahnen lassen."

Sehe ich nicht so, ich glaube sie haben dort eine einseitige Sicht. Die Katholiken suchen den Dialog mit den Muslimen. Googeln Sie doch einfach mal nach "Dialog Muslime Katholiken".

Papst Benedikt XVI. hat am Morgen Vertreter des Islam getroffen. Er rief dazu auf, „beständig daran zu arbeiten, sich gegenseitig besser kennenzulernen und zu verstehen“. Muslime gehören für den Papst längst zur deutschen Realität.
http://www.faz.net/aktuel...
Der Islam ist eine positive Herausforderung:
http://www.kath.net/detai...
christlich-islamische Begegnungs und Dokumentationsstelle
http://www.cibedo.de/

Ich denke, eine einseitige Sicht können Sie mir nicht vorwerfen.

Solange die Kath. Kirche das Dogma vertritt, nur ihr Gott und ihr "Glaube" sei der einzig rechte, ist das "kennenlernen und gegenseitige verstehen wollen" anderer Glaubensrichtungen wohl eher Lippenbekenntnis.

Zu einer friedlichen Kooperation mit anderen Religionen sind Religiöse einfach nicht fähig, Aus- und Abgrenzung sind für sie genauso unverzichtbar wie die Feindbilder Anders- oder Ungläubiger. Zudem stehen die verschiedenen Kirchen ja auch in einer wirtschaftlichen Konkurrenzsituation zueinander, durch das von den Kirchen unterwanderte Staatsgefüge wird dies in Deutschland besonders deutlich.

doch ist etwas einseitig betrachtet

xpeten: "Solange die Kath. Kirche das Dogma vertritt, nur ihr Gott und ihr "Glaube" sei der einzig rechte, ist das "kennenlernen und gegenseitige verstehen wollen" anderer Glaubensrichtungen wohl eher Lippenbekenntnis."

Dieses Dogma ist eine Eigenschaft aller monotheistischen Religionen, betrifft also genauso Muslime und Juden. Dennoch bestehen etliche Gemeinsamkeiten, schließlich ging das Christentum aus dem Judentum hervor und Islam wiederum aus dem Christentum. Es existieren also genügend Berührungspunkte für einen interreligiösen Dialog.

http://www.anawati-stiftu...

Wer faselt?

xpeten: "Dann möge man bei den Katholiken damit aufhören, von Leitkultur zu faseln und Anders- und Nichtgläubige als Bedrohung und Verirrte darzustellen."

An Ihrer Stelle würde ich mich erst einmal unvoreingenommen informieren, bevor ich so einen Satz, wie den obigen, verfassen würde. Vielleicht gibt Ihnen der folgende Link mit einem ganz praktischen Beispiel einen kleinen Denkanstoß:

http://de.qantara.de/Kath...

Auch äußern Sie sich wieder einseitig, wie betrachten denn Muslime die Anders- und Ungläubigen?

Sie gehören doch zu dem Club, der sich für etwas besseres

und für aufgeklärt hält. Dann geben Sie Ihren andersgläubigen Konkurrenten doch mal ein bisschen Zeit, Ihr Verein hat ja auch von einem Leben in einer aufgeklärten Gesellschaft profitiert.
Es gibt keine Argumente für religiöse Ausgrenzung, daher können Sie hier auch nichts anderes machen, als den Spieß herumzudrehen: "Wie betrachten denn die Muslime.." Sie sind doch keinen Deut besser, oder anders.

Ich benötige im Übrigen Ihre "Denkanstöße" nicht, ich bin zum Glück nicht auf religiöse Abwege geraten und bin da auch immun. Bleiben Sie mir also mit Ihren Links und Ihrer Agitation vom Leib.

leider uneinsichtig

Sie gehören doch zu dem Club, der sich für etwas besseres und für aufgeklärt hält. Dann geben Sie Ihren andersgläubigen Konkurrenten doch mal ein bisschen Zeit, Ihr Verein hat ja auch von einem Leben in einer aufgeklärten Gesellschaft profitiert.

