Schulunterricht : Gute Noten gibt es nur für Kriecher

Aus der klassischen Literatur erfahren Schüler vom Ideal des mündigen und freien Menschen. Doch die Schule selbst vermittelt genau das Gegenteil, meint unser Leser.

Während meiner Schulzeit hatte ich mit sehr vielen Lehrern zu tun, an die ich positive als auch negative Erinnerungen habe. Wenn ich mich an die fünfte und sechste Klasse erinnere, wird mir bewusst, wie viel Angst ich doch manchmal hatte. Auch später noch. Oft hatte ich das Gefühl, dass diese Vertrauenspersonen und Bildungsbeauftragten nicht das sind, was sie eigentlich sein sollten.

Mir stellte sich die Frage, was unser Schulsystem uns überhaupt lehren soll. Besonders hat mich dieses Thema in den letzten Jahren der Oberstufe beschäftigt, denn wir lasen Goethe, Schiller, Büchner, Frisch und vieles mehr. Vermitteln deren Werke nicht ein Menschenbild, das auf Autonomie, Humanismus und Freiheit des Individuums fußt? Kritisiert Hesse in seiner Erzählung Unterm Rad nicht, wie brutal Leistungsdruck sein kann? Wie lächerlich diese Werte wirken, wenn ich an meinen Schulalltag denke.

Ich kann einige Lehrer verstehen, die sich diesen wichtigen und verantwortungsvollen Beruf nicht aus Leidenschaft, sondern aus Perspektivlosigkeit gewählt haben. Doch wie kann es sein, dass da welche sind, die trinken und Schüler schikanieren, oder auch einfach nichts tun! Vor Jahren hatten wir zum Beispiel bei einem Lehrer Unterricht, der uns ausschließlich Filme zeigte und sich ab und zu im Hinterraum ein paar Schlucke aus dem Flachmann genehmigte.

Ich habe erlebt, wie Schüler fertiggemacht wurden und weinend aus dem Klassenzimmer rannten. Wie oft saß ich da und hatte Angst, etwas zu sagen. Nicht, weil ich die Antwort nicht wusste, sondern weil ich Angst vor dem Lehrer hatte. Bei einem Lehrer saßen wir alle angespannt im Unterricht. An manchen Tagen war er freundlich, an anderen aggressiv. Wenn er schlechte Laune hatte, ließ er sie immer an den Schülern aus. Er schikanierte sie und ließ ihnen keine Chance, sich zu wehren. Mich hat die Hilflosigkeit in dieser Situation verstört, denn wir konnten absolut nichts dagegen unternehmen.

Die Mutigen, die sich nicht unterwerfen wollen, werden irgendwann gebrochen oder fliegen von der Schule. Weg sind sie, die Werthers, adé Schillers Räuber! Wie war das noch mal mit dem Ausgang des Menschen aus der Unmündigkeit? Sturm und Drang? Das ich nicht lache. Niemand möchte sich die Noten durch Mündigkeit versauen.

In der Dienstordnung für Lehrerinnen und Lehrer steht, dass sie uns insbesondere auch zur Selbstständigkeit erziehen sollen. Das bedeutet doch einen mündigen, aufgeklärten Menschen unter Berücksichtigung seiner Bedürfnisse formen, oder? Doch wie viele werden für eine gute Note zu Kriechern, die dem Lehrer hinterhersabbern wie Pawlowsche Hunde.

Unser Schulsystem spiegelt auch unsere Gesellschaft wider. Individualität wird bestraft, Gehorsam und Mittelmäßigkeit werden belohnt. Im Prinzip zählen Egoismus und Gier – jetzt in der Schule, später auch im Beruf. Schnell studieren, bloß nicht warten! Am besten sofort arbeiten und Geld verdienen. Wer braucht schon Urlaub. Weiter schuften bis ins Grab, ohne je gelebt zu haben. Von den Werten der großen Literaten keine Spur.

Der Name des Lesers ist der Redaktion bekannt.

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Kommentare

292 Kommentare Seite 1 von 31 Kommentieren

Durchwachsener Artikel

Meines Erachtens werden viel zu viel Probleme durcheinandergeworfen. Da sind zum Einen demotivierte Lehrer, zum anderen Kritik an hohen Leistunganforderungen (Schule->Uni->Arbeiten->kein Urlaub) und dann wieder stört der Autor sich daran, dass Mittelmäßigkeit zu sehr gefordert wird.

