Video-Überwachung Kameras lösen keine Probleme

Der CDU-Politiker Altmaier plädiert für Videokameras in Schulen. Der Sozialforscher Nils Zurawski sieht die Gefahren und meint: Dicke Schlösser schrecken ebenso gut ab.

ZEIT ONLINE: Herr Zurawski, der CDU-Politiker Peter Altmaier spricht sich auf Twitter für die Video-Überwachung unter anderem auch an Schulen aus. Er glaubt, dass Schwache neben anderen Maßnahmen so vor Gewalt geschützt werden können. In welchen Fällen können Kameras in der Schule sinnvoll sein?

Nils Zurawski: Sinnvoll ist die Video-Überwachung, wenn kein Schüler und kein Lehrer mehr auf dem Gelände ist und wenn in der Schule zuvor oft eingebrochen wurde. Kameras an den Eingängen schrecken Diebe erwiesenermaßen ab. Wenn sie doch einbrechen, können die Bilder helfen, sie zu fassen. Auch an Fahrradständern hat man gute Erfahrungen gemacht. Denn hier geht man nur kurz hin, um sein Fahrrad zu holen. Keiner fühlt sich durch die Kameras sonderlich überwacht. Dicke Schlösser haben allerdings eine ähnlich gute Wirkung.

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ZEIT ONLINE: Helfen Kameras auch gegen Diebstahl und Zerstörung unter den Schülern?

Nils Zurawski

Nils Zurawski, Jahrgang 1968, lehrt Soziologie an der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Gewalt und Konfliktforschung sowie Informations- und Kommunikationstechnologien.

Zurawski: Mir ist als Jugendlicher mal meine Lieblingslederjacke während des Turnunterrichts geklaut worden. Aber will ich deshalb Videokameras in Umkleideräumen? Jugendliche in der Pubertät möchten das sicher nicht. Abschließen ist also wieder die bessere Lösung

ZEIT ONLINE: Was ist also mit den Schwächeren, von den Peter Altmeier spricht? Können Kameras in der Schule vor Gewalt oder Mobbing schützen?

Zurawski: Schwächere schützt man auf diese Weise nicht. Oder man müsste die Kameras überall aufstellen – und alle ständig überwachen. Wie weit will man aber damit gehen: Kameras auf dem Pausenhof, in den Klassenräumen, auf dem Weg zur Schule, auf dem Klo? Das geht rechtlich schon gar nicht. Es gibt den Schutz der Intimsphäre. Kameras dürfen nur im öffentlichen Raum angebracht werden. Und sollten nicht auch Kinder das Recht an ihrem eigenen Bild haben?

ZEIT ONLINE: Und wenn man die Kameras nur an einigen, ausgewählten Orten aufstellt? 

Zurawski: Dann verlagert sich die Gewalt einfach an einen Ort, an dem nicht gefilmt wird. Bekämpfen kann man Mobbing und Gewalt besser mit anderen Maßnahmen: Mit mehr Lehrern, die die Zeit finden, ein Auge auf ihre Pappenheimer zu haben und mit einer vertrauensvollen, bewussten Atmosphäre, in der alle den Mund aufmachen, wenn etwas Unrechtes geschieht.

ZEIT ONLINE: Aber Kameras schrecken doch in jedem Fall ab?

Zurawski: Manchmal ja – aber meist nur kurzfristig. Denn der Effekt nutzt sich schnell ab. Sobald einmal etwas passiert ist, ohne dass es Konsequenzen hatte, ist der Effekt ganz weg. In dem Zusammenhang stellt sich die Frage: Wer kontrolliert all die Aufnahmen? Das Material und die Auswertung sind teuer und je mehr Kameras man hat, desto mehr Material muss man sichten. Gerade gegenüber Kindern ist es extrem wichtig, schnell einzugreifen. Zwei Wochen später weiß keiner mehr, was passiert ist, oder die Streitenden haben sich längst vertragen. Wenn die Aufnahmen, wie das oft die Praxis ist, schnell überschrieben werden, kann man beispielsweise Mobbing-Fälle meist nicht mehr nachweisen, weil die betroffenen Schüler oft lange brauchen, bis sie sich anvertrauen. 

Leser-Kommentare
  1. Für solchen Überwachungsfirlefanz scheint immer Geld da zu sein. Sinnvoller wäre es das Geld, wie im Interview erwähnt, für mehr Lehrer auszugeben. So kann man auch den Unterrichtsfall und den Burn-out der Lehrer kompensieren.

  2. 2. Gewalt

    Die totale tabuiserung von Gewalt wird uns nicht sicherer machen, sondern neurotischer. Gewalt ist ein Teil der menschlichen Natur, mit dem wir umgehen müssen.

