Ein wenig schreiben konnte ich schon, bevor ich eingeschult wurde. Irgendwann wurde es leserlich, später grammatikalisch korrekt, dann inhaltlich verständlich. Angenehm zu lesen war es aber nie – bis ich in der 10. Klasse zur Schülerzeitung kam, genauer gesagt zum Spickzettel des St. Gotthard-Gymnasiums Niederalteich an der niederbayerischen Donau. Dort lernte ich Schreiben.

Wenn ich Schreiben sage, meine ich nicht so sehr den Akt des Aufs-Papier-Bringens, sondern gutes, ansprechendes Schreiben im Sinne von Joseph Pulitzer: "Schreibe kurz, und sie werden es lesen. Schreibe klar, und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten."

Genau das ist meine Kernbotschaft an die Redakteure des Spickzettel, denen ich inzwischen Seminare gebe, nachdem ich dem Niederalteicher Förderverein Schülerzeitung (FVSZ) meine Mitarbeit anbot. Als Referent bringe ich den Schülern bei, wie man einen Kommentar oder eine Glosse schreibt. Sie beschäftigen sich mit Schulz von Thuns' Kommunikationsquadrat, Gerhard Polts Verschnitt einer Bürgermeisterrede, einem fiktiven Schlagzeilen-Generator der Bild-Zeitung. Sie lernen, wie man ansprechende Überschriften und Bildunterschriften schreibt.

Manchmal werde ich gefragt, warum ich die Seminare gebe. Die Antwort ist einfach: Als ehemaliger Redakteur der Schülerzeitung habe ich dort viel gelernt. Nach dem Abitur wollte ich etwas zurückgeben. Es macht Spaß, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, in dem sich jeder Teilnehmer einbringen kann.

Ich möchte etwas weitergeben, von dem ich überzeugt bin. Wer nicht nur den Inhalt, sondern auch den Stil und die Wirkung des geschriebenen Wortes berücksichtigt, findet bald zu einer klaren, differenzierten Ausdrucksweise, schriftlich wie mündlich. Ich halte das für eine essentielle Kulturtechnik, die ich an die Schüler meines ehemaligen Gymnasiums vermitteln möchte.

Das Ergebnis können die Schüler ihren Mitschülern, Eltern und Lehrern präsentieren. Letztens hat der Spickzettel sogar einen Schülerzeitungspreis gewonnen. Ich fühlte mich dadurch ein wenig geehrt. Wer sagt’s denn!

Als bestes Beispiel für die Freude an meinem Engagement kommt mir immer wieder folgende Begebenheit in den Sinn: Die Schülerzeitung trifft sich in Passau zur Wochenendklausur und erstellt einen Brigitte-Verschnitt namens Biscuitte. Als Ankündigung für die Beauty-Rubrik schreiben die Redakteure aufs Titelblatt: "Call of Beauty. Die exklusiven Biscuitte-Schönheits-Tipps." Call of Beauty! Ein gelungenes, kreatives Wortspiel in Anlehnung an den PC-Shooter Call of Duty. Keine Stunde ist es her und die Schüler saßen noch in meinem Seminar über Wortspiele in Überschrift und Header. Ich bin begeistert.