Bei allem Respekt, aber dieser Artikel klingt weniger nach einer konstruktiven Gesellschaftskritik, als vielmehr nach einem frustrierten Schüler, der mit sich und der Welt nicht zurecht kommt.
Ich hatte auch richtig schlechte Lehrer, war auch mal unzufrieden mit meinen Lebensumständen und hab mich an dem Desinteresse und der Unterwürfigkeit der Anderen gestört.

Aber eins habe ich inzwischen begriffen - ein guter Schüler kann auch bei schlechten Lehrern lernen. Die schlechten Schüler dagegen sind, welche gute Lehrer bedürfen - und gerade bei den demotivitiertesten und schlechtesten Lehrern kann man am Besten Selbstständigkeit und Unabhängigkeit erlernen.

Niemand erzieht Dich zu einem unabhängigen Kopf. Du entscheidest Dich selbst, unabhängig und frei zu sein, oder Du bleibst (wie "die Mittelmässigen") eben nur jemand, der mit dem Strom schwimmt. Das ist in jedem System so, egal was das System vorgibt.

mfg henry

P.S. Aber mach Dich bitte nicht mit diesem Gejammer zum Schluss lächerlich - nie waren die Leistunganforderungen an eine Generation niedriger als an unsere. Wir leben im Frieden, haben ein gewachsenes Sozialsystem und müssen in den meisten Bundesländern für Bildung keinen Cent zahlen.

Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke, die Redaktion/lv

@henry06

Sie haben den Artikel sehr gut bewertet. In der Tat handelt es sich um eine Mischmasch an Kritik - und zeigt damit doch sehr schön, worauf Schule tatsächlich vorbereitet: Auf's Leben! Denn anders, lieber Autor, wird's im späteren Leben, an der Uni, im Beruf und in vielen Fällen auch im Privatleben auch nicht weitergehen.

Und sehr treffend der Hinweis von henry06, dass die Leistungsanforderungen in der Schule noch nie so gering waren wie jetzt. Gerade wenn Sie auf Hesse Bezug nehmen, dann sollten Sie sich Mal damit auseinandersetzen, was der für einen Schultag hatte. Das ging morgens um sechs los und war ein durchgehendes Paucken bis in die frühen Abendstunden hinein. Hesse hat das, einschließlich seiner nach dem ganztägigen Lernen durchlittenen Kopfschmerzen, sehr gut beschrieben. Gerade wenn Sie Hesses Lernalltag kennen, müssten Sie wissen, dass die Anforderungen des modernen Schulsystems dagegen läppisch sind.

Und Lehrer, die launisch waren und sich an ihren Schülern "austobten" hatten wir auch! Darüber hinaus waren 80 % der Lehrer, die ich hatte, einfach absolut schlechte Pädagogen. Die konnten einfach Ihr eigenes Wissen nicht vermitteln, einen nicht motivieren, keine Interessen wecken. Dass das anders ging, zeigten die anderen 20 % Lehrer. Wir haben damit leben müssen und können - und uns vorgenommen, alles besser zu machen. Aber ob wir's wirklich besser machen?

NiklasM;@117...Leistungsanforderungen.

Ein kleiner Zeitquerschnitt.

Vor mehr als 80 (achtzig) Jahren machte meine Mutter Abitur.

Vor mehr als 50 Jahren machte ich Abitur und benutze in der Oberstufe die "Logarithmentafel nebst mathematischem Anhang" meiner Mutter aus dem Jahre 1925. Wir hatten beide also Ende der fünfziger Jahre gleiche Anforderungen an den Lehrstoff in Mathematik.

Anfang der 80er Jahre benötigte man diese Logarithmentafel nicht, da es möglich war Mathe als Leistungskurs sowie Deutsch abzuwählen und erhielt trotzdem das Abitur.

Da meine ersten Enkel vor fünf Jahren Abitur machten, kann ich Ihnen versichern, dass ich damals im Alter von siebzig Jahren noch in der Lage war bei mathematischen Problemen der Klasse 13 beizustehen.

Es gab und gibt einen Rückschritt in der Leistungsanforderung der letzen Jahrzehnte.

Leistungsanforderung verändern sich - auch durch Technik

Die Schulmathematik bis zum Abitur ist seit nahezu 100 Jahren unverändert. Aus diesem Grund bezeichnen Mathematiker sie auch als Elementarmathematik. Was sich hin und wieder ändert, ist der Grad der Formalisierung, es wird wechselnd mehr Wert auf Rechentechnik und Anwendungen gelegt als auf mathematische Modellierung und Formalisierung und dann wieder umgekehrt. Da es in allen Ländern eigene Kultusministerien gibt, ist das wohl auch nicht durchgängig in ganz Deutschland. Schon von Schule zu Schule gibt es da Unterschiede, je nach der Schulleitung und der Lehrer.

