Schülerzeitung : Schreiben wie Joseph Pulitzer

Leser Michael Nestmeier hält ehrenamtlich Seminare für Schülerzeitungsredakteure. Von dem Medizinstudenten lernen die Schüler richtiges Schreiben.

Ein wenig schreiben konnte ich schon, bevor ich eingeschult wurde. Irgendwann wurde es leserlich, später grammatikalisch korrekt, dann inhaltlich verständlich. Angenehm zu lesen war es aber nie – bis ich in der 10. Klasse zur Schülerzeitung kam, genauer gesagt zum Spickzettel des St. Gotthard-Gymnasiums Niederalteich an der niederbayerischen Donau. Dort lernte ich Schreiben.

Wenn ich Schreiben sage, meine ich nicht so sehr den Akt des Aufs-Papier-Bringens, sondern gutes, ansprechendes Schreiben im Sinne von Joseph Pulitzer: "Schreibe kurz, und sie werden es lesen. Schreibe klar, und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten."

Genau das ist meine Kernbotschaft an die Redakteure des Spickzettel, denen ich inzwischen Seminare gebe, nachdem ich dem Niederalteicher Förderverein Schülerzeitung (FVSZ) meine Mitarbeit anbot. Als Referent bringe ich den Schülern bei, wie man einen Kommentar oder eine Glosse schreibt. Sie beschäftigen sich mit Schulz von Thuns' Kommunikationsquadrat, Gerhard Polts Verschnitt einer Bürgermeisterrede, einem fiktiven Schlagzeilen-Generator der Bild-Zeitung. Sie lernen, wie man ansprechende Überschriften und Bildunterschriften schreibt.

Manchmal werde ich gefragt, warum ich die Seminare gebe. Die Antwort ist einfach: Als ehemaliger Redakteur der Schülerzeitung habe ich dort viel gelernt. Nach dem Abitur wollte ich etwas zurückgeben. Es macht Spaß, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, in dem sich jeder Teilnehmer einbringen kann.

Ich möchte etwas weitergeben, von dem ich überzeugt bin. Wer nicht nur den Inhalt, sondern auch den Stil und die Wirkung des geschriebenen Wortes berücksichtigt, findet bald zu einer klaren, differenzierten Ausdrucksweise, schriftlich wie mündlich. Ich halte das für eine essentielle Kulturtechnik, die ich an die Schüler meines ehemaligen Gymnasiums vermitteln möchte.

Das Ergebnis können die Schüler ihren Mitschülern, Eltern und Lehrern präsentieren. Letztens hat der Spickzettel sogar einen Schülerzeitungspreis gewonnen. Ich fühlte mich dadurch ein wenig geehrt. Wer sagt’s denn!

Als bestes Beispiel für die Freude an meinem Engagement kommt mir immer wieder folgende Begebenheit in den Sinn: Die Schülerzeitung trifft sich in Passau zur Wochenendklausur und erstellt einen Brigitte-Verschnitt namens Biscuitte. Als Ankündigung für die Beauty-Rubrik schreiben die Redakteure aufs Titelblatt: "Call of Beauty. Die exklusiven Biscuitte-Schönheits-Tipps." Call of Beauty! Ein gelungenes, kreatives Wortspiel in Anlehnung an den PC-Shooter Call of Duty. Keine Stunde ist es her und die Schüler saßen noch in meinem Seminar über Wortspiele in Überschrift und Header. Ich bin begeistert.

Verlagsangebot

Der Kult ums gesunde Essen

Nahrung soll Energie und Freude bringen. Doch immer mehr Lebensmittel werden zum Problem gemacht: Vom Salz bis zum Fleisch. Warum eigentlich? Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Nee..

Es soll den vielen Meckerhanseln unter den Foristen hier zeigen, dass es auch Menschen gibt, die sich ehrenamtlich für andere engagieren und damit die Welt ein klein bisschen besser machen. Dafür kann man sich gerne mal "beweihräuchern" lassen, das hat sich der junge Medizinstudent redlich verdient. Sich neben einem Medizinstudium nebenher noch seiner ehemaligen Schule zu widmen, ist nicht selbstverständlich.

Prima!

Sie antworten genau so, wie ich mir gedacht hatte, wie der Autor (und wohl auch die Verantwortlichen dieser Rubrik) sich Reaktionen auf diesen Beitrag vorstellen.
Meine Frage war übrigens rhetorisch und Ihre - in diesem Kontext vorhersehbare - Antwort unterstützt meinen damit zum Ausdruck gebrachten Punkt nochmals: Wieso gibt es diese Rubrik? Vorsicht - ich provoziere wieder: Um Nörglern ein paar Beiträge zu geben, die sie partout nicht kritisieren können?

An den Autoren: Ihr Engagement in allen Ehren: Schön, dass Sie das tun und bitte machen Sie weiter so. Doch wieso verkünden Sie dies hier? Ehrenamtliche Arbeit ist in Deutschland zum Glück nichts Unübliches; Bescheidenheit gerade im Hinblick auf derartige Tätigkeiten auch (noch?) nicht.

Anm.: Bitte diskutieren Sie ausschließlich den Inhalt des Artikels. Verzichten Sie bitte auf provozierende Kommentare, die einer sachlichen Diskussion undienlich sind. Danke. Die Redaktion/vn

"Tue Gutes und rede darüber"

- ja, warum eigentlich nicht?
Nationaler Konsens ist es doch auch, (und insbes. anhand aktueller Ereignisse verifizierbar) dass jene, die "Schlechtes" tun, dies zumindest im Nachhinein detailliert offenzulegen haben.
Die "Bühne der Öffentlichkeit" ist nicht ausschließlich für tragische Stücke reserviert - andernfalls entstünde ein Eindruck unrealistisch-negativer gesellschaftlicher Grundtendenz.
Möglich, dass der Autor über sein Engagement berichtet, weil er Zuspruch erwartet, stolz ist - abgrundtief menschlich und damit eine Motivation, die keinerlei Abwertung verdient.
Das gilt gleichermaßen für die "Verantwortlichen dieser Rubrik". Zensur = Vorenthalten von Tatsachen. Der Leser hat gleichermaßen das Recht darauf, über Erfreuliches informiert zu werden, wie er den berechtigten Anspruch erhebt, umfassend über Streitbares in Kenntnis gesetzt zu werden.

Der Sinn dieser Rubrik?

Ich gestehe, ich warte schon lange auf so eine Rubrik. Eine, die zeigt, was im Kleinen die Republik zusammenhält. Diese Aktivitäten sind mindestens ebenso unabdingbar staatstragend, wie die goße Politik, weil Sie der tatkräftigen Solidarität der Menschen untereinander Gestalt und Kraft verleihen. Ich finde das daher ausgesprochen spannend, von solch vorbildlichen Aktivitäten zu erfahren, wie bspw. die, über die Herr Nestmeier hier berichtet.
Wer glaubt, diese Aktivitäten ignorieren zu müssen, der darf getrost und gerne davon ausgehen, nie zu begreifen, weshalb ein staatliches Gemeinwesen überhaupt vorzufinden ist und was der Sinn dessen schießlich sein könnte.