Lernen 2022 : Hausaufgaben sind archaischer Unsinn

Statt "Buch vergessen" heißt es jetzt "Akku leer". Rechnen, schreiben und lesen lernen Kinder trotzdem. Aber wie? K. Polke-Majewski berichtet aus der Zukunft.
Auch so können Klassenräume aussehen: In der Erika-Mann Grundschule in Berlin-Wedding

Die Klingel schrillt noch immer so durchdringend wie vor hundert Jahren. Wie zur Bestätigung bricht ein Stück Putz aus der Wand. Ein halbes Jahr noch, dann wird Alexander das alte Gebäude im Osten Hamburgs das letzte Mal betreten. Im Sommer 2022 wird er die Grundschule verlassen. Viele seiner Klassenkameraden werden auf die Stadtteilschule wechseln, eine Hamburger Art der Gesamtschule, die besseren jedoch auf das Gymnasium. Alexander wohl auch. Dann wird sich wieder ein Jahrgang aufspalten in diejenigen, die aufsteigen, und jene, die den Weg nach oben eher nicht schaffen werden, in die gut bezahlten Jobs und die besseren Wohnungen.

Alexander wird die Verankerung seiner Familie im akademisch-mittelständischen Milieu fast von alleine hinauf helfen, wenn er keine allzu großen Fehler macht. Anderen wird das nicht gelingen: weil ihre Familienstrukturen zu desolat sind, als dass sie im sich ständig verschärfenden Bildungswettbewerb eine echte Chance hätten. Weil sie um die deutsche Sprache ringen, die ihre Eltern nicht richtig beherrschen, obwohl schon ihre Großeltern nach Deutschland einwanderten.

An dieser sozialen Spaltung hat weder der Schulfrieden etwas geändert, den die Hamburger Parteien nach der gescheiterten Schulreform 2010 geschlossen hatten und der vor zwei Jahren endete, noch die anschließend abermals entflammte Bildungsdebatte. Das ist in der Hansestadt nicht anders als in den anderen Ballungsräumen der Republik.

Abgewetzte Kinderstühle

Alexander weiß davon wenig, wie er den Gang entlangflitzt und in den Klassenraum huscht. Niedrige Tische, kleine Stühle, nicht in strengen Reihen, aber ebenso abgewetzt und verkratzt wie früher. Bunte, ungelenke Kinderzeichnungen an den Wänden, ein Teppich in der Ecke, den zwei kleine Regale mit Spielen und Büchern einrahmen.

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Man könnte meinen, gleich würden die Kinder ihre Hefte aus den Ranzen wühlen, Bücher auf die Tische knallen und eine freundliche Lehrerin würde ihnen erklären, wie man Tausenderzahlen addiert und subtrahiert, oder sie schrieben ein Diktat.

Doch dann ruft die Lehrerin Alexander auf. Der Junge zieht einen USB-Stick aus dem Rucksack, und während zwei andere Jungs und er sich zwischen den Tischen nach vorne drängen, erscheint auf der weißen Tafel eine bunte Karte. Die Elbe , daran rote Punkte, Städte, und, von Alexanders Stick dazu geladen, eine Collage. "Dessau-Roßlau" ist zu lesen.

Die drei bauen sich vorne auf. Alexander redet, die beiden anderen Schüler bedienen den Rechner. Als Alexander "Marienkirche" sagt, zeigt die Tafel ein Foto. Als er vom Wörlitzer Gartenreich erzählt, schwenkt die Kamera um 360 Grad durch den berühmten Park. Und zum Bauhaus haben die Jungs einen Video-Rundgang im Internet gefunden. 

Der Lehrer als Moderator

Ganz schön das alles. Aber eigentlich träumt Alexander davon, dass endlich Hologramme erfunden werden, durch die man richtig laufen kann. Wie gerne würde er die Klasse durch eine lebensgroße Projektion der Stadt führen, am besten bis hinauf auf den Turm der Marienkirche, von wo sie ganz Dessau hätten betrachten können.

Auch so ist die Show nicht schlecht. Doch die Klasse lässt sich davon nicht beeindrucken. Ein Mädchen platzt mitten in die Präsentation: "Warum heißt das Bauhaus?" Die Kinder diskutieren. Alexander weiß es auch nicht so genau. Sein Teampartner sucht: Vielleicht hilft Wikipedia weiter?