Seit den 80er Jahren benötigt man schlicht und ergreifend keine Logarithmentafeln und Rechenschieber mehr, weil zunächst Taschenrechner und später Computer-Algebra-Systeme in den Schulen benützt werden. Hier kommt es also nicht mehr so sehr auf die Rechentechnik als auf das Verstehen dessen an, was genau man da berechnet.

Ob an den Skandalisierungen, dass junge Leute keine Mathematik mehr können, etwas dran ist, läßt sich schwer beurteilen trotz Pisa-Studien und ähnlichem mehr. Möglicherweise möchten junge Leute einfach nicht an der Nase herumgeführt werden, um den Popanz einer Pädagogik willen, die ihnen Erklärungen vorenthält und Leistungen von ihnen abverlangt, die vorher nicht gelehrt wurden. Nach wie vor gilt: Vormachen, Erklären, Nachmachen, Üben. Dann erst ist man in die Lage versetzt, den Schulstoff zu reflektieren und eigene Fragen zu formulieren.

Die größten Duckmäuser werden ÄrztInnen

Nur wer in der Schule absolut angepasst ist, schafft das 1er-Abi, um Medizin zu studieren. Dabei zählen für die Qualifikation eines Arztes ganz andere Merkmale, als diejenigen, die in der Schule benotet werden. Entsprechend viele Medizinabsolventen weigern sich dementsprechend, einen Job in einem Krankenhaus anzunehmen (gilt als sehr stressig), sodass in deutschen Krankenhäusern ein eklatanter Ärztemangel entstand, vor allem in den chirurgischen Fächern, die bei den notorisch weiblichen Abiüberfliegern besonders unbeliebt (weil hart und "schmutzig") sind. Die angepassten Überfliegerinnen der Medizin wollen natürlich auch nicht aufs Land, weil der Beruf des Landarztes eben noch ganz andere Anforderungen stellt, als das Wiederkäuen von fragwürdigem schulischen Wissen.

Leistungsanforderungen

Sie haben gleichzeitig Recht und auch nicht Recht.

Wir haben zum Beispiel eine völlig überfrachtete Grundschule. Der Lernstoff hat in den letzten Jahren enorm zugenommen, wobei die Lehrstundenzahl gleich geblieben ist. Die Folge ist, dass die Kinder nach den vier Jahren alles mögliche ein bisschen können, aber nichts wirklich richtig.

Hinzu kommt die Experimentierwut der Soziologen bezüglich Lernmethoden oder anderen reizenden Neuheiten, wie z.B. die vereinfachte Ausgangsschrift, eine völlig untaugliche Schreibmethode, insbesondere dann, wenn die Kinder schneller schreiben müssen. Es ist schlicht nicht lesbar.

Die von Ihnen angesprochene Taschenrechneritis kann ich auch nur bestätigen, aber auch hier können die Kinder nichts dafür. Was passiert übrigens? Die Eltern bzw. Großeltern setzen sich nachmittags zuhause mit den Kindern hin und bringen ihnen das bei, was Schule morgens nicht macht. Wer immer nur den Taschenrechner benutzt, muss spätestens beim einfachen Dreisatz scheitern. Mathematik muss man sich vorstellen können, man muss es verstehen. Und genau das lernt man nicht durch Eintippen. Mal abgesehen davon, dass man auch ohne Strom in der Lage sein muss, mal etwas zu Fuß zu entwickeln.

Schulpolitik ist Parteipolitik und da liegt m.E. das Kernproblem. Dadurch hangelt sie sich von Legislaturperiode zu Legislaturperiode und erfährt nichts weiter als ein paar Schönheitsreparaturen. Ein bisschen Übertünchen hier und etwas Flickwerk da.

Sieht doch schön aus...;)

@ 131 Ach wirklich?

Man sollte sich vor deartigen Verallgemeinerungen hüten, finde ich.

Meine Tochter war nie duckmäuserhaft, schaffte dennoch ein sehr gutes Abi und studiert nun Medizin. Die Studienanforderungen sind sehr hoch und ich bezweifle, dass etwa die Anforderungen in Fächern wie Biochemie von -sagen wir- 3er Abiturienten zu bewältigen sind.

Sie leidet allerdings ein wenig darunter, dass es sich bei der Mehrzahl ihrer KommilitonInnen um "klassische"Streber handelt, die weniger an der Materie als an guten Noten interessiert sind und die sich dementsprechend bei den Profs "einschleimen". Insofern stimme ich Ihnen zu.

