Leserartikel

SchulunterrichtGute Noten gibt es nur für Kriecher

Aus der klassischen Literatur erfahren Schüler vom Ideal des mündigen und freien Menschen. Doch die Schule selbst vermittelt genau das Gegenteil, meint unser Leser. von L. S.

Während meiner Schulzeit hatte ich mit sehr vielen Lehrern zu tun, an die ich positive als auch negative Erinnerungen habe. Wenn ich mich an die fünfte und sechste Klasse erinnere, wird mir bewusst, wie viel Angst ich doch manchmal hatte. Auch später noch. Oft hatte ich das Gefühl, dass diese Vertrauenspersonen und Bildungsbeauftragten nicht das sind, was sie eigentlich sein sollten.

Mir stellte sich die Frage, was unser Schulsystem uns überhaupt lehren soll. Besonders hat mich dieses Thema in den letzten Jahren der Oberstufe beschäftigt, denn wir lasen Goethe, Schiller, Büchner, Frisch und vieles mehr. Vermitteln deren Werke nicht ein Menschenbild, das auf Autonomie, Humanismus und Freiheit des Individuums fußt? Kritisiert Hesse in seiner Erzählung Unterm Rad nicht, wie brutal Leistungsdruck sein kann? Wie lächerlich diese Werte wirken, wenn ich an meinen Schulalltag denke.

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Ich kann einige Lehrer verstehen, die sich diesen wichtigen und verantwortungsvollen Beruf nicht aus Leidenschaft, sondern aus Perspektivlosigkeit gewählt haben. Doch wie kann es sein, dass da welche sind, die trinken und Schüler schikanieren, oder auch einfach nichts tun! Vor Jahren hatten wir zum Beispiel bei einem Lehrer Unterricht, der uns ausschließlich Filme zeigte und sich ab und zu im Hinterraum ein paar Schlucke aus dem Flachmann genehmigte.

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Ich habe erlebt, wie Schüler fertiggemacht wurden und weinend aus dem Klassenzimmer rannten. Wie oft saß ich da und hatte Angst, etwas zu sagen. Nicht, weil ich die Antwort nicht wusste, sondern weil ich Angst vor dem Lehrer hatte. Bei einem Lehrer saßen wir alle angespannt im Unterricht. An manchen Tagen war er freundlich, an anderen aggressiv. Wenn er schlechte Laune hatte, ließ er sie immer an den Schülern aus. Er schikanierte sie und ließ ihnen keine Chance, sich zu wehren. Mich hat die Hilflosigkeit in dieser Situation verstört, denn wir konnten absolut nichts dagegen unternehmen.

Die Mutigen, die sich nicht unterwerfen wollen, werden irgendwann gebrochen oder fliegen von der Schule. Weg sind sie, die Werthers, adé Schillers Räuber! Wie war das noch mal mit dem Ausgang des Menschen aus der Unmündigkeit? Sturm und Drang? Das ich nicht lache. Niemand möchte sich die Noten durch Mündigkeit versauen.

In der Dienstordnung für Lehrerinnen und Lehrer steht, dass sie uns insbesondere auch zur Selbstständigkeit erziehen sollen. Das bedeutet doch einen mündigen, aufgeklärten Menschen unter Berücksichtigung seiner Bedürfnisse formen, oder? Doch wie viele werden für eine gute Note zu Kriechern, die dem Lehrer hinterhersabbern wie Pawlowsche Hunde.

Unser Schulsystem spiegelt auch unsere Gesellschaft wider. Individualität wird bestraft, Gehorsam und Mittelmäßigkeit werden belohnt. Im Prinzip zählen Egoismus und Gier – jetzt in der Schule, später auch im Beruf. Schnell studieren, bloß nicht warten! Am besten sofort arbeiten und Geld verdienen. Wer braucht schon Urlaub. Weiter schuften bis ins Grab, ohne je gelebt zu haben. Von den Werten der großen Literaten keine Spur.

Der Name des Lesers ist der Redaktion bekannt.

