Genossenschaftsverbände haben ein eher provinzielles Image. Aber die aktuellen wirtschaftlichen und ökologischen Krisen bringen sie wieder ins Gespräch. Die Vereinten Nationen haben jedenfalls das Jahr 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften erklärt. Denn in dieser Geschäftsform wird unternehmerisches Denken durch soziales und ökologisches Gewissen gezügelt.

Die Bildungsministerien reagieren darauf. Auch Schüler sollen diese bodenständige, regional verwurzelte Form des Wirtschaftens kennenlernen. In den Lehrplänen kämen vor allem Aktiengesellschaften (AGs) und Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHs) vor, selten jedoch Genossenschaften, sagt Joachim Prahst vom Genossenschaftsverband in Hannover .

Und wer weiß schon, dass die meisten Landwirte, Winzer und Gartenbauer Mitglieder von Genossenschaften sind und sich zugleich IT-Kräfte, Kreative, Kleinunternehmer und andere Freiberufler wie die Pinguine angesichts extremer Kälte zusammenschließen, um gegen die großen Player am Markt zu bestehen? Die Finanzkrise lässt Genossenschaften wie Häfen der Stabilität aussehen. Pleiten sind dort selten. Das liegt unter anderem daran, dass die Prüfer eine enorme Rolle spielen. 



Genossenschaften tauchen in Lehrplänen nicht auf

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In einer Schülergenossenschaft lässt sich diese Geschäftsform besonders gut kennenlernen. So wie bei Chill in im niedersächsischen Salzgitter-Bad. Der Ort ist laut Jürgen Hesse, einem Lehrer der Realschule Salzgitter-Bad, ein "schlimmer sozialer Brennpunkt". Viele Schüler aus armen Familien setzten sich bis vor Kurzem mit knurrendem Magen ohne Frühstück ins Klassenzimmer. Kein Geld, um sich ein Brötchen in der Bäckerei zu kaufen. Im Wahlpflichtunterricht Wirtschaft in den neunten Klassen entwickelte Hesse deshalb die Idee einer Schülerfirma. Er stellte seinen Schülern die unterschiedlichen Rechtsformen von Unternehmen vor. Doch sie stimmten nicht für Unternehmensformen, mit denen schnelle Entscheidungen der Geschäftsführung vorbehalten sind.

"Das demokratische Prinzip der Genossenschaft ist bei uns beliebt", sagt Alina Schrader, 16, Vorsitzende der Schülergenossenschaft. Innerhalb der Schülergenossenschaft hat jedes Mitglied nur eine Stimme – unabhängig vom Alter. Als Startkapital bringen die Schüler jeweils einen Euro ein. "Jedes Mitglied ist dazu berechtigt, an den Mitgliedsversammlungen teilzunehmen. Hier können alle ihre Meinung äußern", schreiben die Jugendlichen in ihrem Blog. Im Jahresturnus wählen die Mitglieder Vorstand und Aufsichtsrat. Auch über die Geschäftsstrategie entscheiden die Mitglieder.

Die Mitgliederversammlung ist das wichtigste Organ der Genossenschaft. Im Auftrag der Mitglieder überwacht ein dreiköpfiger Aufsichtsrat die Arbeit des Vorstands. "Die Stimme eines Lehrers wiegt genauso viel wie die Stimme eines Schülers, Leute aus höheren Klassen haben nicht mehr zu bestimmen als Schüler der unteren Stufen", erklärt Alina Schrader.