Was die angebliche Ablehnung von "schmutzigen" Fächern anbelangt, so hat meine Tochter die Erfahrung gemacht, dass es eher die Profs sind, die den Studentinnen davon abraten! Sie selbst möchte unbedingt in die Chirurgie,es wurde ihr aber eher gönnerhaft nahegelegt, dies doch nochmal zu überdenken. Das sei für Frauen doch eher ungeeignet...

Zur Situation in den deutschen Krankenhäusern bleibt festzustellen, dass die Arbeitsbedingungen dort in der Tat auf Dauer unzumutbar sind und zwar sowohl für das Pflegepersonal als auch für die ÄrztInnen.

künstliche Intelligenz, ...

wenn ein "medizinisch_holographisches Notfallprogramm" das Wissen aus zig Kulturen für den medizinischen Bereich präsent machen kann (gesammelt in ... Jahrhunderten, anwendbar in ... Jahrzehnten???), dann wäre die Frage, welche KoordinationsFunktion die Spezies Mensch für die Anwendung dieses Wissens (und künstlicher Intelligenz) dann hat. Geschaffen haben werden diese Errungenschaften oft die Strebsamen und teils unbeliebten "Fach'Lang(ver)weiler" des Klassenalltags und dabei können die Neidvollen nicht anders, als Dominanz durch Unterminierung anzustreben (wofür fühlten diese sich sonst zuständig? - also in Bezug auf weltreligiöse Prinzipien, als Beschreibung des Weltverständnisses von Majoritäten, bspw. Shiva (glücksverheißend), als Prinzip der Dekonstruktion???)

Wir könnten soviel Sinnvolleres mit 'dieser' Zeit anfangen ...
(und Ideen vernetzen, gleich unseren Synapsenstrukturen - proaktiv und mit dem Leben Aller vereinbar _ darin liegt die Herausforderung für das Bildungssystem von Persönlichkeiten und Wissen und Können?)

Die Verkennung der Bedürfnisse von Mehrheiten zum Vorteil von elitärer Vorpositionierung (im "schlechteren" Ansatz zur Wahrung unseres NeuNeandertalerStatus) mag Leitfunktionen festigen, soziales Durch(Mit)einander weniger???

Lächerlicher Konkurrenzkampf um den Medizinstudienplatz

Dass selbst für ein Medizinstudium, das in Deutschland als eine Art von Belohnung für die besonders braven Schüler gilt, diese übergroße Anpassung in der Schule unnötig ist, zeigen die Verhältnisse in unseren Nachbarländern, wo es fast nirgendswo anders eine derartige Koppelung von Abiturdurchschnitt und Medizinzulassung gibt.
Deutsche Medizin-NC-Flüchtlinge, mit oft nur durchschnittlichen Abinoten, studieren z. B. oft sehr erfolgreich in Österreich, wo für das Medizinstudium nicht der Abischnitt zählt, sondern ein Zulassungstest, der z. B. auch die in Deutschland völlig vernachlässigte soziale Kompetenz prüft.

Nach meinen eigenen Erfahrungen ist ein Medizinstudium kaum schwieriger als andere Studiengänge. In ganz Osteuropa gibt es entsprechend gar keine Zulassungsbeschränkungen für Medizin, nirgendswo sonst wird ein derartiges Theater um die medizinische Ausbildung gemacht wie in Deutschland. Trotzdem fehlen Tausende von Ärzten und die ärztliche Versorgung ist in weiten Teilen Deutschlands nicht wirklich gesichert.

Fatales Elitetum

Ich stimme Ihnen zu, dass man sich mit Aussagen wie "Die größten Duckmäuser werden ÄrztInnen" zurückhalten sollte, da ich nicht die Meinung vertrete, dass gute Noten mit Duckmäusertum zusammenhängen.
Ich halte es jedoch für überheblich und anmaßend zu behaupten, dass jemand der nur ein 3er-Abitur vorweisen kann, den Druck eines Medizinstudiums nicht bewältigen könnte. Noten sagen nichts über einen Menschen und seine wirklichen Fähigkeiten aus! Doch genau wegen dieser Fehlannahme ist es Leuten mit 3er-Abitur nicht möglich Medizin (und andere NC-Fächer) zu studieren und ich wage zu behaupten, dass unserem Land damit sehr viel Potential abhanden kommt! Gleichzeitig fördert der NC ein fatales Elitetum, denn jeder 1er-Abiturient denkt, dass sein Note nun ein Medizin- oder wahlweise Jurastudium verlange.
Und dann guck sich einer die arroganten Schnösel mal an, die da teilweise über die Krankenhausflure wandeln: Von emotionaler und sozialer Kompetenz keine Spur, aber Hauptsache eine 1 auf dem Zeugnis...