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Leserkommentare
  1. Meines Erachtens werden viel zu viel Probleme durcheinandergeworfen. Da sind zum Einen demotivierte Lehrer, zum anderen Kritik an hohen Leistunganforderungen (Schule->Uni->Arbeiten->kein Urlaub) und dann wieder stört der Autor sich daran, dass Mittelmäßigkeit zu sehr gefordert wird.

    Bei allem Respekt, aber dieser Artikel klingt weniger nach einer konstruktiven Gesellschaftskritik, als vielmehr nach einem frustrierten Schüler, der mit sich und der Welt nicht zurecht kommt.
    Ich hatte auch richtig schlechte Lehrer, war auch mal unzufrieden mit meinen Lebensumständen und hab mich an dem Desinteresse und der Unterwürfigkeit der Anderen gestört.

    Aber eins habe ich inzwischen begriffen - ein guter Schüler kann auch bei schlechten Lehrern lernen. Die schlechten Schüler dagegen sind, welche gute Lehrer bedürfen - und gerade bei den demotivitiertesten und schlechtesten Lehrern kann man am Besten Selbstständigkeit und Unabhängigkeit erlernen.

    Niemand erzieht Dich zu einem unabhängigen Kopf. Du entscheidest Dich selbst, unabhängig und frei zu sein, oder Du bleibst (wie "die Mittelmässigen") eben nur jemand, der mit dem Strom schwimmt. Das ist in jedem System so, egal was das System vorgibt.

    mfg henry

    P.S. Aber mach Dich bitte nicht mit diesem Gejammer zum Schluss lächerlich - nie waren die Leistunganforderungen an eine Generation niedriger als an unsere. Wir leben im Frieden, haben ein gewachsenes Sozialsystem und müssen in den meisten Bundesländern für Bildung keinen Cent zahlen.

    Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke, die Redaktion/lv

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    • matbhm
    • 24. März 2012 14:09 Uhr

    Sie haben den Artikel sehr gut bewertet. In der Tat handelt es sich um eine Mischmasch an Kritik - und zeigt damit doch sehr schön, worauf Schule tatsächlich vorbereitet: Auf's Leben! Denn anders, lieber Autor, wird's im späteren Leben, an der Uni, im Beruf und in vielen Fällen auch im Privatleben auch nicht weitergehen.

    Und sehr treffend der Hinweis von henry06, dass die Leistungsanforderungen in der Schule noch nie so gering waren wie jetzt. Gerade wenn Sie auf Hesse Bezug nehmen, dann sollten Sie sich Mal damit auseinandersetzen, was der für einen Schultag hatte. Das ging morgens um sechs los und war ein durchgehendes Paucken bis in die frühen Abendstunden hinein. Hesse hat das, einschließlich seiner nach dem ganztägigen Lernen durchlittenen Kopfschmerzen, sehr gut beschrieben. Gerade wenn Sie Hesses Lernalltag kennen, müssten Sie wissen, dass die Anforderungen des modernen Schulsystems dagegen läppisch sind.

    Und Lehrer, die launisch waren und sich an ihren Schülern "austobten" hatten wir auch! Darüber hinaus waren 80 % der Lehrer, die ich hatte, einfach absolut schlechte Pädagogen. Die konnten einfach Ihr eigenes Wissen nicht vermitteln, einen nicht motivieren, keine Interessen wecken. Dass das anders ging, zeigten die anderen 20 % Lehrer. Wir haben damit leben müssen und können - und uns vorgenommen, alles besser zu machen. Aber ob wir's wirklich besser machen?

    "Und sehr treffend der Hinweis von henry06, dass die Leistungsanforderungen in der Schule noch nie so gering waren wie jetzt."

    Bitte sagen sie mir, wie kommen sie zu dieser Aussage?
    Ich würde behaupten, dass es genau andersrum ist! Sehen sie sich zum Beispiel mal an, was man vor 30 Jahren brauchte, um Medizin zu studieren, und was heute notwendig ist...

    Niemand erzieht Dich zu einem unabhängigen Kopf.