Etwas anderes als Mutmaßungen, Unterstellungen und Provokation fällt Ihnen wohl nicht mehr ein? Was auch sonst, logische Argumente haben Sie ja keine. Ihre Argumentation scheint sich allein auf Abneigung gegenüber der christlichen Kirche zu begründen. Versucht man dann rein objektiv etwas Licht in das eingeschränkte Weltbild zu bringen und weist auf den interreligiösen Dialog zwischen Muslimen und Christen hin, wird man beschimpft und muß natürlich ein böser abwegiger Christ sein:

Ich benötige im Übrigen Ihre "Denkanstöße" nicht, ich bin zum Glück nicht auf religiöse Abwege geraten und bin da auch immun. Bleiben Sie mir also mit Ihren Links und Ihrer Agitation vom Leib.

Ja, ihre Ansichten strotzen nur so von Aufgeschlossenheit und Toleranz... Ist diese Einstellung jetzt bezeichnend für Atheisten? Nein! Ich empfinde ihre Einstellung als intolerant und einseitig: im Falle des Islam ist Religiosität für Sie etwas Gutes und wenn es sich um das Christentum handelt etwas Schlechtes. Auf sachliche Argumente gehen Sie leider nicht ein sondern werden anmaßend. Da erübrigt sich jede weitere Diskussion.

Die Kirche im Dorf lassen

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hatte die Schule dem Kläger einen Gebetsraum zur Verfügung gestellt, den er aber kaum genutzt hat. Stattdessen wollte er sich das Recht erstreiten, auf dem Flur beten zu dürfen. Mir stellt sich hier die Frage: Was wollte er wirklich? Wollte er beten oder provozieren? Letzteres passt zu seinem Vorgehen: Statt sich zum Beten zurückzuziehen, stritt er durch mehrere Instanzen.

Seine Gebete dürfen die Hausordnung und den Schulfrieden ebenso wenig stören, wie alle anderen "Veranstaltungen" auch. Das hat mit Religionsfreiheit herzlich wenig zu tun, die ist ihm nicht verwehrt - er wollte sie nur so nicht haben.

Eigentlich sollte man Leuten wie Ihnen ja immer das letzte Wort

lassen, aber, in diesem Fall hier ist es wieder so schön bezeichnend:

Da werfen Sie mir "Anmaßung" vor, übermitteln mir aber kurz zuvor Ihre "Denkanstöße", das finden Sie nicht anmaßend? Haben Sie als Hobbymissionar da andere Rechte?

Sie können meine Ansichten meinetwegen finden, wie Sie gerne möchten, trotzdem: Sie haben hier pro Ihrer islamfeindlichen Ansichten (selbstverständlich) kein einziges Argument liefern können, insofern ist es lachhaft, dass Sie hier den Beleidigten geben, wenn Sie an jemanden geraten, den Sie mit Ihren nur allzu durchsichtigen Missionierungsversuchen nicht hinters Licht führen können.

Religion in der Schule: Reichskonkordat 1933

Als Reichskonkordat wird der am 20. Juli 1933 zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich
geschlossene Staatskirchenvertrag bezeichnet. In ihm wurde das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und der
römisch-katholischen Kirche geregelt. Es wird auch heute noch für die Bundesrepublik Deutschland als gültig
betrachtet (Zitat Wikipedia).
Im Reichskonkordat arrangierte sich die Katholische Kirche mit den Machthabern des 3. Reiches; darin wird unter anderem festegelgt, dass "Katholischer Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach. (Artikel 21)" in Schulen wird.
Diese Konkordat wurde auch nach 1949 nicht geändert, sodass wir heute, noch über 65 Jahre nach dem Ende der Hitlerdiktatur, diese Regelung haben.
Ich bin auch der Überzeugzng, dass Religion als Lehrfach in der Schule, wie in Frankreich, nichts zu suchen hat; den Schülern sollten ethischen Grundlagen des Zusammanlebens gelernt werden, die später dann durch einen Philosophiekurs ergänzt werden.

Was stimmt denn jetzt?

Gerade habe ich noch in den Medien gelesen, das Gericht habe dem Kläger in diesem besonderen Fall nicht Recht gegeben, weil die betende Gruppe andere Muslime an der Schule dazu genötigt habe, sich ihnen anzuschließen. Das ist eine ganz andere Situation als die im Artikel dargestellte und bei weitem nachvollziehbarer..

Bitte belegen Sie Ihre Aussagen mit Quellen. Danke, die Redaktion/mk

Religion ist Privatsache...