Im Ernstfall,

wenn es um mein Leben geht, ist mir ein hochnäsiger Schnösel, der aber sein Fach beherrscht, tausend mal lieber, als ein relativierter Absolvent, dessen naturwissenschaftliches Wissensfundament wackelig ist.

Natürlich sind Noten relativ. Deshalb zählt auch nicht mehr nur eine einzige Klausur für den Abschluss. Aber jemand der konsequent sich im Dreier-Bereich aufhält, ist m.E. eben doch nicht für ein medizinisch-naturwissenschaftliches Studium geeignet. Seine Fähigkeiten liegen bestimmt woanders und da gibt es ganze Bandbreiten.

Eigentlich ist es doch gut, dass es wirklich viele Möglichkeiten gibt und ebenso ist es gut, dass es Menschen mit herausragenden Begabungen gibt, von deren Fähigkeiten dann wieder andere profitieren.

Harald Martenstein hat das mal in einer seiner Kolumnen hervorragend zum Ausdruck gebracht:

http://www.zeit.de/2011/4...

"... »Der Erfolgsdruck ist weg«, sagt die Rektorin. Bei ihr selber ist der Erfolgsdruck ja auch weg. Offenbar steuern wir auf eine Gesellschaft ohne Erfolgsdruck, ohne ehrliche Antworten und ohne Rechtschreibung zu...."

Mal ehrlich, kennen Sie das naturwissenschaftl.

Wissensfundament unserer Mediziner? Wenn Sie sich darauf
verlassen unter Inkaufnahme der "Schnöselmanieren", dann
Gnade Ihnen Gott. Aber wir sollten festhalten: Es gibt
trotzdem viele gute Mediziner.
Das Medizinstudium als solche ist kein Studium, das
besodere geistige Abstraktionspotentiale beansprucht.Wer in
der Schule immer fleißig war und gut Auswendiglernen konnte,
ist dort bestens aufgehoben. Dass die Promotion in Medizin
in den allermeisten Fällen längst nicht den Aufwand und den
Anforderungen in z.B. Geisteswissenschaften, Jura oder gar den Naturwissenschaften z.B. Mathematik oder Physik entspricht, ist allgemein bekannt, wenn auch nicht
allgemein kolportiert.

Was aber, wenn der hochnäsige Schnösel...

...sich nicht Hände und Hose schmutzig machen will, wenn Sie blutend im Straßengraben liegen? Sie vergeblich im Alter auf seinen Hausbesuch warten, weil er lieber gut bezahlter Modefacharzt geworden ist? Oder er Ihnen für die internistisch notwendige Operation den 6-fachen Satz berechnet, den Sie nicht zahlen können? Würden Sie dann nicht doch den helfenden 3er-Kandidaten akzeptieren?

Die Unterstellung,

dass ein Dreier-Kandidat als Arzt per se ein besserer Mensch ist, als ein Einser-Kandidat, ist durch nichts zu halten bzw. zu belegen. In meinen Augen ist das schlichter Unsinn.

Vielleicht ist der Dreier-Kandidat einfach nur eine faule Lusche und hat im Zweifelsfall keine Ahnung von meinen Beschwerden?

Die gnadenlose Gleichmacherei und der wachsende Relativismus führen einfach nicht weiter. Warum fällt es so schwer, Menschen zu akzeptieren, die es einfach besser können, die begabter sind oder sich einfach mehr einsetzen, als andere?

Wozu führt das?

Es führt z.B. dazu, dass gerade gute Schüler sich mehr und mehr aggressiven und zerstörerischen Mobbingattacken ausgesetzt sehen. Nicht der gute Schüler ist der coole, sondern der Verweigerer mit der großen Klappe.

@browserhexe

Sie geben zu, dass Noten relativ sind, sagen aber im selben Atemzug, dass jemand für ein naturwissenschaftliches Studium nicht geschaffen ist, wenn er sich im 3er-Bereich aufhält. Ihnen ist bewusst, dass die Abiturnote eine Durchschnittsnote ist, oder? Wenn die Schülerin/der Schüler in den Mathe, Bio, etc. mit Einsern glänzt aber im Rest versagt, dann hat sie/er auch eine 3 im Abi und kann keine Medizin studieren, obwohl die Naturwissenschaften offensichtlich kein Problem darstellen.

Der Durchschnitt

Wenn ich die Füße im Feuer und den Kopf im Eisschrank habe, dann bekomme ich auch höchstwahrscheinlich eine Durchschnittstemperatur. Trotzdem geht es mir nicht gut.