    Das habe ich anders erlebt. Zu meiner Schulzeit gab es eine einzige Lehrerin, die genau die richtigen Impulse gesetzt hat, so dass ich zu dem werden konnte, was ich heute bin. Wäre diese Lehrerin nicht gewesen und hätte mich nicht da abgeholt, wo ich stand, wäre ich vermutlich mittelmäßig geblieben. Alle anderen Lehrer waren nämlich nichts weiter als stupide Wissenvermittler, Automaten mit wenig Rücksicht auf Individualität. Diese eine Lehrerin hat unorientierten Schülern geholfen, in dieser Welt einen Platz zu finden, indem sie sie kurz an die Hand nahm. Solche Lehrer braucht jede Schule, sonst versandet die Gesellschaft in der Mittelmäßigkeit.

    Der Junge hat vollkommen recht. In vielen deutschen Schulen wird aktiv Gegen- bzw. Voraufklärung betrieben, während das Schulbild nach außen hin Modernität und Weltoffenheit vermittelt. Hier wird Kritik geäußert und nach alter deutscher Mentalität wird sie kaputt geredet statt ernst genommen zu werden. Freie und mündige Bürger sind kritische Einzelgänger, und genau dieses Menschenbild wird durch zunehmende institutionelle Organisation und eben dieser 'Zensurenkriecherei' bei Auslebung bestraft.

  2. Entfernt. Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion für eine Diskussion des konkreten Artikelthemas. Danke, die Redaktion/lv

    6 Leserempfehlungen
    • trsnC
    • 24. März 2012 11:02 Uhr

    Dieser kurze Kommentar spiegelt auf den Punkt meine Erfahrungen wieder, die ich bis jetzt, eine Woche vor Ende meiner Schulzeit, gesammelt habe.

    Individuelle Leistungen die über den auswendig zu lernenden Stoff hinaus gehen werden nicht honoriert, es wird Wissen abgefragt und belohnt, nicht Verständnis der Materie.

    Man muss keine komplexen Zusammenhänge erkennen und erklären, nein, man muss nur stumpf auswendig lernen, was der Lehrplan vorsieht.

    Lehrer benoten nicht objektiv, was vor allem daran liegt, dass sich mit dem Notensystem nicht objektiv bewerten lässt. Es bekommen jene gute Noten, die in der ersten Reihe sitzen, immer freundlich lächeln und keine Fragen stellen die dem Lehrer etwas abverlangen würden.

    In erster Linie wird gehorsames Humankapital für die Wirtschaft gezüchtet. Noch in 3 Jahren den Bachelor gemacht und dann bis zum Burnout schuften.

    40 Leserempfehlungen
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    • TRK
    • 24. März 2012 16:32 Uhr

    stimme 3. voll zu. und im beruf geht es genauso weiter. die meissten firmen verlangen kritische und kreative meinungen, eigeninitiative und eigenverantwortung, usw. . aber in der realitaet macht sich dieser mitarbeiter nicht beliebt. auch zusammenhänge verstehen können, ist wenig gefragt. derjenige der macht was ihm gesagt wird, der gehört zu den guten mitarbeitern.
    einsatz zeigen ist auch im anforderungsprofil: der einsatz zeigende mitarbeiter verschickt noch kurz vor 24 uhr noch ein paar auf vorrat geschriebene emails. am besten noch mit vielen cc, damit alle sehen wie hart der absender doch arbeitet.
    wie in der schule der angepasste schüler, ist auch in der wirtschaft der angepasste mitarbeiter der gewinner. vieles was der neue bp so sagt bzgl. eigenverantwortung, freiheit und gerechtigkeit stimmt wenig mit der wirklichkeit überein. das gilt aber auch für die politiker. dort wurde ein sprachgebrauch entwickelt, so dass keiner für irgendwas verantwortlich gemacht werden kann. usw... . der angepasste, ungeachtet seiner fachkenntnisse, wird minister. wenn es im ersten fachbereich schief geht, übernimmt dieser halt einen anderen bereich. wenn es dann wieder schief geht, er/sie aber immer nett war, wir er/sie nach brüssel befördert.

    Jep. Ist halt ein diktatorisches System, dessen gewalttätige Exzesse leider nicht im Lehrbuch stehn.

