Abiturprüfungen seien nicht mehr zeitgemäß, meint Leser E. Schallhorn. Sie hätten ihre Aussagekraft verloren und dienten nur noch dem Image der Kultusministerien.
Das Abitur war früher eine Ausleseprüfung, die vor allem diejenigen bestanden, deren familiärer und sozialer Hintergrund sie dafür prädestiniert hat. Andere blieben auf der Strecke: Die oberen sozialen Schichten wollten unter sich bleiben. Eine Förderung von sozial oder leistungsmäßig Schwächeren war nicht vorgesehen.
Dr. Eberhard Schallhorn ist Studiendirektor a.D. in den Fächern Geografie und Deutsch. Er hat über 40 Jahre als Lehrer gearbeitet, die meiste Zeit an einem Gymnasium in der badischen Stadt Bretten.
Heute soll das Abitur hingegen für möglichst viele erreichbar sein. Es hat sich von einer ernstzunehmenden Hürde zu einer beinahe selbstverständlichen Veranstaltung am Ende der gymnasialen Schulzeit gewandelt. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg bestanden 2011 an den allgemeinbildenden Gymnasien des Landes 98,4 Prozent der Abiturienten die Prüfung. An den beruflichen Gymnasien schafften im gleichen Jahr immerhin 94,7 Prozent aller Schüler das Abitur, also immer noch fast alle.
Durchfaller im Abitur – genau wie Sitzenbleiber in den unteren Klassen – sind heutzutage nicht erwünscht, weniger aus Mitgefühl gegenüber den jungen Menschen, sondern weil sie dem Bildungssystem zusätzliche Kosten aufbürden. Würden viele Schüler die Prüfungen nicht bestehen, dann könnte das auf unangemessene Lehrpläne, mangelhaften Unterricht oder schlecht qualifizierte Lehrer hindeuten. Diesen Eindruck möchte jede Kultusbehörde natürlich unter allen Umständen vermeiden. Gute Abitur-Ergebnisse sind als Beweis für eine gelungene Bildungspolitik natürlich willkommen.
Die Durchschnittsnoten aus dem Abitur haben sich an den öffentlichen und privaten Gymnasien Baden-Württembergs zwischen 1990 und 2011 kaum verändert. Sie sind von 2,4 (1990) auf 2,29 (2006) gestiegen, seitdem aber wieder auf 2,37 (2011) gefallen. Gleichwohl beklagen sich die Universitäten zunehmend darüber, dass den Studienanfängern wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten fehlen. Sie kritisieren, dass sich aus den Abiturnoten keine Aussagen über nichtfachliche Qualitäten und Begabungen der jungen Menschen ableiten lassen. Deshalb verlangen Hochschulen von ihren Bewerbern immer häufiger eine Zugangsprüfung. Dem Abitur allein trauen sie nicht mehr.
Das Vorgehen der Hochschulen ist nachvollziehbar. Denn die Vorbereitung auf die Prüfung orientiert sich an bisherigen Abituraufgaben und entspricht dem unter Pädagogen verpönten Teaching to the Test: Die Schüler pauken, um die Prüfung zu bestehen, nicht um sich weiterzubilden. Diese Methode ist mindestens genauso überholt wie der Frontalunterricht.
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Aus all diesen Punkten folgt, dass das Abitur abgeschafft werden kann. Die Ergebnisse aus der Sekundarstufe II reichen völlig aus, um die schulische Leistungsfähigkeit der Schüler festzustellen. Die Abiturprüfungen sind lediglich das dramatische Finale der Oberstufe, dass allen Schülern und den Kultusbehörden zu einem Happy End verhelfen soll. Sie verursachen an den Schulen einen großen logistischen Aufwand und stören den regulären Unterrichtsbetrieb.
Diesen Aufwand und die damit verbundenen Kosten könnten sich Länder und Schulen sparen. Sie sollten das Abitur abschaffen.








das war so abwegig, dass keiner auf die Idee kommt, es für bare Münze zu nehmen. Aber ich stimme Ihnen zu, es kann nichts zu bescheuert sein, um in Deutschland hoffähig zu sein.
(...ich find's gerade auf die Schnelle nicht wieder), der da meinte, nach so vielen Jahren auf dem Gymnasium müßte die Schule ihre Pappenheimer auch ohne Prüfung gut genug kennen, um ihnen die Hochschulreife zu bescheinigen:
Was denken Sie denn, was passiert, wenn das Gymnasium einigen Schülern diese Bescheinigung ohne Prüfung verweigert? Einfach mit der Begründung, man kenne den Schüler eben gut genug? Dann ist aber Holland in Not.