Wenn einer ein Ass in Naturwissenschaften ist, dann braucht er Fünfen und Sechsen in den Sprachwissenschaften, um im Durchschnitt eine Drei zu bekommen. Das ist in meinen Augen höchst unwahrscheinlich. Außerdem würde er das Abitur damit nicht bestehen, denn die Sprachen gehören zum Pflichtbereich und mit einer oder mehreren Fünfen würde niemand das Abitur bestehen.

Vielmehr wird Ihr Dreier-Kandidat sich eher überall im Dreierbereich bewegen und hat demzufolge bestimmt viele andere Talente, die außerhalb des Arztberufes liegen.

Es gibt Kriecher

im Schulsystem. Die gibt es aber überall, weil es überall Kriecher gibt. Ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung ist so und zwar schon allein deshalb, damit die statistische Verteilungskurve wieder stimmt.

Und? Was soll uns das sagen?

Ich wäre glücklicher, wenn niemand kriechen würde bzw. niemand das Gefühl haben müsste, er käme nur durch kriechen weiter. Ich bin aber realistisch genug, um zu erkennen, dass das ein unerreichbares Ziel ist.

Vielleicht sollten wir einfach das Schulsystem anders aufteilen? Vielleicht wäre es sinnvoll, auch das Gymnasium z.B. in eine Art Middle School und Senior High School aufzuteilen, damit jeder Schüler noch einmal neue Startchancen bekommt und aus der feststehenden Hackordnung der Mitschüler entkommen kann? Denn auch dort gilt: ein Mal unten - immer unten!

Es gibt keine Freiheit,

selbst wenn Sie ein Aussteigerleben führen und nur noch von dem leben, was Sie auf eigenem Boden anbauen, dann müssen Sie zunächst das Geld irgendwoher bekommen, um diesen eigenen Boden zu finanzieren und ab dann sind Sie u.a. vom Wetter abhängig, um eine vernünftige Ernte zu bekommen.

Ansonsten haben Menschen Berufe und da ergeben sich ganz zwangsläufig Abhängigkeiten. Es ist also eine Illusion, Menschen zu vermitteln, sie würden nach dem Abitur ein unabhängiges Leben führen.

Was man sicherlich vermitteln kann, ist die Freiheit des Geistes und da haben wir z.b. sehr positiv festgestellt, dass es ein unglaublicher Befreiungsschlag sein kann, wenn Kinder z.B. in der Oberstufe die Chance bekommen, sich durch Schulwechsel neu zu positionieren und aus der festgefahrenen Strukturen herauskommen.

Wir sind da kaum voneinander entfernt....

...denn der Freiheitsbegriff, von dem der Autor spricht, ist ein anderer, wie Sie selbst richtig schreiben, geht es um die Freiheit des Geistes, nicht um Leistungsverweigerung. Und Schulwechsel, ja sogar Einschlagen eines anderen (Bildungs-)weges, um sich zu befreien aus Strukturen, die für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit ungesund sind: Selbstverständlich einverstanden. Besser noch: Reformierung ungesunder (zum Kriechen, Gier oder Egoismus) führender Strukturen in Kindergarten,Schule und! Gesellschaft, damit Wechsel erst garnicht erforderlich werden.

Da geht die aktuelle

Schul- und Bildungspolitik aber in die völlig andere Richtung. Es wird schon bei den allerkleinsten Krippenkindern als Erfolg gefeiert, wenn es sich anpasst und z.B. nicht mehr weint, wenn die Mutter oder der Vater gehen.

Ebenso der Ganztagsbetrieb Schule, der nun als Lösung aller gesellschaftlichen Probleme, angefangen von Problemen des Prekariates bis hin zu den Karrieremöglichkeiten für alle Eltern. Welche Chance hat dann das einzelne Kind noch auf Privatsphäre, Austesten, Ausprobieren. Schule als Halbtagsbetrieb lässt da viel mehr Freiraum.

Und was die Aufteilung der - m.E. zu langen Gymnasialzeit - betrifft, so war mein Vorschlag durchaus Ernst gemeint. Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, aber ich war nach 9 Jahren Gymnasium die Schule, die Lehrer und meine Mitschüler einfach leid. Ich konnte keine der Pappnasen mehr sehen, hatte ihre pubertären Spinnereien und Turbulenzen ebenso erlebt, wie sie meine. Wenn man da nach 6 Jahren noch mal einen Schnitt machen kann, so ist das nicht nur höchst erfreulich, sondern sehr motivierend.

Deshalb habe ich vorgezogen, meine Gymnasien...