    Sicher hat nicht jede(r) so seine Schulzeit erlebt, aber wenn auch vereinfacht trifft es doch meine Erinnerung an drei Jahre Schule auf einem bayerischen Gymnasium in Bayern auf den Punkt. Angst ist kein pädagogisches Mittel und blockiert Schüler und Lernprozess, von Kreativität nicht zu reden. Im Beruf - auch da bin ich beim Verfasser - ist Klassenstrebertum gern gesehen, um den Unternehmenserfolg auf Kosten eines bereichernden Individualismus voranzutreiben. Aber auch das ist richtig: sieht man nach Syrien, und leider bei weitem nicht nur dorthin, sind wir doch frei in vielen Beziehungen und auch darin, schulische Prägungen im Leben wieder abzulegen.

  3. Mein Gott, sie hatten offensichtlich eine harte Schulzeit.
    Ihre Anklageschrift liest sich leider sehr subjektiv, ich kann Ihnen durchaus im Punkt" schlechte Lehrpersonen" zu stimmen, aber das als pauschal hinzustellen sagt viel über die Lehrer Ihrer Schule aus.

    "Von den Werten der großen Literaten keine Spur."
    Ich stelle mal die These auf, dass viele Lehrer mit diesen Idealen starten, aber nach und nach an Bürokratie, unsinniger Evaluierung und Bevormundung abstumpfen.Die zuständigen Ministerien legen mehr Wert auf Rechtssicherheit und irgendwelche "aussagekräftige" Statistiken, anstatt den Lehrer in seiner Person als ausgebildeten Akademiker zu respektieren. Und warum? Weil Bildung messbar sein soll, krankhaft soll eine unrealistische (Chancen)-Gleichheit inthronisiert werden.

    "Ich kann einige Lehrer verstehen, die sich diesen wichtigen und verantwortungsvollen Beruf nicht aus Leidenschaft, sondern aus Perspektivlosigkeit gewählt haben"
    Aua,....

    8 Leserempfehlungen
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    "Ich stelle mal die These auf, dass viele Lehrer mit diesen Idealen starten, aber nach und nach an Bürokratie, unsinniger Evaluierung und Bevormundung abstumpfen."

    Als Sohn zweier Lehrer kann ich genau das bestätigen.

    Zitat aus dem Artikel: "Unser Schulsystem spiegelt auch unsere Gesellschaft wider. Individualität wird bestraft, Gehorsam und Mittelmäßigkeit werden belohnt."
    Das kann ich unterschreiben.
    .
    Zitat: "wie viele werden für eine gute Note zu Kriechern, die dem Lehrer hinterhersabbern wie Pawlowsche Hunde."
    Ich frage mich, auf was für einer Schule der Autor war, und wann. Gute Noten bekommt man heute doch durch hartnäckiges Fordern. Oder, wenn man einen guten Rechtsanwalt hat.
    .
    Zitat: "Ich habe erlebt, wie Schüler fertiggemacht wurden und weinend aus dem Klassenzimmer rannten"
    Ich habe erlebt, wie "Lehrer" fertiggemacht wurden und weinend aus dem Klassenzimmer rannten.

  4. 5. LEIDER

    haben SIE sehr recht. Alles, was ich in der Schule gelernt habe, habe ich illegal gelernt - und musste mir noch dumme Sprüche sogenannter "Lehrer" anhören, weil ich es wagte, mich während ihres unsäglichen Verdummungsunterrichts mit Büchern weiterzubilden, die für mich angeblich "noch nichts" wären, die "meinen Horizont überstiegen", die "eh kein Mensch verstünde" etc.

    Fragen werden mit schlechten Noten berstraft, Wissen wird mit schlechten Noten bestraft, Denken wird mit schlechten Noten bestraft.

    Und dann wundern die sich, dass Schulerfolg und Berufserfolg AUSSERHALB der Quarantänestation des staatlich pervertierten Bildungs-Unwesens nicht miteinander korrelieren.

    WIRKLICH SCHLIMM: Guten Köpfen wird über die Engstelle Gymnasialempfehlung vieles verbaut, der brave Durchschnitt ob seiner Bedeutungslosigkeit überall mit Freundschaftsnoten durchgewunken.

    WAS IST ZU TUN?