Etwas abseits der wild debattierenden Horde sitzt die Lehrerin und tut – ja, was eigentlich? "Meine wichtigste Aufgabe ist es wohl, mich rauszuhalten", sagt sie. Die Kinder sollen selbst steuern, wie sie voneinander lernen wollen. Sie sollen ihre eigene Geschwindigkeit finden, sollen sich darin üben, Gedanken voreinander zu formulieren und gemeinsam zu filtern, was wichtig ist zu wissen. Nur manchmal greift die Lehrerin ein, wenn sich die Schüler im Strom der Informationen verlieren.

Für jemanden, der im Schuldienst arbeitet, ist das nichts Besonderes. Vermutlich ist es sogar eher gewöhnlich, spiegelt schon nicht mehr den allerneusten Trend der modernen Pädagogik wieder. Für alle, die vor mehr dreißig Jahren zum letzten Mal eine Schule betraten, ist es wie ein Flug mit der Zeitkapsel.

Die Art und Weise, wie wir Bildung organisieren, verändert sich in langgezogenen Wellen. Seit die Republik vor mehr als siebzig Jahren gegründet wurde, haben sich zwar fast unablässig Bildungsstrukturreformen an Schulreformen gereiht. Doch die Methoden, nach denen Lehrkräfte den Unterricht gestalten, wandeln sich eher langsam. Jahrzehntelang lernten Lehrer in Studium und Referendariat einmal, wie Unterrichten funktioniert, und hielten sich dan – mit wenigen Abwandlungen – ein ganzes Arbeitsleben daran. Fortbildung gab es zwar, doch was im Klassenraum geschah, war allein dem Lehrer überlassen.

Deshalb gibt es auf die Frage, was sich in der Schule durch die Jahrzehnte verändert hat, zwei richtige Antworten. Die erste: gar nichts. Die zweite: alles.

Karsten Polke-Majewski

Karsten Polke-Majewski ist Leiter Investigativ/Daten von ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Gar nichts, weil es im Grundsatz immer noch darum geht, die gleichen Fertigkeiten zu erlernen wie schon vor hundert Jahren: Rechnen, Lesen, Schreiben, sich in einer sozialen Gruppe zurecht zu finden, Methoden zu lernen, mit denen man die Welt erschließen kann.

Alles, weil sich die Welt außerhalb der Schule so unglaublich schnell wandelt und mit ihr die Kinder.

Englisch? Ist kein reguläres Schulfach mehr. Längst finden ganze Unterrichtseinheiten in der Sprache statt, bringen die Kinder aus dem Kindergarten reichlich alltägliche Spracherfahrungen mit, oder aus amerikanischen Online-Spielen. Medienkunde? Eine überholte Idee. Alexanders Rucksack ist doch deshalb so leicht, weil außer einigen Heften, Bastelutensilien und den Turnschuhen nur ein Tablet-Rechner darin ist, inklusive Sprachsteuerung und Netzzugang. Statt "Buch vergessen" heißt es heute "Akku leer".

Die Ganztagsschule ist Standard

Vom Bauhaus zum Fußball. Alexander stürzt in die Halle. Dort warten schon seine Mannschaft und der Trainer. Zehn Minuten wildes Bolzen, dann Taktiktraining. So geht das jeden Tag. Zwei Stunden Unterricht, dann muss Freizeit sein, Klarinettenstunde, Kochkurs oder eben Fußball. Danach wieder Unterricht.

Schule, das ist längst keine Einrichtung mehr, die um acht Uhr morgens beginnt und die man um ein Uhr mittags fluchtartig verlässt. Seit in der großen Mehrheit der Familien Mutter und Vater arbeiten, ist die Ganztagsschule Standard. "Das ist hier endgültig keine Lehranstalt mehr, sondern der wichtigste Lebensraum für die Kinder", sagt die Lehrerin. "Und so müssen wir ihn auch gestalten."

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Was harmonischer klingt, als es ist. Denn natürlich ist Schule ein Ort des Wettbewerbs. Da sind die Lehrer, die ihren Schülern zweckfreies Lernen ermöglichen wollen, ihre Schützlinge am Ende aber darauf trimmen müssen, Zentralprüfungen bestehen zu können. Da sind Eltern, die aus diffuser Zukunftssorge Chinesisch-Unterricht und zusätzliche Informatikstunden fordern. Da ist eine alternde Gesellschaft, die zwar zunehmend unbesetzte Arbeitsplätze vorzuweisen hat, aber gleichzeitig mit den gewaltigen menschlichen Ressourcen der neuen Wirtschaftsmächte in Asien und Südamerika konkurrieren muss.