...nach der Mittleren Reife nicht mehr mit meiner anpassungsunfähigen Persönlichkeit zu belästigen (man hat mir lehrkörperseits die Beendigung meiner schulischen Karriere in ihrem ehrwürdigen Jungengymnasium nahegelegt) - und habe den steinigen zweiten Bildungsweg beschritten, von der Lehre bis zum Universitätsstudium, es hat mir nicht geschadet, im Gegenteil. Selbst meine untröstlichen Eltern haben eines Tages erkennen müssen: Ihr Sohn lässt sich nicht einsperren in ein "(Bildungs-)gefängnis", längst habe ich meinen Frieden gemacht mit ihnen, ich wünsche Ihnen und allen anderen Foristen von Herzen, daß Sie ausbrechen könnten aus krankmachenden Strukturen wann immer notwendig, ganz gleich, ob in Schule, Uni oder Betrieb.

Wie gut, dass Menschen unterschiedlich sind,

und unterschiedliche Begabungen auch ihren Platz finden.

Mein Mann hat übrigens auch den sogenannten 2. Bildungsweg eingeschlagen und es wird bis heute noch in Vorstellungsgesprächen als sehr positiv angemerkt, dass er eine praktische Ausbildung vor dem Studium absolviert hat. Er weiß eben, wie der berühmte Kamm von innen aussieht.

Ansonsten muss man als Eltern einfach seine Kinder auch beobachten. Bei manchen ist alles ziemlich klar. Das eine ist eher ein Denker-Typ und das andere eher ein Tüftlertyp und wieder ein anderes ist eher unbestimmt. Warum aber sollte der Denker nun unbedingt tüfteln müssen oder umgekehrt, nur damit eben alle gleich sind?

Das Problem heute allerdings ist, dass die Tüftler aufgrund der Strukturen des Schulsystems der großen Gefahr ausgesetzt sind, einfach frühzeitig aussortiert zu werden. Sie sind lästig. Sie passen nicht ins System und die vorgegebenen Lernstrukturen passen nicht zu ihnen. Sie sind eben nicht so angepasst, haben einen völlig anderen Lernzugang bzw. auch ein anderes Lernverhalten. Es sind diejenigen, die den Stoff sprichwörtlich beGREIFEN, im Sinne von anfassen, müssen. Trotzdem sind nicht minder intelligent. Sie entwickeln sich nur anders.

Für uns alles erst einmal Schnee von gestern. Alle besuchen die Universität und sind glücklich mit ihrer Wahl. Somit ist erst einmal Ruhe - bis die Enkel kommen :))

Unabhängiger Kopf

Niemand erzieht Dich zu einem unabhängigen Kopf.

Das habe ich anders erlebt. Zu meiner Schulzeit gab es eine einzige Lehrerin, die genau die richtigen Impulse gesetzt hat, so dass ich zu dem werden konnte, was ich heute bin. Wäre diese Lehrerin nicht gewesen und hätte mich nicht da abgeholt, wo ich stand, wäre ich vermutlich mittelmäßig geblieben. Alle anderen Lehrer waren nämlich nichts weiter als stupide Wissenvermittler, Automaten mit wenig Rücksicht auf Individualität. Diese eine Lehrerin hat unorientierten Schülern geholfen, in dieser Welt einen Platz zu finden, indem sie sie kurz an die Hand nahm. Solche Lehrer braucht jede Schule, sonst versandet die Gesellschaft in der Mittelmäßigkeit.

Mission accomplished: Kritik relativiert

Der Junge hat vollkommen recht. In vielen deutschen Schulen wird aktiv Gegen- bzw. Voraufklärung betrieben, während das Schulbild nach außen hin Modernität und Weltoffenheit vermittelt. Hier wird Kritik geäußert und nach alter deutscher Mentalität wird sie kaputt geredet statt ernst genommen zu werden. Freie und mündige Bürger sind kritische Einzelgänger, und genau dieses Menschenbild wird durch zunehmende institutionelle Organisation und eben dieser 'Zensurenkriecherei' bei Auslebung bestraft.

Volltreffer

Dieser kurze Kommentar spiegelt auf den Punkt meine Erfahrungen wieder, die ich bis jetzt, eine Woche vor Ende meiner Schulzeit, gesammelt habe.

Individuelle Leistungen die über den auswendig zu lernenden Stoff hinaus gehen werden nicht honoriert, es wird Wissen abgefragt und belohnt, nicht Verständnis der Materie.

Man muss keine komplexen Zusammenhänge erkennen und erklären, nein, man muss nur stumpf auswendig lernen, was der Lehrplan vorsieht.