...niemand sollte einem anderen seinen Glauben ohne Einladung nahe bringen oder diesen zur Schau stellen.

Besonders nicht in einem Umfeld in welchem andere NICHT insistieren dies zu tun.

Ich würde dem jungen Mann empfehlen sich an die Regeln zu halten, sich ein Plätzchen, einen Raum zuweisen zu lassen, wo er ohne Störung des Schulablaufes beten kann.

Dieses Gerichturteil ist lachhaft und zeigt wie schwer das deutsche Gewissen belastet ist und wie wenig Selbstbewußtsein wir als Nation haben.

Ich habe bisher mit keinem Glauben irgendwelche Probleme gehabt, wenn die Grundregel beachtet wird, Glauben als Privatsache zu sehen.

Genau das ist passiert: der Schulfrieden w u r d e gestört:

Nach bereits früher zu lesenden und im Berliner Radio zu hörenden Berichten haben der Kläger und Glaubensbrüder andere Muslime zum Beten nötigen, andererseits z. B. Mädchen, die kein Kopftuch trugen, die Teilnahme am Gebet verwehren wollen.

Genau aus diesem Grunde wurde eine anfangs von der Schulleitung erteilte Genehmigung, einen Nebenraum zum Beten zu nutzen, schließlich widerrufen. Und genau aus diesem Grund hat das Gericht nun dieses Urteil gefällt. Zitat aus der Urteilsbegründung:
"Nach den ... Feststellungen des Oberverwaltungsgerichts... waren an der vom Kläger besuchten Schule zwischen muslimischen Schülerinnen und Schülern teilweise sehr heftig Konflikte wegen des Vorwurfs ausgetragen worden, nicht den Verhaltensregeln gefolgt zu sein, die sich aus einer bestimmten Auslegung des Korans ergäben."

http://www.juris.de/jport...

Es ist ein sehr trauriges Bild, daß nicht nur die Forums-Teilnehmer sondern auch die "Profi-Kommentatoren" der meisten Tageszeitungen aus dem jetzigen Urteil eines über Grundsatzfragen machen wollen, wo es doch in erster Linie um einen konkreten Fall ging, in dem die Ausübung der Religion tatsächliche Probleme verursacht hat.

@ Nr. 262

Sie zitieren das BVerwG: "Nach den ... Feststellungen des Oberverwaltungsgerichts... waren an der vom Kläger besuchten Schule zwischen muslimischen Schülerinnen und Schülern teilweise sehr heftig Konflikte wegen des Vorwurfs ausgetragen worden, nicht den Verhaltensregeln gefolgt zu sein, die sich aus einer bestimmten Auslegung des Korans ergäben.

http://www.juris.de/jport..."

Wichtig ist hier der Passus - und das würde hoffentlich für alle religionen gelten: " ... teilweise sehr heftig Konflikte wegen des Vorwurfs ausgetragen worden, nicht den Verhaltensregeln gefolgt zu sein, die sich aus einer bestimmten Auslegung des Korans ergäben..."

Mit anderen Worten: Wer seine Religionsfreiheit dazu missbraucht, die der anderen zu beschneiden, kann sich eben nicht auf sie berufen. Ganz simpel und ein klares Votum.

Scheinheiliger Kommentar

Wenn ein radikaler Salafit seinen Sohn für einen Kreuzzug für Sonderrechte missbracht, dann ist es sehr wohl richtig, wenn die Gerichte auf eine solche Kampagne nicht herein fallen, insbesondere wenn andere Muslime an der Schule der Intoleranz dieser Glaubensrichtung ausgesetzt sind.

"Der Islam ist Realität an Deutschlands Schulen. Wegen der vielen muslimischen Schüler können seine Rituale, Regeln und Institutionen und auch die Konflikte, die damit einhergehen, nicht mehr ignoriert werden. Der Islam muss in die Schulen integriert werden. "

Nein, der Islam muss in das Grundgesetz integriert werden. Es ist Aufgabe sich anzupassen. Integration ist nicht die Aufgabe des Grundgesetzes oder der angestammten Bevölkerung, sondern dieser Glaubensrichtung. Die Art und Weise wie extremistische Interpretationen dieser Religion um sich greifen mit ihren konservativen Praktiken, ist erschreckend.