Körper-Mathe und Video-Schalte

Alexander findet das alles ganz normal. Gerade liegt er seitlich auf dem Boden, die Arme waagerecht vorgestreckt. Ein Kumpel tut es ihm gleich. Ein Mädchen schiebt sie zu einem Rechteck zusammen, dann zu einer Raute und erklärt den anderen, was für Winkel so entstehen. Körper-Mathe nennen sie es. Das versteht sogar Karl, dem Sauerstoffmangel während der Geburt seinen Intellekt begrenzte.

Die Nachbarklasse trifft sich derweil per Video-Schalte mit ihrer französischen Partnerklasse. Einmal in der Woche haben sie gemeinsam Unterricht, hier in Hamburg und dort in Marseille . Später werden sie in kleinen Gruppen ihre Referate für die kommende Woche vorbereiten, jeweils zwei französische und zwei deutsche Schüler via Skype , Social Network, Cloud-Doc oder was immer die Technik hergibt.

Dann endlich wieder die Klingel: 16 Uhr. Man packt zusammen. Keine Hausaufgaben? "Diesen archaischen Unsinn haben wir doch schon vor Jahren abgeschafft", lacht die Lehrerin. Und es stimmt ja: Nach acht Stunden hat jeder ein Recht auf Feierabend, sogar Zehnjährige.

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Kommentare

76 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Können sie lesen, schreiben und rechnen???

Meine Frage in der Überschrift ist sicher etwas provokativ. Aber ich habe meine Zweifel, ob diese Fähigkeiten sowie auch Grundregeln wie gutes Benehmen und Respekt bei den heutigen Unterrichtsmethoden nicht zu kurz kommen. Die Schüler lernen sicher sehr viel durch die beschriebenen Methoden. Aber an unseren Azubis, die gerade von der Schule kommen, merke ich, daß die ganz einfachen Grundrechenarten nicht mehr beherrscht werden. Kopfrechnen ist sowieso schon gar nicht mehr zu erwarten, ein Dreisatz löst fassungsloses Staunen aus. Wenns für die Zukunft nicht mehr gebraucht wird, ok. Ich glaub nur nicht dran. Aber ich bin auch schon "wat älter":).

Benehmen ist schlicht Spiegelbild der Gesellschaft

Die Wahrheit ist, wer keine einfachen Kopfrechnungen beherrscht und ebenso an einem simplen Dreisatz scheitert, der ist auch mit komplexen Aufgaben am Rechner schlicht überfordert.

Was das Benehmen betrifft, so sind hier allerdings auch die Eltern gefragt und die Gesellschaft gefragt.

Es gibt den naiven Glauben, dass wir Erwachsene uns wie die letzten A****löcher benehmen können, während die Kinder ja in den Schulen ordentliches Benehmen lernen sollen. Das ist Humbug. Die Kinder lernen nicht nur von den Eltern oder gar in der Schule, sondern von allen Erwachsenen, wie sie sich benehmen.

Das Benehmen der Kinder ist in den seltensten Fällen ein Versagen der Schule, sondern vielmehr ein Spiegelbild des Verhaltens in der Gesellschaft.

Lassen Sie sich das von jemandem gesagt haben, der selber gerade noch teenager war.

mfg henry

Dreisatz ist Grundlage

Wenn sie denken gelernt haben, wissen sie auch, warum man den Dreisatz braucht.

Oder wollen sie in Verhandlungen immer erst den Taschenrechner rausholen, sobald Ihnen jemand anbietet, sie könnten 5% mehr Gehalt bekommen?

Zudem sagen mir meine Erfahrungen, dass die Leute, die den Dreisatz nicht beherschen, auch meist nicht in der Lage sind, etwas anspruchsvollere Rechenaufgaben mit dem Computer zu lösen.

mfg henry

@Futtermeister

Die "Generation Doof" kann zwar leider keinen Dreisatz mehr, aber wir können dafür aus der engl. Version von Goethes Faust zitieren und äußerst komplexe Funktionen aufstellen die in der Wirtschaft allerdings aus zeitgründen nur mit dem Computer berechnet werden.

Wir wissen auch leider nicht wie die Hauptstadt von Vietnam heißt und halten São Paulo für eine spanische Biermarke, aber immerhin haben wir gelernt vier an zwei zu buchen, sind also für die betriebliche Buchhaltung bestens gerüstet.

Wer die Ironie findet, der trage sie stets voller Stolz in seiner Jackentasche mit sich.

B@ loehnsberg, @ henry06: Ich stimme zu.