Lehrer benoten nicht objektiv, was vor allem daran liegt, dass sich mit dem Notensystem nicht objektiv bewerten lässt. Es bekommen jene gute Noten, die in der ersten Reihe sitzen, immer freundlich lächeln und keine Fragen stellen die dem Lehrer etwas abverlangen würden.

In erster Linie wird gehorsames Humankapital für die Wirtschaft gezüchtet. Noch in 3 Jahren den Bachelor gemacht und dann bis zum Burnout schuften.

wie ist es in der berufswelt?

stimme 3. voll zu. und im beruf geht es genauso weiter. die meissten firmen verlangen kritische und kreative meinungen, eigeninitiative und eigenverantwortung, usw. . aber in der realitaet macht sich dieser mitarbeiter nicht beliebt. auch zusammenhänge verstehen können, ist wenig gefragt. derjenige der macht was ihm gesagt wird, der gehört zu den guten mitarbeitern.
einsatz zeigen ist auch im anforderungsprofil: der einsatz zeigende mitarbeiter verschickt noch kurz vor 24 uhr noch ein paar auf vorrat geschriebene emails. am besten noch mit vielen cc, damit alle sehen wie hart der absender doch arbeitet.
wie in der schule der angepasste schüler, ist auch in der wirtschaft der angepasste mitarbeiter der gewinner. vieles was der neue bp so sagt bzgl. eigenverantwortung, freiheit und gerechtigkeit stimmt wenig mit der wirklichkeit überein. das gilt aber auch für die politiker. dort wurde ein sprachgebrauch entwickelt, so dass keiner für irgendwas verantwortlich gemacht werden kann. usw... . der angepasste, ungeachtet seiner fachkenntnisse, wird minister. wenn es im ersten fachbereich schief geht, übernimmt dieser halt einen anderen bereich. wenn es dann wieder schief geht, er/sie aber immer nett war, wir er/sie nach brüssel befördert.

Gute Noten für Kriecher

Sicher hat nicht jede(r) so seine Schulzeit erlebt, aber wenn auch vereinfacht trifft es doch meine Erinnerung an drei Jahre Schule auf einem bayerischen Gymnasium in Bayern auf den Punkt. Angst ist kein pädagogisches Mittel und blockiert Schüler und Lernprozess, von Kreativität nicht zu reden. Im Beruf - auch da bin ich beim Verfasser - ist Klassenstrebertum gern gesehen, um den Unternehmenserfolg auf Kosten eines bereichernden Individualismus voranzutreiben. Aber auch das ist richtig: sieht man nach Syrien, und leider bei weitem nicht nur dorthin, sind wir doch frei in vielen Beziehungen und auch darin, schulische Prägungen im Leben wieder abzulegen.

rbtoblanco

Mein Gott, sie hatten offensichtlich eine harte Schulzeit.
Ihre Anklageschrift liest sich leider sehr subjektiv, ich kann Ihnen durchaus im Punkt" schlechte Lehrpersonen" zu stimmen, aber das als pauschal hinzustellen sagt viel über die Lehrer Ihrer Schule aus.

"Von den Werten der großen Literaten keine Spur."
Ich stelle mal die These auf, dass viele Lehrer mit diesen Idealen starten, aber nach und nach an Bürokratie, unsinniger Evaluierung und Bevormundung abstumpfen.Die zuständigen Ministerien legen mehr Wert auf Rechtssicherheit und irgendwelche "aussagekräftige" Statistiken, anstatt den Lehrer in seiner Person als ausgebildeten Akademiker zu respektieren. Und warum? Weil Bildung messbar sein soll, krankhaft soll eine unrealistische (Chancen)-Gleichheit inthronisiert werden.

"Ich kann einige Lehrer verstehen, die sich diesen wichtigen und verantwortungsvollen Beruf nicht aus Leidenschaft, sondern aus Perspektivlosigkeit gewählt haben"
Aua,....

Aua !

Zitat aus dem Artikel: "Unser Schulsystem spiegelt auch unsere Gesellschaft wider. Individualität wird bestraft, Gehorsam und Mittelmäßigkeit werden belohnt."
Das kann ich unterschreiben.
.
Zitat: "wie viele werden für eine gute Note zu Kriechern, die dem Lehrer hinterhersabbern wie Pawlowsche Hunde."
Ich frage mich, auf was für einer Schule der Autor war, und wann. Gute Noten bekommt man heute doch durch hartnäckiges Fordern. Oder, wenn man einen guten Rechtsanwalt hat.
.
Zitat: "Ich habe erlebt, wie Schüler fertiggemacht wurden und weinend aus dem Klassenzimmer rannten"
Ich habe erlebt, wie "Lehrer" fertiggemacht wurden und weinend aus dem Klassenzimmer rannten.