    M.E. sollte niemand Lehrer werden dürfen, der nicht zuvor schon ERFOLGREICH einen anderen Beruf ausgeübt hat und bitte in der freien Wirtschaft, nicht im Staat! Die Gehälter müssten dann entsprechend steigen (man will ja die BESTEN in dem Beruf), der Beamtenstatus ist abzuschaffen, ich würde auch die Zeit der Lehrerschaft zeitlich begrenzen. Kontakt mit der Berufswelt muss aufrechterhalten werden durch ständige Fluktuation zwischen beiden Bereichen - nach Möglichkeit unter Einschluss der Wissenschaft (oder der FREIEN Kulturszene) als dritten Bereich.

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    Bei Ihrer Anmerkung geisterte bei mir nur "Sind Sie des Wahnsinns" durch den Kopf.

    Sicherlich gibt es Lehrer die aus der Wirtschaft kommen und gut sind - allerdings birgt das ganze ein Problem.
    Ein Akademiker der Lehrer wird, sollte sein Fach aus Freude am Fach lehren wollen.
    Ein ehemaliger Arbeitnehmer aus der Wirtschaft wird sich weniger für das Fach interessieren als für die Ziele.

    Wenn Sie sich das positive und die Probleme anschauen möchten, dann gehen Sie mal nach England. Ja, ein Physiker kann Mathe lehren, er muss auch nicht schlecht tun - hat aber nicht den Überblick wie ein Mathematiker.

    Schulen sollten nicht Zulieferer von Humankapital für die Wirtschaft sein, sondern Orte der humanistischen Bildung, der allgemeinen Bildung welche mündige Menschen "hervorbringt". Und das lässt sich bei einer Verflechtung mit der Wirtschaft schwerer oder gar nicht erreichen.

    "M.E. sollte niemand Lehrer werden dürfen, der nicht zuvor schon ERFOLGREICH einen anderen Beruf ausgeübt hat und bitte in der freien Wirtschaft, nicht im Staat!"

    Wir hatten mehrere solche Lehrer. Das waren aber gerade diejenigen, die unglaublich schlecht und motivationsbefreit unterrichtet haben. Insofern: Schlechter Vorschlag!

    wir brauchen professionelle Lehrer, ja. Aber niemanden, der, nach dem er oder sie im Job mehr oder weniger erfolgreich war, dann der Meinung ist, auf einmal Lehrer spielen zu können. Nichts anderes ist das. Und das Referendariat wird sich niemand freiwillig antun, der nicht Lehrer werden möchte. Dort geht die Erziehung zum Kriechertum nämlich los. Man ist mit abgeschlossenem Universitätsabschluss, als erwachsener Mensch plötzlich von der gutsherrenhaften Gönnerschaft des Studienseminars abhängig, dass ohne Nennung von konkreten Gründen 7 Jahre Ausbildung in den Wind schießen kann. Viele meiner Kollegen haben die Ideale, diese jungen Menschen zur mündigen Selbsttätigkeit zu erziehen, Ihnen dabei zu helfen, ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten oder neue Perspektiven zu eröffnen. Aber machen Sie das mal mit 32 Jugendlichen in einem Raum. Es ist ganz oft ganz viel Handwerk, der Idealismus bleibt dank Bürokratie, Reförmchen hier Reförmchen da auf der Strecke.
    Ich bin gegen den Beamtenstatus von Lehrern, aber dann auch mit allen Konsequenzen: Von 8 bis halb 5 Präsenzzeit in der Schule, 30 Urlaubstage. Und Überstundenregelung. Meine Prognose: der Staat könnte sich das schlicht nicht leisten. Deswegen ist das Abschaffen des Beamtenstatus meiner Meinung nach eine Utopie.
    Ich erlebe viele motivierte und gute Lehrer, die versuchen, ihren Job bestmöglich zu machen. Und ich erlebe viele externe Dinge, die sie daran behindern. Aber es muss ja alles vergleichbar sein in Bildung.