Hallo,
ich möchte auf keinen Fall der Schule die Verantwortung für die Erziehung zuschieben, da bin ich mit Ihnen absolut einer Meinung. Aber den Schülern, die es zu Hause einfach nicht lernen, schadet es nicht, zumindest konsequent auf den Tagesgruß hingewiesen zu werden. Und ich finde es auch in Ordnung, wenn Lehrer und Schüler sich morgens im Stehen begrüßen. So zeigen BEIDE den Respekt voreinander und die Schüler profitieren sicher später davon.
Allerdings erfordert das eben auch den Respekt der Lehrer vor den Schülern. Wenn ein(e) Lehrer(in) den jungen Menschen durch sehr lässige Kleidung, vorgeblich cooles nachlässiges Benehmen und mangelnde Unterichtsvorbereitung demonstriert, daß sie ihm auch herzlich egal sind, kommt das eben auch zurück. Solche Beispiele haben meine Kinder, die jetzt selbst junge Erwachsene sind, mir zuhauf nennen können. - Ich stelle fest, daß ich "linker Vogel" im leicht fortgeschrittenen Alter in dieser Beziehung ganz schön konservativ werde :)

Das passiert halt (@3)

wenn die Menge an Wissen sich vervielfacht hat, während die Bildungsausgaben (inflationsbereinigt) dramatisch reduziert wurden, ebenso Schuldauer und v.a. die Qualität der Ausbildung der Lehrkräfte.

Zu Benehmen und Respekt: Zuerst ist in Frage zu stellen, ob solche Umgangsformen überhaupt durch Schule vermittelbar sind, wenn das Umfeld da nicht mitspielt.

Abgesehen davon stellen Lehrer heutzutage - und früher war´s wahrscheinlich auch nicht anders (?) - nur selten Respektspersonen, sondern nur allzu oft überforderte Burnout-Kandidaten, Alkoholiker und sonstwie als Vorbild untaugliche Personen dar.

Das mag ärgerlich sein, wenn man ausbildet (im akademischen Bereich ist es übrigens genauso), ist aber korrigierbar. Zwar gibt es im fachlichen Bereich größere Bildungslücken, andererseits sind die mit Internet aufgewachsenen Kids - so scheint mir - im Schnitt deutlich fähiger, selbstständig an Informationen zu gelangen und sich Wissen alleine zu erarbeiten.

Sie könnten ja einen Katalog an notwendigem Grundwissen für Ihren Bereich zusammenstellen, diesen neuen Auszubildenden geben und jenen ein paar Monate lassen, dies zu erarbeiten; damit habe ich ziemlich gute Erfahrungen gemacht.

Schön, dass immer wieder gemeint wird,

Denken (und darauf kommt es ja an) könne man, ohne sonderlich etwas zu Wissen und zu Können.
Die Antwort solcher "Denker" beginnt dann mit "Ich denk mal", zumeist gefolgt von solidem Nichtwissen, das ohne das leiseste Erröten verkündet wird, schließlich denkt man ja.
Genau das ist ein Übel unserer Zeit und gipfelt in Sprüchen wie "Wer denken kann hat Vorteile", deren Absender sich damit sehr deutlich selbst entlarven und das noch nichteinmal merken.

Man erntet was man sät.

Oh nein, wie schrecklich! Dabei ist doch hinlänglich bekannt, dass vor allem die geistige Elite heutzutage einen Ausbildungsberuf anstrebt.
Sicherlich bieten Sie Ausbildungsplätze an, die zu sicheren und gut bezahlten Positionen mit Verantwortung und der Erlaubnis, selbstständig zu denken, führen.
Banker, die Kapitalmarkt-Modelle erstellen, prüfen und besser C++ programmieren als reguläre System-Administratoren sind sicherlich neidisch.

Selber denken

Ich finde es immer noch amüsant, wenn so getan wird, als sei es Wunder was, das Kinder einen Rechner bedienen können. Nur weil der ein oder andere schon damit überfordert ist, einen Rechner einzuschalten, heißt das aber noch lange nicht, dass die Benutzung eines "Tablets" (ist übrigens auch nur ein simpler Rechner...) jetzt für außergewöhnliche Intelligenz steht.

Ich hab nichts dagegen, wenn man den Rechner als Hilfsmittel zum lernen einsetzt, und zum Nachschlagen von Fachbegriffen ist wikipedia in der Tat oft sehr gut geeignet.

