Der islamische Religionsunterricht steht nun im Schulgesetz von Nordrhein-Westfalen . Nicht nur die verantwortliche Bildungsministerin Sylvia Löhrmann nennt das ein bundesweit vorbildliches Zeichen für Toleranz, soziale Integration und für die Gleichberechtigung der Muslime mit den Christen. Die Regierungsparteien SPD und Grüne sowie die (sonst oppositionelle) CDU waren alle mit dem hoffnungsvollen Gesetzesbeschluss Ende vorigen Jahres höchst zufrieden. Kein anderes Bundesland ist schon so weit. In Niedersachsen etwa gibt es nur Schulversuche, in Hessen zum Beispiel erst Vorgespräche am Runden Tisch mit Glaubens- und Regierungsvertretern.

Doch liegt die Zukunft auch in Nordrhein-Westfalen noch in weiter Ferne: Bis zum Sommer gibt es für etwa 300.000 bekennende muslimische Schüler noch keinen einzigen voll ausgebildeten Religionslehrer. Auf dem Sprung dazu sind immerhin neun Lehramtsbewerber, die sich im vorigen Jahr an der Uni Münster für Islamunterricht als Ergänzungs- oder Drittfach qualifizierten. Münster ist das Ausbildungszentrum für islamische Theologen in Nordrhein-Westfalen. Ab kommendem Jahr sei es auch möglich, den Religionsunterricht als Hauptfach zu studieren, sagt Lehrstuhlinhaber Mouhanad Khorchide. Er rechnet mit einigen Dutzend Interessenten. Dieses Studium dauert insgesamt fünf Jahre, der anschließende Vorbereitungsdienst in der Schule weitere 18 Monate. Vor diesem Hintergrund ist das neue Religionsfach nicht viel mehr als ein Wunsch.

Wollen die Eltern islamischen Religionsunterricht?

Das Gesetz gilt zudem nur vorläufig; es tritt im Sommer 2019 außer Kraft  – genau dann, wenn die ersten Hauptfächler fertige Lehrer sind. In erster Linie hängt die Zukunft des Gesetzes nämlich vom Elternwillen ab: davon, ob sie ihre Kinder zum Bekenntnisunterricht anmelden oder nicht. Fundamentalistische Randgruppen misstrauen dem staatlichen Angebot. Umgekehrt waren viele andere mit der seit mehr als zehn Jahren eingeführten und weltanschaulich neutralen Islamkunde voll zufrieden . Die Islamkunde-Lehrer, insgesamt rund achtzig, sind oft Islamwissenschaftler, die als Seiteneinsteiger in den Schuldienst gelangt sind. Sie unterrichten derzeit rund zehntausend Grund- und Hauptschüler an 133 von mehr als dreitausend Schulen an Rhein und Ruhr. Nach dem neuen Religionsgesetz soll das Fach auslaufen, es gibt dafür keine weiteren Lehrerstellen mehr.

Was wird aus den Islamkundelehrern?

Immerhin ist eine Umwidmung der Islamkunde in den neuen Religionsunterricht möglich. Die Initiative dazu muss von der jeweiligen Schule ausgehen, sagt eine Ministeriumssprecherin. Dabei können sich die bisherigen Lehrer für das neue Fach bewerben. Vorsorglich bemerkt Theologieprofessor Khorchide: "Islamkundelehrer brauchen freilich Fortbildungskurse, um sich auf die neuen Gegebenheiten des bekenntnisorientierten Unterrichts vorzubereiten." Gerade Lehrer mit laizistischer Einstellung winken von vornherein ab. Was soll aus ihnen aber werden? Das Ministerium sagte ZEIT ONLINE: "Lehrkräfte, die keine Unterrichtserlaubnis für Religion beantragen, werden wie bisher bei Bedarf in Islamkunde oder in anderen Fächern eingesetzt." Das ist leichter gesagt als getan: Viele Islamkundelehrer haben kein weiteres Fach und machen dann wohl wie der Heizer auf der Elektrolok weiter.