    Alles, was ich in der Schule gelernt habe, habe ich illegal gelernt - und musste mir noch dumme Sprüche sogenannter "Lehrer" anhören, weil ich es wagte, mich während ihres unsäglichen Verdummungsunterrichts mit Büchern weiterzubilden, die für mich angeblich "noch nichts" wären, die "meinen Horizont überstiegen", die "eh kein Mensch verstünde" etc.

    Sie armer Mensch!!! Nun ja, dank Papis Kohle haben Sie Ihren Doktor ja doch noch machen können... Da kann sich das faule Lehramtspack ja noch ne dicke Scheibe von abschneiden von so Engagement!
    Ich studiere selber Lehramt und kann nur folgende Beobachtung machen: Lehramtsstudenten kommen i.d.R. nicht aus den finanziell starken Elternhäusern. Diese Tatsache bringt es mit sich, dass Lehrämtler neben ihrem Studium fast ausnahmslos Nebenjobs haben um ihr Studium überhaupt finanzieren zu können (BAFöG reicht hinten und vorne nicht), und somit mehr als ausreichend erfahren was es heißt zu schufften und sich die Hände schmutzig zu machen. Haben Sie nebenher arbeiten müssen, Herr Dr.?
    Die Vorstellung, dass das Lehramtsstudium bequem und einfach sei und die daraus hervorgehenden Lehrkräfte also faul, hält sich leider hartnäckig und wird nie ausrottbar sein. Ihre Forderung, dass niemand Lehrer werden dürfte, der nicht zuvor schon erfolgreich einen anderen Beruf ausgeübt hat, ist ziemlich unverschämte und arrogant!

    • BerndL
    • 25. März 2012 21:54 Uhr

    halte ich für einen Skandal. Es zeigt die Missachtung, die man in unserer Gesellschaft dem Beruf des Lehrer entgegenbringt, also der Berufsgruppe von Menschen, die sich mit der Bildung und Erziehung unserer Kinder beschäftigt.

    Ich habe beruflich im Bildungssystem zu tun und treffe dort hin und wieder auch Personen mit Ansichten, die dem Autor dieses Beitrages ähneln. Wegen der ZO Nettiquette möchte ich nicht mehr dazu sagen.

    Eltern sollten Schule und Lehrer unbedingt unterstützen und am gleichen Strang ziehen. Ich hoffe, dass Meinungen wie die des Autors von Beitrag 5 nur von einer Minderheit geteilt werden.

    Das bedeutet doch aber heute nur, daß sich die mächtigsten Wirtschaftskonzerne schon von der Schulbank weg ihre Produkt-und Markt-bezogenen loyalen Wissenschaftler rekrutieren und heranziehen können.

    1. Was sollte in der Wirtschaft erfolgreiche Menschen dazu bringen, ihre Karrieren gegen Lehrertätigkeiten zu tauschen? Selbst wenn man Ingenieur(inne)n z.B. 10.000,-- € statt bisher 8.000,-- € bieten sollte, wage ich zu zweifeln. Zudem wären das vermutlich dann besonders geldgierige Lehrkräfte... Abgesehen davon, was sollen Philolog(inn)en vorher in der Wirtschaft getan haben?

    2. Lehrer(innen), die vorher in der Wirtschaft tätig waren, wechseln meist wegen Misserfolg und/oder Arbeitslosigkeit. Das müssen keine schlechten Lehrer(innen) sein, aber die erfolgreichsten waren sie meist nicht.

    3. Warum sollten Firmen ehemalige Lehrkräfte einstellen, wenn nicht in völlig unterqualifizierten Tätigkeiten? Mathematik- und Physik-Lehrer(innen) können nicht automatisch konstruieren, von Philolog(inn)en ganz zu schweigen.

  5. 6. Lehrer

    Sicher ist in deutschen Schulen manches verbesserungswürdig. Aber ich finde es verkehrt, über die "schlechten Lehrer" zu meckern. Klar, es gibt einzelne, die schlicht überfordert oder verbittert sind. Auch ich habe solche gehabt. Aber ich hatte auch viele hervorragende Lehrer, die nicht nur fachlich sondern auch menschlich vorbildlich waren. Die Mehrzahl der Lehrer in Deutschland macht einen tollen Job. Gedankt wird es ihnen fast nie, stattdessen ist es gesellschaftlich en vogue, die Lehrer anzufeinden und ihnen pauschal Inkompetenz zu unterstellen. Und an schlechten Leistungen ist natürlich auch immer der Lehrer schuld...