Aber der Rechner macht ein nicht intelligent. Dazu muss man immer noch selber sein Kopf anstrengen, genau wie vor 100 Jahren. So wie der Besitz von vielen Büchern früher kein Beleg für Intelligenz war, so ist heute der Besitz eines Tablets kein Nachweis für Hochbegabung. Im Gegenteil, ich argwöhne eher, dass Kinder mit Tablets lediglich Eltern haben, die ihnen nur den neusten Schrott andrehen wollen, damit das Kind "in" ist.

Gutenberg würde heute ein Tablet benutzen

Buch oder Tablet? Das ist doch nicht die Frage. Die Frage ist, wie die Kinder am besten den Lernstoff mit sich herumtragen und verinnerlichen können. Und da ist ein Tablet von 400g in jedem Fall besser als 10kg Bücher.

Dazu bietet das Tablet/netbook/Lerngerät neben dem simpel Gedruckten noch viele weitere Möglichkeiten, den Stoff darzustellen und mittels Lernprogrammen effizient in die Köpfe der Kinder hineinzubringen. Und dahinein muss er, ob das nun durch Lesen oder durch Lernprogramme geschieht, ist dabei ziemlich gleichgültig.

Hätte Gutenberg die heutigen Möglichkeiten der Elektronischen Informationsverarbeitung gehabt, er wäre nie auf die Idee gekommen, zu drucken. Gutenberg ging es nicht um schöne Bücher - die gab es ja in Form von Folianten - sondern, das Monopol der katholischen Kirche auf die Bibel -also deren beanspruchtes Copyright- zu brechen, und das in seinen und der Protestanten Augen Recht der Bürger auf Informationsfreihheit durchzusetzen, z.B. die Bibel und andere Dokumente selbst zu lesen und zu interpretieren.

Insofern half der mechanisierte Buchdruck -weil es nichts anderes gab und damals die modernste Informationstechnik darstellte- wie heute die Elektronik hilft, den Bürger mit Informationen zu versorgen, die er hoffentlich dazu benutzt, ein mündiger Bürger zu sein und nicht, Musik zu klauen.

Ja, mündig werden und sein und als mündiger Bürger handeln, das ist es, was die Kinder in der Schule lernen müssen, egal mit welchen Hilfsmitteln.

@97: Gutenberg

Ich weiß nicht, ob Gutenberg nun wirklich das "Copyright" brechen wollte. Und Martin Luther wurde geboren, da war Gutenberg schon tot.

Tatsache ist jedoch, dass Gutenberg mit seiner Technologie tatsächlich eine Demokratisierung von Information ermöglicht hat. Und mit Sicherheit hat es schon damals auch Leute (vermutlich in Kirchenkreisen und Klöstern) gegeben, die diese Technik verteufelt haben. Ich habe aber leider z.Zt. keine Quellen.

Wichtig ist eines: Zwischen unkritischer Begeisterung für neue Techniken und vorschneller Ablehnung einen verantwortungsvollen Mittelweg zu finden.
Es braucht engagierte Mediengestalter, aber auch Lehrer, die ausprobieren, spielen, nachdenken, Konzepte entwickeln und notfalls auch wieder verwerfen. Die Schülerinnen und Schüler einbeziehen, ohne sie zu "Versuchskaninchen" zu machen.

Eines ist klar: Lehrer sein kann heute sehr spannend sein!

Ein schöner Artikel....

und in Hamburg mag ja das Beschriebene auch so vorzufinden sein, aber seien wir doch mal ehrlich; Diese Form von Schule ist nicht der Standart, sondern lediglich ein Prestigeprojekt einiger Politiker und Elternschaften.

Die triste Wahrheit sieht anders aus. Lernen mit Materialien anno 1980, Runterrattern des Lehrstoffes ohne Gnade durch die Lehrkörper und Asbestverseuchungen, von kaputtem Inventar und Lehrern deren Unterrichtsmethoden noch aus dem Mittelalter stammen und die mit Technik grundsätzlich auf Kriegsfuss stehen will ich gar nicht erst anfangen.

@deDude

Sehr geeherte(r) deDude,

Mancher in Hamburg wird sich sicherlich darüber freuen, dass Sie davon ausgehen, wir lebten hier schon in der Zukunft - der Text erzählt ja aus der Perspektive des Jahres 2022.

Es stimmt, vieles von dem, was in diesem Artikel aufscheint, ist in deutschen Schulen (noch) keine Wirklichkeit. Aber es gibt reichlich Ansätze, die in diese Richtung zeigen. Und Lehrer, die so unterrichten wollen. Das können Sie beispielsweise hier nachlesen: http://zip6.zeit.de/previ...

Viele Grüße
Karsten Polke-Majewski