    Wenn Schüler sich schlagen wollen, werden sie sich an Orte begeben an denen keine Kamera steht, notfalls warten sie eben bis nach der Schule.

    Und für Amokläufer wäre die Kamera geradezu ein Anreiz sich präsentieren zu können.

    Herr Zurawski sieht die Sache m.E. sehr realistisch.

    Wenn wir bessere und sichere Schulen wollen brauchen wir nicht mehr Elektronik, sondern mehr MENSCHEN - also Lehrer/innen - Vorbilder.
    Und nicht nur Pädagogen, sondern auch Praktiker, wie regionale Handwerker und engagierte Eltern, die den Kindern etwas vom Leben zeigen können.

    Man kann sich ja mal Gedanken machen warum an manchen Schulen der Hausmeister der einzige ist der Respekt genießt.

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    • wauzi
    • 09.11.2011 um 21:14 Uhr

    an grundschulen vielleicht, weil er der einzige mann ist?

    • wauzi
    • 09.11.2011 um 21:14 Uhr

    an grundschulen vielleicht, weil er der einzige mann ist?

    • Karst
    • 09.11.2011 um 17:12 Uhr

    Falls noch irgendjemand Zweifel daran hat, dass die CDU völlig banane ist: bitte sehr.

    Kameras in Schulen? Geht's noch?
    Hat der Herr Uhl gerade Urlaub? Solchen Blödsinn ist man doch am ehesten von dem gewöhnt.
    Dabei hat der Herr Altmaier doch kürzlich in der FAZ doch einen vernünftigen Ansatz zum Internet dargelegt.

    Naja, war wohl nur ein Aussetzer.

    -100 Sympathiepunkte

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    er "twitter" jetzt eben ein bisschen und denkt damit, er wäre im Zeitalter der Digitalisierung und des Internets angekommen.
    Mit solchen dämlichen Forderungen wie oben genannt, zeigt er, dass dies nicht der Fall ist.

    Wir müssen in der Politik dringend damit aufhören, alles was technisch möglich ist auch umzusetzen.

    er "twitter" jetzt eben ein bisschen und denkt damit, er wäre im Zeitalter der Digitalisierung und des Internets angekommen.
    Mit solchen dämlichen Forderungen wie oben genannt, zeigt er, dass dies nicht der Fall ist.

    Wir müssen in der Politik dringend damit aufhören, alles was technisch möglich ist auch umzusetzen.

    • Hermez
    • 09.11.2011 um 17:37 Uhr

    nun, da ist bestimmt was dran. Irgendetwas hecken wir doch alle immer aus,oder?Wer wüsste darüber besser Bescheid als die CDU? Hätte man Herrn Kohl damals lückenlos überwachen können, wüsste man bestimmt auch wo die verschwundene"Ich- habe- mein- Ehrenwort -gegeben"- Kohle geblieben ist.
    Wir wissen doch alle das Macht korrumpieren kann, nich wahr:)
    Warum überwachen wir denn nicht mal die Leute, die wirklichen(volkswirtschaftlichen) Schaden anrichten?
    Ich mein ja nur:)

  3. er "twitter" jetzt eben ein bisschen und denkt damit, er wäre im Zeitalter der Digitalisierung und des Internets angekommen.
    Mit solchen dämlichen Forderungen wie oben genannt, zeigt er, dass dies nicht der Fall ist.

    Wir müssen in der Politik dringend damit aufhören, alles was technisch möglich ist auch umzusetzen.

    Antwort auf "Ja na klar"
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    Immerhin beweist er hiermit seine Fähigkeiten als Internet-Troll, und alle fallen darauf hinein und "flamen" los.
    Köstlich

    Immerhin beweist er hiermit seine Fähigkeiten als Internet-Troll, und alle fallen darauf hinein und "flamen" los.
    Köstlich

  4. Über den Verlust an Ideen und Niveau in der Politik kann ich nur noch den Kopf schütteln.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Wann lernt der Michel endlich, dass es für die Christlich Deutsche Überwachungspartei CDU kein Halten gibt, wenn es um Überwachung geht? Die orwellsche Partei hat noch nie einen Hehl daraus gemacht, ich erinnere nur an das Internet-Zensurgesetz von Ursula.
    Die Partei wird nicht eher aufhören, bis wir gläsern sind. Fast sind wir es ja schon, und es reicht immer nich nicht. Und der Michel schläft und schläft...

  6. Wenn Überwachung Kriminalität bekämpfen würde, dann wäre London einer der sichersten Orte der Welt.

    Davon einmal abgesehen, wo entsteht der größte volkswirtschaftliche Schaden? Auch wenn das vielleicht etwas pragmatisch gedacht ist.

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