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    "Die Mehrzahl der Lehrer in Deutschland macht einen tollen Job. Gedankt wird es ihnen fast nie, stattdessen ist es gesellschaftlich en vogue, die Lehrer anzufeinden und ihnen pauschal Inkompetenz zu unterstellen. Und an schlechten Leistungen ist natürlich auch immer der Lehrer schuld..."

    Oder die Diskriminierung. Anders kann es ja auch gar nicht sein, oder?

    Als ich vor vielen Jahren in die Schule ging, gab es für schlechte Leistungen nur zwei mögliche Erklärungen: Zu dumm oder zu faul oder beides. Andere Gründe wurde gar nicht in Betracht gezogen. Mir persönlich fallen ehrlich gesagt auch keine anderen ein. Heutzutage scheint man lediglich sehr viel kreativer geworden zu sein, die Verantwortung für eigenes Unvermögen oder eigenen Unwillen an andere zu delegieren.

    Lehrer macht sicher einen guten Job. Aber woher kommen dann die ca. 70.000 Schüler, die ohne Abschluss die Schulen verlassen? Sicher nicht alleinige Schuld der Lehrer, aber beteiligt daran werden sie auch sein. Da gäbe es noch einiges zu untersuchen.

  6. Offenbar hatten Sie viele "schwarze Schafe" - denn ich kann von meiner Erfahrung in Deutschland keine Ihrer Beobachtungen bestätigen.

    Was aber auch interessant wäre - auf welche Schulform beziehen Sie sich? Da wird es auch Unterschiede geben.
    (Ich beziehe mich auf ein eher konservatives Gymnasium)

    6 Leserempfehlungen
    • RaphV
    • 24. März 2012 11:32 Uhr

    Ich habe vor einigen Jahren mein Abi gemacht und muss sagen, dass aus der Zeit vor allem die Erinnerungen an die guten Lehrer geblieben sind. Natürlich gab es schlechte Lehrer, wie in dem Artikel beschrieben. Aber ich hoffe für jeden Schüler, dass er sich nicht von solchen Lehrern beeinflussen lässt.

    Es gibt immer noch einige Lehrer, die ihren Job gerne und gut machen. Auch eigenes Engagement wird bei solchen Lehrern entsprechend gewürdigt.

    Teilweise habe ich mich wirklich mit meinen Lehrern angelegt, wenn mir etwas nicht gepasst hat und als "Kriecher" würde ich mich schon gar nicht bezeichnen. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, war ich einer der besten Schüler.

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    ... als "Job" zu bezeichnen – allein das disqualifiziert Sie als ernstzunehmenden Diskutanten.

    ... sind schlechte diskutanten!

    Beim ersten Lesen des Artikels schwankte ich von Zeile zu Zeile zwischen lautem Lachen und stiller Zustimmung.
    Ich befinde mich in der letzten Phase meiner Zeit am Gymnasium und kann viele Gedanken, die in den Leserartikel einflossen, sehr gut nachvollziehen. Wie oft haben wir uns in den Pausen oder außerhalb der Schule über den fehlenden Raum für einen Lern"prozess" ohne Leistungsdruck aufgeregt. Besonders in den Abiturjahren 11 und 12 häuften sich die Leistungskontrollen extrem - das "Lernen für's Leben" ging großräumig flöten.
    ein ganz anderes Thema sind die gebrochenen Lehrerpersönlichkeiten. Ich stimme in diesem Punkt RaphV vollkommen zu. Es gibt auch Lehrer, die mich sehr positiv beeinflusst und inspiriert haben. Ich habe mich daher sogar für ein Lehramtsstudium entschieden. Pauschale Abwertungen der deutschen Lehrer finde ich sehr fragwürdig.
    Dieser Artikel zeigt wieder, wie groß der Einfluss der Lehrer auf die Schüler ist und wie stark die Schulzeit prägt.

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Autonomie | Erzählung | Lehrer | Redaktion | Räuber | Schule
Service