Und nicht vergessen: Sitzenbleiben ist ja inzwischen auch verpönt. Da hätte die Schule dann die Wahl zwischen Scylla und Charybdis: Entweder, sie legen sich mit den Schülern und Eltern an, weil sie den Kandidaten vorher sitzen bleiben lassen, oder sie legen sich mit ihm an, weil sie ihm die Bescheinigung der Hochschulreife verweigern.
Ich erinnere mich gerade an das Titelbild der Abizeitung unseres Jahrgangs 1988. Es stellte eine Klorolle dar, deren einzelne Blätter wie ein Abizeugnis gestaltet waren...
Das Abi wird heutzutage auf andere Weise erreicht, und infolgedessen auch anders bewertet. Wo ist also das Problem? Konsequent wäre es vielleicht, diese Prüfung umzubenennen, notwendig ist es aber nicht.
Ohne Interesse für Prüfungen zu pauken (und hinterher alles zu vergessen) ist übrigens auch kein schulspezifisches Phänomen, sondern noch viel mehr an Unis gang und gäbe. Um dieses Bulimie-Lernen zu verhindern, müsste das ganze Bildungssystem umgestürzt werden, die Abschaffung des Abis würde rein gar nichts daran ändern.
Nebenbei bemerkt halte ich auch Frontalunterricht, aufmerksame Lehrer und nicht zu große Klassen vorausgesetzt, für die sinnvollste Methode. In Teamarbeit Aufgaben lösen zu sollen, bedeutet fast immer, dass die motivierten oder klügeren Schüler beim Arbeiten gestört werden, während die anderen sich in deren Windschatten ausruhen können. Ebenso werden Referate ganz oft von den Eltern vorbereitet, statt von den Schülern selbst.
schwach ist er nicht gewesen, er hat nur nicht seinen Kopf benutzt.
Seine Mutter war / ist auch Lehrerin gewesen.
Aber er hing halt sehr am Auswendig lernen und daran scheiter man frpüher oder später, vorallem wenn man in literaturlastigen Fächern bestehen muss.
Also die Mär, das Geschichte und Sozialwissenschaften "Not-Abitur" sei, sollte man vergessen, denn gerade diese Fächer bereiten auf Text-Analyse vor und helfen wichtiges von weniger wichtigem zu trennen.
Diesen Fehler machen Kommentatoren ziemlich häufig.
Ich kann den Autor dieses Artikels absolut nicht verstehen.
Es zählt doch nicht, wofür das Abitur einst eingeführt wurde sondern wofür es heute steht.
Ich gebge zu, dass es nicht in allen Ländern Ideal ist, ich kenne viele Leute aus NRW und muss gestehen, dass deren Abitur auf mich um Meilen einfacher schien als jenes welches ich gerade hier in Sachsen ablege.
Ich bin für ein deutschlandweit einheitliches Abitur, aber das wird nur möglich sein, wenn in jedem Bundesland gleiche Vorraussetzungen herrschen, also ein einheitliches Schulsystem mit einheitlichem Lehrplan. Solange das jedoch Ländersache ist können wir ewig auf ein deutsches Zentralabitur warten.
Ich kann nur bestätigen, dass das Abitur überhaupt die größte Stützte für mich war. Es hat mich all die Jahre angetrieben zu lernen, man hatte eben ein Ziel vor den Augen. Ich denke diese letzte Prüfung ist wichtig, damit Schüler in den höheren Klassen nicht absacken, da es ja eh "gleich vorbei" ist.
Es ist Motivation, ein Ziel vor Augen, etwas bei dem man sich beweisen kann.
Und ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, hier in Sachsen definitiv nicht einfach. Ich habe so zumbeispiel in Physik immer zwischen 1 und 2 geschwankt und habe in den Vorprüfungen mit ach und krach eine 3 bekommen. Das Abitur ist anspruchsvoller als jede sonstige Prüfung. Und ich finde deswegen hat es zu bleiben.
Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass in der Regel nur Schüler am Abi teilnehmen, denen man zutraut es zu bestehen.
>Und nein ich bin weder hochintelligent noch gut im Auswendiglernen
Mit 2,9 im heutigen Billig-Abitur ist es nicht nötig, das noch einmal herauszsutellen. Das erschließt sich einem von selbst.
Unter 2,2 sollte man am besten gar nicht über seinen Schnitt reden.
Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.
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