Kein Sonderrecht

"Wenn ein radikaler Salafit seinen Sohn für einen Kreuzzug für Sonderrechte missbracht, dann ist es sehr wohl richtig, wenn die Gerichte auf eine solche Kampagne nicht herein fallen"

Sonderrechte? Jeder Christ hat das Recht in seiner Schule zu beten. Bis vor wenigen Jahren wurde das in den Schulen sogar aktiv unterstützt und gefördert. Wenn man also Muslimen dasselbe Recht gewährt, handelt es sich nicht um ein Sonderrecht.

Kreuzzug ist eine unglückliche Wortwahl in diesem Zusammenhang. Aber ganz davon abgesehen gäbe es gar keinen Raum für einen solchen "Kreuzzug", wenn jeder Religion dieselben Rechte eingeräumt würden.

Noch meine Großmutter

hat jeden Tag ein Morgengebet in der Schule gesprochen und Sonntags wurde in die Kirche gegangen! Und noch heute wird bei meinen Großeltern ein Tischgebet gesprochen. Ist doch lächerlich in einem christlichen Land das Beten zu verbieten, wo wir doch selbst einen Haufen Bekenntnisschulen haben. Nur wenn eine islamische Bekenntnisschule eröffnen will, wie in Möchengladbach, dann müssen die sich sagen lassen, dass dort Terroristen ausgebildet werden sollen. Man kann es den Leuten aber auch nicht recht machen. Und wenn sich irgendjemand in der Schule daran stört, dass sein Mitschüler betet, dann hat der (Pardon!) doch wirklich nicht mehr alle Latten am Zaun. Ich jeden falls störe mich am Schulhof über andere Dinge, Mobbing, Gewalt, da ist ein Betender doch wirklich unser kleinstes Problem, der wird doch höchstens noch zum Mobbingopfer.

Tragen Sie das Ihrige dazu bei!

1) Es gibt nicht "den" Islam, sondern mehrere Ausprägungen; Konservativ, liberal, orthodox, mystisch, usw.

http://de.wikipedia.org/w...

2) Das GG garantiert die Religionsfreiheit. Wenn Sie diese einschränken möchten, dann müssen vielmehr SIE und Ihresgleichen ins GG integriert werden!

http://www.bundestag.de/d...

3) Integration ist die Aufgabe aller Beteiligten. Tragen Sie das Ihrige dazu bei, indem Sie zunächst recherchieren, ehe Sie so ein BILD-Niveau-Klatsch einfach unkritisch reproduzieren!

VG

Was treibt uns hier um?

Sie schreiben: "...der Islam muss in das Grundgesetz integriert werden. ... Integration ist nicht die Aufgabe des Grundgesetzes oder der angestammten Bevölkerung, sondern dieser Glaubensrichtung." Was ist die Logik dieser Aussagen?

Das Grundgesetz entstammt unserer Kultur und Tradition. Es definiert unsere Gesellschaft. Diese Gesellschaft gewährt Religionsfreiheit. Wer sich unserer Gesellschaft anschließen möchte, ist willkommen ohne seine eigene Religion aufgeben zu müssen. Er kann aber nicht verlangen, dass das Grundgesetz zu Gunsten seiner Religion geändert wird. Das geht nur, wenn unsere Gesellschaft als Ganzes dies als erforderlich sieht - ein demokratischer Prozess. Alle anderen Bestrebungen zur Änderung des Grundgesetzes sind klar als verfassungsfeindlich zu betrachten.

Eine Glaubensrichtung muss sich ebensowenig integrieren. Es spricht nichts gegen Ko-Existenz. Das ist der Reiz unserer multikulturellen Gesellschaft. Integrieren müssen sich die Gläubigen, also die Menschen, die in unserer Gesellschaft leben wollen. Sie können ihrer Religion nacheifern, solange sie dadurch nicht in Konflikt mit dem Gesetz geraten. In diesem Falle würden sie unabhängig von ihrer Religion wie alle anderen vor Gericht behandelt.

In Einem haben Sie hingegen Recht: Die zunehmende Tendenz, die gesellschaftlichen Normen und die Gesetze hier öffnen zu wollen ist erschreckend, insbesondere wenn man nach den Gründen fragt. Erliegen wir machtpolitischen oder wirtschaftlichen Interessen?